Freiheit und Liebe sind die Folge der Übung an sich selbst, der inneren Arbeit, der Meditation. Der einzig an die Strenge der Formen hingegebene Muslim kann diese innere Freiheit aus seiner Religion heraus nicht wollen. Aber der freie Muslim kann es aus seiner Religiosität heraus. Er hat sie über Jahre durch die Liebe zum Islam entwickelt und gepflegt, wie der Mitmensch es im traditionellen Christentum oder der andere es im Judentum getan hat – jetzt kommt es für alle drei darauf an, das Praktizierte verwandelt einfließen zu lassen in ihre Menschlichkeit und als Leben. Lessing hat es in seiner Ringparabel vorausgefühlt: Die Zeit der Religionen geht vorbei, die Zeit einer allgemeinen Religiosität steht vor den Pforten. Sie wird in der Ehrfurcht vor dem Ich des anderen bestehen.

- Andreas Laudert -

Heft 8/9, 2016

Schwerpunkt: Abrahams Kinder

  • Ein Koran ohne Mohammed?
  • Israel von innen gesehen
  • Wahrheitsgefühl und Religion