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Phlegmatiker im Frühling

Hoffnung und Tragödie, Karma und Beziehung

Zum Heft ›Vom auserwählten Volk‹, die Drei 1-2/2017

Daniele Ganser:Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren

Mut zur Wahrheit

Iván Gómez Avilés:Der Baugedanke des Goetheanum – Geometrie und Esoterik

Ein Problem der Methode

Marica Bodrožić:Das Wasser unserer Träume

Erwachen in ein neues Leben

Kurz notiert

Der europäische Dialog

Ich und Europa III

1. »Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da« – diese Aussage Antigones stammt aus dem gleichnamigen Stück des griechischen Tragikers Sophokles. Der Chor teilt mit: »Sie [Antigone] ist autonómos.« Autonom... [mehr]

1. »Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da« – diese Aussage Antigones stammt aus dem gleichnamigen Stück des griechischen Tragikers Sophokles. Der Chor teilt mit: »Sie [Antigone] ist autonómos.« Autonom und individuell handelnd ist Antigone nicht nur aufgrund der Widersetzlichkeit gegen das Verbot der Bestattung ihres Bruders, sondern vor allem deshalb, weil sie mitlieben und eben nicht mithassen will. Antigone vollzieht die Doppelbewegung von Autonomie und Liebe. Die Doppelbewegung des Ich, das in der zentrischen Freiheit und in der sphärischen Liebe lebt, in Selbstbestimmung und Weltoffenheit, im Weg nach innen und im Weg nach aussen, im freilassenden Tun und in der tätigen Gelassenheit.

Poesie der Pigmente

Zur Ausstellung ›Poesie der venezianischen Malerei‹ in der Hamburger Kunsthalle

Bei Regenwetter nach Hamburg zu fahren ist kein Vergnügen, schon gar nicht bei leichtem Regen, der kaum durchnässt, aber alles grau in grau erscheinen lässt und das Gemüt niederdrückt. Nur gut, dass die Kunsthalle nahe... [mehr]

Bei Regenwetter nach Hamburg zu fahren ist kein Vergnügen, schon gar nicht bei leichtem Regen, der kaum durchnässt, aber alles grau in grau erscheinen lässt und das Gemüt niederdrückt. Nur gut, dass die Kunsthalle nahe am Bahnhof liegt, und dass die Binnenalster durch die Spiegelung ein wenig Licht herüberwirft. Nach meiner Besichtigung der Ausstellung sah die Welt ganz anders aus. Die Leuchtkraft der über vierhundert Jahre alten Bilder hatte meine Wahrnehmung verändert. (Nicht besonders nachhaltig übrigens, denn nach einem Fußweg hinüber zum Bucerius-Kunstforum – es regnete weiterhin – und nachdem ich die dortige, noch bis zum 1. Mai geöffnete Paula-Modersohn- Becker-Ausstellung besichtigt hatte, war meine Wahrnehmung ein weiteres Mal verändert.) Mich ließ das einmal mehr nachdenken über das Verhältnis zwischen Kunst und Leben.

Ritter, Reiter – im Frühling

Eine Theaterinszenierung und eine Ausstellung in München

Vorhang auf!Während ich dies schreibe, schaue ich zurück. Ich versetze mich voraus in den April und schaue durch die Augen des Lesers zurück, um von dorther auf das aktuell Entstehende Einfluss zu nehmen. Soll... [mehr]

Vorhang auf!

Während ich dies schreibe, schaue ich zurück. Ich versetze mich voraus in den April und schaue durch die Augen des Lesers zurück, um von dorther auf das aktuell Entstehende Einfluss zu nehmen. Soll es nämlich im April – dem vermutlichen Erscheinungsdatum – noch etwas besagen, dann muss ich die Zeit buchstäblich aufheben und zurückwerfen. Die Bewusstseinsgeste der Zukunft gegenüber ist kein Vorwärts-Tasten mit dem Blindenstock im Dunkeln; es ist Vorwurf und Rückblick der Phantasie an der Wegkehre, an der Wasserscheide der Zeit, wo die Ströme sich trennen. Wo etwas Zukunft wird, was vergangen war.

Das Lächeln des Teufels

Erfahrungen mit René Magritte in der Frankfurter Schirn

Die Bilder von René Magritte (1898-1967) sind kühl und wirken auf den ersten Blick höchst realistisch. Obwohl sie den Regeln der Perspektive zu folgen scheinen, lassen sie kein Erlebnis von Tiefe aufkommen; das verhindert... [mehr]

Die Bilder von René Magritte (1898-1967) sind kühl und wirken auf den ersten Blick höchst realistisch. Obwohl sie den Regeln der Perspektive zu folgen scheinen, lassen sie kein Erlebnis von Tiefe aufkommen; das verhindert schon die auf pure Oberflächengestaltung angelegte Malweise. So geht es auch nicht um Innerlichkeit oder Stimmungen, in die ich mich hineinleben kann. Was bleibt, sind Irritationen, die nur denkend aufzulösen sind, und allein darin liegt die Transzendenz dieser Bilder: Ich lerne an ihnen etwas über mein Sehen und Vorstellen. Was ich auf dem Bild sehe, bleibt jedoch irritierend, und genau das macht Magrittes Kunst aus.

Verführt von Wunsch und Wagemut

Eine Betrachtung des Bildes ›Tantalus‹ von Gioacchino Assereto

Vor genau 100 Jahren veröffentlichte Rudolf Steiner die Schrift ›Von Seelenrätseln‹. Darin wird u.a. ausgeführt, wie Denken, Fühlen und Wollen mit der physisch-ätherischen Leibesgrundlage des Menschen zusammenhängen. Vor... [mehr]

Vor genau 100 Jahren veröffentlichte Rudolf Steiner die Schrift ›Von Seelenrätseln‹. Darin wird u.a. ausgeführt, wie Denken, Fühlen und Wollen mit der physisch-ätherischen Leibesgrundlage des Menschen zusammenhängen. Vor diesem Hintergrund kann auffallen, dass zwei noch heute berühmte Gestalten der griechischen Mythologie, Sisyphos und Tantalos, extrem einseitige Ausprägungen des dreigliedrigen Menschen darstellen. Es wurde bereits gezeigt, dass bei Sisyphos das Denken alles beherrscht und er sich dadurch vom Kosmos abschnürt.Im vorliegenden Beitrag wird mithilfe des Bildes ›Tantalus‹ – das der Genueser Künstler Gioacchino Assereto um 1640 malte – entwickelt, wie die sprichwörtlich gewordenen Tantalos-Qualen damit zusammenhängen, dass diese tragische Gestalt den ins Bewusstsein drängenden Willenskräften nicht gewachsen war.

Der Doppelgänger und seine Verwandlung

Das Wesen des Ichs an der Schwelle

Die Geburt des höheren Ichs im Menschen und der Umgang mit dem eigenen Doppelgänger stehen in einem unmittelbaren Verhältnis zueinander. Ohne das Anschauenlernen und Verwandeln des eigenen Doppelgängers kann das höhere... [mehr]
Die Geburt des höheren Ichs im Menschen und der Umgang mit dem eigenen Doppelgänger stehen in einem unmittelbaren Verhältnis zueinander. Ohne das Anschauenlernen und Verwandeln des eigenen Doppelgängers kann das höhere Ich nicht in einer guten und gesunden Art zur Geburt gebracht werden. Warum, kann man fragen, haben diese beiden Dinge einen so engen Zusammenhang? Andere Weltanschauungen, die das Ich nur mit dem Egoismus identifizieren, kennen den Doppelgänger und die Schwelle nicht.