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Hoffnung auf Erlösung

Rüdiger Sünners Filmessay über Paul Celan

Es ist die fünfte Premiere eines Rüdiger-Sünner-Films in der Urania, an diesem 28. Februar 2017. Zahlreiche Besucher sind gekommen. Aber wer weiß wirklich etwas von Paul Celan? Bevor der Film beginnt, spricht Sünner... [mehr]

Es ist die fünfte Premiere eines Rüdiger-Sünner-Films in der Urania, an diesem 28. Februar 2017. Zahlreiche Besucher sind gekommen. Aber wer weiß wirklich etwas von Paul Celan? Bevor der Film beginnt, spricht Sünner als Regisseur ein paar einleitende Worte. Vor fünf Jahren habe er zum ersten Mal die Idee gehabt, dem Dichter ein Denkmal zu setzen. Es sei dies einer seiner persönlichsten Filme geworden, an den er sich anfangs, wegen der Dunkelheit von Celans Leben und Werk, kaum herangewagt habe. Doch dann begegnete ihm die Kabbala, die jüdische Geheimlehre, und diese sei ihm zum Schlüssel für Celan geworden – und zum zweiten Erzählstrang des Films. Es wird dunkel im Saal. Zuerst erscheint auf der Leinwand ein Motto von Franz Kafka: »Wenn auch keine Erlösung kommt, so will ich doch jeden Augenblick ihrer würdig sein.«

Eurhythmisch denken

Die Gebärden des Verstehens

Wenn ich denkend ergreife, erfasse, verstehe, dann begegne ich, denkend-wahrnehmend, nicht einer steif vor mir stehenden Realität, einem in sich gefangenen, verschlossenen Gegen-Stand. Die Gegenwart des Verstehens west vielmehr... [mehr]

Wenn ich denkend ergreife, erfasse, verstehe, dann begegne ich, denkend-wahrnehmend, nicht einer steif vor mir stehenden Realität, einem in sich gefangenen, verschlossenen Gegen-Stand. Die Gegenwart des Verstehens west vielmehr in mir als Empfindung eines dynamischen Gleichgewichtes, einer Harmonie zwischen meinem Ich und dem durch das Denken verstandenen Wesen; einer Harmonie, die durch mich in einem Augenblick jenseits von Raum und Zeit knospet. Diese Harmonie wird aber unmittelbar zu einem stimmigen zeitlichen Verhältnis, zu einem stimmigen Rhythmus, der in der verstehenden Begegnung blüht. Und durch das Klingen dieses Rhythmus’ offenbaren sich wiederum mein Ich und das verstandene Wesen räumlich-zeitlich in einer Form, die ohne das Verstehen nicht hätte geboren werden können: Das räumlich-zeitliche Sein wird durch mein Verstehen reicher, und mein Verstehen ist die Schöpfung neuer Formen des Seins. Schule ich mich nun darin, die seinsschaffende Dimension des Begreifens, Verstehens wahrzunehmen, so offenbart sich mir das begreifende, verstehende Denken als Tätigkeit, die in der aktiven Bildung stimmiger, guter, schöner Rhythmen west. Begreifendes, verstehendes Denken ist, anders gesagt, wortwörtlich eurhythmisch – denn »eu-« ist das altgriechische Präfix, das auf »gut, schön, stimmig, harmonisch« hinweist.

Columban in den Wellen

Westliche Spiritualität und die Sinneswelt

Es wird berichtet, dass der Hl. Columban von Iona (521-597) immer wieder Orte in der Natur aufsuchte, wo er sich in Einklang mit Gott bringen konnte. Der Kontakt zu sich selbst und zu spirituellen Quellen wurde im frühen... [mehr]

Es wird berichtet, dass der Hl. Columban von Iona (521-597) immer wieder Orte in der Natur aufsuchte, wo er sich in Einklang mit Gott bringen konnte. Der Kontakt zu sich selbst und zu spirituellen Quellen wurde im frühen irisch-keltischen Christentum gerne im Freien, draussen in der Natur gesucht. Auch in der ›Vita Columbani‹, der Biografie Columbans des Jüngeren (Columban von Luxeuil, 540-615) oder in der Biografie des Hl. Gallus (550-640) heisst es, dass sich die iro-schottischen Mönche öfters für längere Zeiten in HoÅNhlen oder Wald-Einöden zurückzogen, um dort Kraft zu sammeln, sich und Gott in der Meditation zu finden und erneut inneren Anschluss an ihre Mission zu erfahren. Schon vor der Strömung des iro-schottischen Christentums im 5. bis 8. Jahrhundert, in der druidischen Kultur der Kelten, war diese Haltung selbstverständlich, aber noch weniger an Innerlichkeit gebunden. Der Geist war draussen in der Natur, in den Elementen gegenwärtig und wurde auch dort in den druidischen Gottesdiensten verehrt.

Das Herzorgan bei Aristoteles und Joseph Beuys

Aristoteles war der erste Denker, der das Herz naturwissenschaftlich erforschte. Allerdings konnte er dieses noch als einen Mittler zwischen übersinnlicher und irdischer Welt begreifen. Die moderne Naturwissenschaft hingegen... [mehr]

Aristoteles war der erste Denker, der das Herz naturwissenschaftlich erforschte. Allerdings konnte er dieses noch als einen Mittler zwischen übersinnlicher und irdischer Welt begreifen. Die moderne Naturwissenschaft hingegen schaut das Herz rein unter äußeren Gesichtspunkten an. Ein zentrales Anliegen von Joseph Beuys war es, Kunst und Naturwissenschaft zu verbinden. Der vorliegende Beitrag zeigt, wie er in dieser Intention an den Herzbegriff des Aristoteles anknüpfte.

Zur historischen Geburt der Mathematik als Wissenschaft

Facetten der erwachenden Verstandesseele

Ich möchte hier den Blick auf den fulminanten Beginn der Mathematik als Wissenschaft im europäischen Raum richten, der mit dem allgemeinen Erwachen der Verstandesseele in der griechischen Antike einherging. Bereits der... [mehr]

Ich möchte hier den Blick auf den fulminanten Beginn der Mathematik als Wissenschaft im europäischen Raum richten, der mit dem allgemeinen Erwachen der Verstandesseele in der griechischen Antike einherging. Bereits der Auftakt dieser Entwicklung selbst stellt eines der besonders tief beeindruckenden Ereignisse der europäischen Geistesgeschichte dar. Außerdem trägt dieser Beginn signaturhaft bereits alle wesentlichen Züge, welche den weiteren Entwicklungsverlauf bestimmen. Bevor ich sechs Einzelphänomene als Momente der europäischen Geburt der Mathematik genauer darstelle,soll die Schilderung der Gesamtbewegung während der entscheidenden ersten 300 Jahre zur Orientierung und als roter Faden vorangestellt werden.

Der Punkt ohne Wiederkehr

Neue Versuche zur Willensfreiheit

Lässt das Gehirn Willensfreiheit zu oder sind wir vom Gehirn gesteuert? Ist das menschliche Handeln dem Zufall überlassen oder ist der Mensch frei, über sein Tun und Lassen zu entscheiden? Dieser Fragekomplex ist durch neue... [mehr]
Lässt das Gehirn Willensfreiheit zu oder sind wir vom Gehirn gesteuert? Ist das menschliche Handeln dem Zufall überlassen oder ist der Mensch frei, über sein Tun und Lassen zu entscheiden? Dieser Fragekomplex ist durch neue Experimente einer Arbeitsgruppe an der Berliner Charité um eine interessante Variante bereichert worden. Die Versuche zeigen, dass man sowohl fest geplante als auch unwillkürlich impulsive Handlungen unterlassen kann, wenn vor dem Vollzug noch mindestens 1/5 Sekunde Zeit bleibt. Es gibt somit eine Freiheit des negativen Handelns oder Unterlassens. Ist allerdings dieser Zeitpunkt überschritten, gibt es kein Zurück mehr (»Point of No Return«).

»Die Afrikaner werden ihren eigenen Weg finden«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Alex Perry

Afrika befindet sich im Aufbruch. Der britische Afrika-Experte Alex Perry bereiste zehn Jahre lang den Kontinent, sprach mit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft und erlebte ein Afrika, das nicht nur von Hunger,... [mehr]

Afrika befindet sich im Aufbruch. Der britische Afrika-Experte Alex Perry bereiste zehn Jahre lang den Kontinent, sprach mit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft und erlebte ein Afrika, das nicht nur von Hunger, Katastrophen und Kriegen bestimmt wird, sondern selbstbewusst seinen Weg sucht. Den Menschen südlich der Sahara prognostiziert Perry ein Entkommen aus der Armut und eine Befreiung von westlicher Einmischung und Bevormundung. Aus eigener Kraft werden die Menschen den wirtschaftlichen Aufschwung schaffen. Damit werde auch dem Rassismus der Boden entzogen. In seinem Buch ›In Afrika. Reise in die Zukunft‹ (S. Fischer, Frankfurt a. M. 2016) zeigt Perry, dass der Prozess der Veränderung längst begonnen hat. Was hinterherhinkt, ist unsere Sicht auf Afrika.

Die Fragenden sind nicht die Herrschenden

Eine Berührung mit Äthiopien

Die Rinder der Hamar sind schön – und ihre Schönheit ist wahr. Silberbeiges, hellbraunes, sandfarbenes, erdrotes Fell, manchmal gesprenkelt in schwarz. Es ist sauber, kurz, weich. Die Hamar verzieren ihre Tiere mit Schmucknarben,... [mehr]

Die Rinder der Hamar sind schön – und ihre Schönheit ist wahr. Silberbeiges, hellbraunes, sandfarbenes, erdrotes Fell, manchmal gesprenkelt in schwarz. Es ist sauber, kurz, weich. Die Hamar verzieren ihre Tiere mit Schmucknarben, in einfacher Ornamentik. Und wenn einige von ihnen dich streifen, auf der Straße, an einem Engpass dir näher kommen: Hab keine Angst. Die ist nicht nötig. Im Staub der Erde, im Lehm ihrer Hütten, im Kuhdung auf dem Boden wirken die Hamar im Reinen mit sich. Warme Sonne, trockene Erde, die Weite – nicht der Welt, aber ihres Landes – steht in den Gesichtern. Der Gesang der Männer ist tiefdunkel und sanft. Sie wissen, wer sie sind. Am ausgetrockneten Flusslauf haben sie Wasserlöcher gegraben, um sich und ihr Vieh zu tränken. Am Morgen und am Abend kommen sie dorthin, waschen sich und ihre Kinder, schöpfen den Kühen den ausgehöhlten Baumstamm mit frischem Wasser voll. Die Bienen im Wasserloch sind keine Bedrohung für sie. Und sie nehmen sich die Zeit, dort zu verweilen in den langen Schatten der Abendsonne. Der Schwiegervater der jungen Mutter kommt dazu und fragt belustigt, wie die Ferenji, die Fremden, die Weißen hierher kommen. Ich deute auf den Himmel, wir sind vom Himmel gefallen. Darauf ertönt dieser Hamar-Verwunderungslaut, der leicht und staunend, aber doch kräftig und anwesend klingt. Der Alte lacht.

Zu diesem Heft

Anfang April erreichte uns die Nachricht vom überraschenden Hingang unseres Altredakteurs Dietrich Rapp. Tätig bis zuletzt hatte er noch erwogen, sich in die Diskussion über die kantische Maximenethik einzubringen, die... [mehr]

Anfang April erreichte uns die Nachricht vom überraschenden Hingang unseres Altredakteurs Dietrich Rapp. Tätig bis zuletzt hatte er noch erwogen, sich in die Diskussion über die kantische Maximenethik einzubringen, die Marcus Andries vorigen Oktober in unserer Zeitschrift angestoßen hatte. Mit diesem zusammen hat er sogar überlegt ein Buch zu diesem Thema zu verfassen. Trotz vieler solcher abgeschnittener Fäden bleibt sein Lebenswerk als ein reiches Gewebe zurück. Wir werden demnächst ausführlicher seiner gedenken. – Der Schwerpunkt des vorliegenden Heftes aber hätte ihm, der zeitweilig als Physiker am Max Planck Institut für Strömungsforschung gearbeitet hatte, wahrscheinlich gefallen, denn die versammelten Texte kreisen alle – mehr oder weniger eng – um das Thema der Naturwissenschaft.

Phlegmatiker im Frühling

Hoffnung und Tragödie, Karma und Beziehung

Zum Heft ›Vom auserwählten Volk‹, die Drei 1-2/2017

Daniele Ganser:Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren

Mut zur Wahrheit