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»Es hört doch jeder nur, was er versteht ...«

Zur Neuherausgabe von Rudolf Steiners »Volksseelenzyklus«

Größe und Bedeutung des Werkes Rudolf Steiners geben sich nicht allein in seinen Inhalten und Wirkungen zu erkennen, sondern zeigen sich auch an Werkindividualitäten mit besonderen Werkbiographien. Als herausragende Beispiele... [mehr]

Größe und Bedeutung des Werkes Rudolf Steiners geben sich nicht allein in seinen Inhalten und Wirkungen zu erkennen, sondern zeigen sich auch an Werkindividualitäten mit besonderen Werkbiographien. Als herausragende Beispiele können die ›Philosophie der Freiheit‹, die ›Theosophie‹ oder die ›Geheimwissenschaft‹ genannt werden, deren Publikations- und Rezeptionsgeschichte in gut dokumentierter Weise vorliegen. Aber auch einige Vortragsreihen, die vom Autor selbst überarbeitet wurden, tragen diesen besonderen Charakter.

»Man muss die Natur aus dem Menschen erkennen«

Rudolf Steiners Auffassung der Evolution von Mensch und Tier II

Wie und warum haben sich Menschen auf der Erde entwickelt? Seit Charles Darwin scheint diese Frage für wissenschaftlich Denkende prinzipiell geklärt zu sein. Fragt man aber einzelne Menschen, ob sie wirklich glauben, dass... [mehr]

Wie und warum haben sich Menschen auf der Erde entwickelt? Seit Charles Darwin scheint diese Frage für wissenschaftlich Denkende prinzipiell geklärt zu sein. Fragt man aber einzelne Menschen, ob sie wirklich glauben, dass sie ein Produkt des Zufalls sind, so fällt die Antwort oft nicht so eindeutig aus. Aber wie lässt sich das Entstehen des Menschen mit naturwissenschaftlichen Fakten vereinbaren, wenn man nicht den Zufall und einen blinden Selektionsmechanismus als Ursachen der Evolution annehmen will? Rudolf Steiner bietet zu dem letztlich trostlosen Darwinismus eine auf spiritueller Anschauung beruhende Alternative, die in einem vorangehenden Aufsatz in ihren Grundzügen dargestellt wurde. Nach Steiner existierte der Mensch geistig schon von Anfang der Erdentwicklung an und hat die Tiere nach und nach aus seinem Wesen herausgesondert. Durch die aufsteigende Tierreihe bildete sich eine körperliche Organisation aus, in der zuletzt der Mensch – sein geistiges Wesen ausdrückend – auch in physischer Gestalt erscheinen konnte. Damit verkörpert er nicht nur sein eigenes, sondern auch das wirkende Urbild des gesamten Tierreiches.

Wurzelfragen

Über die Notwendigkeit einer Neuauflage der ›Philosophie der Freiheit‹ im Jahre 1918

Die Vorrede zur Neuauflage der ›Philosophie der Freiheit‹ beginnt Rudolf Steiner mit dem einprägsamen Satz: »Zwei Wurzelfragen des menschlichen Seelenlebens sind es, nach denen hingeordnet ist alles, was durch dieses... [mehr]

Die Vorrede zur Neuauflage der ›Philosophie der Freiheit‹ beginnt Rudolf Steiner mit dem einprägsamen Satz: »Zwei Wurzelfragen des menschlichen Seelenlebens sind es, nach denen hingeordnet ist alles, was durch dieses Buch besprochen werden soll.« Dieser Eröffnungssatz ist eingängig und zugleich etwas widerborstig. Ich liebe an ihm vor allem das Wort »Wurzelfragen«. Das von Steiner – der sonst nicht vor Wiederholungen zurückschreckte – nur hier verwendete Wort hat es in sich: Es ruft Bilder und Vorstellungen hervor, verführt zu Assoziationen und kann zu tiefen Gedanken – man könnte auch sagen: Meditationen – anregen.  Benötigt man einen Anlass, sich mit diesem Wort zu befassen, so kann man sich unauffällig unter die Zelebranten großer und kleiner historischer Jubiläen mischen, denn es jährt sich nächstes Jahr das Erscheinen dieser Vorrede zum hundertsten Mal. Aus Christoph Lindenbergs Chronik wissen wir, dass Steiner im Frühjahr 1918 an die Überarbeitung des Buches ging. Gedenken wir stets der Wiederkehr jener Themen, die Steiner vor just hundert Jahren behandelte, dann steht jetzt das Weltkriegsjahr 1917 auf dem Proszenium, aber die Spieler des folgenden Jahres stehen für ihren Auftritt bereit in der Gasse, während die des Vorjahres ihren Text kaum zu Ende gesprochen haben.

Innere und äußere Aspekte der Sozialen Frage

Die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus und die Problematik des »bürgerlichen Denkens«

Im Februar 1919 wendet sich Rudolf Steiner in Zürich mit seinen Ideen zur Sozialen Frage das erste Mal an eine breite Öffentlichkeit. Im Wechsel mit seinen öffentlichen Vorträgen spricht er zu Mitgliedern des Züricher... [mehr]

Im Februar 1919 wendet sich Rudolf Steiner in Zürich mit seinen Ideen zur Sozialen Frage das erste Mal an eine breite Öffentlichkeit. Im Wechsel mit seinen öffentlichen Vorträgen spricht er zu Mitgliedern des Züricher Zweiges der Anthroposophischen Gesellschaft. Die öffentlichen Vorträge finden sich im Zyklus ›Die Soziale Frage‹; die Mitgliedervorträge sind im Zyklus ›Der innere Aspekt des sozialen Rätsels‹ veröffentlicht. Das Stenogramm seiner Züricher öffentlichen Vorträge hat Rudolf Steiner der Ausarbeitung des im April 1919 erschienen Buches ›Die Kernpunkte der sozialen Frage‹ zugrunde gelegt. Im vorliegenden Beitrag wird versucht, die damals dargelegten inneren und die äußeren Aspekte der Dreigliederung zusammenzuschauen.

 

Gesellschaftliche Resilienz

Anmerkungen zu einer notwendigen Qualität

Wer kennt nicht die schnappschussartige Erinnerung an eine einzelne Szene oder an einen einzelnen ausgesprochenen oder geschriebenen Satz, vielleicht weit zurückliegend, aber noch lebendig, wie wenn es eben gewesen wäre?... [mehr]

Wer kennt nicht die schnappschussartige Erinnerung an eine einzelne Szene oder an einen einzelnen ausgesprochenen oder geschriebenen Satz, vielleicht weit zurückliegend, aber noch lebendig, wie wenn es eben gewesen wäre? Die meisten damals erwachsenen Menschen erinnern sich beispielsweise genau an die konkrete Situation, in der sie sich befanden, als sie am 11. September 2001 die Nachricht von den brennenden und einstürzenden Wolkenkratzern in New York erreichte. Oft ist im Moment allerdings nicht einmal so klar, weshalb sich gerade diese Erinnerung so tief eingegraben hat. Viel später erst, im Rahmen eines selber oder von anderen thematisierten Zusammenhangs, taucht diese plötzlich wieder auf und fügt sich in ein aktuelles Thema ein. Von zwei solchen Erinnerungen ist hier die Rede – und anschließend von ihrer Einordnung in das Thema ›gesellschaftliche Resilienz‹.

Politik-Lese

Jeder sechste Bundesbürger lebt in Deutschland offiziell in Armut. Ein Fünftel der Erwerbstätigen ist im Niedriglohnsektor beschäftigt. Diese Elendsskala erfasst noch nicht die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Diese... [mehr]

Jeder sechste Bundesbürger lebt in Deutschland offiziell in Armut. Ein Fünftel der Erwerbstätigen ist im Niedriglohnsektor beschäftigt. Diese Elendsskala erfasst noch nicht die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Diese nackten Zahlen hätten einen anderen Wahlausgang erwarten lassen. Doch was gab es zu wählen für dieses Land, das eine neue Sozialpolitik braucht?  Außer der Linken, die weiterhin unter sozialistischem Ideologieverdacht steht, gibt es keine Partei, die sich radikal zur gesellschaftlichen Wirklichkeit bekennt. Die Linke trägt schwer an ihrem Erbe, ihre politische Theorie ist Vergangenheit, daher kommt sie mit ihren Zielen nicht in der Gegenwart an. Doch sie zeigt sich immerhin an der Realität orientiert. Alle anderen Parteien leiden mehr oder minder an Realitätsverlust. Ihre in der Vergangenheit konzipierten Identitäten sind weggebrochen.

Die Insel der Zufriedenen

Die Idee einer sogenannten Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP fasziniert seit der Bundestagswahl 2005 wenn nicht die Bevölkerung, so doch die Protagonisten des politischen Diskurses in Deutschland. Der Begriff... [mehr]

Die Idee einer sogenannten Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP fasziniert seit der Bundestagswahl 2005 wenn nicht die Bevölkerung, so doch die Protagonisten des politischen Diskurses in Deutschland. Der Begriff selbst wurde rund zehn Jahre früher im rheinischen Dormagen geprägt, als dem Redaktionsleiter eines örtlichen Anzeigenblatts, der gerade einen Karibik-Urlaub vorbereitete, die Ähnlichkeit zwischen der jamaikanischen Flagge und der Farbkombination einer möglichen Koalition im Stadtrat auffiel, dessen Wahl 1994 anstand. Aber erst 2005 verdrängte dieser Begriff den der »Schwarzen Ampel« oder »Schwampel«, der schon früher für dieselbe politische Konstellation erfunden worden war. Das war kein Zufall: »Schwampel« klingt nach einem widernatürlichen Hybrid, und als ein solches erschien die Verbindung von Christdemokraten und Grünen, solange jene noch von Helmut Kohl und diese von Alt-68ern angeführt wurden. Nachdem aber Angela Merkel durch politischen Vatermord an die Spitze ihrer Partei gelangt war und sie mit zäher Klugheit auf Modernisierungskurs gebracht hatte, erschien die Vorstellung eines solchen Bündnisses nicht mehr als abwegig, sondern als reizvolle, wenn auch ferne Perspektive. Dazu passte der Name der exotischen Karibikinsel viel besser.

Der Aufstieg Emmanuel Macrons und die Zukunft Europas

Teil II: ›Europa der Staaten‹ oder ›Europa der Eliten‹?

Wie in Teil I gezeigt, war Emmanuel Macrons Wahl zum französischen Staatspräsidenten möglich, weil bestimmte Netzwerke im Hintergrund die entsprechenden Fäden gezogen haben. Der II. Teil beleuchtet anhand des Gegensatzes... [mehr]

Wie in Teil I gezeigt, war Emmanuel Macrons Wahl zum französischen Staatspräsidenten möglich, weil bestimmte Netzwerke im Hintergrund die entsprechenden Fäden gezogen haben. Der II. Teil beleuchtet anhand des Gegensatzes zwischen Charles de Gaulle und Jean Monnet die historischen Hintergründe dieser Netzwerke. De Gaulle hatte ein sehr gutes Gespür für die Intention Franklin D. Roosevelts und der mit ihm verbundenen Kreise. Nachdem es zunächst nicht gelang Frankreich zu einem amerikanischen Protektorat zu machen – der Widerstand de Gaulles war zu stark –, wurde diese Intention auf dem Weg der Schaffung transatlantischer Netzwerke verfolgt. Das Europa Jean Monnets ist das Europa dieser Netzwerke. Die Zukunft Europas wird davon abhängen, ob es gelingt, Geistesleben und Rechtsleben so zu trennen, dass die europäischen Staaten nicht unter den Einfluss wirtschaftlicher Gruppeninteressen gelangen können.

L’ascension d’Emmanuel Macron et l’avenir de l’Europe

2ère Partie:«Europe des États» ou bien «Europe des élites»?

Zu diesem Heft

Ungewöhnlich umfangreich ist in diesem Heft der dem Zeitgeschehen gewidmete Teil. Das hängt mit unserem Schwerpunkt zusammen, der die Bedeutung geistiger Impulse für das gesellschaftliche Zusammenleben in den Blick nimmt.... [mehr]

Ungewöhnlich umfangreich ist in diesem Heft der dem Zeitgeschehen gewidmete Teil. Das hängt mit unserem Schwerpunkt zusammen, der die Bedeutung geistiger Impulse für das gesellschaftliche Zusammenleben in den Blick nimmt. Historische Zusammenhänge, grundsätzliche Gesichtspunkte und aktuelle Entwicklungen werden dabei in verschiedenen Beiträgen dargestellt, die über das ganze Heft verteilt sind. Neben dem zweiten Teil der von Alain Morau und Stephan Eisenhut verfassten Betrachtung der Präsidentschaftswahl in Frankreich finden sich dort z.B. zwei Wortmeldungen von Ute Hallaschka und mir zur Bundestagswahl sowie ein Aufsatz von Matthias Wiesmann über ›Gesellschaftliche Resilienz‹. Darin wird der Frage nach gegangen, welchen Herausforderungen die Widerstandskraft eines Gemeinwesens heutzutage ausgesetzt ist und wie diese gestärkt werden kann.

Natascha Wodin:Sie kam aus Mariupol

Displaced Persons