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Andreas Neider:Der Mensch und das Geheimnis der Zeit. Zum Verständnis der Zeit im Werk Rudolf Steiners

Korridor ins Neuland

Rudolf Steiner und Roland Halfen (Hg.):Architektur, Plastik und Malerei des ersten Goetheanum (GA 288)

Nachhaltige Anregung

Kurz notiert

Oberdiebach am Rhein

Ich und Europa IV

1. Ich bin am Mittelrhein Kind gewesen, geboren in Bingen in tiefem Winter. UNESCO-Kulturerbe, die heilige Hildegard und Stefan George. Als Jugendliche saßen wir an Sommerabenden am Rhein-Nahe-Eck, eine Flasche Riesling... [mehr]

1. Ich bin am Mittelrhein Kind gewesen, geboren in Bingen in tiefem Winter. UNESCO-Kulturerbe, die heilige Hildegard und Stefan George. Als Jugendliche saßen wir an Sommerabenden am Rhein-Nahe-Eck, eine Flasche Riesling kreiste und wir schauten schweigend auf den unheimlichen Mäuseturm und die Germania am anderen Flußufer. Die vielen Burgen haben mein Gemüt weniger ausschließlich mit Deutschland verbunden als genauso mit anderen europäischen Ländern, die ich aus Ritter- und Kostümfilmen kannte. Da meine Eltern finanziell eher arm waren, gab es in den Ferien nie Reisen nach Italien oder Spanien. Meine Eltern fuhren jedes Jahr nach Bad Münster am Stein, und ich blieb zu Hause. Mein Europa entstand als Bild in meiner Seele. Mein Europa hieß Oberdiebach am Rhein. So lautet der Name des Dorfes, in dem ich aufwuchs. Es liegt im sogenannten Viertälergebiet. Fährt man von Bingen aus mit dem Schiff stromabwärts Richtung Loreley, passiert man die linksrheinischen Seitentäler, deren Höhenzüge in den Hunsrück übergehen, wo Edgar Reitz ›Heimat‹ gedreht hat. Wenn man im Ortsteil Rheindiebach einbiegt ins Diebachtal, sieht man die schroff thronende Ruine Fürstenberg, eine ehemalige Raubritterburg.

»Meine Heimat ist die Weinlaube«

Ein Theaterprojekt mit Geflüchteten in der Berliner Ufa-Fabrik

Heimat – gibt es die noch? Was ist Heimat? »Das Thema Heimat geht uns alle an«, lesen wir in der Ankündigung zum Stück: »Die einen verlieren sie durch Flucht und Krieg, die anderen durch Entfremdung und Beschleunigung... [mehr]

Heimat – gibt es die noch? Was ist Heimat? »Das Thema Heimat geht uns alle an«, lesen wir in der Ankündigung zum Stück: »Die einen verlieren sie durch Flucht und Krieg, die anderen durch Entfremdung und Beschleunigung in einer globalisierten Welt.« Im Varieté-Salon der Berliner Ufafabrik erleben wir in dem Theaterprojekt ›Deine Heimat. Meine Heimat‹ jene, die ihre Heimat durch Flucht und Krieg verloren haben. Sie erinnern sich noch ganz unmittelbar, an früher wohl einfach hingenommene Qualitäten, die erst im Verlust den süßen Geschmack der Herkunft entfalten.»Ich vermisse im Schatten unter dem Feigenbaum zu sitzen.« – »Meine Heimat ist die Weinlaube. Die Heimat sind die Steine.« – »Ich vermisse den Sommer, die Wärme, dass alles braun ist.« – »Ich verspreche, dass ich mein Heimatland nie vergesse, ich werde immer über es schreiben!«

Wider die Trägheit des Herzens

Bisweilen stossen wir in unseren eigenen Bücherregalen auf ungehobene Schätze. So erging es mir neulich beim leidigen Staubwischen, als mir Hans Habes (1911-77) historischer Roman ›Die Mission‹ von 1965 in die Hände... [mehr]

Bisweilen stossen wir in unseren eigenen Bücherregalen auf ungehobene Schätze. So erging es mir neulich beim leidigen Staubwischen, als mir Hans Habes (1911-77) historischer Roman ›Die Mission‹ von 1965 in die Hände fiel – eine eher unscheinbare Taschenbuchausgabe aus dem Jahre 1982, erschienen im Heyne-Verlag, die, denke ich, aus dem Nachlass meiner lieben Schwiegermutter auf mich gekommen sein muss. Was ich auf dem Cover las, entschied die sofortige, atemlos-ungläubige Lektüre.

Fluchtlinien

Eine Lesung mit Bildern im Sprengel Museum Hannover

Das Sprengel Museum Hannover, eines der weltweit bedeutendsten Museen für moderne Kunst, hat vor zwei Jahren einen Erweiterungsbau erhalten, der seine Fläche um 5.300 qm vergrößert, davon 1.400 qm Ausstellungsfläche... [mehr]

Das Sprengel Museum Hannover, eines der weltweit bedeutendsten Museen für moderne Kunst, hat vor zwei Jahren einen Erweiterungsbau erhalten, der seine Fläche um 5.300 qm vergrößert, davon 1.400 qm Ausstellungsfläche – bei Kosten von 35,8 Mio. Euro. Da stellt sich die Frage: Was hat das allgemeine Publikum davon? Wie können die jetzt zusätzlich sichtbar gemachten Teile der Sammlung am besten vermittelt werden? In großem Stil geschieht das zur Zeit durch die Sonderausstellung ›130% Sprengel‹, die teilweise zur Dauerausstellung werden soll. Rund 800 Werke werden dabei im ganzen Haus präsentiert, und in den großzügigen Naturlichträumen des Erweiterungsbaus sind die Meisterwerke der Klassischen Moderne zu sehen. Sie unterstreichen den außerordentlichen Rang dieser Sammlung, deren Grundstock einst der Schokoladenfabrikant Bernhard Sprengel und seine Ehefrau Margit gelegt hatten – angeregt von einem Besuch der Nazi-Ausstellung über ›Entartete Kunst‹. Doch auch in kleinem Rahmen wird das Sprengel Museum seinem Bildungsauftrag gerecht. Davon möchte ich hier ein Beispiel geben.

Hoffnung auf Erlösung

Rüdiger Sünners Filmessay über Paul Celan

Es ist die fünfte Premiere eines Rüdiger-Sünner-Films in der Urania, an diesem 28. Februar 2017. Zahlreiche Besucher sind gekommen. Aber wer weiß wirklich etwas von Paul Celan? Bevor der Film beginnt, spricht Sünner... [mehr]

Es ist die fünfte Premiere eines Rüdiger-Sünner-Films in der Urania, an diesem 28. Februar 2017. Zahlreiche Besucher sind gekommen. Aber wer weiß wirklich etwas von Paul Celan? Bevor der Film beginnt, spricht Sünner als Regisseur ein paar einleitende Worte. Vor fünf Jahren habe er zum ersten Mal die Idee gehabt, dem Dichter ein Denkmal zu setzen. Es sei dies einer seiner persönlichsten Filme geworden, an den er sich anfangs, wegen der Dunkelheit von Celans Leben und Werk, kaum herangewagt habe. Doch dann begegnete ihm die Kabbala, die jüdische Geheimlehre, und diese sei ihm zum Schlüssel für Celan geworden – und zum zweiten Erzählstrang des Films. Es wird dunkel im Saal. Zuerst erscheint auf der Leinwand ein Motto von Franz Kafka: »Wenn auch keine Erlösung kommt, so will ich doch jeden Augenblick ihrer würdig sein.«

Eurhythmisch denken

Die Gebärden des Verstehens

Wenn ich denkend ergreife, erfasse, verstehe, dann begegne ich, denkend-wahrnehmend, nicht einer steif vor mir stehenden Realität, einem in sich gefangenen, verschlossenen Gegen-Stand. Die Gegenwart des Verstehens west vielmehr... [mehr]

Wenn ich denkend ergreife, erfasse, verstehe, dann begegne ich, denkend-wahrnehmend, nicht einer steif vor mir stehenden Realität, einem in sich gefangenen, verschlossenen Gegen-Stand. Die Gegenwart des Verstehens west vielmehr in mir als Empfindung eines dynamischen Gleichgewichtes, einer Harmonie zwischen meinem Ich und dem durch das Denken verstandenen Wesen; einer Harmonie, die durch mich in einem Augenblick jenseits von Raum und Zeit knospet. Diese Harmonie wird aber unmittelbar zu einem stimmigen zeitlichen Verhältnis, zu einem stimmigen Rhythmus, der in der verstehenden Begegnung blüht. Und durch das Klingen dieses Rhythmus’ offenbaren sich wiederum mein Ich und das verstandene Wesen räumlich-zeitlich in einer Form, die ohne das Verstehen nicht hätte geboren werden können: Das räumlich-zeitliche Sein wird durch mein Verstehen reicher, und mein Verstehen ist die Schöpfung neuer Formen des Seins. Schule ich mich nun darin, die seinsschaffende Dimension des Begreifens, Verstehens wahrzunehmen, so offenbart sich mir das begreifende, verstehende Denken als Tätigkeit, die in der aktiven Bildung stimmiger, guter, schöner Rhythmen west. Begreifendes, verstehendes Denken ist, anders gesagt, wortwörtlich eurhythmisch – denn »eu-« ist das altgriechische Präfix, das auf »gut, schön, stimmig, harmonisch« hinweist.

Columban in den Wellen

Westliche Spiritualität und die Sinneswelt

Es wird berichtet, dass der Hl. Columban von Iona (521-597) immer wieder Orte in der Natur aufsuchte, wo er sich in Einklang mit Gott bringen konnte. Der Kontakt zu sich selbst und zu spirituellen Quellen wurde im frühen... [mehr]

Es wird berichtet, dass der Hl. Columban von Iona (521-597) immer wieder Orte in der Natur aufsuchte, wo er sich in Einklang mit Gott bringen konnte. Der Kontakt zu sich selbst und zu spirituellen Quellen wurde im frühen irisch-keltischen Christentum gerne im Freien, draussen in der Natur gesucht. Auch in der ›Vita Columbani‹, der Biografie Columbans des Jüngeren (Columban von Luxeuil, 540-615) oder in der Biografie des Hl. Gallus (550-640) heisst es, dass sich die iro-schottischen Mönche öfters für längere Zeiten in HoÅNhlen oder Wald-Einöden zurückzogen, um dort Kraft zu sammeln, sich und Gott in der Meditation zu finden und erneut inneren Anschluss an ihre Mission zu erfahren. Schon vor der Strömung des iro-schottischen Christentums im 5. bis 8. Jahrhundert, in der druidischen Kultur der Kelten, war diese Haltung selbstverständlich, aber noch weniger an Innerlichkeit gebunden. Der Geist war draussen in der Natur, in den Elementen gegenwärtig und wurde auch dort in den druidischen Gottesdiensten verehrt.

Das Herzorgan bei Aristoteles und Joseph Beuys

Aristoteles war der erste Denker, der das Herz naturwissenschaftlich erforschte. Allerdings konnte er dieses noch als einen Mittler zwischen übersinnlicher und irdischer Welt begreifen. Die moderne Naturwissenschaft hingegen... [mehr]

Aristoteles war der erste Denker, der das Herz naturwissenschaftlich erforschte. Allerdings konnte er dieses noch als einen Mittler zwischen übersinnlicher und irdischer Welt begreifen. Die moderne Naturwissenschaft hingegen schaut das Herz rein unter äußeren Gesichtspunkten an. Ein zentrales Anliegen von Joseph Beuys war es, Kunst und Naturwissenschaft zu verbinden. Der vorliegende Beitrag zeigt, wie er in dieser Intention an den Herzbegriff des Aristoteles anknüpfte.

Zur historischen Geburt der Mathematik als Wissenschaft

Facetten der erwachenden Verstandesseele

Ich möchte hier den Blick auf den fulminanten Beginn der Mathematik als Wissenschaft im europäischen Raum richten, der mit dem allgemeinen Erwachen der Verstandesseele in der griechischen Antike einherging. Bereits der... [mehr]

Ich möchte hier den Blick auf den fulminanten Beginn der Mathematik als Wissenschaft im europäischen Raum richten, der mit dem allgemeinen Erwachen der Verstandesseele in der griechischen Antike einherging. Bereits der Auftakt dieser Entwicklung selbst stellt eines der besonders tief beeindruckenden Ereignisse der europäischen Geistesgeschichte dar. Außerdem trägt dieser Beginn signaturhaft bereits alle wesentlichen Züge, welche den weiteren Entwicklungsverlauf bestimmen. Bevor ich sechs Einzelphänomene als Momente der europäischen Geburt der Mathematik genauer darstelle,soll die Schilderung der Gesamtbewegung während der entscheidenden ersten 300 Jahre zur Orientierung und als roter Faden vorangestellt werden.