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Menschwerdungen

Henry Moore in Münster

Von Norden her, dem Domplatz kommend, werde ich in dem von Alt- und Neubau dreiseitig umschlossenen Eingangshof des LWL-Museums für Kunst und Kultur gleich von einer der mächtigen Großbronzen von Henry Moore empfangen:... [mehr]

Von Norden her, dem Domplatz kommend, werde ich in dem von Alt- und Neubau dreiseitig umschlossenen Eingangshof des LWL-Museums für Kunst und Kultur gleich von einer der mächtigen Großbronzen von Henry Moore empfangen: ›Two Piece Reclining Figure No. 5‹ (1963/64), die seit 1968 in Recklinghausen beheimatet ist. Diese zweiteilige Liegende wird gerade einer Schulklasse erklärt. Da tritt, aus dem Museum kommend, ein seriös wirkender älterer Herr zu den Schülern und macht seinem Ärger Luft: Das müsse hier weg; für ihn sei das ein Haufen getrockneter Scheiße. Und dann schwärmt er von Botticellis Bildern als dem Inbegriff von Schönheit … Die vielleicht dreizehnjährigen Schüler lachen etwas verunsichert, doch die engagierte Pädagogin greift die Situation geschickt auf. Offensichtlich rumort der Kulturkampf um die heute längst zum Kanon der Klassischen Moderne gehörende Kunst immer noch in einigen Köpfen.

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Große Freiheit

Zu ›Freiheit und Schicksal‹ von Renatus Ziegler

Wer an eine Philosophie der Wiederverkörperung den Anspruch eines Gottesbeweises stellt, der wird mit ihr ebenso scheitern wie mit einem solchen. Wer allerdings darauf aus ist, nicht diese oder jene Wiederverkörperung zu... [mehr]

Wer an eine Philosophie der Wiederverkörperung den Anspruch eines Gottesbeweises stellt, der wird mit ihr ebenso scheitern wie mit einem solchen. Wer allerdings darauf aus ist, nicht diese oder jene Wiederverkörperung zu beweisen, sondern aufzuzeigen, dass der Verkörperung Kräfte innewohnen, die auch eine Wiederverkörperung möglich erscheinen lassen, der ist auf ebenso fruchtbarem Weg wie jener, der nicht den Beweis Gottes anstrebt, sondern in der erschaffenen Welt Indizien der Schöpfungsfähigkeit aufspürt.

Die zwei Pole der Schulung

Meditation und Devotion als Elemente des Männlichen und Weiblichen

In Steiners Grundlagenwerk zum Schulungsweg ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹ wird die Polarität des Männlichen und Weiblichen im Menschen in wortwörtlichem Sinne nicht thematisiert. Jedoch hat nach... [mehr]

In Steiners Grundlagenwerk zum Schulungsweg ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹ wird die Polarität des Männlichen und Weiblichen im Menschen in wortwörtlichem Sinne nicht thematisiert. Jedoch hat nach Steiner der Mann einen weiblichen Ätherleib und trägt die Frau einen männlichen Ätherleib in sich, während der Astralleib bei Mann und Frau beide Elemente als seine Pole umschließt. Da esoterische Schulung im Sinne von ›Wie erlangt man ...?‹ bedeutet, vom Ich aus den Astralleib so umzuformen und sich zu eigen zu machen, dass dann auch dem Ätherleib eine neue, individualisierte Struktur eingeprägt werden kann, müssen aber die beiden Pole des Männlichen und Weiblichen in der Schulung eine Rolle spielen. In Devotion und Meditation, die den Ausgangspunkt des Schulungsweges bilden, kann man in meinen Augen diese beiden Pole wiederfinden, die das erste Kapitel bis in seinen Aufbau hinein maßgeblich bestimmen. Dabei zeigt sich: Für beide Geschlechter bedeutet die Schulung einen tiefen Eingriff in eingewurzelte Formen von Welt- und Selbstbegegnung.

Von der Tragödie zur Hoffnung

Zum gemeinsamen Karma von Deutschland und Israel

Ist es möglich, dass die große Tragödie des letzten Jahrhunderts, die in der Mitte Europas, im Herzen unserer modernen Zivilisation stattfand, in eine Hoffnung tragende Kraft verwandelt wird? Das ist die Frage, welche... [mehr]

Ist es möglich, dass die große Tragödie des letzten Jahrhunderts, die in der Mitte Europas, im Herzen unserer modernen Zivilisation stattfand, in eine Hoffnung tragende Kraft verwandelt wird? Das ist die Frage, welche hier behandelt werden soll. Aus Sicht der anthroposophischen Geisteswissenschaft ist das Schicksal Mitteleuropas in unserem Zeitalter von größter Bedeutung. Nicht ohne Grund zieht sich dieses Thema durch das gesamte Werk Rudolf Steiners, der ein herausragender Repräsentant des mitteleuropäischen Geistes war. Wenn wir begreifen, wie während der 30er und 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts alle Hoffnungen, die Steiner für Europa hegte, in ihr krasses Gegenteil verkehrt wurden, dann ist diese Frage berechtigt – und wer das Schicksal der Menschheit ernsthaft in seinem Herzen bewegt, der sieht sich seither mit banger Erwartung vor sie gestellt.

Das Gottesvolk

Offenbarung und Auserwählung im jüdischen Selbstverständnis – I. Teil

»Das auserwählte Volk« – die Formulierung irritiert. Das ist verständlich. Wie und warum sollte einem bestimmten Volk ein Sonderstatus unter allen anderen Völkern zustehen? Bezieht sich nicht ein Begriff wie »Auserwählung«... [mehr]

»Das auserwählte Volk« – die Formulierung irritiert. Das ist verständlich. Wie und warum sollte einem bestimmten Volk ein Sonderstatus unter allen anderen Völkern zustehen? Bezieht sich nicht ein Begriff wie »Auserwählung« – sofern er überhaupt brauchbar und nicht abgelebter religiöser Aberglaube ist – bestenfalls auf Individuen, keineswegs auf ein Kollektiv? Sind nicht alle Menschen, wenn schon nicht »auserwählt«, so doch zumindest »berufen«? Und ist nicht, im christlichen Verständnis – und auch im islamischen – die Gottesgefolgschaft prinzipiell von jedem Volkszusammenhang längst losgelöst?

Hineni - הנני!

Zur esoterischen Methodik in Anthroposophie und Judentum

»Hineni« – הנני – ist Hebräisch. Es ist eine Verschmelzung von hine ( הנה ) = »hier« und ani ( אני ) = »Ich«. Es bedeutet zugleich: »Hier bin ich!«, »Ich bin hier!« und »Ich... [mehr]

»Hineni« – הנני – ist Hebräisch. Es ist eine Verschmelzung von hine ( הנה ) = »hier« und ani ( אני ) = »Ich«. Es bedeutet zugleich: »Hier bin ich!«, »Ich bin hier!« und »Ich bin!« Diese besondere Wortform – eine Synthese von Person und Standortbestimmung, zugleich räumlich und geistig – ist ein der hebräischen Sprache eigentümliches Phänomen und erscheint im Alten Testament zum ersten Mal von einem Menschen ausgesprochen, wenn erzählt wird, dass Elohim, der Gott, Abraham beim Namen ruft und dieser antwortet: »Hineni!« Darauf wird erzählt, wie Abraham aufgefordert wird, Isaak zu opfern. Es ist Abraham auch der erste Mensch, von dem berichtet wird, dass ihm von jenem Gott mit dem nicht auszusprechenden Namen befohlen wurde, sich auf den Weg zu machen, ohne ein bestimmtes Ziel zu kennen, im reinen Gottvertrauen eine Reise anzutreten. Abraham – und später auch Samuel – stellen sich bedingungslos dem Ruf der göttlichen Stimme: »Hineni!«

Thanatos

Mein Biowarenhändler ist ein Zyniker. Das Attentat in Berlin kommentiert er mit den Worten: »Offenbar war einer von Merkels Gästen am Werk. Es wird geliefert wie bestellt.« Ich schweige. Was soll ich dazu sagen? In mir... [mehr]

Mein Biowarenhändler ist ein Zyniker. Das Attentat in Berlin kommentiert er mit den Worten: »Offenbar war einer von Merkels Gästen am Werk. Es wird geliefert wie bestellt.« Ich schweige. Was soll ich dazu sagen? In mir entsteht eine Frage: Wie mag es in der Seele eines Menschen aussehen, der töten will?

Und wieder ein Sommer ...

Beobachtungen aus Sibirien

Es sind die letzten Tage eines erfüllten, abenteuerlichen und arbeitsreichen Sommers in Sibirien, die ich noch einmal am Baikalsee auf Olchon verbringe, jener Insel im größten Süßwassersee der Welt, die einst von ihren... [mehr]

Es sind die letzten Tage eines erfüllten, abenteuerlichen und arbeitsreichen Sommers in Sibirien, die ich noch einmal am Baikalsee auf Olchon verbringe, jener Insel im größten Süßwassersee der Welt, die einst von ihren Bewohnern als »die Heiligste« verehrt wurde. Sie bietet eine zauberhafte landschaftliche Vielfalt. Doch seit die Insel 2005 Elektrizität erhalten hat, erobern ausländische – vornehmlich aus China – und russische Touristen sie zunehmend für sich.

Der große Vorsitzende

Innenansichten der Regierung Trump

Von allen Rivalen Donald Trumps im republikanischen Vorwahlkampf galt John Kasich, seines Zeichens Gouverneur des Bundesstaates Ohio, allgemein als der ernsthafteste und vernünftigste. Wenige Wochen nachdem er Anfang Mai... [mehr]

Von allen Rivalen Donald Trumps im republikanischen Vorwahlkampf galt John Kasich, seines Zeichens Gouverneur des Bundesstaates Ohio, allgemein als der ernsthafteste und vernünftigste. Wenige Wochen nachdem er Anfang Mai 2016 als letzter aus dem Rennen ausgeschieden war und damit Trump der Weg zur Nominierung offenstand, erhielt einer seiner Berater angeblich einen Anruf von Trumps ältestem Sohn: Ob Kasich daran interessiert sei, der mächtigste Vizepräsident aller Zeiten zu werden? Auf die Frage, wie das denn aussehen solle, habe Donald Trump jr. erklärt, dass der Vizepräsident für die Aussen- und Innenpolitik verantwortlich sein solle. Und wofür sei Trump dann verantwortlich? Worauf die lässige Antwort erfolgt sei: »Make America great again.«

Das Ende der westlichen Welt?

Donald Trump als Präsident

In dem angeblich schmutzigsten Wahlkampf der US-amerikanischen Geschichte hat entgegen allen Voraussagen ein milliardenschwerer politischer Aussenseiter und Quereinsteiger die Wahl zum Präsidentenamt gewonnen. Dieser Wahlsieg... [mehr]

In dem angeblich schmutzigsten Wahlkampf der US-amerikanischen Geschichte hat entgegen allen Voraussagen ein milliardenschwerer politischer Aussenseiter und Quereinsteiger die Wahl zum Präsidentenamt gewonnen. Dieser Wahlsieg dürfte weder alleine der populistischen Stimmungsmache Trumps noch manipulativer russischer Einmischung von außen zu verdanken sein. Dennoch gilt: Mit dem Versprechen, Amerika »wieder groß« zu machen und der operettenhaften Selbstinszenierung als Volkstribun im unermüdlichen Kampf gegen die moralische und politische Verkommenheit des Washingtoner Polit- und Medienestablishments konnte Trump Stimmen bei genau jenen Wählerschichten gewinnen, die einmal das klassische Klientel der Demokratischen Partei gewesen waren.

Zu diesem Heft

Das neue Jahr bringt auch bei uns einige Neuerungen: Neben der Tatsache, dass wir künftig nur noch zehn Hefte jährlich herausbringen werden, zwei davon allerdings besonders umfangreich, können wir nach einjähriger Pause... [mehr]

Das neue Jahr bringt auch bei uns einige Neuerungen: Neben der Tatsache, dass wir künftig nur noch zehn Hefte jährlich herausbringen werden, zwei davon allerdings besonders umfangreich, können wir nach einjähriger Pause die Rückkehr der Rubrik ›Kurz notiert‹ vermelden, die nunmehr von Benjamin Kolass, dem Herausgeber der ›Mitteilungen‹, betreut wird. Außerdem beginnen wir in Zusammenarbeit mit dem Basler Philosophicum eine Serie zum Thema ›Ich und Europa‹. Und schließlich werden unsere Rubriken ›Brennpunkt‹ und ›Tendenzen‹ künftig wahlweise durch eine dritte ergänzt, deren absichtlich allgemein gehaltener Titel ›Zeitgeschehen‹ uns größere Freiheiten bei der inhaltlichen Gestaltung erlaubt. Der Schwerpunkt dieses Heftes liegt auf jenem Volk, das Altem wie Neuem Testament zufolge das »auserwählte« ist: das Volk Israel.