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Der Punkt ohne Wiederkehr

Neue Versuche zur Willensfreiheit

Lässt das Gehirn Willensfreiheit zu oder sind wir vom Gehirn gesteuert? Ist das menschliche Handeln dem Zufall überlassen oder ist der Mensch frei, über sein Tun und Lassen zu entscheiden? Dieser Fragekomplex ist durch neue... [mehr]
Lässt das Gehirn Willensfreiheit zu oder sind wir vom Gehirn gesteuert? Ist das menschliche Handeln dem Zufall überlassen oder ist der Mensch frei, über sein Tun und Lassen zu entscheiden? Dieser Fragekomplex ist durch neue Experimente einer Arbeitsgruppe an der Berliner Charité um eine interessante Variante bereichert worden. Die Versuche zeigen, dass man sowohl fest geplante als auch unwillkürlich impulsive Handlungen unterlassen kann, wenn vor dem Vollzug noch mindestens 1/5 Sekunde Zeit bleibt. Es gibt somit eine Freiheit des negativen Handelns oder Unterlassens. Ist allerdings dieser Zeitpunkt überschritten, gibt es kein Zurück mehr (»Point of No Return«).

»Die Afrikaner werden ihren eigenen Weg finden«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Alex Perry

Afrika befindet sich im Aufbruch. Der britische Afrika-Experte Alex Perry bereiste zehn Jahre lang den Kontinent, sprach mit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft und erlebte ein Afrika, das nicht nur von Hunger,... [mehr]

Afrika befindet sich im Aufbruch. Der britische Afrika-Experte Alex Perry bereiste zehn Jahre lang den Kontinent, sprach mit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft und erlebte ein Afrika, das nicht nur von Hunger, Katastrophen und Kriegen bestimmt wird, sondern selbstbewusst seinen Weg sucht. Den Menschen südlich der Sahara prognostiziert Perry ein Entkommen aus der Armut und eine Befreiung von westlicher Einmischung und Bevormundung. Aus eigener Kraft werden die Menschen den wirtschaftlichen Aufschwung schaffen. Damit werde auch dem Rassismus der Boden entzogen. In seinem Buch ›In Afrika. Reise in die Zukunft‹ (S. Fischer, Frankfurt a. M. 2016) zeigt Perry, dass der Prozess der Veränderung längst begonnen hat. Was hinterherhinkt, ist unsere Sicht auf Afrika.

Die Fragenden sind nicht die Herrschenden

Eine Berührung mit Äthiopien

Die Rinder der Hamar sind schön – und ihre Schönheit ist wahr. Silberbeiges, hellbraunes, sandfarbenes, erdrotes Fell, manchmal gesprenkelt in schwarz. Es ist sauber, kurz, weich. Die Hamar verzieren ihre Tiere mit Schmucknarben,... [mehr]

Die Rinder der Hamar sind schön – und ihre Schönheit ist wahr. Silberbeiges, hellbraunes, sandfarbenes, erdrotes Fell, manchmal gesprenkelt in schwarz. Es ist sauber, kurz, weich. Die Hamar verzieren ihre Tiere mit Schmucknarben, in einfacher Ornamentik. Und wenn einige von ihnen dich streifen, auf der Straße, an einem Engpass dir näher kommen: Hab keine Angst. Die ist nicht nötig. Im Staub der Erde, im Lehm ihrer Hütten, im Kuhdung auf dem Boden wirken die Hamar im Reinen mit sich. Warme Sonne, trockene Erde, die Weite – nicht der Welt, aber ihres Landes – steht in den Gesichtern. Der Gesang der Männer ist tiefdunkel und sanft. Sie wissen, wer sie sind. Am ausgetrockneten Flusslauf haben sie Wasserlöcher gegraben, um sich und ihr Vieh zu tränken. Am Morgen und am Abend kommen sie dorthin, waschen sich und ihre Kinder, schöpfen den Kühen den ausgehöhlten Baumstamm mit frischem Wasser voll. Die Bienen im Wasserloch sind keine Bedrohung für sie. Und sie nehmen sich die Zeit, dort zu verweilen in den langen Schatten der Abendsonne. Der Schwiegervater der jungen Mutter kommt dazu und fragt belustigt, wie die Ferenji, die Fremden, die Weißen hierher kommen. Ich deute auf den Himmel, wir sind vom Himmel gefallen. Darauf ertönt dieser Hamar-Verwunderungslaut, der leicht und staunend, aber doch kräftig und anwesend klingt. Der Alte lacht.

Zu diesem Heft

Anfang April erreichte uns die Nachricht vom überraschenden Hingang unseres Altredakteurs Dietrich Rapp. Tätig bis zuletzt hatte er noch erwogen, sich in die Diskussion über die kantische Maximenethik einzubringen, die... [mehr]

Anfang April erreichte uns die Nachricht vom überraschenden Hingang unseres Altredakteurs Dietrich Rapp. Tätig bis zuletzt hatte er noch erwogen, sich in die Diskussion über die kantische Maximenethik einzubringen, die Marcus Andries vorigen Oktober in unserer Zeitschrift angestoßen hatte. Mit diesem zusammen hat er sogar überlegt ein Buch zu diesem Thema zu verfassen. Trotz vieler solcher abgeschnittener Fäden bleibt sein Lebenswerk als ein reiches Gewebe zurück. Wir werden demnächst ausführlicher seiner gedenken. – Der Schwerpunkt des vorliegenden Heftes aber hätte ihm, der zeitweilig als Physiker am Max Planck Institut für Strömungsforschung gearbeitet hatte, wahrscheinlich gefallen, denn die versammelten Texte kreisen alle – mehr oder weniger eng – um das Thema der Naturwissenschaft.

Phlegmatiker im Frühling

Hoffnung und Tragödie, Karma und Beziehung

Zum Heft ›Vom auserwählten Volk‹, die Drei 1-2/2017

Daniele Ganser:Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren

Mut zur Wahrheit

Iván Gómez Avilés:Der Baugedanke des Goetheanum – Geometrie und Esoterik

Ein Problem der Methode

Marica Bodrožić:Das Wasser unserer Träume

Erwachen in ein neues Leben

Kurz notiert

Der europäische Dialog

Ich und Europa III

1. »Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da« – diese Aussage Antigones stammt aus dem gleichnamigen Stück des griechischen Tragikers Sophokles. Der Chor teilt mit: »Sie [Antigone] ist autonómos.« Autonom... [mehr]

1. »Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da« – diese Aussage Antigones stammt aus dem gleichnamigen Stück des griechischen Tragikers Sophokles. Der Chor teilt mit: »Sie [Antigone] ist autonómos.« Autonom und individuell handelnd ist Antigone nicht nur aufgrund der Widersetzlichkeit gegen das Verbot der Bestattung ihres Bruders, sondern vor allem deshalb, weil sie mitlieben und eben nicht mithassen will. Antigone vollzieht die Doppelbewegung von Autonomie und Liebe. Die Doppelbewegung des Ich, das in der zentrischen Freiheit und in der sphärischen Liebe lebt, in Selbstbestimmung und Weltoffenheit, im Weg nach innen und im Weg nach aussen, im freilassenden Tun und in der tätigen Gelassenheit.

Poesie der Pigmente

Zur Ausstellung ›Poesie der venezianischen Malerei‹ in der Hamburger Kunsthalle

Bei Regenwetter nach Hamburg zu fahren ist kein Vergnügen, schon gar nicht bei leichtem Regen, der kaum durchnässt, aber alles grau in grau erscheinen lässt und das Gemüt niederdrückt. Nur gut, dass die Kunsthalle nahe... [mehr]

Bei Regenwetter nach Hamburg zu fahren ist kein Vergnügen, schon gar nicht bei leichtem Regen, der kaum durchnässt, aber alles grau in grau erscheinen lässt und das Gemüt niederdrückt. Nur gut, dass die Kunsthalle nahe am Bahnhof liegt, und dass die Binnenalster durch die Spiegelung ein wenig Licht herüberwirft. Nach meiner Besichtigung der Ausstellung sah die Welt ganz anders aus. Die Leuchtkraft der über vierhundert Jahre alten Bilder hatte meine Wahrnehmung verändert. (Nicht besonders nachhaltig übrigens, denn nach einem Fußweg hinüber zum Bucerius-Kunstforum – es regnete weiterhin – und nachdem ich die dortige, noch bis zum 1. Mai geöffnete Paula-Modersohn- Becker-Ausstellung besichtigt hatte, war meine Wahrnehmung ein weiteres Mal verändert.) Mich ließ das einmal mehr nachdenken über das Verhältnis zwischen Kunst und Leben.