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Widar-Erscheinen in Mannheim

Zur Herbsttagung des D.N. Dunlop-Instituts vom 14.-16. Oktober 2016

Am stärksten in Erinnerung geblieben ist mir die warme, herzlich-freudige Stimmung, von der alles getragen war. Ich hatte den Eindruck, dass nicht nur die Dozenten, Künstler und Helfer miteinander befreundet waren, sondern... [mehr]

Am stärksten in Erinnerung geblieben ist mir die warme, herzlich-freudige Stimmung, von der alles getragen war. Ich hatte den Eindruck, dass nicht nur die Dozenten, Künstler und Helfer miteinander befreundet waren, sondern auch alle Teilnehmer, gleichgültig, ob sie sich schon kannten, miteinander ins Gespräch kamen. So war die Tagung in dem schön gestalteten Saal des Rudolf Steiner-Hauses in Mannheim ernst und zugleich überstrahlt von einer feinen, lichten Fröhlichkeit.

Tier – Lieb – Leib

Ein Festival für das Erdreich

Vielleicht ist die Auferstehung schon im Gange, ohne dass wir es merken. Wie soll man sich denn die Erlösung des Kreatürlichen konkret vorstellen? Wir haben magische Bilder aus Märchen, Mythen, Harry Potter ... Aber so... [mehr]

Vielleicht ist die Auferstehung schon im Gange, ohne dass wir es merken. Wie soll man sich denn die Erlösung des Kreatürlichen konkret vorstellen? Wir haben magische Bilder aus Märchen, Mythen, Harry Potter ... Aber so wird’s nicht mehr gehen, mit Stab und Spruch ein Wesen so zu bezaubern, dass es seine Tierhaut abwirft und sich zeigt in veränderter Gestalt. So ging es ja auch nie in Wirklichkeit.

Kontinent der Ichsamkeit

Ich und Europa I

Ein großes Geschenk hat mir das Schicksal senden wollen: Schon als Jugendlicher und Student hatte ich die Möglichkeit, im ganzen Europa zu reisen. Ich war ein leidenschaftlicher Interrailer, allein wie in Gemeinschaft,... [mehr]

Ein großes Geschenk hat mir das Schicksal senden wollen: Schon als Jugendlicher und Student hatte ich die Möglichkeit, im ganzen Europa zu reisen. Ich war ein leidenschaftlicher Interrailer, allein wie in Gemeinschaft, und noch heute bereise ich am liebsten Europa, obwohl ich schon als Kind aussereuropäische Abstecher erleben durfte. Denn eines begeistert mich immer wieder, in der russischen wie in der portugiesischen, in der norwegischen wie in der süditalienischen Provinz, vom abgelegenen, dorfähnlichen Bauernhof in der goldenen Abendsonne des norwegischen Sommers bis zum stolzen, winzigen Städtchen im kargen Innenland Siziliens oder am leuchtend grünen Ufer der Elbe, vom versteckten Abteidorf in Portugal bis zu den strahlenden Kremls der russischen Ebene: die Begegnung mit unendlich vielen kleineren Orten, die so gebaut sind, als ob sie für das wahrnehmende Ich eine geistige Mitte der Welt bilden moÅNchten. Nicht ein weltenloses Zentrum, das einschüchtert, scheinen sie bilden zu wollen, sondern eben eine Mitte, wo ich – tätig-ruhig – gleichsam in einem tiefen Gespräch meinem eigenen Ich wie einem Gesicht begegnen kann, das sich ohne das mich ansprechende Antlitz dieser Orte nicht hätte offenbaren können. 

Fundstück XXX: Der Oberdada

Im gerade abgelaufenen Jahr 2016 wurde in vielen Publikationen, Ausstellungen, Veranstaltungen etc. an das 100-jährige Jubiläum des Dada-Impulses erinnert. Nun fand sich kürzlich im Rudolf Steiner Archiv – in einem noch... [mehr]

Im gerade abgelaufenen Jahr 2016 wurde in vielen Publikationen, Ausstellungen, Veranstaltungen etc. an das 100-jährige Jubiläum des Dada-Impulses erinnert. Nun fand sich kürzlich im Rudolf Steiner Archiv – in einem noch unsortierten Briefkonvolut – ein bisher unbekanntes Dokument aus dem Zusammenhang der Dada- Bewegung. Im Zuge der Neubearbeitung des Laut-Eurythmiekurses – ›Eurythmie als sichtbare Sprache‹ (GA 279) – gab eine Bemerkung Rudolf Steiners am 26. Juni 1924 den Anlass, nach dem hier abgedruckten Brief zu suchen. Im besagten Vortrag spricht Steiner anlässlich der Einführung des Lautes »D« davon, dass der orientalische Lehrer seinen Zögling durch Aufmerksamkeit, durch Hinweisen erzieht: »›Das ist das, das ist das, das ist das.‹ […] Daher ist der orientalische Erzieher derjenige, der eigentlich in alledem, was er tut, immer ›da‹ sagt, ›da – da‹: der Dada. So heißt er auch.«

Menschwerdungen

Henry Moore in Münster

Von Norden her, dem Domplatz kommend, werde ich in dem von Alt- und Neubau dreiseitig umschlossenen Eingangshof des LWL-Museums für Kunst und Kultur gleich von einer der mächtigen Großbronzen von Henry Moore empfangen:... [mehr]

Von Norden her, dem Domplatz kommend, werde ich in dem von Alt- und Neubau dreiseitig umschlossenen Eingangshof des LWL-Museums für Kunst und Kultur gleich von einer der mächtigen Großbronzen von Henry Moore empfangen: ›Two Piece Reclining Figure No. 5‹ (1963/64), die seit 1968 in Recklinghausen beheimatet ist. Diese zweiteilige Liegende wird gerade einer Schulklasse erklärt. Da tritt, aus dem Museum kommend, ein seriös wirkender älterer Herr zu den Schülern und macht seinem Ärger Luft: Das müsse hier weg; für ihn sei das ein Haufen getrockneter Scheiße. Und dann schwärmt er von Botticellis Bildern als dem Inbegriff von Schönheit … Die vielleicht dreizehnjährigen Schüler lachen etwas verunsichert, doch die engagierte Pädagogin greift die Situation geschickt auf. Offensichtlich rumort der Kulturkampf um die heute längst zum Kanon der Klassischen Moderne gehörende Kunst immer noch in einigen Köpfen.

Dreigliederung und »Nervenfrage«

Eine Einladung zu einer Tagung in Belgien

1917 wird allgemein als ein geschichtliches Epochenjahr betrachtet. Die Russische Revolution, das Eingreifen Amerikas in den Ersten Weltkrieges, die Eroberung Jerusalems durch Großbritannien und die damit zusammenhängende... [mehr]

1917 wird allgemein als ein geschichtliches Epochenjahr betrachtet. Die Russische Revolution, das Eingreifen Amerikas in den Ersten Weltkrieges, die Eroberung Jerusalems durch Großbritannien und die damit zusammenhängende Balfour-Erklärung, die 32 Jahre später zur Gründung des Staates Israel führte – alles dieses ereignete sich in diesem Jahr. Es ist nicht schwer, in diesen Ereignissen die heutige Weltproblematik wie vorgebildet zu erkennen.

Das verschwundene Jesuskind

Die erzgebirgische Weihnachtspyramide kam mit der Post in einem grossen Paket: ein Familienerbstück, das nun in meinen Haushalt übergehen sollte. Vorsichtig zog ich die Einzelteile aus den überbordenden Mengen an Zeitungspapier... [mehr]

Die erzgebirgische Weihnachtspyramide kam mit der Post in einem grossen Paket: ein Familienerbstück, das nun in meinen Haushalt übergehen sollte. Vorsichtig zog ich die Einzelteile aus den überbordenden Mengen an Zeitungspapier und weichen Papierservietten heraus. Und da sich so große Haufen von altem Verpackungspapier ansammelten, entsorgte ich diese gleich in der Altpapiertonne draussen im winterlichen Dunkel des Voradventssamstagabends.

Fundstück XIX – Ein Freund nachdenklicher Stunden

In einem Regal, weit hinten in den Tiefen des Archivs hängt, zwischen vielen Portraits Rudolf Steiners und anderen Zeugnissen der Malerei, eine große gerahmte Radierung. Denkbar schlicht ist der mittelbraune Holzrahmen... [mehr]

In einem Regal, weit hinten in den Tiefen des Archivs hängt, zwischen vielen Portraits Rudolf Steiners und anderen Zeugnissen der Malerei, eine große gerahmte Radierung. Denkbar schlicht ist der mittelbraune Holzrahmen – an manchen Stellen angeschlagen, jedoch liebevoll ausgebessert. Das wellige, etwas grobe Papier zeigt Spuren, die wohl der Zahn der Zeit hinterlassen hat; sodass sich ein Gefühl der Erleichterung einstellt, es nunmehr hinter Glas gut aufgehoben zu sehen.

Der (Stief-)Vater des Vaterlandes

Zur bayerisch-tschechischen Landesausstellung 2016/17 über Karl IV.

Die große bayerisch-tschechische Landesausstellung, die am 15. Mai pünktlich zum 700. Geburtstag Karls IV. in Prag eröffnet wurde und nun bis zum 5. März 2017 in Nürnberg zu sehen ist, wird mit sparsamen Worten angekündigt:... [mehr]

Die große bayerisch-tschechische Landesausstellung, die am 15. Mai pünktlich zum 700. Geburtstag Karls IV. in Prag eröffnet wurde und nun bis zum 5. März 2017 in Nürnberg zu sehen ist, wird mit sparsamen Worten angekündigt: »1316 | *700 | 2016 | Karl IV. | Prag/Nürnberg«. Wer auf der Autobahn zwischen diesen Städten unterwegs ist, wird immer wieder auf die ›Via Carolina‹ hingewiesen, welche die enge Verbindung beider Orte im Leben und Wirken dieses spätmittelalterlichen Herrschers symbolisiert. Indessen wird gerade im Vergleich dieser Orte ein großer Unterschied deutlich, denn wer durch Prag geht, wird vielfach – und nicht nur an den einschlägigen tourist spots – mit dem bedeutenden Kaiser konfrontiert; doch einer wie geringen Zahl von Menschen bei uns in Deutschland ist Karl IV. geläufig! Am Ende der Ausstellung wird das sogar thematisiert: Ganz unterschiedliche Narrative sind hierzulande und in Tschechien mit seiner Person verbunden. Wäre es nicht – wenn es doch das Ziel sein muss, viele Menschen zu erreichen – sinnvoll gewesen, sich von vornherein etwas mehr Gedanken über eine angemessene, ja volkspädagogische Präsentation zu machen?

»Eine Plastik ist kein Objekt, sie ist eine Fragestellung«

Alberto Giacometti und Bruce Nauman – Zur Produktivität einer Konfrontation in der Frankfurter Schirn

Alberto Giacometti und Bruce Nauman in einer Ausstellung? Das schien mir etwas abwegig und wenig verlockend – bis ich sie gesehen und die kluge Einführung der Kuratorin Esther Schlicht gehört hatte. Sie machte zunächst... [mehr]

Alberto Giacometti und Bruce Nauman in einer Ausstellung? Das schien mir etwas abwegig und wenig verlockend – bis ich sie gesehen und die kluge Einführung der Kuratorin Esther Schlicht gehört hatte. Sie machte zunächst deutlich: Die beiden einzelgängerischen Künstler aus verschiedenen Generationen und Erdteilen – Giacometti lebte von 1901 bis 1966 (am 10. Oktober 2016 war sein 50. Todestag) im schweizerischen Bergell und in Paris, Nauman wurde 1941 in den USA geboren – sind sich nie begegnet und der jüngere hat sich auch nie auf den älteren bezogen.

Schöpferischer Bildprozess

Zu Rembrandts ›Isaak und Rebekka‹

Ein dramatischer Augenblick: Abraham hat gerade den Arm erhoben, um seinen Sohn Isaak mit dem Messer zu töten. Da erscheint ein Engel, ergreift Abrahams Arm und das Messer fällt herab. Ein Messer im freien Fall! Rembrandt... [mehr]

Ein dramatischer Augenblick: Abraham hat gerade den Arm erhoben, um seinen Sohn Isaak mit dem Messer zu töten. Da erscheint ein Engel, ergreift Abrahams Arm und das Messer fällt herab. Ein Messer im freien Fall! Rembrandt hätte den szenischen Moment nicht günstiger wählen können. Es ist, als würde man eine Tür öffnen und plötzlich Zeuge eines Geschehens werden, das man mit einem Blick erfasst. Allerdings währt die Illusion nur kurze Zeit, dann wird klar: Hier bewegt sich nichts, alles bleibt starr und das Messer hängt weiterhin in der Luft. Bei längerem Anschauen mag das grotesk anmuten, doch wozu sollte man das tun? Man hat ja erkannt, um welche Geschichte es geht. Und so wendet man sich dem nächsten Gemälde zu, um sich erneut in einen wohligen Schrecken versetzen zu lassen, denn man weiß ja: Es ist bloß ein Bild! Und als Bild repraÅNsentiert es eine Wirklichkeit, an der man nicht teilhat.

»Duino ist die Wolke meines Wesens«

Zu Rilkes 90. Todestag am 29. Dezember 2016

Von Triest aus fährt ein Linienbus entlang der adriatischen Küste, vorbei an dem wundersamen Schloss Miramare, dann hinauf zur Hochebene, durch DoÅNrfer mit südlichen Bäumen und Blumen. Die Straßennamen sind auf Italienisch... [mehr]

Von Triest aus fährt ein Linienbus entlang der adriatischen Küste, vorbei an dem wundersamen Schloss Miramare, dann hinauf zur Hochebene, durch DoÅNrfer mit südlichen Bäumen und Blumen. Die Straßennamen sind auf Italienisch und Slowenisch angegeben. Weiter geht es durch den Karst mit Gestrüpp und niedrigen Bäumen, wo nichts recht wachsen kann auf dem Kalkgestein. Aber da ist das Meer, das in der Weite ruhig liegt, mit einem riesigen Schwarm von weißen Segeln. Drüben in Triest ist ein Festtag mit einer Regatta. Die vielen Segel leuchten in der Ferne, wie weiße Vögel, die sich auf dem Wasser niedergelassen haben. Vögel des Meeres …