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In der Freiheit stehen

Zur Michaelitagung 2017 des D.N. Dunlop Instituts

›Wege mit dem Zeitgeist Michael‹ war am 6. und 7. Oktober Inhalt der diesjährigen Michaelitagung des D.N. Dunlop Instituts in Mannheim. In ihrem beeindruckenden Eröffnungsvortrag ›Michael verstehen heißt den Weg... [mehr]

›Wege mit dem Zeitgeist Michael‹ war am 6. und 7. Oktober Inhalt der diesjährigen Michaelitagung des D.N. Dunlop Instituts in Mannheim. In ihrem beeindruckenden Eröffnungsvortrag ›Michael verstehen heißt den Weg zu Christus finden‹ verglich Martina Maria Sam das Erscheinen der Anthroposophie als Michaelslehre mit dem Entstehen der Naturwissenschaften im 15. Jahrhundert. Während diese zwar erst bekämpft, dann aber zur beherrschenden Weltanschauung wurden, werde sich jene nicht ohne bewusste Hinwendung des Menschen zum Geistigen weiterentwickeln. Ein Ausbleiben dieser seit dem Ende des 19. Jahrhunderts möglichen Höherentwicklung hätte den Abstieg der Kultur ins Untermenschliche zur Folge. Michael will den Menschen so impulsieren, dass dieser sein Denken bewusst dem Kosmischen öffnen und es verlebendigen kann, wodurch insbesondere auch ein neues Verhältnis zu Christus möglich wird. Die kosmische Intelligenz, die Michael früher verwaltete und die ein Leben in den geistigen Beziehungen der Wesen war, ist ihm entfallen und ganz auf der Erde angelangt. Es liegt in unserer Verantwortung, ob wir sie im Physisch-Materiellen untergehen lassen oder durch unser Denken den Geist wieder als kosmisch Wesenhaftes erleben lernen.

Impulse aus den Elementen

Die Initiative ›Summer School Iona and Isle of Mull‹

Es begann mit einer Intuition, vor Ort, bei einem Besuch der west-schottischen Insel Iona vor einigen Jahren: Hier muss anthroposophisch etwas passieren! Bald entwickelte sich der Gedanke weiter. Was passt zu diesem Ort?... [mehr]

Es begann mit einer Intuition, vor Ort, bei einem Besuch der west-schottischen Insel Iona vor einigen Jahren: Hier muss anthroposophisch etwas passieren! Bald entwickelte sich der Gedanke weiter. Was passt zu diesem Ort? Wie soll gearbeitet werden? Ganz konkret: im Geiste des iro-schottischen Christentums und – im weiteren Sinne – gemäß des westlichen Mysterienstromes, welcher in der Natur den Geist sucht, und diese durch den Menschen vergeistigen möchte. Das wurde zum Programm: Eine Woche Geistesschulung in der Natur aus der Wahrnehmung des Gegebenen. Denn Iona ist ein Welt-Ort dieser Geisteshaltung, nicht nur historisch gesehen, sondern – so erleben es immer wieder Menschen – auch heute noch. Es gesellten sich in der Genese des ›Summer Camps‹ – wie die Tagung gerne genannt wird, denn »Camp« betont noch mehr das Abenteuer und die Naturnähe – weitere Mitstreiter dem Vorhaben hinzu, genauso wie weitere inhaltliche Ideale: Es sollte ganz kosmopolitisch offen sein, ohne Einschränkungen, und als Gruppenprozess stattfinden.

Eine Zeitgenossin

Zur Ausstellung ›Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife‹ im Lenbachhaus

In München erwartet uns eine Überraschung. Die Ausstellung im Lenbachhaus: ›Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife‹ präsentiert eine Künstlerin, deren Werk und Lebenslauf wir geradezu instinktiv dem Beginn des letzten... [mehr]

In München erwartet uns eine Überraschung. Die Ausstellung im Lenbachhaus: ›Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife‹ präsentiert eine Künstlerin, deren Werk und Lebenslauf wir geradezu instinktiv dem Beginn des letzten Jahrhunderts – der Epoche des ›Blauen Reiter‹ – zuschreiben. Doch Gabriele Münter, 1877 geboren, starb erst 1962 und hat bis zum Schluss gearbeitet und ausgestellt. Sie nahm noch an der ersten ›documenta‹ im Jahre 1955 teil. Ihr Werk umfasst, neben tausenden von Zeichnungen und Aquarellen, über 2.200 Gemälde – und dazu werden wir mit der bisher völlig unbekannten Tatsache von ca. 1.200 Fotografien konfrontiert. Der Besucher kann also sogleich an die Arbeit gehen, um sein eigenes Bild der Künstlerin zu aktualisieren.

Das Herz des Jahrhunderts

Der Schriftsteller und Regisseur Henning Mankell (1948-2015)

Henning Mankell, geboren am 3. Februar 1948 in Stockholm, war einer der erfolgreichsten Kriminal-Autoren unserer Zeit. Mit seinem Kommissar Wallander erschuf er eine Figur, die den Leser zur Empathie verführt – weil er... [mehr]

Henning Mankell, geboren am 3. Februar 1948 in Stockholm, war einer der erfolgreichsten Kriminal-Autoren unserer Zeit. Mit seinem Kommissar Wallander erschuf er eine Figur, die den Leser zur Empathie verführt – weil er ein gebrochener Held ist, der das Zeitenschicksal miterleidet, der, oft erfolgreich, gegen das Böse kämpft und dennoch resigniert und pessimistisch ist, weil er eine Woge über sich hinwegrollen fühlt, gegen die Widerstand zwecklos erscheint. Wallander bemüht sich dennoch, zu widerstehen. Er trinkt zu viel Kaffee, isst fett und ungesund, schläft schlecht, ist Diabetiker, steht immer kurz vorm Herzinfarkt, ist einsam und sehnt sich nach Beziehungen zu Frauen, in denen er, wenn sie denn zustandekommen, sich ungelenk verhält und so das Gefühl der Einsamkeit hinterher noch vergrößert. Nur eine große Freude gibt es in seinem Leben: die herzerwärmende Kraft der großen italienischen Opernarien. In die flüchtet er sich, wenn das Leben ihm zu sehr zugesetzt hat.

Ein Freund des Feuers

Werkstattbesuch bei einem modernen Alchemisten

Seine Werkstatt liegt am Rande von Langenthal, einer Kleinstadt im schweizerischen Oberaargau. Mit einer einladenden Geste öffnet Hubert Bienek die Türe und ich betrete die faszinierende und wohl verschwindende Welt eines... [mehr]

Seine Werkstatt liegt am Rande von Langenthal, einer Kleinstadt im schweizerischen Oberaargau. Mit einer einladenden Geste öffnet Hubert Bienek die Türe und ich betrete die faszinierende und wohl verschwindende Welt eines Handwerkers und Künstlers: So mag es vor hundert Jahren noch in vielen Werkstätten und Ateliers Europas ausgesehen haben. Er wirft ein anderthalb Meter langes Holzscheit in einen großen Gusseisenofen, der den Raum mit prasselndem Tönen erwärmen wird. Überall stehen Werkzeuge, Modelle und Gefäße auf Tischen; eigens für die Vorbereitung der nächsten Ausstellung hergestellte Einrichtungen ziehen mein Interesse auf sich; an den Wänden hängen ältere und neueste Arbeiten. So kurz vor der kommenden Ausstellung im März sind dieser und der angrenzende Raum dicht gefüllt mit Plastiken, Modellen, Vorrichtungen und dem Kernstück: dem Brennofen. In dieser ganzen Verdichtung herrscht eine verborgene Ordnung, die Bienek sicher überschaut. Er weist mich auf Objekte der verschiedenen Stadien seiner Arbeit für die Ausstellung ›Erdherz‹ hin, auf Gelungenes, auf Zwischenstadien und zur Seite Gelegtes: verschiedenste Arbeiten in gebranntem Ton.

Jeder Mensch ein Kleinod

Zum 150. Geburtstag Adalbert Stifters. Eine Skizze

»Es gibt Dinge, die man fünfzig Jahre weiß, und im einundfünfzigsten staunt man über die Schwere und Furchtbarkeit ihres Inhaltes.« Sie stand, Ria, die kräuterkundige Alte, klein und lebensfroh, im äußersten Winkel... [mehr]

»Es gibt Dinge, die man fünfzig Jahre weiß, und im einundfünfzigsten staunt man über die Schwere und Furchtbarkeit ihres Inhaltes.« Sie stand, Ria, die kräuterkundige Alte, klein und lebensfroh, im äußersten Winkel unseres lichtdurchfluteten Wohnzimmers und sprach, mit großem Ernst, frei, wie ich das zuvor noch nicht erlebt hatte, schwäbisch eingefärbt, sie rezitierte: Stifter. Es war an einem Sonntag und wenige Stunden zuvor war unsere jüngste Tochter geboren worden, Ende Juli 1979. Sie war, in Erwartung dieses Ereignisses, mit meiner Schwiegermutter angereist, und nun gab es ein Fest, mit Musik, mit Rezitation und, natürlich, mit gutem Essen. Adalbert Stifter also, die Beschreibung der am 8. Juli 1842 stattgefundenen Sonnenfinsternis – ein gewaltiger Text, den ich damals zum ersten Male hörte. Es lag ein großer Zauber über ihrem Sprechen, eine Magie, etwas Auratisches wehte mich an. Später, in der Küche, während sie ein schmackhaftes Körnergericht zubereitete, erzählte sie mir, dass sie Sprachgestalterin sei und dass sie, neben Goethe und Kleist, Stifter besonders mochte, weil er sich so gut sprechen oder auch vorlesen ließe. Ich begann, auf diese Anregung hin, Gedichte frei vorzutragen, später auch Prosatexte, Briefe von Morgenstern etwa.

Die immer aktuelle Wahrheitsfrage

Zum 130. Geburtstag des Kaspar Hauser-Forscher Hermann Pies (1888-1983)

Am 8. Januar 2018 gedachte ein kleiner Kreis von Menschen des 130. Geburtstages von Hermann Pies. Er hat leider nicht, wie angestrebt, die Neuausgabe seiner acht Werke, die zwischen 1924 und 1973 erschienen, zum Kaspar Hauser-Fall... [mehr]

Am 8. Januar 2018 gedachte ein kleiner Kreis von Menschen des 130. Geburtstages von Hermann Pies. Er hat leider nicht, wie angestrebt, die Neuausgabe seiner acht Werke, die zwischen 1924 und 1973 erschienen, zum Kaspar Hauser-Fall erleben können. Er verstarb hochbetagt mit über 95 Jahren, bis zuletzt überaus engagiert, ohne vorherige Anzeichen von Schwäche, wie sein letztes Interview im Juni 1983 mit Taja Gut zeigte. So blieb es bei den ersten zwei von fünf Bänden, die 1985 und 1987 im Urachhaus-Verlag erschienen. In dem letzten von ihm selbst herausgegebenen Band: ›Kaspar Hauser – Fälschungen, Falschmeldungen und Tendenzberichte‹ (Ansbach 1973) schrieb Pies im Vorwort, wie es 1907/8 durch das als Fortsetzungsroman erschienene Buch von Jakob Wassermann ›Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens‹ zu seiner Motivation kam, sich für Kaspar Hauser einzusetzen: »Ich las und las alle mir erreichbaren Hauserbücher … Da wollte ich die Wahrheit wissen!«

Fundstück XXXIII: Wie das Bauhaus Rudolf Steiner einladen wollte

Das Bauhaus wurde von Walter Gropius 1919 in Weimar als eine neue Art von Kunstschule gegründet, in der alle Künste unter Führung der Architektur als Gesamtkunstwerk miteinander verbunden werden sollten, und die auch im... [mehr]

Das Bauhaus wurde von Walter Gropius 1919 in Weimar als eine neue Art von Kunstschule gegründet, in der alle Künste unter Führung der Architektur als Gesamtkunstwerk miteinander verbunden werden sollten, und die auch im Sozialen andere Wege ging. In einem Brief vom 24. Juli 1920 wurde Rudolf Steiner für einen Vortrag dorthin eingeladen: »Das Staatliche Bauhaus zu Weimar,« hieß es darin zur Einleitung, »das als erstes Institut dem in unseren Tagen immer klarer hervortretenden Wunsch nach der Echtheit der Kunst und der Vereinigung der verschiedenen Zweige der bildenden Künste und des Handwerks Rechnung getragen hat, sieht seine Aufgabe nicht allein in der Erfüllung dieser Ideen, sondern tritt dafür ein, dass diese Dinge verbunden bleiben mit den Problemen rein menschlicher Natur, m.[it] a.[nderen] W.[orten] es betont vor allem seinen Charakter der Arbeitsgemeinschaft und Lebensgemeinschaft.«

Wachsamkeit

Ich und Europa X

Wachsamkeit west als Gegenwart des Ich. In dieser Gegenwart knospet das Ich in jedem Augenblick als Freiheit von sich selbst und von anderem, jenseits von innen und außen: generative Leere eines bewussten Wollens, das in... [mehr]

Wachsamkeit west als Gegenwart des Ich. In dieser Gegenwart knospet das Ich in jedem Augenblick als Freiheit von sich selbst und von anderem, jenseits von innen und außen: generative Leere eines bewussten Wollens, das in der empfindsamen Begegnung mit jedem Augenblick, Ereignis oder Wesen zu einer konkreten Form der Freiheit blühen kann; empfindsame, wache und freie Begegnung, die – durch ein denkendes Tätigsein entstehend – den uneingeschränkt dialogischen Charakter der authentischen Natur des Denkens offenbart. Die Bildung und Pflege dieses wachsamen, warmen Wollens, dieses dialogischen, lichtvollen Denkens, d.h. eine Kultur der denkenden Wachsamkeit im Ich, will ich als eigenen Klang von Europas Schicksal wahrnehmen.

Netzwerk einer verkannten Stadt

Zur Ausstellung ›revonnaH. Kunst der Avantgarde in Hannover 1912-1933‹ im Sprengel Museum Hannover

Nach meiner ersten Besichtigung der Ausstellung habe ich mich gefragt: Welche Art der Darstellung war für dich am eindrücklichsten, welches Werk wirst du als Besonderheit in Erinnerung behalten? Das dunkle Ölgemälde mit... [mehr]

Nach meiner ersten Besichtigung der Ausstellung habe ich mich gefragt: Welche Art der Darstellung war für dich am eindrücklichsten, welches Werk wirst du als Besonderheit in Erinnerung behalten? Das dunkle Ölgemälde mit den ausdrucksstarken Gesichtern oder die archetypisch wirkende Maske? Die in Öl auf Sperrholz gemalte alte Frau im Bett oder der Frauenkopf aus rotem Stein? Die völlig abstrakte Komposition mit Holzrahmenfragment und Holzkugelsegment oder das Foto von einem dürren Bäumchen in karger Winterlandschaft? Das realitätsnahe Bild einer Menschenschlange vor dem Arbeitsamt oder das stark vereinfachte, von Farbflächen geprägte Plakat? Was muss das für eine gärende Zeit in Hannover gewesen sein, in der all diese unterschiedlichen Werke geschaffen oder ausgestellt wurden!

Das Färberlein als erster Filmregisseur

Zur Ausstellung ›Tintoretto – A Star Was Born‹ im Wallraf-Richartz-Museum Köln

Venedig war eine der bevölkerungsreichsten Großstädte Europas, als Jacopo Robusti 1518 oder 1519 geboren wurde – als Sohn eines Färbers, daher sein Künstlername »Tintoretto« (»Färberlein«). Bereits 1538, also... [mehr]

Venedig war eine der bevölkerungsreichsten Großstädte Europas, als Jacopo Robusti 1518 oder 1519 geboren wurde – als Sohn eines Färbers, daher sein Künstlername »Tintoretto« (»Färberlein«). Bereits 1538, also mit etwa 20 Jahren, war er ein ausgewiesener Meister mit eigener Werkstatt. Das war auch nötig, um sich gegen die allgegenwärtige Konkurrenz durchzusetzen, denn Venedig war ebenso eine der europäischen Hauptstädte der Kunst.

Die blauen Fenster

Zweite Betrachtung zu den Fenstermotiven im Großen Saal des Goetheanums

Wir lassen den Bereich der grünen Fenster hinter uns und öffnen uns dem Blau. Würde man sich mit dieser Farbe identifizieren, sagt Rudolf Steiner, »so würde man durch die Welt gehen, indem man das Bedürfnis empfindet,... [mehr]

Wir lassen den Bereich der grünen Fenster hinter uns und öffnen uns dem Blau. Würde man sich mit dieser Farbe identifizieren, sagt Rudolf Steiner, »so würde man durch die Welt gehen, indem man das Bedürfnis empfindet, mit dem Blau immer weiter und weiter fortzuschreiten, den Egoismus in sich zu überwinden, gleichsam makrokosmisch zu werden, Hingabe zu entwickeln. [...] Wie begnadet von göttlicher Barmherzigkeit würde man sich fühlen, wenn man also durch die Welt geht.« Derart gestimmt können wir in das innige, schöne und ausgewogene Blau – das durch Kobalt und Kupferoyxyde gefärbt wurde – eintauchen.