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Begehbares Gedankengebäude

Zur Jakob-Böhme-Ausstellung in Dresden

›ALLES IN ALLEM. Die Gedankenwelt des mys­tischen Philosophen Jacob Böhme‹ lautet der Titel der Ausstellung, welche die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der... [mehr]
›ALLES IN ALLEM. Die Gedankenwelt des mys­tischen Philosophen Jacob Böhme‹ lautet der Titel der Ausstellung, welche die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der wiederauf­gebauten Schlosskapelle des Residenzschlosses zeigen, die damit erstmals museal genutzt wird. Die Ausstellung ist auch ein Beitrag zum Lutherjahr 2017, denn der aus der Oberlausitz stammende Jakob Böhme (1575–1624) war ein – wenn auch kritisch denkender – Luthe­raner. Wie viele seiner Zeitgenossen sah er die Notwendigkeit, die Idee der Reformation zu er­neuern. Der sich entwickelnde Materialismus brachte einschneidende naturwissenschaftliche Erkenntnisse hervor. Gegen den harten Wider­stand der katholischen Kirche löste das helio­zentrische das geozentrische Weltbild ab und im Jahre 1600 wurde Giordano Bruno auf dem
Scheiterhaufen verbrannt. Böhme sah jedoch keinen Widerspruch zwischen Naturwissen­schaft und Religion, da er Naturerforschung mit Gotteserkenntnis zu verbinden suchte. 

Brentanos Studio im Goetheanum

Øya – 77 Bilder von Hannes Weigert

77 Bilder in vier dreireihigen Blöcken, direkt unter dem Gipfel des Westtreppenhauses im Goetheanum, unterhalb des roten Fensters, im Dämmerlicht. 77 Bilder in (fast)... [mehr]
77 Bilder in vier dreireihigen Blöcken, direkt unter dem Gipfel des Westtreppenhauses im Goetheanum, unterhalb des roten Fensters, im Dämmerlicht. 77 Bilder in (fast) gleichem Format. 77 Farbflächen, mal mehr, mal weniger differenziert. Verhaltene Grau-, Grün- und Rottöne dominieren. Manchmal kommt Weiß hinzu. Im Dämmerlicht des Treppenhauses wirken sie stumpf und transparent zugleich. Mal öffnen sie sich, mal verschließen sie sich – je nach den momentanen Lichtverhältnissen, aber auch je nachdem, wie ich gerade schaue. Mal mehr, mal weniger deutlich erkennt man einen Kopf. Oder das Fragment eines Kopfes, dessen ganzer Umriss nur zu erahnen ist – wie der ganze Mond angesichts der schmalen Sichel. Was man sieht (oder zu sehen meint), ist ein Hinterkopf, von schräg hinten »aufgenommen«, so dass sich ein meist nach rechts gerichtetes Profil gerade noch andeutet. Mal sitzt es fast mittig im Bild, mal mehr links, gelegentlich aber auch auch ganz nahe am rechten Bildrand. An weiteren Details sind höchstens
Ohren, manchmal noch Haare auszumachen. In die Augen kann man (fast) nie schauen. Die vier letzten Bilder scheinen den Kopf en face zu zeigen, doch das Antlitz bleibt leer.

Die Elfe und der Zyklon

Ich bin auf der Suche nach einer Elfe – der Bienenelfe. Woran erkennt man eine Elfe? Wie sieht sie aus? Ich habe mich vorab informiert • im Grimmschen Wörterbuch: das... [mehr]
Ich bin auf der Suche nach einer Elfe – der Bienenelfe. Woran erkennt man eine Elfe? Wie sieht sie aus? Ich habe mich vorab informiert • im Grimmschen Wörterbuch: das Wort »meint bezaubert, zauberhaft angeblickt«; • bei Rudolf Steiner: »In dem geistig tönend bewegten Luftelemente finden sie ihre Heimat und nehmen dabei dasjenige auf, was die Kraft des Lichtes in diese Luftschwingungen hinein schickt«; • weiter zur Frage von Luft und Licht bei Jochen Bockemühl: »Die Eigenart der Luft besteht also darin, [...] dem Anderen Platz zum Erscheinen zu lassen. [...] Diese schafft die innere Bereitschaft, dass das in der Welt Erscheinende sich in uns als ein Bild offenbaren kann, welches durch das Erleben von einem Wesen kündet«; • und vorsichtshalber habe ich mir auch noch einmal die zauberhaft schönen Elfenkinderbücher von Daniela Drescher angeschaut, wo die Elfen zierlich, schlank und zart erscheinen und natürlich mit eigenen Flügeln fliegen.

Welch glückliche Fügung

Ich und Europa VIII

Welch glückliche Fügung, dass ich hier geboren bin. In München. In Europa. Welch zauberhaftes Schicksal, bisher keinen Krieg erlebt zu haben. In meinem Leben. Am eigenen Leib. Welch... [mehr]
Welch glückliche Fügung, dass ich hier geboren bin. In München. In Europa. Welch zauberhaftes Schicksal, bisher keinen Krieg erlebt zu haben. In meinem Leben. Am eigenen Leib. Welch rührende Verwöhnung des Wohlstands.
In meiner Geschichte. In meinem Portemonaie. Ich kann nicht klagen. Ich kann nur dankbar sein. Für all dies. Eigentlich. Eigentlich gibt es auch kein großes Aber. Mit Nietzsche würde ich gerne nur noch ein Ja-Sagender sein. Jedoch: Ich bin noch ein Aber-Sagender, und, was vielleicht noch schlimmer ist, ein Aber-Denkender. Ein Aberdenkender im Abendland. Wo führt das hin? Ins Aber-Land? Klingt nicht so gut und schön und wahr. Ich bin zwar viel unterwegs, aber kein großer Reisender, kein Abenteurer, kein Eroberer. In die große weite Welt schau ich meist nur durch den Fern-Seher oder im WeWeWe. Einmal war ich in Südamerika, in Buenos Aires und Montevideo. Und
viermal in Nordamerika, in Alaska, New York und jüngst in Kalifornien. C’est tout. Ziemlich europäisch unterwegs, würde ich sagen. Das Gefühl, »am Ende der Welt« zu sein in Alaska, war freilich faszinierend. Und so ereignen sich
also die unterschiedlichsten Blicke über den Tellerrand, heraus aus dem eigenen Aufwuchs-Tal, so werden die vielfältigsten Horizonte entdeckt und erkundet und so formt sich ein Bild von der Welt und mir als Mensch darin. Ich
verorte mich örtlich, sozial und geistig. 

Diesel, Eier und Katar

Eine Zwergenimagination

Es war einmal, liebe Kinder, da lebte im wilden Westen Europas ein sagenhaftes Wesen, das nannte sich Willensfreiheit. Es war beheimatet im menschlichen Bewusstsein. Alle Bewohner des Westens,... [mehr]
Es war einmal, liebe Kinder, da lebte im wilden Westen Europas ein sagenhaftes Wesen, das nannte sich Willensfreiheit. Es war beheimatet im menschlichen Bewusstsein. Alle Bewohner des Westens, selbst die bravsten Bürger, trugen es in sich oder zumindest mit sich durch die Welt. »Wir können denken was wir wollen«, sagten sich die Leute, und so wollten sie auch, was sie denken konnten – Frieden zum Beispiel oder Gerechtigkeit, ein gutes Leben für alle auf Erden ... Da kam eines Tages ein stiefmütterlicher Erdkonzern auf die Idee, eine alte Ölplattform, die niemand mehr brauchte, im Meer zu versenken. »Dies wollen wir nicht«, sagten sich die Bewohner des Westens. »Denkt nicht an die Umwelt, denkt mal an die Kosten«, verkündeten die bösen Konzernlenker: »Was ihr dann zahlen müsst, wenn wir das nicht ins Meer werfen ...« Dazu winkten sie mit dem Geldbeutel, um die Leute das Fürchten zu lehren. »Das wollen wir doch mal sehen!« antworteten die willensfreien Menschen. Und was taten sie dann? Riefen sie etwa zum bewaffneten Widerstand auf und fackelten die Ölplattform gleich selber ab? Nein, sie gingen alle miteinander nur
ein einziges Wochenende woanders tanken, darauf besann sich der böse Konzern – und die Ölplattform wurde nicht ins Meer geworfen. So war das damals hinter den sieben Bergen, bei den Millionen Zwergen des freien Willens. Mit ihren kleinen Gedankenhämmerchen bewegten sie alle Dinge der Welt. Ja, ganz ohne Internet, liebe Kinder, stellt euch das vor!

Sommerlicher Aufbruch ins Unerwartete

Über die ›Living Connections‹-Konferenz zur anthroposophischen Meditation am Goetheanum

In hochsommerlicher Stimmung und bei Temperaturen bis zu 37 Grad fand vom 7.–9. Juli 2017 die ›Living-Connections‹-Konferenz am Goetheanum mit insgesamt etwa 450 Teilnehmern aus aller Welt statt. Vorbereitet hatte diese... [mehr]

In hochsommerlicher Stimmung und bei Temperaturen bis zu 37 Grad fand vom 7.–9. Juli 2017 die ›Living-Connections‹-Konferenz am Goetheanum mit insgesamt etwa 450 Teilnehmern aus aller Welt statt. Vorbereitet hatte diese groß angelegte Konferenz die ›Goetheanum-Meditation-Initiative-Worldwide‹, die vor sieben Jahren auf Anregung von Arthur Zajonc und anderen am Goetheanum und in Järna/Schweden entstanden ist. Diese Initiativgruppe mit einem Kern aus zwölf Menschen und einem erweiterten Kreis von mittlerweile etwa 75 Menschen aus allen Teilen der Welt, vor allem aber aus dem Westen, hatte einen großen Rahmen aufgespannt, in dem es tatsächlich möglich wurde, anthroposophische Meditation und Spiritualität in einer großen Offenheit und Weite zu erfahren.

Rosenkreuzertum und Tantrismus

Ein Forschungskolloquium zum Verhältnis von Anthroposophie und Buddhismus

Im Rahmen des Forschungsprojekts ›Perspektiven und Konzepte interreligiösen Dialogs und Lernens – Beiträge aus Anthroposophie und Waldorfpädagogik‹ fand am 29. und 30. April 2017 am Institut für Waldorfpädagogik,... [mehr]

Im Rahmen des Forschungsprojekts ›Perspektiven und Konzepte interreligiösen Dialogs und Lernens – Beiträge aus Anthroposophie und Waldorfpädagogik‹ fand am 29. und 30. April 2017 am Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität in Mannheim ein vertiefendes Forschungskolloquium zum Verhältnis von Anthroposophie und Buddhismus statt. Mit Thich Dhuc Thinh, einem Mönch der vietnamesischen Li-Chi-Schule, dem Buddhismusforscher Volker Zotz, Schüler und Nachfolger von Lama Anagarika Govinda in der Leitung des Arya-Maitreya-Mandala-Ordens sowie dem Organisator der seit 2015 in Stuttgart situierten Begegnungen zwischen anthroposophischen und buddhistischen Meditationslehrern, Andreas Neider, sollten die Perspektiven eines möglichen Dialogs ausgelotet werden.

Aus meiner europäischen Jukebox

Ich und Europa VII

Zwei musikalische Reiseentdeckungen aus diesem und dem letzten Sommer stellen die Folie dar für aphoristische Fragen an Europa und Gedanken zu seiner Zukunft.

Die grünen Fenster

Erste Betrachtung zu den Fenstermotiven im Großen Saal des Goetheanums

Betritt man den Großen Saal des Goetheanums, so fallen einem sofort die Fenster auf, die alles in farbiges Licht tauchen. Bei näherer Betrachten beginnen diese sich zu offenbaren und zeigen Erlebnisse und Stationen auf... [mehr]

Betritt man den Großen Saal des Goetheanums, so fallen einem sofort die Fenster auf, die alles in farbiges Licht tauchen. Bei näherer Betrachten beginnen diese sich zu offenbaren und zeigen Erlebnisse und Stationen auf dem Weg, der von der physischen in die geistige Welt führt. Hier wird in künstlerischer Form viel mehr gesagt, als ein ganzes Buch beschreiben könnte, denn man sieht schon auf Anhieb nicht nur verschiedene Gestalten mit ihrem individuellen Ausdruck, sondern auch ihre Anordnung, ihre Beziehungen untereinander, sowie die Unterschiede zwischen Nord- und Südseite. In diesem und drei kommenden Heften wird der Versuch unternommen, eine Beschreibung der Fensterbilder selbst und der bei ihrer Betrachtung möglichen Erlebnisse vorzunehmen. Jeder Artikel ist so aufgebaut, dass die Beschreibung zuerst den Skizzen Rudolf Steiners nachspürt, die er für jene Künstler gezeichnet hat, die mit der künstlerischen Ausführung der Fenster des ersten Goetheanums beauftragt waren. Dafür durfte ich die Originale im Rudolf Steiner Archiv studieren. Die Erkenntnisse, die mir daraus entstanden sind, habe ich anschließend in einem interpretatorischen Teil dargestellt. Denn einerseits geht es mir um die genaue Wahrnehmung, und andererseits bin ich mir sehr bewusst, dass jeder Interpret das Wahrgenommene nur durch seine eigene, persönliche Sicht zu erhellen versucht. Insofern kann meine Interpretation nur ein Angebot sein.

Engel aus Gras

Zu Ansgar Martins: ›Adorno und die Kabbala‹

Als ich Ende der 1970er Jahre an der Freien Universität Berlin zu studieren begann, war Theodor W. Adorno in aller Munde – nicht nur in Philosophie und Soziologie, sondern ebenso in Germanistik und Musikwissenschaft. Seine... [mehr]

Als ich Ende der 1970er Jahre an der Freien Universität Berlin zu studieren begann, war Theodor W. Adorno in aller Munde – nicht nur in Philosophie und Soziologie, sondern ebenso in Germanistik und Musikwissenschaft. Seine scharfsinnigen Gesellschaftsanalysen sowie seine subtilen Studien zu Literatur und Musik begeisterten viele, auch mich, der ich 1985 über seine Kunsttheorie promovierte.

Umkehr des Willens

Zum VI. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft

Unter dem Titel ›Die Erweckung der inneren Wahrnehmungskraft – Aktivierung des Denkens und Umkehr des Willens‹ fand am 12. Mai 2017 im Rudolf Steiner-Haus Stuttgart das VI. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft... [mehr]

Unter dem Titel ›Die Erweckung der inneren Wahrnehmungskraft – Aktivierung des Denkens und Umkehr des Willens‹ fand am 12. Mai 2017 im Rudolf Steiner-Haus Stuttgart das VI. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft der Akanthos-Akademie statt. Es gab fünf Beiträge und mehrere Gesprächsrunden mit den rund 30 Teilnehmern des Kolloquiums, das jährlich zweimal stattfindet.

Zum Einssein von Erscheinen und Erschauen

Zu Mark Rothkos Gemälde ›Rot, Orange‹ (1968)

Wie sich die Musik ans Ohr wendet, so wendet sich die Malerei ans Auge. Der Maler malt Bilder, damit sie angeschaut werden. Ist die Dauer des Musik-Hörens jedoch an den Ablauf des Musikstückes gebunden, so ist der zeitliche... [mehr]

Wie sich die Musik ans Ohr wendet, so wendet sich die Malerei ans Auge. Der Maler malt Bilder, damit sie angeschaut werden. Ist die Dauer des Musik-Hörens jedoch an den Ablauf des Musikstückes gebunden, so ist der zeitliche Rahmen, in dem ein Gemälde betrachtet wird, nicht vorgegeben. Der Maler kann daher bloß hoffen, dass der Betrachter sich die Zeit nimmt, das Bild so lange anzuschauen, dass möglichst viele der Gestaltungskomponenten in ihm »erklingen« können. Denn die Wirklichkeit des Bildes offenbart sich erst dann, wenn die künstlerische Gestalt des Werkes innerlich tätig nachempfunden wird.