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Umkehr des Willens

Zum VI. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft

Unter dem Titel ›Die Erweckung der inneren Wahrnehmungskraft – Aktivierung des Denkens und Umkehr des Willens‹ fand am 12. Mai 2017 im Rudolf Steiner-Haus Stuttgart das VI. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft... [mehr]

Unter dem Titel ›Die Erweckung der inneren Wahrnehmungskraft – Aktivierung des Denkens und Umkehr des Willens‹ fand am 12. Mai 2017 im Rudolf Steiner-Haus Stuttgart das VI. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft der Akanthos-Akademie statt. Es gab fünf Beiträge und mehrere Gesprächsrunden mit den rund 30 Teilnehmern des Kolloquiums, das jährlich zweimal stattfindet.

Zum Einssein von Erscheinen und Erschauen

Zu Mark Rothkos Gemälde ›Rot, Orange‹ (1968)

Wie sich die Musik ans Ohr wendet, so wendet sich die Malerei ans Auge. Der Maler malt Bilder, damit sie angeschaut werden. Ist die Dauer des Musik-Hörens jedoch an den Ablauf des Musikstückes gebunden, so ist der zeitliche... [mehr]

Wie sich die Musik ans Ohr wendet, so wendet sich die Malerei ans Auge. Der Maler malt Bilder, damit sie angeschaut werden. Ist die Dauer des Musik-Hörens jedoch an den Ablauf des Musikstückes gebunden, so ist der zeitliche Rahmen, in dem ein Gemälde betrachtet wird, nicht vorgegeben. Der Maler kann daher bloß hoffen, dass der Betrachter sich die Zeit nimmt, das Bild so lange anzuschauen, dass möglichst viele der Gestaltungskomponenten in ihm »erklingen« können. Denn die Wirklichkeit des Bildes offenbart sich erst dann, wenn die künstlerische Gestalt des Werkes innerlich tätig nachempfunden wird.

Luther als Spiegel unserer selbst

Zur Nationalen Sonderausstellung auf der Wartburg zu Eisenach

Ein strahlend schöner Maitag, voll ungewohnter Wärme! Den Weg nach Eisenach bin ich schon oft gefahren. Jedes Mal die Freude: Da ist sie, die Wartburg, Burg aller deutschen Burgen! Vor einigen Jahren besuchte ich sie anlässlich... [mehr]

Ein strahlend schöner Maitag, voll ungewohnter Wärme! Den Weg nach Eisenach bin ich schon oft gefahren. Jedes Mal die Freude: Da ist sie, die Wartburg, Burg aller deutschen Burgen! Vor einigen Jahren besuchte ich sie anlässlich eines Symposiums über Luther, ausgerichtet von der Luther-Gesellschaft im Rahmen der Lutherdekade. Es ging um den freien Willen. Damals war die Burg eingerüstet, in Vorbereitung auf die 950-Jahr-Feier, die im Luthergedenkjahr 2017 (500 Jahre Thesenanschlag und Beginn der Reformation) stattfinden würde. Also zwei Gründe, die Wartburg zu besuchen: die Nationale Sonderausstellung ›Luther und die Deutschen‹ und die fast tausend Jahre alte Burg selbst. Aber noch ein Drittes kommt hinzu: Das Wartburgfest feiert seinen 200. Geburtstag!

Lesen als subjektiver Weltgewinn

Versuch einer Selbstrecherche

In meinem thüringisch-dörflichen Elternhaus gab es keine nennenswerten Bücher. Eingeprägt hat sich mir lediglich ein alpiner BildTextband von Luis Trenker, vor allem wegen seiner Schwarz-Weiß-Fotos. Dieses Buch habe... [mehr]

In meinem thüringisch-dörflichen Elternhaus gab es keine nennenswerten Bücher. Eingeprägt hat sich mir lediglich ein alpiner BildTextband von Luis Trenker, vor allem wegen seiner Schwarz-Weiß-Fotos. Dieses Buch habe ich immer wieder durchblättert, allein und auch mit Frau Dornis, einer Nachbarin, zu der ich manchmal hinüberging, wenn ich allein war. Sie richtete meine Aufmerksamkeit auf die abgebildeten Bergdörfer, genauer gesagt auf die Kirchlein, die niemals fehlten. Immer wieder spornte sie mich an, sie zu suchen. Ich muss offen lassen, was das in meinem Unterbewusstsein bewirkt hat.

By Heart – ein Tribut an den Geist

»Wenn ich zum stillen Rat in meiner Brust / Entbiete die Erinn’rung alter Tage ...« Wenn man auf die Bühne geht, um ein Gedicht auswendig zu lernen, kann dabei nur ein Geschenk rauskommen: Ein Geschenk an die Menschen,... [mehr]

»Wenn ich zum stillen Rat in meiner Brust / Entbiete die Erinn’rung alter Tage ...« Wenn man auf die Bühne geht, um ein Gedicht auswendig zu lernen, kann dabei nur ein Geschenk rauskommen: Ein Geschenk an die Menschen, das aus der Hochachtung für den Geist selbst stammt. Zu diesem Experiment lud der portugiesische Regisseur, Schauspieler und Leiter des ›Theatro National D. Maria II‹ Tiago Rodrigues im Rahmen des Weimarer Kunstfestes 2016 zehn Menschen ein. 

Erzählungen über Europa

Ich und Europa VI

Europa hört irgendwo hinter dem Ural auf: als verstumme es oder trockne allmählich aus. 1999 fuhr ich an den Stillen Ozean und übte die Langsamkeit und das Warten in einer Landschaft, die immer einsamer wurde. Aber ich... [mehr]

Europa hört irgendwo hinter dem Ural auf: als verstumme es oder trockne allmählich aus. 1999 fuhr ich an den Stillen Ozean und übte die Langsamkeit und das Warten in einer Landschaft, die immer einsamer wurde. Aber ich konnte keine genaue Stelle finden, wo Europa endet. In Wladiwostok fühlte ich mich sogar plötzlich wieder zuhause. Woran das lag, kann ich heute nicht mehr sagen. Aber ich glaube, Europa braucht Wasser und das Meer. 

Wort – Weg – Warte

Eine Liebeserklärung

Wenn die Welt Bühne wäre – ganz und gar? Ort der Erscheinung. So sehen sie vermutlich die zur Welt kommenden Kinder seit jeher. Neu ist jedoch die Tatsache, dass sich innerhalb der Welt dieselbe Wahrnehmung ergibt wie... [mehr]

Wenn die Welt Bühne wäre – ganz und gar? Ort der Erscheinung. So sehen sie vermutlich die zur Welt kommenden Kinder seit jeher. Neu ist jedoch die Tatsache, dass sich innerhalb der Welt dieselbe Wahrnehmung ergibt wie jenseits von ihr. Die selbstverständliche Erfahrungsweise ist inzwischen das Bild – nicht im Sinne der Analogie, der Abbildung oder der Trennung zwischen Sein und Schein, sondern als neue einheitliche Seinsqualität. Weltwirklichkeit als Bildwerdung – damit ist das Scheinbare nicht länger als Anschein zu verstehen. Weder vor dem Spiegel noch hinter dem Scheinwerfer ist die Quelle des Wirklichen aufzufinden. Den Schein nicht mehr als Ausdruck eines Ansich-Seienden zu erfahren, sondern darin den Entwurf eines Sich-Lichtenden zu sehen – so kommen wohl heute die Kinder zur Welt. Originalität lässt sich nicht mehr als Standbild auf unerschütterlichem Grund besichtigen. Nur im Prozess, in der Erscheinungssphäre, im vollen Licht öffentlicher Vorgänge kann sie geortet, bezogen, identifiziert werden.

Geld und der Wille der Zukunft

Zur bildungsART 2017

Reden über Geld und bewusst damit umzugehen, ist eine Fähigkeit, die gelernt sein will, denn es gibt kaum ein anderes Medium, das gleichzeitig so viel ermöglichen und so viel zerstören kann. Reden über Macht ist wesentlich,... [mehr]

Reden über Geld und bewusst damit umzugehen, ist eine Fähigkeit, die gelernt sein will, denn es gibt kaum ein anderes Medium, das gleichzeitig so viel ermöglichen und so viel zerstören kann. Reden über Macht ist wesentlich, um sich der Verantwortung bewusst zu werden, die wir tragen, sowohl wenn wir Macht ausüben als auch, wenn wir sie zusprechen. Reden über Freiheit und der Versuch, jeden Augenblick unabhängig zu sein, setzt voraus, dass wir zutiefst ehrlich mit uns selber werden.

Die Dinosaurier des Inneren

Eine Tagung zu ›Meditation und Selbsterkenntnis‹ in Stuttgart

Wer immer sich bemüht, einen inneren Weg zugehen, sich dem Höheren zu öffnen, sich mehr auf die Welt einzulassen oder überhaupt in irgendeiner Weise an sich zu arbeiten, merkt schnell, dass gute Vorsätze allein nicht... [mehr]

Wer immer sich bemüht, einen inneren Weg zugehen, sich dem Höheren zu öffnen, sich mehr auf die Welt einzulassen oder überhaupt in irgendeiner Weise an sich zu arbeiten, merkt schnell, dass gute Vorsätze allein nicht ausreichen. Wenn man sich bemüht, sich zu ändern, tauchen die Dinosaurier des Inneren auf: Muster, Gewohnheiten und Reaktionsweisen, von denen man manchmal meint, man durchschaue sie schon seit ewigen Zeiten. Aber da sind sie wieder – und überwunden hat man sie trotz aller Reflexionsfähigkeit noch immer nicht!

Im Dienste der Mit-Teilung

Zur Bedeutung von Bibliotheken für das Geistesleben

Kurz vor 19 Uhr kam noch Herr B., ein Lehrer aus der benachbarten Waldorfschule, durch die Bibliothekstür und brachte »fällige« Bücher zurück. Dann fragte er, ob ich einen knappen, handlichen Text wüsste, der erläutert,... [mehr]

Kurz vor 19 Uhr kam noch Herr B., ein Lehrer aus der benachbarten Waldorfschule, durch die Bibliothekstür und brachte »fällige« Bücher zurück. Dann fragte er, ob ich einen knappen, handlichen Text wüsste, der erläutert, was es mit dem »Gang der Menschheit« über die Schwelle auf sich habe. Warum vollzieht sich der unbewusst, und was heisst das eigentlich? Natürlich wusste er das – genauso wie ich – »irgendwie«. Augustin sagt über die »Zeit«, dass er wisse was Zeit ist, solange man ihn nicht danach frage, aber sobald er gefragt werde, wisse er es nicht mehr. Ähnlich ging es mir und vielleicht auch Herrn B. jetzt mit dem menschheitlichen Überschreiten der Schwelle. Das Thema »Schwelle« führt unmittelbar ins Herz der Anthroposophie und gehört doch sonst ganz und gar nicht zur Allgemeinbildung. Und deshalb ist es dann auch eine besondere Aufgabe, es einem andern zu erläutern, der nicht so tief in der Anthroposophie drinnen steckt. Da reicht es nicht, Inhalte des Informationsgedächtnisses auf dem Tisch auszubreiten wie: die Schwelle als die Grenze zwischen geistiger Welt und irdischer Welt, Trennung von Denken, Fühlen und Wollen, unbewusste Überschreiten im Unterschied zum bewussten Überschreiten etc. Es gilt das Thema zu greifen, es darzustellen. Die Wiederholung von Aussagen Steiners, herausgelöst aus deren besonderem Zusammenhang ist unbefriedigend. Gleichwohl aber bleiben diese Aussagen wichtige Bezugspunkte und Quellen. Im Bibliothekskatalog fand ich unter Eingabe der Sachwortkombination »Schwelle: unbewusst« schnell den Hinweis auf ein vielversprechendes Buch, aber Herr B. wollte etwas Kurzes. Mit dem zweiten Versuch, der Kombination »Schwelle: Menschheit« stellten sich dann auch mehrere Ergebnisse in Form von Zeitschriften-Aufsätzen ein, darunter ein Beitrag von Walter Johannes Stein mit dem Titel ›Die Menschheit geht über die Schwelle‹ aus dem ›Österreichischen Boten‹ von 1922. Aber auch Steiners Vortrag vom 11. April 1919 aus ›Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen‹ (GA 190) und weitere Bücher wurden von der Suchmaschine angeboten. Herr B. notierte sich den Vortrag, kopierte sich den Zeitschriften-Artikel von W. J. Stein und ging damit hinaus. Ich blieb etwas unbefriedigt zurück, da ich erwartet hatte, mehr zu finden, und wiederholte die Suche am nächsten Tag nochmal, aber nun mit etwas mehr  Ruhe in der Titel-Stichwort Zeile des Katalogs.

Arbeit am Mythos

Ich und Europa V

Ich bin im akademischen Jahr 2013/14 einer von 29 Kollegiaten des ›Studienkollegs zu Berlin‹ gewesen. Das Kolleg existierte von 2002 bis 2014, brachte zwölf Jahrgänge mit 407 Kollegiaten hervor – und endete mit meinem... [mehr]

Ich bin im akademischen Jahr 2013/14 einer von 29 Kollegiaten des ›Studienkollegs zu Berlin‹ gewesen. Das Kolleg existierte von 2002 bis 2014, brachte zwölf Jahrgänge mit 407 Kollegiaten hervor – und endete mit meinem Jahrgang. Es wurde als Initiative der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Kooperation mit dem Wissenschaftskolleg zu Berlin und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Wer die Website des Studienkollegs besucht, der findet dort – inzwischen in Vergangenheitsform – formuliert, was dessen Absicht gewesen ist: »Ziel des Studienkollegs zu Berlin war es, dem europäischen Führungsnachwuchs für seine künftigen Aufgaben in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und Verwaltung wichtige Kenntnisse über Ziele und Werte Europas mitzugeben. Es ermöglichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Europas Vielfalt im Kleinen zu erleben, und bot einen einzigartigen Raum, den eigenen Fragen an Europa nachzugehen – jenseits aller Fächer- und Ländergrenzen und Zwänge des universitären Betriebs.« Was wurde mir als »europäischem Führungsnachwuchs« über »Ziele und Werte Europas« mitgegeben? Und welchen »eigenen Fragen an Europa« bin ich nachgegangen?

Wie wir sind

Alle sind wir ein bisschen schräg drauf. Der eine kommt immer zu spät, der andere lacht so laut, dass die Nachbarn zusammenzucken. Einer gebraucht mit Genuss drastische Schimpfworte, ein anderer spricht immer so leise,... [mehr]

Alle sind wir ein bisschen schräg drauf. Der eine kommt immer zu spät, der andere lacht so laut, dass die Nachbarn zusammenzucken. Einer gebraucht mit Genuss drastische Schimpfworte, ein anderer spricht immer so leise, dass ihn drei Meter weiter keiner mehr versteht, und behält das auch nach der dritten Nachfrage unbeirrt bei. Der eine liebt förmliche Begrüssungen und gibt jedem die Hand, wenn er den Raum betritt, der andere schleicht zu seinem Stuhl, ohne die Augen vom Boden zu erheben, und noch ein anderer setzt sich so geräuschvoll hin, dass die Nachbarin, die in Meditation versunken zu sein scheint, irritiert die Augen öffnet.