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»Das verkrampfte Verhältnis zur Spiritualität in der Hochschulbildung überwinden«

Claudius Weise im Gespräch mit Marcelo da Veiga

Für die Frage der Vereinbarkeit von Anthroposophie und akademischer Wissenschaft ist die Alanus Hochschule gegenwärtig ein wichtiges Beispiel. 1973 als freie anthroposophische Kunststudienstätte gegründet, strebte die... [mehr]

Für die Frage der Vereinbarkeit von Anthroposophie und akademischer Wissenschaft ist die Alanus Hochschule gegenwärtig ein wichtiges Beispiel. 1973 als freie anthroposophische Kunststudienstätte gegründet, strebte die Alanus-Hochschule seit den späten 90er Jahren die staatliche Anerkennung an, die 2002 von Marcelo da Veiga verhandelt und erreicht wurde. Von diesem Jahr an prägte da Veiga den weiteren Entwicklungsprozess, der 2010 mit der Erstakkreditierung als Hochschule durch den Wissenschaftsrat und die Verleihung eines beschränkten Promotionsrechts einen Meilenstein verzeichnete. Nach 15 Jahren legte er im April 2017 sein Amt als Rektor nieder. Im Gespräch mit ›die Drei‹ zieht er Bilanz und blickt nach vorne.

»Sogar weibliche Gottheiten waren im Spiel«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Peter Schäfer

»Die Erhöhung des Jesus von Nazareth als des Erstgeborenen vor aller Schöpfung, des menschgewordenen Gottes, des Sohnes Gottes, des Menschensohns, des Messias« – alle diese christlichen Vorstellungen einer göttlichen... [mehr]

»Die Erhöhung des Jesus von Nazareth als des Erstgeborenen vor aller Schöpfung, des menschgewordenen Gottes, des Sohnes Gottes, des Menschensohns, des Messias« – alle diese christlichen Vorstellungen einer göttlichen Zweisamkeit wurzeln im frühen Judentum, das ebenfalls viele Namen für einen zweiten Gott im Himmel hatte. Der Judaismus-Forscher Peter Schäfer stellt das Bild von einem jüdischen Monotheismus angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse infrage. In seinem Buch ›Zwei Götter im Himmel. Gottesvorstellungen in der jüdischen Antike‹ (C. H. Beck, München 2017) beschreibt er, wie sich das rabbinische Judentum, das sich nach der Zerstörung des Zweiten Tempels 70 nach unserer Zeitrechnung unter Federführung der Rabbinen herausbildete, angesichts des entstehenden Christentums wieder auf seine frühen Vorstellungen zweier Götter besann. Die Vorstellung eines zweiten Gottes im Himmel wurde von Rabbinen und jüdischen Mystikern über die Jahrhunderte weiterentwickelt.

»Ein Blick in unheimliche zeitliche Tiefen«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Raoul Schrott

Was lässt sich erzählen vom Urknall, der Entstehung der Erde und dem Beginn des Lebens? Sieben Jahre lang ist Raoul Schrott dieser Frage nachgegangen. Er hat die Welt bereist, um zu den Ursprüngen zu gelangen, den ältesten... [mehr]

Was lässt sich erzählen vom Urknall, der Entstehung der Erde und dem Beginn des Lebens? Sieben Jahre lang ist Raoul Schrott dieser Frage nachgegangen. Er hat die Welt bereist, um zu den Ursprüngen zu gelangen, den ältesten Steinen, den Fossilien von allererstem Leben, den frühesten Spuren des Menschen, und hat dazu zahlreiche Gespräche mit Naturwissenschaftlern geführt. Entstanden ist ein gewaltiges Epos, beeindruckend in seiner erzählerischen Fülle wie in seiner thematischen Spannweite. ›Erste Erde. Epos‹ (Hanser, München 2016) erkundet vor dem Hintergrund der kosmologischen Geschichte und der Evolution die Existenz des Menschen in ihren zahlreichen Facetten.

»Die Afrikaner werden ihren eigenen Weg finden«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Alex Perry

Afrika befindet sich im Aufbruch. Der britische Afrika-Experte Alex Perry bereiste zehn Jahre lang den Kontinent, sprach mit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft und erlebte ein Afrika, das nicht nur von Hunger,... [mehr]

Afrika befindet sich im Aufbruch. Der britische Afrika-Experte Alex Perry bereiste zehn Jahre lang den Kontinent, sprach mit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft und erlebte ein Afrika, das nicht nur von Hunger, Katastrophen und Kriegen bestimmt wird, sondern selbstbewusst seinen Weg sucht. Den Menschen südlich der Sahara prognostiziert Perry ein Entkommen aus der Armut und eine Befreiung von westlicher Einmischung und Bevormundung. Aus eigener Kraft werden die Menschen den wirtschaftlichen Aufschwung schaffen. Damit werde auch dem Rassismus der Boden entzogen. In seinem Buch ›In Afrika. Reise in die Zukunft‹ (S. Fischer, Frankfurt a. M. 2016) zeigt Perry, dass der Prozess der Veränderung längst begonnen hat. Was hinterherhinkt, ist unsere Sicht auf Afrika.

»Die Psychoanalyse lebt in Zyklen«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Peter-André Alt

Sigmund Freud revolutionierte das Denken über den Menschen wie kaum ein anderer Wissenschaftler. Als Begründer der Psychoanalyse und Verfasser der Traumdeutung eroberte er Neuland. Er öffnete die wissenschaftliche Sicht... [mehr]

Sigmund Freud revolutionierte das Denken über den Menschen wie kaum ein anderer Wissenschaftler. Als Begründer der Psychoanalyse und Verfasser der Traumdeutung eroberte er Neuland. Er öffnete die wissenschaftliche Sicht auf das menschliche Triebleben, das Unbewusste und die Sexualität. Ihm widerfuhr heftige Kritik. Sein Denken wurde für überholt oder widerlegt erklärt und erlangte doch immer wieder neue Bestätigung. Auf vielfältige Art erweist es sich als fruchtbar bis in die Gegenwart. Der Literaturhistoriker Peter-André Alt hat eine neue Freud-Biografie vorgelegt. In ›Sigmund Freud. Der Arzt der Moderne‹ (C. H. Beck, München 2016) porträtiert er Freud als Arzt und Wissenschaftler, Familienvater und belesenen Gelehrten sowie als Schriftsteller, dessen Krankenberichte den großen Novellen des 19. Jahrhunderts gleichen. Er zeichnet die Geschichte seiner Wissenschaft nach und würdigt die kulturhistorische Leistung, die Freuds Lehre »als Moment der Moderne, als Instrument ihrer Deutung und ihr Motor« vollbracht hat. Gestützt auf unveröffentlichtes Material, spürt er der Frage nach, wie Freud aus den Patientengesprächen in der Berggasse und den Selbstanalysen ein folgenreiches Wissen vom Menschen gewann und eine Lehre schuf, die weit über das therapeutische Feld hinauswirkte.

»Der Traum von Ferne und Exotik«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit dem französischen Schriftsteller Mathias Enard

Beethoven besaß einen Kompass. Und dieser Kompass zeigt nach Osten. Er zeigt in den Orient. Es ist der Kompass der Erleuchtung, das Artefakt Suhrawardis, des großen persischen Philosophen und ersten Orientalisten. In seinem... [mehr]

Beethoven besaß einen Kompass. Und dieser Kompass zeigt nach Osten. Er zeigt in den Orient. Es ist der Kompass der Erleuchtung, das Artefakt Suhrawardis, des großen persischen Philosophen und ersten Orientalisten. In seinem mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman ›Kompass‹ (aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller, Hanser Berlin 2016) erschließt Mathias Enard einen faszinierenden Raum der Begegnung von Orient und Okzident. Anknüpfend an die Liebesgeschichten der Weltliteratur und getragen von einer immensen Recherche, lässt er den Wiener Musikwissenschaftler Franz Ritter in einer schlaflosen Nacht mystische Orte, historische Stätten und Vergangenheiten durchwandern. Der Leser wird hineingezogen in einen überwältigenden Strom des Zusammenwirkens abendländischer und orientalischer Einflüsse in der Musik, Literatur, Kunst und Philosophie.

»Nur eine Revolution kann retten, was zu retten ist«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit dem Philosophen Slavoj Žižek

Slavoj Žižek ist einer der anregendsten Denker der Gegenwart. Seine Philosophie entspringt der Auseinandersetzung mit den sozialen und kulturellen Phänomenen der Gegenwart. Der Philosophenkollege Dominik Finkelde vergleicht... [mehr]

Slavoj Žižek ist einer der anregendsten Denker der Gegenwart. Seine Philosophie entspringt der Auseinandersetzung mit den sozialen und kulturellen Phänomenen der Gegenwart. Der Philosophenkollege Dominik Finkelde vergleicht sie mit jenem anamorphotischen Blick auf die Wirklichkeit, der die Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts kennzeichnet, wenn perspektivisch verzogene Bildinhalte erst unter einem bestimmten Blickwinkel erkennbar werden. So wird Žižek von dem Willen getrieben, alles aus einer durch das Vokabular Hegels und Lacans getönten Perspektive noch einmal zu interpretieren. In seinem Buch ›Weniger als nichts. Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus‹, dessen Taschenbuchausgabe im August 2016 bei Suhrkamp erschienen ist, entwirft er aus der Perspektive immer neuer Lektüren von Hegel, Marx und Lacan seine politische Philosophie.

»In ›1001 Nacht‹ steckt Patriarchatskritik«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Claudia Ott

Für Goethe war ›1001 Nacht‹ ein Lebensbuch. Hugo von Hofmannsthal sah darin »die kühnste Geistigkeit und die vollkommenste Sinnlichkeit in eins verwoben«. Jetzt ist die Überlieferungsgeschichte der Sammlung um einen... [mehr]

Für Goethe war ›1001 Nacht‹ ein Lebensbuch. Hugo von Hofmannsthal sah darin »die kühnste Geistigkeit und die vollkommenste Sinnlichkeit in eins verwoben«. Jetzt ist die Überlieferungsgeschichte der Sammlung um einen sensationellen Fund reicher. In der Raşit-Efendi-Bibliothek der Altstadt von Kayseri stöberte die Arabistin Claudia Ott das lange verschollene Ende von ›1001 Nacht‹ auf und machte es in einer großartigen Übersetzung der Öffentlichkeit zugänglich. Ott gehört international zu den führenden Experten für ›1001 Nacht‹. Ihre Erstübersetzung des bisher ältesten Fragments von ›1001 Nacht‹ liegt bereits in der 11. Auflage vor. ›Tausendundeine Nacht. Das glückliche Ende‹(C. H. Beck, München 2016) enthält Schahrasads kunstvoll verschachtelte Erzählungen der letzten 125 Nächte sowie den ausführlichen Schluss mit der reuigen Einsicht von Sultan Schahriyar und einer Doppelhochzeit.

»Ich sehe keinen europäischen Weg für Moldawien«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit der moldawischen Schriftstellerin Liliana Corobca

»Besser ohne so viele Markenkleidungsstücke, dafür mit einer Mutter«, denkt die zwölfjährige Cristina wehmütig. Mit ihren beiden Brüdern ist sie ganz allein. Sie kocht, putzt, füttert die Hühner und Schweine und... [mehr]

»Besser ohne so viele Markenkleidungsstücke, dafür mit einer Mutter«, denkt die zwölfjährige Cristina wehmütig. Mit ihren beiden Brüdern ist sie ganz allein. Sie kocht, putzt, füttert die Hühner und Schweine und versucht, den Brüdern Ersatzmutter und -vater in einem zu sein. Ihre Eltern sind im Ausland, um Geld zu verdienen. Der Vater arbeitet in Sibirien, und die Mutter passt in Italien auf fremde Kinder auf. In ihrem Roman ›Der erste Horizont meines Lebens‹ (aus dem Rumänischen von Ernest Wichner, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2015) gibt die moldawische Schriftstellerin Juliana Corobca den Kindern in Moldawien eine Stimme, die von ihren Eltern zurückgelassen wurden.

»Wilde Verlässlichkeit«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Alexander Kluge

»Nachträglich hätte ein unbefangener Beobachter die traumartige Verwicklung neu aufrollen und unter Zustimmung aller Beteiligten ein glücklicheres Ende herbeiführen können.« Auf der Suche nach dem glücklicheren Ende... [mehr]

»Nachträglich hätte ein unbefangener Beobachter die traumartige Verwicklung neu aufrollen und unter Zustimmung aller Beteiligten ein glücklicheres Ende herbeiführen können.« Auf der Suche nach dem glücklicheren Ende versammelt Alexander Kluge Schwärme von Geschichten, Beobachtungen, Erkenntnissen und Kuriositäten. Er hält Erinnerungen fest und durchmisst die Erdgeschichte ebenso wie die Geschichte seiner Familie. Ein einziger Moment kann die Wendung herbeiführen und den Schalter der Geschichte umlegen. Den zentralen Bezugspunkt bildet Kong, der riesige Gorilla auf dem Hochhaus, der die weiße Frau in seiner Hand hält und vor den angreifenden Flugzeugen beschützt. ›Kongs große Stunde. Chronik des Zusammenhangs‹ (Suhrkamp, Berlin 2015) ist ein faszinierendes Palimpsest, das vielfältige – überraschende und verstörende – Zusammenhänge offenbart.

Gefährliches Vorbild?

Ruth Renée Reif im Gespräch mit dem Schweizer Historiker Jakob Tanner

Die Geschichte der Schweiz lasse sich nicht als Selbsterschaffung des Landes im nationalsouveränen Alleingang einer Willensnation begreifen, betont der Schweizer Historiker Jakob Tanner. In seiner ›Geschichte der Schweiz... [mehr]

Die Geschichte der Schweiz lasse sich nicht als Selbsterschaffung des Landes im nationalsouveränen Alleingang einer Willensnation begreifen, betont der Schweizer Historiker Jakob Tanner. In seiner ›Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert‹ (C.H. Beck, München 2015) setzt er sich kritisch mit der vermeintlichen Sonderstellung der Schweiz auseinander. Er spürt den Spannungen zwischen Demokratie, Kapitalismus und Nationalmythologie nach und hinterfragt das Erzählmuster einer schweizerischen Erfolgsgeschichte.

»ISIS verweigert sich jedem Gespräch«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit dem Nahost-Experten Bruno Schirra

Die dschihadistische Terrorgruppe ISIS bedroht die arabische Welt. Sie zieht eine Blutspur durch den Irak und Syrien. Ihr Ziel ist die Errichtung eines Islamischen Staates im Irak und in den historischen Grenzen Großsyriens.... [mehr]

Die dschihadistische Terrorgruppe ISIS bedroht die arabische Welt. Sie zieht eine Blutspur durch den Irak und Syrien. Ihr Ziel ist die Errichtung eines Islamischen Staates im Irak und in den historischen Grenzen Großsyriens. Am 29. Juni 2014 ernannte sich ISIS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi in der irakischen Stadt Mossul zum Kalifen und postulierte damit seinen Anspruch als Nachfolger des Propheten Mohammed. ISIS nennt sich seither ›Islamischer Staat‹ (IS) und unterstreicht nach Einschätzung des Nahost-Experten Bruno Schirra damit »den globalen Anspruch seiner Herrschaft«. Ausnahmslos jedes Land, in dem jemals Muslime die Herrschaft innehatten, solle seinem Kalifat unterworfen werden. Das bedeute die Gefahr eines Flächenbrandes, der über Syrien und den Irak hinaus die gesamte Region des Nahen und Mittleren Ostens erfassen könne. In seinem Buch ›ISIS. Der globale Dschihad. Wie der »Islamische Staat« den Terror nach Europa trägt‹ (Econ, Berlin 2015) analysiert Schirra, wie es zum fulminanten Aufstieg von ISIS kommen konnte und welche Gefahr – auch für Europa – von der Organisation ausgeht.