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Ethnopluralismus oder Multikulturalismus

Zu ›Identitäre Anthroposophie‹ von Claudius Weise in die Drei 10/2017

Michael Wortmann:Der Freie Mann Friedrich August Eschen (1776-1800)

Spätaufklärer und Romantikerfreund

Bruno Sandkühler:Lotus und Papyrus. Der Atem Ägyptens

Krönung eines Lebenswerkes

Dankmar Bosse:Die Evolution der Minerale zwischen Kosmos und Erde – Entwurf einer Mineralogie und Kristallografie der lebendigen Erde

Augenweide und Erkenntnisfreude

Till Ungefug:Perspektiven der Sozialkunde – Plädoyer für ein unentdecktes Kernfach der Waldorfpädagogik

Erfülltes Desiderat

Rainer Schnurre:Katalog: Bilder und Texte zur Dreigliederung eines sozialen Organismus

Dreigliederung: gemalt, geschrieben, gesprochen

Kurz notiert

Bewusstseinswandel durch die Blume

›Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes‹ – Eine Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum

Betritt man den durch geschickte Untergliederung erstaunlich groß wirkenden Ausstellungsraum, so stößt man zuerst auf das kleine farbige Blatt ›Buschrose mit Miniermotte, Larve und Puppe‹ von Maria Sibylla Merian:... [mehr]

Betritt man den durch geschickte Untergliederung erstaunlich groß wirkenden Ausstellungsraum, so stößt man zuerst auf das kleine farbige Blatt ›Buschrose mit Miniermotte, Larve und Puppe‹ von Maria Sibylla Merian: eine rosafarbene »Große hundertblätterichte Rose«, deren geöffnete oberste Blüte sich an einem nach rechts ausschwingenden Stängel nach links neigt. Auf diese hat die sie eine echte getrocknete Raupe geklebt. Eine weitere – jetzt gezeichnete – grüne Raupe kriecht auf einer der noch knospigen Blüten, eine dritte schaut mit ihrem schwarzen Köpfchen aus einer Blütenknospe, durch sie sich gerade gefressen hat, heraus. Auf dem Stiel eines nach rechts herunterhängenden Fiederblattes ist die kleine bräunliche Puppe zu erkennen – wie ein fein segmentierter »Dattelkern«, während ein geschlüpftes »Mottenvögelein« (Merians Worte!) oben auf der grossen Blüte sitzt, deren gelbliche Flügel mit dem Gold, das am Grunde eines nach außen gebogenen Blütenblattes sichtbar wird, korrespondieren. Von links kommt eine weitere Motte, die Flügel ausbreitend, angeflogen.

»Toujours travailler!«

Zum 100. Todestag von Auguste Rodin (12. November 1840 in Paris - 17. November 1917 in Meudon)

Es ist ein extrem heißer Augusttag, als wir die kleine bergige Strasse in Meudon, einem Ort südlich von Paris, emporsteigen. Ein hohes Gitter begrenzt einen weitläufigen Garten. Die halbrunde Pforte ist einladend geöffnet,... [mehr]

Es ist ein extrem heißer Augusttag, als wir die kleine bergige Strasse in Meudon, einem Ort südlich von Paris, emporsteigen. Ein hohes Gitter begrenzt einen weitläufigen Garten. Die halbrunde Pforte ist einladend geöffnet, und eine schattige, leicht abwärts führende Kastanienallee empfängt uns. Im halb verdorrten Gras stehen einige Antiken. Da ist schon das Haus zu sehen: ein kleines Gartenhaus im Stil Louis-treize, aus roten Backsteinen, mit weißem Naturstein abgesetzt, und hohem Giebeldach aus Schiefer. Ab 1894 arbeitete Rodin vor allem hier. Ein paar Stufen führen zum Eingang des Hauses. Wir lösen die Eintrittskarten und sind bei Rodin daheim.

Grenzüberschreitungen

Ich und Europa IX

Als ich noch ein Kind war, wirkten Grenzen auf ambivalente Weise anziehend auf mich, sie waren Schwellen zu unbekannten Ländern, und wer eingelassen wurde, hatte den ersten Schritt der »Initiation« geschafft. Deshalb war... [mehr]

Als ich noch ein Kind war, wirkten Grenzen auf ambivalente Weise anziehend auf mich, sie waren Schwellen zu unbekannten Ländern, und wer eingelassen wurde, hatte den ersten Schritt der »Initiation« geschafft. Deshalb war das Warten vor dem Zoll immer mit der Spannung verbunden: Werden wir eingelassen oder nicht? Und wenn uns der Zöllner mit einer Handbewegung durchgewinkt hatte, war das ein kleiner Sieg – ein fröhlicher Triumph über das Prinzip der Ausgrenzung, das jeder Grenze innewohnt.

Die Philosophie an der Schwelle

Jan Patočkas Tod vor 40 Jahren und seine Begegnung mit der Anthroposophie

Im Dezember 1976 stand der 75. Geburtstag des Physikers Werner Heisenberg bevor. Zu diesem Jubiläum hatte die Alexander von Humboldt-Stiftung, deren Präsident Heisenberg Jahrzehnte lang war, ihre ehemaligen ausländischen... [mehr]

Im Dezember 1976 stand der 75. Geburtstag des Physikers Werner Heisenberg bevor. Zu diesem Jubiläum hatte die Alexander von Humboldt-Stiftung, deren Präsident Heisenberg Jahrzehnte lang war, ihre ehemaligen ausländischen Stipendiaten gebeten, kleine Texte aus ihrem Wissensgebiet zu einer Festschrift beizutragen. Zu den Angefragten gehörte auch der damals fast 70-jährige tschechische Philosoph, Phänomenologe und Comeniologe Jan Patočka. In seiner Jugend durfte er dank dem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung bei Edmund Husserl in Freiburg studieren, dessen Werk er sich lebenslang sehr verbunden fühlte. Patočka entschied sich, für Heisenberg über ›Ursprung und Sinn des Unsterblichkeitsgedankens bei Plato‹ zu schreiben. Dabei beschäftigte er sich anhand von Platons Dialogen intensiv mit den tiefen Rätseln des Todes, der Natur, der Seele und der Beziehung ihres ewig-unsterblichen Teils zum Leib, wie sie sich u.a. im Gesetz der Wiederverkörperung zeigt. Während er sich mit diesen Schwellenfragen befasste, überschritt er selbst die Schwelle und starb unter dramatischen Umständen am 13. März 1977. Sein Text erschien posthum. So haben wir es hier mit dem vermutlich letzten – erschütternd testamentarischen – Text Patočkas zu tun, der gerade aus dem platonischen Todesverständnis heraus ein besonnenes, engagiertes Stehen und Wirken im Leben folgert. »Es wäre ein Kurzschluss, [...] eine Weltflucht als Folge zu postulieren«, heißt es darin.