Artikel von János Darvas

Das Gottesvolk

Offenbarung und Auserwählung im jüdischen Selbstverständnis – I. Teil

»Das auserwählte Volk« – die Formulierung irritiert. Das ist verständlich. Wie und warum sollte einem bestimmten Volk ein Sonderstatus unter allen anderen Völkern zustehen? Bezieht sich nicht ein Begriff wie »Auserwählung«... [mehr]

»Das auserwählte Volk« – die Formulierung irritiert. Das ist verständlich. Wie und warum sollte einem bestimmten Volk ein Sonderstatus unter allen anderen Völkern zustehen? Bezieht sich nicht ein Begriff wie »Auserwählung« – sofern er überhaupt brauchbar und nicht abgelebter religiöser Aberglaube ist – bestenfalls auf Individuen, keineswegs auf ein Kollektiv? Sind nicht alle Menschen, wenn schon nicht »auserwählt«, so doch zumindest »berufen«? Und ist nicht, im christlichen Verständnis – und auch im islamischen – die Gottesgefolgschaft prinzipiell von jedem Volkszusammenhang längst losgelöst?

Das Gottesvolk

Offenbarung und Auserwählung im jüdischen Selbstverständnis – II. Teil

Sind die Juden ein Volk oder sind sie Angehörige eines religiösen Bekenntnisses? Wohl beides zugleich. Die Sachlage ist aber alles andere als eindeutig. Sofern sie ein Volk sind, ist das Atypische nicht zu übersehen, wo... [mehr]

Sind die Juden ein Volk oder sind sie Angehörige eines religiösen Bekenntnisses? Wohl beides zugleich. Die Sachlage ist aber alles andere als eindeutig. Sofern sie ein Volk sind, ist das Atypische nicht zu übersehen, wo doch Juden zugleich Amerikaner, Russen oder Marokkaner sein können – oder auch Israelis, was andere Juden wiederum nicht sind, dafür aber viele Muslime und Christen. Und ob das Judentum eine Bekenntnisreligion sei, darf getrost hinterfragt werden. Die Konversion zum Judentum besteht ja im Kern nicht darin, einem Credo zuzustimmen, sondern beruht darauf, in die Schicksalsgemeinschaft des »Volkes Israel« aufgenommen zu werden – unabhängig davon, ob der Konvertit Chinese, Afroamerikaner oder sonst etwas ist und bleibt.

Genialität und Gefährdung. Ein Blick auf die politische und geistige Situation in Ungarn

Heidegger und der Antisemitismus

Die Herausgabe der Schwarzen Hefte Martin Heideggers im Frankfurter Klostermann Verlag hat eine heftige Debatte ausgelöst.1 Sie geht weit über diejenigen hinaus, in denen bereits früher um die nationalsozialistische Vergangenheit... [mehr]

Die Herausgabe der Schwarzen Hefte Martin Heideggers im Frankfurter Klostermann Verlag hat eine heftige Debatte ausgelöst.1 Sie geht weit über diejenigen hinaus, in denen bereits früher um die nationalsozialistische Vergangenheit des Großphilosophen gerungen wurde. Sie enthalten Passagen mit eindeutig antisemitischem Inhalt. Das ist neu und bestürzend. Heidegger galt als Wegbegleiter der Nazis, nicht aber als Antisemit. Mit dem Bekanntwerden dieser Textstellen in den bisher nicht publizierten Aufzeichnungen – sie erscheinen nach Heideg­gers eigenem Willen erst jetzt zum Abschluss der Gesamtausgabe – lädt sich die Heideggerdebatte mit zusätzlicher Dramatik auf. Die Frage, ob überhaupt noch etwas vom Beitrag dieses Denkens zu retten sei, ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Bleibt fortan nicht nur der Mensch Heidegger, sondern auch sein Philosophieren als Ganzes diskreditiert? Muss Heideg­ger aus der Ehrenliste der großen abendländischen Philosophen gestrichen werden?

Johannes Kiersch:In »okkulter Gefangenschaft«? Von der gewordenen zur werdenden Anthroposophie

Gediegene Gabe

Vielschichtige Wahrheit. Interreligiöses Erkennen als geisteswissenschaftliche Initiative