Artikel von Peer de Smit

Fremdkörper

Zu einem Roman von David Levithan

Kopf oder Zahl

Zum Verhältnis von Kunst und Wissenschaft

Um für uns die Wahrnehmung des Lebens wiederherzustellen, die Dinge fühlbar, den Stein steinig zu machen, gibt es das, was wir Kunst nennen. Das Ziel der Kunst ist, uns ein Empfinden für das Ding zu geben, das Sehen und... [mehr]

Um für uns die Wahrnehmung des Lebens wiederherzustellen, die Dinge fühlbar, den Stein steinig zu machen, gibt es das, was wir Kunst nennen. Das Ziel der Kunst ist, uns ein Empfinden für das Ding zu geben, das Sehen und nicht nur Wiedererkennen ist.
Viktor Sklovskij
Aus: Kunst als Verfahren

Verstecke

Zur Anwesenheit des Unsichtbaren

Als Kind habe ich mich gerne hoch oben in der Krone einer Pappel versteckt, die im verwilderten Garten einer Kriegsruine stand. Die Bäume waren vom Schlingknöterich überwuchert. Der bildete blickdichte Dächer und ließ... [mehr]

Als Kind habe ich mich gerne hoch oben in der Krone einer Pappel versteckt, die im verwilderten Garten einer Kriegsruine stand. Die Bäume waren vom Schlingknöterich überwuchert. Der bildete blickdichte Dächer und ließ die Bäume wie große grüne Fabeltiere aussehen. Der Garten grenzte an den Rheindamm, auf dem ein vor allem an den Wochenenden stark frequentierter Spazierweg vorbeiführte. Ich saß also oben in der Krone versteckt, beobachtete die vorbeischlendernden Spaziergänger und belauschte die Gespräche derjenigen, die sich auf einer in direkter Nähe meines Verstecks befindlichen Bank niederließen. Interessant war dabei weniger, was ich zu sehen und zu hören bekam, sondern vielmehr das Gefühl des Verborgenseins: Ich war unsichtbar da, und dies vermittelte, einmal ganz abgesehen von der wunderbaren Vogelperspektive, ein Gefühl der Souveränität und Unangreifbarkeit.

Viele Wege nach Rom?

Zur Choreografie der Erfahrung

Sie gehören zum Alltäglichsten, mit dem wir zu tun haben, und zumeist haben wir uns sosehr daran gewöhnt, dass es sie gibt und dass wir sie benutzen, dass wir sie gar nicht mehrwahrnehmen. Und dennoch sind sie... [mehr]

Sie gehören zum Alltäglichsten, mit dem wir zu tun haben, und zumeist haben wir uns so
sehr daran gewöhnt, dass es sie gibt und dass wir sie benutzen, dass wir sie gar nicht mehr
wahrnehmen. Und dennoch sind sie voller Überraschungen und Wunder, selbst dort, wo
wir sie täglich begehen: die Wege.

Vielleicht – Wie leicht

Annäherungen an eine Philosophie des Vielleicht

Vielleicht. Das Wort hat kaum Gewicht. Es lässt sich sprechen mit fast geschlossenem Mund, und auch die übrigen Sprechwerkzeuge beansprucht es kaum. Es ist nicht viel mehr als ein Hauch, der leicht über die Lippen... [mehr]

Vielleicht. Das Wort hat kaum Gewicht. Es lässt sich sprechen mit fast geschlossenem Mund, und auch die übrigen Sprechwerkzeuge beansprucht es kaum. Es ist nicht viel mehr als ein Hauch, der leicht über die Lippen geht. Und die Dinge, mit denen es zu tun hat, scheint dieses Wort mehr zu streifen, als dass es sie richtig erfasst. Vielleicht. So sehr sind die beiden Worte, denen der Ausdruck sich verdankt, miteinander verschmolzen, dass wir sie kaum mehr hören: viel und leicht. Nichts Beschwerliches also, nicht Kompliziertes.