Artikel von Leo Zängerle

Der Mensch am Abgrund

Eine Betrachtung des Bildes ›Sisyphos‹ von Tizian

Sisyphos ist eine der wenigen Figuren aus der griechischen Mythologie, die seit der Renaissance im kollektiven Bewusstsein haften geblieben sind. Bekannt ist etwa, dass er einen schweren Stein zu schleppen hatte. Man weiss... [mehr]

Sisyphos ist eine der wenigen Figuren aus der griechischen Mythologie, die seit der Renaissance im kollektiven Bewusstsein haften geblieben sind. Bekannt ist etwa, dass er einen schweren Stein zu schleppen hatte. Man weiss auch noch, dass er seine Arbeit immer wieder von vorne beginnen musste, weil der Stein immer wieder den Berg hinunterrollte. So ist die Sisyphos-Arbeit immer noch der Inbegriff für ein mühsames und sinnloses Unterfangen. Unbekannt ist hingegen meistens, wie Sisyphos seine berühmte Strafe verdiente. – Das Bild ›Sisyphos‹ von Tizian entstand 1548-49 im Auftrag der Königin Maria von Ungarn für ein Lustschloss in der Nähe von Brüssel. Der Künstler hatte vermutlich noch ein Verständnis für die Untergründe und die Aktualität dieses archetypischen Schicksals, das im folgenden Beitrag als Beispiel eines verlorenen, vom Kosmos abgeschnürten Menschen begriffen wird, für den der Christus zum Erlöser werden kann.

Verführt von Wunsch und Wagemut

Eine Betrachtung des Bildes ›Tantalus‹ von Gioacchino Assereto

Vor genau 100 Jahren veröffentlichte Rudolf Steiner die Schrift ›Von Seelenrätseln‹. Darin wird u.a. ausgeführt, wie Denken, Fühlen und Wollen mit der physisch-ätherischen Leibesgrundlage des Menschen zusammenhängen. Vor... [mehr]

Vor genau 100 Jahren veröffentlichte Rudolf Steiner die Schrift ›Von Seelenrätseln‹. Darin wird u.a. ausgeführt, wie Denken, Fühlen und Wollen mit der physisch-ätherischen Leibesgrundlage des Menschen zusammenhängen. Vor diesem Hintergrund kann auffallen, dass zwei noch heute berühmte Gestalten der griechischen Mythologie, Sisyphos und Tantalos, extrem einseitige Ausprägungen des dreigliedrigen Menschen darstellen. Es wurde bereits gezeigt, dass bei Sisyphos das Denken alles beherrscht und er sich dadurch vom Kosmos abschnürt.Im vorliegenden Beitrag wird mithilfe des Bildes ›Tantalus‹ – das der Genueser Künstler Gioacchino Assereto um 1640 malte – entwickelt, wie die sprichwörtlich gewordenen Tantalos-Qualen damit zusammenhängen, dass diese tragische Gestalt den ins Bewusstsein drängenden Willenskräften nicht gewachsen war.

Vom Ringen eines Riesen. Eine Betrachtung des Bildes »Christophorus« von Konrad Witz