Heft 1, 2015

Schwerpunkt: Geistige Wurzeln des Islam

Der verständnisvolle, geschichtsbewusste Blick ist geeignet, auch das eigene Leben geistig zu bereichern und die Weisheit des Geschichtsverlaufs anzuerkennen. Wie jede Gestaltung eines neuen geistigen Einschlags in die Geschichte ist auch der Islam an seinen Idealen und an seinen höchsten Erscheinungsformen zu messen, nicht an Auffassungen, die zu Fanatismus und Grausamkeit führen, so sehr diese auch das gegenwärtige Bild bestimmen.

- Günter Röschert -
Inhalt

Editorial:

Thema: Dossier Islam

Islam: Das Fremde als Feindbild

Zum Themenschwerpunkt dieses Heftes

Seite: 7

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»Es gibt keinen Gott außer Gott«

Der Islam als Teil der abrahamischen Religionsfamilie

Der Islam als Religion der Einheit muss an seinen Idealen und höchsten Erscheinungsformen gemessen werden. Durch Offenbarung inauguriert, ist seine Entwicklung möglicherweise auch als Reaktion auf das dreieinheitliche Gottesbild... [mehr]

Der Islam als Religion der Einheit muss an seinen Idealen und höchsten Erscheinungsformen gemessen werden. Durch Offenbarung inauguriert, ist seine Entwicklung möglicherweise auch als Reaktion auf das dreieinheitliche Gottesbild des Christentums zu verstehen. Wie dieses ist er im geistigen Milieu der Spätantike aus dem Judentum hervorgegangen und somit Glied der abrahamischen Religionsfamilie. – Ausgehend von dem islamischen Glaubensbekenntnis sucht Günter Röschert in diesem geschichtlichen Zusammenhang die geistigen Wurzeln des Islam zu ergründen, auch unter Einbeziehung seiner individualisierten Vertiefung in der sufistischen Mystik. Im Anschluss an Thomas Bauer ist für den Autor der salafistische Fundamentalismus auch ein Ergebnis kultureller Kolonisation durch den Westen, die nun auf diesen zurückschlägt. Dabei zeigt die Geschichte, dass es auch zu fruchtbaren Begegnungen kommen kann. Eine sympathetische Betrachtung des Islam erscheint umso dringlicher, als sich derzeit Nachrichten über schreckliche Gewaltverbrechen häufen, die im Namen des Islam verübt werden.   

Seite: 9

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Die Söhne Abrahams

Eine Betrachtung der Geschichte von Jakob und Esau

Die Zwillingsbrüder Jakob und Esau – Kinder des jüngeren Abraham-Sohnes Isaak – ringen um den dem Erstgeborenen zustehenden Segen ihres erblindeten Vaters. Sie werden darüber zu Todfeinden, und eine Versöhnung ist... [mehr]

Die Zwillingsbrüder Jakob und Esau – Kinder des jüngeren Abraham-Sohnes Isaak – ringen um den dem Erstgeborenen zustehenden Segen ihres erblindeten Vaters. Sie werden darüber zu Todfeinden, und eine Versöhnung ist erst nach schmerzvollen Erfahrungen möglich. – Der folgenden Betrachtung liegt eine neue Übersetzung ihrer Geschichte (Genesis 25,20-28,21 und 32,2-33,12) aus dem Hebräischen durch die Autorin zugrunde, die im Anschluss auch abgedruckt ist. Diese versucht, die Vielschichtigkeit der hebräischen Sprache auszuloten, wodurch eine neue Deutung möglich wird. Die Geschichte von Jakob und Esau kann so den Hintergrund des Konfliktes zwischen Juden und Arabern, beides Abraham-Söhne, neu beleuchten und vielleicht auch Denkanstöße für zukünftige Entwicklungen bieten.

Seite: 22

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Die Geschichte von Jakob und Esau

Übertragen aus dem Hebräischen von Elsbeth Weymann

Goethes Urphänomen

Ein phänomenologischer Beitrag zu einem erweiterten Erfahrungsbegriff

Goethe kann, wie seine naturwissenschaftlichen Schriften zeigen, als ein Vorläufer phänomenologischen Denkens betrachtet werden. Insbesondere am Beispiel des »Urphänomens«, ausdrücklich benannt im Bereich der Optik... [mehr]

Goethe kann, wie seine naturwissenschaftlichen Schriften zeigen, als ein Vorläufer phänomenologischen Denkens betrachtet werden. Insbesondere am Beispiel des »Urphänomens«, ausdrücklich benannt im Bereich der Optik (Theorie der Farben), lässt sich seine anschauend-denkende und an den vielfältigen »Bedingungen des Erscheinens« orientierte phänomenologische Methode zeigen. Der Philosoph Edmund Husserl (1859-1938) gilt als der Begründer der phänomenologischen Bewegung im 20. Jahrhundert. Er arbeitete vor allem in seinen Hauptwerken eine Methode aus, die einen erweiterten Erfahrungsbegriff zugrunde legt. In ihr werden die »originär gebende Anschauung« (als Selbstgebung eines Gegenstandes), die Evidenz sowie das Aufweisen und Ausweisen – statt Konstruktion und Deduktion – zu zentralen Prinzipien des Erkennens mit dem Ziel einer Wesenserkenntnis erhoben. Der Artikel möchte zeigen, dass mit Husserls phänomenologischer Philosophie eine Sprache und Begrifflichkeit zur Verfügung steht, mit deren Hilfe Goethes – vor allem im Bereich der Naturwissenschaft tätiges, phänomenologisches Denken – sich explizit machen und als komplementär zu Husserls Phänomenologie erweisen lässt.

Die »Chiffernschrift« der Philosophiegeschichte

Einige Beobachtungen zu Rudolf Steiners Buch »Die Rätsel der Philosophie«

Rudolf Steiners schriftliches Werk ist durch ein ausgeprägtes Stilbewusstsein gekennzeichnet. In einer Zeit, in der die Dominanz von Inhalt und Informationsgehalt der Sprache das Gefühl für Stil und Form immer stärker... [mehr]

Rudolf Steiners schriftliches Werk ist durch ein ausgeprägtes Stilbewusstsein gekennzeichnet. In einer Zeit, in der die Dominanz von Inhalt und Informationsgehalt der Sprache das Gefühl für Stil und Form immer stärker zurückdrängt, fällt es vielen Menschen zunehmend schwer, die Implikationen eines Werkes zu erfassen, das so vollständig von der Deckung von Inhalt und Form lebt wie dasjenige Steiners. Der folgende Artikel ist ein Versuch, dieses Ineinanderwirken an einem Kapitel des Buches Die Rätsel der Philosophie darzustellen. Er setzt in gewisser Hinsicht die eigene Lektüre voraus, kann aber auch als Vorgriff und Anregung zu eigenen Entdeckungen gelesen werden.

Forum Anthroposophie:

Zwischen Lotusblumen und anschauender Urteilskraft

Rudolf Steiners Schriften zur Erkenntnisschulung in der Kritischen Ausgabe

... Angesichts dieser Forschungsdesiderate ist es beeindruckend, wie viel Material Clement für seine Einleitung und den Stellenkommentar zusammengetragen hat. Man sieht Steiner förmlich an seinem Schreibtisch sitzen, vor... [mehr]

... Angesichts dieser Forschungsdesiderate ist es beeindruckend, wie viel Material Clement für seine Einleitung und den Stellenkommentar zusammengetragen hat. Man sieht Steiner förmlich an seinem Schreibtisch sitzen, vor sich die theosophischen Standardwerke, die er meistens noch nicht lange kennt und deren Einfluss deshalb in vielen Einzelheiten präzise nachzuweisen ist, hinter sich Platon und Aristoteles, Goethe und Schiller, Schelling und Fichte, mit denen Steiner aus dem Vollen schöpfen kann...

Seite: 58

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Rudolf Steiner: Schriften. Kritische Ausgabe (SKA), Band 7: Schriften zur Erkenntnisschulung

... Angesichts dieser Forschungsdesiderate ist es beeindruckend, wie viel Material Clement für seine Einleitung und den Stellenkommentar zusammengetragen hat. Man sieht Steiner förmlich an seinem Schreibtisch sitzen, vor... [mehr]

... Angesichts dieser Forschungsdesiderate ist es beeindruckend, wie viel Material Clement für seine Einleitung und den Stellenkommentar zusammengetragen hat. Man sieht Steiner förmlich an seinem Schreibtisch sitzen, vor sich die theosophischen Standardwerke, die er meistens noch nicht lange kennt und deren Einfluss deshalb in vielen Einzelheiten präzise nachzuweisen ist, hinter sich Platon und Aristoteles, Goethe und Schiller, Schelling und Fichte, mit denen Steiner aus dem Vollen schöpfen kann...

Forum Anthroposophie:

Vorstellung und Imagination

Ein Forschungskolloquium in Stuttgart

Feuilleton: Kunst

Bilder sind eine Durchgangsstation. Wir sind immer noch beim Handwerk«

Imi Knoebel im Kunstmuseum Wolfsburg

Seite: 65

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Menschen – Maß

Oskar Schlemmer in der Staatsgalerie Stuttgart

Inspiration Japan

Eine Ausstellung in Essen und dann Zürich

Seite: 72

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Serie:

Fundstück XII: Drei Philosophen

Serie: Die ordnenden Kräfte des Tierkreises X: Steinbock

Buchbesprechungen:

Albert Steffen:Referate von Vorträgen Rudolf Steiners

Michael Rüegg:An den Grenzlinien der Wissenschaft. Zur Kritik fataler Zukunftsversprechen von Ganzheitsmedizin und Hirnforschung

Heinz Bude:Gesellschaft der Angst

Lew Schestow:Siege und Niederlagen

Thomas Brunner:Euphonetische Gründe. Betrachtungen zur Kunst