Heft 1, 2016

Schwerpunkt: Erkenntniswege

Die geheimnisvolle »Kraft«, die in der Bewusstseinsseele »das Ich offenbar macht« und »sich in aller übrigen Welt kundgibt«, ist eine geistige, von hellem Bewusstsein durchzogene und innerlich erlebte Willenswirksamkeit. Als menschliche Kraft kann sie ihrem Inhalt und Ziel nach subjektiv sein, sie kann sich aber auch von der Welt her bestimmen lassen. Dann verliert sie ihren drängenden Charakter und wird sanft, gleichsam schwebend, empfangend, ohne jedoch an Klarheit einzubüssen. Dann erfährt sie, dass das, was sie als »Welt« scheinbar von außen bestimmt, von derselben Substanz ist wie sie selbst. Sie fühlt und begegnet dem göttlichen Willen, der die Welterscheinungen hervorbrachte, dem Vater-Willen, und will ihn in sich geschehen lassen. »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.«

- Christoph Hueck -
Inhalt

Editorial:

Die neue Herausgeberin stellt sich vor: Angelika Sandtmann

Editorial

Leserforum:

Verkürzte Sicht, verfrühtes Urteil

Zu Andreas Neider: ›Der Ost-West-Gegensatz‹, die Drei 9/2015

Thema: Goetheanismus

Nachtrag zu Heft 11/2015

Editorial:

Zu diesem Heft

Die Evolution der religiösen Impulse

Von der geopolitischen Machtpolitik zum geokulturellen Menschheitsverständnis

Deutschland ist eine wirtschaftliche und politische Scheinmacht. Die wirklich relevanten Entscheidungen fallen an anderen Orten. Dennoch laufen in Mitteleuropa jahrtausendealte Entwicklungslinien in einer Weise zusammen,... [mehr]

Deutschland ist eine wirtschaftliche und politische Scheinmacht. Die wirklich relevanten Entscheidungen fallen an anderen Orten. Dennoch laufen in Mitteleuropa jahrtausendealte Entwicklungslinien in einer Weise zusammen, die es geradezu prädestinert erscheinen lassen, ein ganz neues, menschheitliches Geistesleben auszubilden. Dazu müssen allerdings die Kräfte der Vergangenheit erkannt und umgearbeitet werden. Unverwandelt wirken diese Kräfte in den geopolitischen Machtbestrebungen weiter.

Seite: 11

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Die Entdeckung des Ich-Welt-Innenraums

Zur Darstellung der Selbsterkenntnis in Rudolf Steiners ›Geheimwissenschaft im Umriss‹

»So habe ich den Ort gefunden, an dem Du unverhüllt gefunden werdenkannst. Er ist vom Ineinsfall der Gegensätze umgeben. Er ist die Mauer desParadieses, in dem Du wohnst. Seine Pforte bewacht der höchste Geist... [mehr]

»So habe ich den Ort gefunden, an dem Du unverhüllt gefunden werden
kannst. Er ist vom Ineinsfall der Gegensätze umgeben. Er ist die Mauer des
Paradieses, in dem Du wohnst. Seine Pforte bewacht der höchste Geist des
Verstandes. Wird dieser nicht besiegt, wird der Zugang nicht offen sein.«
Nicolaus Cusanus
Aus: ›De visione Dei‹, Kap. 9

Von inneren Quellen

Eine Artikelserie zu Rudolf Steiners Schrift ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹

Lebenswege mit ›Wie erlangt man... ?‹

Persönlich-überpersönliche Bemerkungen

Im Herbst 1992 kaufte ich mir mein erstes Buch von RudolfSteiner, ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹,und ich begann sogleich, mit Interesse und innerer Spannungdarin zu lesen. Ich war damals... [mehr]

Im Herbst 1992 kaufte ich mir mein erstes Buch von Rudolf
Steiner, ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹,
und ich begann sogleich, mit Interesse und innerer Spannung
darin zu lesen. Ich war damals 15 Jahre alt. Ich erinnere mich
noch gut an das leicht Geheimnisvolle und Mystische, das vom
ersten Moment an von diesem Buch für mich ausging. Auch einen
Hauch von Fremdheit verspürte ich den sprachlichen Wendungen
Rudolf Steiners gegenüber.
Das Grunderlebnis allerdings war: Das ist mir alles irgendwie
vertraut und bekannt – es war wie ein geistiges Nach-Hause-
Kommen. Dieses Erlebnis steigerte sich noch durch mein zweites
Buch von Rudolf Steiner, ›Die Philosophie der Freiheit‹, welche
ich zu meinem 16. Geburtstag geschenkt bekam. Mit diesen
beiden Werken begann nun ein intensives Steiner-Studium, das
bis heute andauert.
Im Nachhinein scheint es mir kein bloßer Zufall zu sein, dass
ich diesen beiden Werken zuerst begegnete, eben auch in dieser
Reihenfolge. Von den »höheren Erkenntnissen« zur Freiheitsphilosophie,
vom esoterischen Erkenntnisweg zum freien Handeln.
Zwischen diesen beiden Werken spannte sich für mich die Beschäftigung
mit der Anthroposophie auf. Den meditativen Schulungsweg
wollte ich aus Freiheit begreifen und beschreiten, und
die ›Philosophie der Freiheit‹ wollte ich spirituell erschließen
und praktisch geistig erwandern.

Viele Wege nach Rom?

Zur Choreografie der Erfahrung

Sie gehören zum Alltäglichsten, mit dem wir zu tun haben, und zumeist haben wir uns sosehr daran gewöhnt, dass es sie gibt und dass wir sie benutzen, dass wir sie gar nicht mehrwahrnehmen. Und dennoch sind sie... [mehr]

Sie gehören zum Alltäglichsten, mit dem wir zu tun haben, und zumeist haben wir uns so
sehr daran gewöhnt, dass es sie gibt und dass wir sie benutzen, dass wir sie gar nicht mehr
wahrnehmen. Und dennoch sind sie voller Überraschungen und Wunder, selbst dort, wo
wir sie täglich begehen: die Wege.

Das Wasser-Element als biografische Chiffre

»Es ist ein Gott in uns, […] der lenkt, wie Wasserbäche,
das Schiksaal, und alle Dinge sind sein Element.«
Friedrich Hölderlin
Aus: ›Hyperion‹

Eingedunkelt

Ambivalente Erfahrungen eines Lehrers

»DIE NACHZUSTOTTERNDE WELT,
bei der ich zu Gast
gewesen sein werde, ein Name,
herabgeschwitzt von der Mauer,
an der eine Wunde hochleckt.«
Paul Celan
Aus: ›Schneepart‹

Interview:

»ISIS verweigert sich jedem Gespräch«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit dem Nahost-Experten Bruno Schirra

Die dschihadistische Terrorgruppe ISIS bedroht die arabische Welt. Sie zieht eine Blutspur durch den Irak und Syrien. Ihr Ziel ist die Errichtung eines Islamischen Staates im Irak und in den historischen Grenzen Großsyriens.... [mehr]

Die dschihadistische Terrorgruppe ISIS bedroht die arabische Welt. Sie zieht eine Blutspur durch den Irak und Syrien. Ihr Ziel ist die Errichtung eines Islamischen Staates im Irak und in den historischen Grenzen Großsyriens. Am 29. Juni 2014 ernannte sich ISIS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi in der irakischen Stadt Mossul zum Kalifen und postulierte damit seinen Anspruch als Nachfolger des Propheten Mohammed. ISIS nennt sich seither ›Islamischer Staat‹ (IS) und unterstreicht nach Einschätzung des Nahost-Experten Bruno Schirra damit »den globalen Anspruch seiner Herrschaft«. Ausnahmslos jedes Land, in dem jemals Muslime die Herrschaft innehatten, solle seinem Kalifat unterworfen werden. Das bedeute die Gefahr eines Flächenbrandes, der über Syrien und den Irak hinaus die gesamte Region des Nahen und Mittleren Ostens erfassen könne. In seinem Buch ›ISIS. Der globale Dschihad. Wie der »Islamische Staat« den Terror nach Europa trägt‹ (Econ, Berlin 2015) analysiert Schirra, wie es zum fulminanten Aufstieg von ISIS kommen konnte und welche Gefahr – auch für Europa – von der Organisation ausgeht.

Feuilleton: Dossier Islam

Begegnung mit dem Geist der Sufis

Ein Vortrag über den Islam am 20. November 2015 in Paris

Feuilleton:

Zwischen Selbstbewusstsein und Zeitbewusstsein

Zur Ausstellung ›Einfühlung und Abstraktion – Die Moderne der Frauen in Deutschland‹, Kunsthalle Bielefeld

Kurz notiert:

Kurz notiert

Seite: 87

Buchbesprechungen:

Angelika Wiehl:Propädeutik der Unterrichtsmethoden in der Waldorfpädagogik (Kulturwissenschaftliche Beiträge der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft - Bd. 13.

Von Erstarrung befreit

Andrea Bajani:Erkennst Du mich

Trauer ohne Larmoyanz

Seite: 91

Artikel lesen

Philip Kovce:Götterdämmerung. Rudolf Steiners Initialphilosophie

Genuss für Kenner

Barbara Oehl-Jaschkowitz:Manche Angst in Zuversicht verwandelt: Eltern von Kindern mit Behinderung erzählen. Mit Fotografien von Charlotte Fischer

Leben, Liebe, Zuversicht