Heft 10, 2017

Schwerpunkt: Anthroposophie und »offizielle« Wissenschaft

»Man hat Steiner immer stark inhaltlich rezipiert, als sei es ihm darum gegangen, ein neues Weltbild anzubieten, dass man dann einfach übernimmt. Ich denke, was er entwickelt hat, ist vor allem eine Methodik, sich zu befähigen, mit geistigen Sachverhalten modern und kompetent umzugehen. Anders gesagt: Die Spaltung von Glauben und Wissen ist noch nicht überwunden. Das zu ermöglichen ist meines Erachtens, auf den Punkt gebracht, die Mission Rudolf Steiners. Dafür muss sein Denken noch konsequenter erforscht und praktisch umgesetzt werden.«

- Marcelo da Veiga -
Inhalt

Editorial:

Zu diesem Heft

Über den Sommer habe ich unser neues – oder eigentlich altes – Redaktionsbüro im Rudolf Steiner Haus Stuttgart bezogen. Noch ist die Einrichtung nur provisorisch, aber die Sammelbände... [mehr]
Über den Sommer habe ich unser neues – oder eigentlich altes – Redaktionsbüro im Rudolf Steiner Haus Stuttgart bezogen. Noch ist die Einrichtung nur provisorisch, aber die Sammelbände mit allen Ausgaben dieser Zeitschrift seit 1921 stehen schon vor mir im Regal. Blättere ich in den schmalen Bänden aus den 50er Jahren, so stoße ich auf die ersten Beiträge von Dietrich Spitta, dessen würdiger Feder auch der Aufsatz ›Wilhelm von Humboldts Bildungsideal, seine Staatsidee und sein politisches Wirken‹ in diesem Heft entstammt. Spitta erinnert uns darin an Ideale, denen gegenüber die Wirklichkeit allerdings schon zu Humboldts Zeiten zurückblieb. So frei und unabhängig, wie dieser sich
das Schul- und Hochschulwesen vorstellte, war es leider nie – und selbst die vorhandenen Freiheiten müssen zuweilen erst mühsam erworben werden, um sie zu besitzen, wie mein Interview mit Marcelo da Veiga, dem langjährigen Rektor der Alanus-Hochschule beweist.

Der Aufstieg Emmanuel Macrons und die Zukunft Europas

Teil 1: Zur Bedeutung der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017

Alain Morau hatte im Sommer der Redaktion seine Beobachtungen zu den französischen Wahlen und seine Einschätzung von deren Hintergründen vorgelegt. Daraus ist mit Stephan Eisenhut ein deutsch-französicher Dialog entstanden,... [mehr]

Alain Morau hatte im Sommer der Redaktion seine Beobachtungen zu den französischen Wahlen und seine Einschätzung von deren Hintergründen vorgelegt. Daraus ist mit Stephan Eisenhut ein deutsch-französicher Dialog entstanden, dessen Ergebnis wir in zwei Teilen vorstellen wollen. Der erste Teil lenkt den Blick auf die Umstände der Präsidentschaftswahl und die dahinter stehenden Netzwerke. Am Beispiel einer vollkommen unbekannten Partei wird gezeigt, dass politische Strömungen, welche die Souveränität Frankreichs gegenüber einer langfristig angelegen Europa-Strategie bestimmter Kreise verteidigen, keine Chance haben, ihre Positionen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der zweite Teil wird anhand des Gegensatzes zwischen Charles de Gaulle und Jean Monnet aufzeigen, wie diese EU-Politik von langer Hand angelegt wurde und systematisch die Auflösung der souveränen Staaten anstrebt.

L’ascension d’Emmanuel Macron et l’avenir de l’Europe

1ère Partie: De l’importance des élections présidentielles françaises de 2017

Cet été Alain Morau a exposé à la Rédaction de Die Drei ses observations sur les élections françaises et son évaluation des arrières-plans de celles-ci. Il en est résulté un dialogue franco-allemand avec Stephan... [mehr]

Cet été Alain Morau a exposé à la Rédaction de Die Drei ses observations sur les élections françaises et son évaluation des arrières-plans de celles-ci. Il en est résulté un dialogue franco-allemand avec Stephan Eisenhut, dont nous voulons présenter le résultat en deux parties. Dans la première partie le regard se porte sur les circonstances de l’élection présidentielle et sur les réseaux agissant  en coulisse. L’exemple d’un parti français parfaitement inconnu est exposé pour montrer que les courants politiques défendant la souveraineté de la France contre une stratégie européenne établie de longue date n’ont aucune chance de se faire entendre auprès du grand public. La seconde partie développera l’opposition historique entre Charles de Gaulle et Jean Monet puis la mise en place de la politique de construction de l’UE par la dissolution systématique de la souveraineté des Etats.

Interview:

»Das verkrampfte Verhältnis zur Spiritualität in der Hochschulbildung überwinden«

Claudius Weise im Gespräch mit Marcelo da Veiga

Für die Frage der Vereinbarkeit von Anthroposophie und akademischer Wissenschaft ist die Alanus Hochschule gegenwärtig ein wichtiges Beispiel. 1973 als freie anthroposophische Kunststudienstätte gegründet, strebte die... [mehr]

Für die Frage der Vereinbarkeit von Anthroposophie und akademischer Wissenschaft ist die Alanus Hochschule gegenwärtig ein wichtiges Beispiel. 1973 als freie anthroposophische Kunststudienstätte gegründet, strebte die Alanus-Hochschule seit den späten 90er Jahren die staatliche Anerkennung an, die 2002 von Marcelo da Veiga verhandelt und erreicht wurde. Von diesem Jahr an prägte da Veiga den weiteren Entwicklungsprozess, der 2010 mit der Erstakkreditierung als Hochschule durch den Wissenschaftsrat und die Verleihung eines beschränkten Promotionsrechts einen Meilenstein verzeichnete. Nach 15 Jahren legte er im April 2017 sein Amt als Rektor nieder. Im Gespräch mit ›die Drei‹ zieht er Bilanz und blickt nach vorne.

Schwerpunkt:

»Man muss soviel Freiheit lassen, als möglich«

Wilhelm von Humboldts Bildungsideal, seine Staatsidee und sein politisches Wirken

Der Humboldt-Forscher Clemens Menze hat in seiner 1965 erschienenen grundlegenden Arbeit über ›Wilhelm von Humboldts Lehre und Bild vom Menschen‹ geschrieben, dass... [mehr]
Der Humboldt-Forscher Clemens Menze hat in seiner 1965 erschienenen grundlegenden Arbeit über ›Wilhelm von Humboldts Lehre und Bild vom Menschen‹ geschrieben, dass Humboldts Gesamtwerk nichts anderes sei als der großangelegte Versuch, eine Wissenschaft vom Menschen zu begründen. Der letzte Gesichtspunkt, der sein Denken bestimmt habe, sei die Menschenbildung auf der Grundlage der philosophisch-empirischen Menschenkenntnis gewesen.

Der »abtrünnige« Monist Rudolf Steiner

Anmerkungen zu einem Deutungsproblem

Rudolf Steiners durchaus ambivalente Haltung gegenüber Ernst Haeckel und dessen Monismus spielte in der steinerkritischen Literatur seit jeher eine große Rolle.... [mehr]
Rudolf Steiners durchaus ambivalente Haltung gegenüber Ernst Haeckel und dessen Monismus spielte in der steinerkritischen Literatur seit jeher eine große Rolle. Schon zu seinen Lebzeiten wurde Steiner vorgeworfen, er habe durch zahlreiche Textänderungen in den Neuauflagen seiner Schriften seine ideologische Kehrtwende vom monistischen Materialisten zum dualistischen Esoteriker nachträglich verschleiern wollen. Vertreter des ›Deutschen Monistenbundes‹ (DMB) glaubten gar beweisen zu können, dass sein Beitritt zur Theosophischen Gesellschaft nur aus einer finanziellen Notlage heraus erfolgt sei. Der folgende Aufsatz möchte einige noch immer kursierende Falschbehauptungen richtigstellen. Wenn der Haeckel- und Steinerbiograph Johannes Hemleben feststellt: »Haeckel hat sich [die] Schützenhilfe Steiners gerne gefallen lassen, bis er erfuhr, daß derselbe ›Theosoph geworden‹ sei (1902)«, so ist das korrekturbedürftig. Das vermeintliche Haeckelzitat (»Theosoph geworden«) ist eine Erfindung des Haeckelschülers Heinrich Schmidt, und die Datierung von Haeckels »Rückzug« muss bezweifelt werden, gehörte doch Steiner noch 1903 zu den Empfängern eines Widmungsexemplars der Volksausgabe von Haeckels ›Die Welträtsel‹. 

Serie:

»Alles Niedere hat sich aus Höherem entwickelt«

Rudolf Steiners Auffassung der Evolution von Mensch und Tier I

Vor einiger Zeit veröffentlichte Wolfgang Schad in dieser Zeitschrift eine Kritik meines Buches ›Evolution im Doppelstrom der Zeit‹, die eine längere Debatte auslöste. Die eigentliche... [mehr]
Vor einiger Zeit veröffentlichte Wolfgang Schad in dieser Zeitschrift eine Kritik meines Buches ›Evolution im Doppelstrom der Zeit‹, die eine längere Debatte auslöste. Die eigentliche Frage – ob der Mensch als Ziel der Evolution angesehen werden kann oder ob diese, wie Schad schrieb, ein »Lernen an der Erde mit offenem Ausgang« war – blieb dabei jedoch unbeantwortet. Heute möchte ich diese Frage wieder aufgreifen, und zwar mit einer Darstellung von Rudolf Steiners Auffassung der Evolution von Mensch und Tier, die hier in ihren Grundzügen skizziert wird. In einem weiteren Artikel werde ich verschiedene Zugänge zu dieser geisteswissenschaftlichen Sicht der Evolution darlegen. Insgesamt hoffe ich, damit einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion über die anthroposophische Evolutionsauffassung
geben zu können. 

campyrus:

Forum Anthroposophie:

Templerimpulse und Templerindividualitäten

Offene Karmafragen in Vergangenheit und Gegenwart

Von 1307 bis 1314 währten die Prozesse gegen den Templerorden. Veranlasst durch den damaligen König von Frankreich, Philipp den Schönen, wurden die Templer... [mehr]
Von 1307 bis 1314 währten die Prozesse gegen den Templerorden. Veranlasst durch den damaligen König von Frankreich, Philipp den Schönen, wurden die Templer grausam gefoltert und hingerichtet. Am 18. März 1314 wurde der letzte Großmeister des Ordens, Jacques de Molay, zusammen mit Geoffroy de Charney in Paris öffentlich verbrannt. Der Orden war schon 1312 auf dem Konzil von Vienne aufgehoben worden. Viele Rätsel ranken sich bis heute um die Impulse und die Ziele der Templer sowie ihre brutale Vernichtung. In den letzten Jahren erschienen verschiedene Werke und Aufsätze von anthroposophischen Autoren zu dieser Thematik, insbesondere auch karmische Betrachtungen zur Individualität Jacques de Molays. Bis heute bestehen jedoch eklatante Widersprüche in diesen Darstellungen, die bisher nicht weiter aufgeklärt und bearbeitet wurden. Man kann den Eindruck haben, dass 700 Jahre nach der Vernichtung des Templerordens die geistige Welt uns die Aufgabe gestellt hat, Licht in das Dunkel zu bringen, bis hin zu konkreten karmischen Erkenntnissen. Die Frage ist aber, ob da nicht zunächst eine Chance vertan wurde, da die sich widersprechenden Darstellungen bis heute weitgehend unvermittelt nebeneinander stehen, ja die beteiligten Autoren sich zum Teil nicht einmal aufeinander beziehen, sodass vielleicht mehr Verwirrung entstanden ist als wirkliche Klärung, und auch die geistige Welt ihre Tore zunächst wieder verschlossen hat.
 

Identitäre Anthroposophie

Was in der Anthroposophischen Bewegung leider vorgeht

Innerhalb der anthroposophischen Presse­landschaft nimmt das von der Initiative ›Entwicklungsrichtung Anthroposophie‹ herausge­gebene ›Ein Nachrichtenblatt‹ eine eigentüm­liche... [mehr]
Innerhalb der anthroposophischen Presse­landschaft nimmt das von der Initiative ›Entwicklungsrichtung Anthroposophie‹ herausge­gebene ›Ein Nachrichtenblatt‹ eine eigentüm­liche Stellung ein. Die als elektronische Datei verschickte Zeitschrift wurde 2011 ins Leben ge­rufen, nachdem die Herausgeber der Wochenschrift ›Das Goetheanum‹ verkündet hatten, dass die Nachrichten für Mitglieder – bekannt als: ›Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht‹ – nicht mehr als wöchentliche Beilage erscheinen, sondern in den öffentlichen Teil integriert werden sollten. Damit war nach Auffassung der Initiatoren eine spezifische Korrespondenz für Mitglieder, wie sie von Rudolf Steiner angeregt worden war, nicht mehr gegeben. Dass die Wochenschrift überwiegend von Mitgliedern gelesen wird und umgekehrt ›Ein Nachrichtenblatt‹ auch von Nichtmitgliedern bezogen werden kann, hielt die Initiatoren nicht davon ab, zu erklären: »Wir setzen mit der damit gekennzeichneten Veröffentlichungsform ›spezifisch für Mitglieder‹ [...] an einer Arbeitsrichtung an, welche durch eine offizielle Mitgliederbeilage – gemeint ist die wöchentliche, nun in die Wochenschrift hineinfusionierte – nicht mehr betreut wird. Es ist nicht möglich, etwas zu konkurrenzieren, was nicht existiert.« Führt man sich überdies vor Augen, dass alle deutschsprachigen Landesgesellschaften eigene Mitteilungsblätter herausgeben und regelmäßig ›Anthroposophie weltweit‹ als internationales Nachrichtenblatt für Mitglieder der Wochenschrift beiliegt, drängt sich der Eindruck auf, hier werde weniger eine Lücke gefüllt als Haar­spalterei betrieben.

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Feuilleton:

Diesel, Eier und Katar

Eine Zwergenimagination

Es war einmal, liebe Kinder, da lebte im wilden Westen Europas ein sagenhaftes Wesen, das nannte sich Willensfreiheit. Es war beheimatet im menschlichen Bewusstsein. Alle Bewohner des Westens,... [mehr]
Es war einmal, liebe Kinder, da lebte im wilden Westen Europas ein sagenhaftes Wesen, das nannte sich Willensfreiheit. Es war beheimatet im menschlichen Bewusstsein. Alle Bewohner des Westens, selbst die bravsten Bürger, trugen es in sich oder zumindest mit sich durch die Welt. »Wir können denken was wir wollen«, sagten sich die Leute, und so wollten sie auch, was sie denken konnten – Frieden zum Beispiel oder Gerechtigkeit, ein gutes Leben für alle auf Erden ... Da kam eines Tages ein stiefmütterlicher Erdkonzern auf die Idee, eine alte Ölplattform, die niemand mehr brauchte, im Meer zu versenken. »Dies wollen wir nicht«, sagten sich die Bewohner des Westens. »Denkt nicht an die Umwelt, denkt mal an die Kosten«, verkündeten die bösen Konzernlenker: »Was ihr dann zahlen müsst, wenn wir das nicht ins Meer werfen ...« Dazu winkten sie mit dem Geldbeutel, um die Leute das Fürchten zu lehren. »Das wollen wir doch mal sehen!« antworteten die willensfreien Menschen. Und was taten sie dann? Riefen sie etwa zum bewaffneten Widerstand auf und fackelten die Ölplattform gleich selber ab? Nein, sie gingen alle miteinander nur
ein einziges Wochenende woanders tanken, darauf besann sich der böse Konzern – und die Ölplattform wurde nicht ins Meer geworfen. So war das damals hinter den sieben Bergen, bei den Millionen Zwergen des freien Willens. Mit ihren kleinen Gedankenhämmerchen bewegten sie alle Dinge der Welt. Ja, ganz ohne Internet, liebe Kinder, stellt euch das vor!

Welch glückliche Fügung

Ich und Europa VIII

Welch glückliche Fügung, dass ich hier geboren bin. In München. In Europa. Welch zauberhaftes Schicksal, bisher keinen Krieg erlebt zu haben. In meinem Leben. Am eigenen Leib. Welch... [mehr]
Welch glückliche Fügung, dass ich hier geboren bin. In München. In Europa. Welch zauberhaftes Schicksal, bisher keinen Krieg erlebt zu haben. In meinem Leben. Am eigenen Leib. Welch rührende Verwöhnung des Wohlstands.
In meiner Geschichte. In meinem Portemonaie. Ich kann nicht klagen. Ich kann nur dankbar sein. Für all dies. Eigentlich. Eigentlich gibt es auch kein großes Aber. Mit Nietzsche würde ich gerne nur noch ein Ja-Sagender sein. Jedoch: Ich bin noch ein Aber-Sagender, und, was vielleicht noch schlimmer ist, ein Aber-Denkender. Ein Aberdenkender im Abendland. Wo führt das hin? Ins Aber-Land? Klingt nicht so gut und schön und wahr. Ich bin zwar viel unterwegs, aber kein großer Reisender, kein Abenteurer, kein Eroberer. In die große weite Welt schau ich meist nur durch den Fern-Seher oder im WeWeWe. Einmal war ich in Südamerika, in Buenos Aires und Montevideo. Und
viermal in Nordamerika, in Alaska, New York und jüngst in Kalifornien. C’est tout. Ziemlich europäisch unterwegs, würde ich sagen. Das Gefühl, »am Ende der Welt« zu sein in Alaska, war freilich faszinierend. Und so ereignen sich
also die unterschiedlichsten Blicke über den Tellerrand, heraus aus dem eigenen Aufwuchs-Tal, so werden die vielfältigsten Horizonte entdeckt und erkundet und so formt sich ein Bild von der Welt und mir als Mensch darin. Ich
verorte mich örtlich, sozial und geistig. 

Die Elfe und der Zyklon

Ich bin auf der Suche nach einer Elfe – der Bienenelfe. Woran erkennt man eine Elfe? Wie sieht sie aus? Ich habe mich vorab informiert • im Grimmschen Wörterbuch: das... [mehr]
Ich bin auf der Suche nach einer Elfe – der Bienenelfe. Woran erkennt man eine Elfe? Wie sieht sie aus? Ich habe mich vorab informiert • im Grimmschen Wörterbuch: das Wort »meint bezaubert, zauberhaft angeblickt«; • bei Rudolf Steiner: »In dem geistig tönend bewegten Luftelemente finden sie ihre Heimat und nehmen dabei dasjenige auf, was die Kraft des Lichtes in diese Luftschwingungen hinein schickt«; • weiter zur Frage von Luft und Licht bei Jochen Bockemühl: »Die Eigenart der Luft besteht also darin, [...] dem Anderen Platz zum Erscheinen zu lassen. [...] Diese schafft die innere Bereitschaft, dass das in der Welt Erscheinende sich in uns als ein Bild offenbaren kann, welches durch das Erleben von einem Wesen kündet«; • und vorsichtshalber habe ich mir auch noch einmal die zauberhaft schönen Elfenkinderbücher von Daniela Drescher angeschaut, wo die Elfen zierlich, schlank und zart erscheinen und natürlich mit eigenen Flügeln fliegen.

Brentanos Studio im Goetheanum

Øya – 77 Bilder von Hannes Weigert

77 Bilder in vier dreireihigen Blöcken, direkt unter dem Gipfel des Westtreppenhauses im Goetheanum, unterhalb des roten Fensters, im Dämmerlicht. 77 Bilder in (fast)... [mehr]
77 Bilder in vier dreireihigen Blöcken, direkt unter dem Gipfel des Westtreppenhauses im Goetheanum, unterhalb des roten Fensters, im Dämmerlicht. 77 Bilder in (fast) gleichem Format. 77 Farbflächen, mal mehr, mal weniger differenziert. Verhaltene Grau-, Grün- und Rottöne dominieren. Manchmal kommt Weiß hinzu. Im Dämmerlicht des Treppenhauses wirken sie stumpf und transparent zugleich. Mal öffnen sie sich, mal verschließen sie sich – je nach den momentanen Lichtverhältnissen, aber auch je nachdem, wie ich gerade schaue. Mal mehr, mal weniger deutlich erkennt man einen Kopf. Oder das Fragment eines Kopfes, dessen ganzer Umriss nur zu erahnen ist – wie der ganze Mond angesichts der schmalen Sichel. Was man sieht (oder zu sehen meint), ist ein Hinterkopf, von schräg hinten »aufgenommen«, so dass sich ein meist nach rechts gerichtetes Profil gerade noch andeutet. Mal sitzt es fast mittig im Bild, mal mehr links, gelegentlich aber auch auch ganz nahe am rechten Bildrand. An weiteren Details sind höchstens
Ohren, manchmal noch Haare auszumachen. In die Augen kann man (fast) nie schauen. Die vier letzten Bilder scheinen den Kopf en face zu zeigen, doch das Antlitz bleibt leer.

Begehbares Gedankengebäude

Zur Jakob-Böhme-Ausstellung in Dresden

›ALLES IN ALLEM. Die Gedankenwelt des mys­tischen Philosophen Jacob Böhme‹ lautet der Titel der Ausstellung, welche die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der... [mehr]
›ALLES IN ALLEM. Die Gedankenwelt des mys­tischen Philosophen Jacob Böhme‹ lautet der Titel der Ausstellung, welche die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der wiederauf­gebauten Schlosskapelle des Residenzschlosses zeigen, die damit erstmals museal genutzt wird. Die Ausstellung ist auch ein Beitrag zum Lutherjahr 2017, denn der aus der Oberlausitz stammende Jakob Böhme (1575–1624) war ein – wenn auch kritisch denkender – Luthe­raner. Wie viele seiner Zeitgenossen sah er die Notwendigkeit, die Idee der Reformation zu er­neuern. Der sich entwickelnde Materialismus brachte einschneidende naturwissenschaftliche Erkenntnisse hervor. Gegen den harten Wider­stand der katholischen Kirche löste das helio­zentrische das geozentrische Weltbild ab und im Jahre 1600 wurde Giordano Bruno auf dem
Scheiterhaufen verbrannt. Böhme sah jedoch keinen Widerspruch zwischen Naturwissen­schaft und Religion, da er Naturerforschung mit Gotteserkenntnis zu verbinden suchte. 

Kurz notiert:

Kurz notiert

Seite: 73

Buchbesprechungen:

Andreas Pfäfflin:Ich – Leib – Person. Integrale Wirklichkeit von Ich und Leib vor Zeit und Raum – in Zeit und Raum – über Zeit und Raum hinaus

Der Quantensprung des Ich

Hans Christian Zehnter:Lichtmess – Essay zum Wesen des Lichtes

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Katerina Poladjan und Henning Fritsch:Hinter Sibirien. Eine Reise nach Russisch-Fernost

Fern gelegener Umbruch

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Nögges Nuggets:

S'ist Herrrbst!