Heft 3, 2015

Schwerpunkt: Moralische Phantasie

»Es gibt keinen königlichen Weg«, so Gandhi, »außer man setzt seinen Glauben in die Praxis des eigenen Lebens um, das eine ›lebendige Predigt‹ werden muss. Natürlich ist dazu viel Studium, ein gewaltiges Durchsetzungsvermögen und eine gründliche innere Reinigung erforderlich. Aber warum sollte man sich Sorgen machen, wenn es lange dauert, bis man die Herrschaft erlangt, denn wenn dies das Einzige ist, was wichtig ist im Leben, dann ist jeder Versuch in diese Richtung, was immer er sein möge, wert ihn zu unternehmen.«

- Eva Maria Begeer-Klare -
Inhalt

Editorial:

Wie dies Heft entstand

Standpunkt

Die Mauer, das Gesetz und der Logos

Tiermast, Mikroorganismen und die Biologie der Moral

Auch in deutschen Krankenhäusern sterben immer mehr Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen, gegen die Antibiotika wirkungslos sind. Als eine Hauptbrutstätte solch tödlicher Mikroben gilt inzwischen die Massentierhaltung.... [mehr]

Auch in deutschen Krankenhäusern sterben immer mehr Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen, gegen die Antibiotika wirkungslos sind. Als eine Hauptbrutstätte solch tödlicher Mikroben gilt inzwischen die Massentierhaltung. Diese Situation nimmt der Chirurg Thomas Hardtmuth zum Anlass, das Bewustsein auf die unsichtbare, aber äußerst vitale  Welt der Mikroorganismen zu richten, ohne die menschliches Leben gar nicht möglich wäre. Die Gesamtheit der mit dem Menschen in Symbiose lebenden Mikroorganismen hat geradezu Organcharakter, spielt eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung des Immunsystems und ist auch für psychische Einflüsse empfänglich. Überall, wo das gesunde Maß verloren geht, entwickeln diese urtümlichen Lebewesen ihre heilsame Wirkung. Im Zusammenhang einer solchen Erweiterung des Gesundheitsbegriffes stellt sich dem Autor die Frage nach einer »Biologie der Moral«.

Das Aufleuchten der Individualität in der Persönlichkeit

Wie kann die menschliche Begegnung christlich werden?

Nur durch eine freie Identifikation mit der jeweils vorfindlichen Persönlichkeit gelingt es dem Menschen, individuell in der Welt zu wirken. Die Persönlichkeit ist Teil der Handlungssituation, in der ein Mensch sich befindet.... [mehr]

Nur durch eine freie Identifikation mit der jeweils vorfindlichen Persönlichkeit gelingt es dem Menschen, individuell in der Welt zu wirken. Die Persönlichkeit ist Teil der Handlungssituation, in der ein Mensch sich befindet. Das Wirken des Individuellen durch die und in der Persönlichkeit trägt zur Verwandlung dieser letzteren bei. Ich bin es, der zwischen Disidentifikation und (mehr oder weniger) freier Identifikation atme. Sowohl Schulungsweg wie bewusst gelebtes Leben bewirken Durchdringung und damit Verwandlung. Spielen die »Mys­terien« sich heute vor unseren Augen ab?

Thema: Philosophie

Fenster zur Ewigkeit

Die Esoterik der moralischen Phantasie und das historische Bewusstsein

Für die zweite Auflage (1918) hat Rudolf Steiner sein Buch Die Philosophie der Freiheit wesentlich ergänzt und erweitert. Durch die vertiefte Darstellung des intuitiven Denkens wurde Die Philosophie der Freiheit... [mehr]

Für die zweite Auflage (1918) hat Rudolf Steiner sein Buch Die Philosophie der Freiheit wesentlich ergänzt und erweitert. Durch die vertiefte Darstellung des intuitiven Denkens wurde Die Philosophie der Freiheit in Einklang mit dem anthroposophischen Erkenntnisweg gebracht. Der zweite Teil des Buches ist gekennzeichnet durch die beiden Zentralbegriffe »moralische Intuition« und »moralische Phantasie«. Durch letztere ist der handelnde Mensch unmittelbar an die mitmenschliche und natürliche Welt angeschlossen, die Freiheitsphilosophie ist als weltfähig nachgewiesen. Steiner hat zwischen 1895 und 1924 immer wieder auf die Bedeutung der moralischen Phantasie aufmerksam gemacht, zuletzt im zehnten Kapitel seiner Autobiografie Mein Lebensgang. Die auf moralischer Phantasie beruhenden Taten haben stets aktuellen Situationsbezug, sie sind historisch bedingt.

Verankert am anderen Ufer des Seins – auf dass der Mensch ganz Mensch werde

Ethischer Individualismus und moralische Phantasie bei Mahatma Gandhi

In seiner Philosophie der Freiheit entwickelt Rudolf Steiner eine moralische Handlungsmöglichkeit, die sich nicht auf allgemeingültige Normen und Werte abstützt, sondern auf der »moralischen Intuition« des Einzelnen... [mehr]

In seiner Philosophie der Freiheit entwickelt Rudolf Steiner eine moralische Handlungsmöglichkeit, die sich nicht auf allgemeingültige Normen und Werte abstützt, sondern auf der »moralischen Intuition« des Einzelnen und deren Umsetzung durch »moralische Phantasie« beruht. Das wirft Fragen auf: Ist eine Handlung schon dadurch eine ethisch individuelle, dass sie die meine ist? Wodurch wird individuelles Handeln ein moralisches? – Die Autorin nähert sich diesen Fragen durch eine Betrachtung von Mahatma Gandhis Denken und Handeln. In ihm sieht sie jemanden, der für den westlichen Menschen einen erfrischend unintellektuellen und menschlich direkten Zugang gerade zu Fragen des ethischen Individualismus eröffnen kann.

Feuilleton:

Karl Martin Dietz zum 70. Geburtstag

Karl-Martin Dietz

Serie:

Die ordnenden Kräfte des Tierkreises XII: Fische

Feuilleton:

»Unsicherheit … bis in den Kern hinein«

Annäherung an Karl Ove Knausgård

Wie Handke und Kafka gehört Knausgård zu den Schriftstellern, die das Schreiben radikal persönlich nehmen, für die es eine existenzielle Angelegenheit ist – ein Mysterium, dem man sich stellen muss, und nichts, was... [mehr]

Wie Handke und Kafka gehört Knausgård zu den Schriftstellern, die das Schreiben radikal persönlich nehmen, für die es eine existenzielle Angelegenheit ist – ein Mysterium, dem man sich stellen muss, und nichts, was mit ein wenig handwerklicher Könnerschaft mal eben Geläufigkeit und Erfolg generiert. Zum Geheimnis des Schreibens gehört, dass man gerade dann, wenn man es persönlich nimmt, an seine überpersönlichen Dimensionen rührt, an sein Wesen.

Feuilleton: Kunst

Das Tier und wir

Eine Ausstellung in Dortmund

Seite: 70

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Real-Surreal: Das neue Sehen 1920-1950

Zur Fotoausstellung in Wolfsburg

Seite: 73

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Eine intellektuelle Reise

Zur Ausstellung »Kosmos – Rätsel der Menschheit« in Zürich

Seite: 75

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Feuilleton:

»Aus Deiner Bewegung spricht Ewigkeit«

Musik und Eurythmie: Kontraste – Klanggeste

Seite: 76

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Fundstück XIV: Skioptikon: Rudolf Steiner und die Lichtbildprojektion

Buchbesprechungen:

Ueli Seiler-Hugova:Das Große Parzivalbuch – Wolfram von Eschenbachs Parzival als ein moderner Einweihungsweg, der zur Integration und Individuation führt

Werner A. Moser:Anthroposophie als Geisteswissenschaft

Barbara Sichtermann:Ich rauche Zigarren und glaube nicht an Gott. Hommage an Louise Aston

Andreas Laudert:Integrität

Anne Weise:Alfred Bergel. Skizzen aus einem vergessenen Leben. Wien – Theresienstadt – Auschwitz.

E. Leonora Hambrecht:Liane Collot d’Herbois – Ein Lebensweg

Band 2: Heilende Bilder