Heft 3, 2016

Schwerpunkt: Über das Ich hinausdenken

»Clements Begriffsverwendung zur Charakterisierung des Erkenntnisvorgangs und geistiger Erfahrung steht in wesentlichen Punkten Steiners eigener Begrifflichkeit und, darüber hinaus, einer phänomenologisch orientierten Erkenntnistheorie entgegen. Was hier auf dem Spiel steht, ist nicht die Alternative zwischen anthroposophischer Binnenforschung auf der einen Seite und akademisch-wissenschaftlicher Steiner-Forschung auf der anderen Seite, sondern die Frage nach dem Wesen und der Wirklichkeit der geistigen Welt.«

- Iris Hennigfeld -
Inhalt

Editorial:

Zu diesem Heft

Schwerpunkt:

Zu den Sachen selbst

Horizonte wissenschaftlicher Anthroposophie-Forschung

Der vorliegende Beitrag setzt sich kritisch mit Christian Clements Einleitung des von ihm heraugegebenen Band 5 ›Rudolf Steiner – Schriften Kritische Ausgabe‹ auseinander. Die Autorin erkennt in seiner Position einen... [mehr]

Der vorliegende Beitrag setzt sich kritisch mit Christian Clements Einleitung des von ihm heraugegebenen Band 5 ›Rudolf Steiner – Schriften Kritische Ausgabe‹ auseinander. Die Autorin erkennt in seiner Position einen psychologistischen Reduktionismus, wie ihn schon Edmund Husserl kritisiert hat. Aus der reduktionistischen Perspektive werden Clement die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse Steiners zu Vorstellungen und Projektionen des eigenen Ich. Die Autorin zeigt, dass die von Clement aufgestellte Hypothese eines ›ideogenetischen Grundgesetzes‹ von Grundannahmen über das Erkennen ausgeht, die von Rudolf Steiners anthroposophischer Geisteswissenschaft eher weg- als zu ihr hinführen.

Das Ich aufschließen für die Welt

Ausgangspunkte eines anthroposophischen Schulungsweges

In seinen Aufsätzen zu ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹1 von 1904/05 beschrieb Rudolf Steiner den anthroposophischen Schulungsweg zur Ausbildung von Fähigkeiten, um konkrete Einsicht in geistige Welten... [mehr]

In seinen Aufsätzen zu ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹1 von 1904/05 beschrieb Rudolf Steiner den anthroposophischen Schulungsweg zur Ausbildung von Fähigkeiten, um konkrete Einsicht in geistige Welten zu gewinnen. Die Texte sind einfach zu lesen und ganz auf die praktische Anwendung hin ausgerichtet.

Das letzte K

Hundert Jahre Sykes-Picot – Teil I

Die politischen Probleme des Nahen Ostens sind bis heute von einem Abkommen geprägt, das am 16. Mai 1916 zwischen Großbritannien und Frankreich geschlossen wurde und die Neuordnung dieser Region regeln sollte. Benannt nach... [mehr]

Die politischen Probleme des Nahen Ostens sind bis heute von einem Abkommen geprägt, das am 16. Mai 1916 zwischen Großbritannien und Frankreich geschlossen wurde und die Neuordnung dieser Region regeln sollte. Benannt nach den beiden Verhandlungsführern Mark Sykes und François Georges-Picot, machte es die Hoffnungen auf ein unabhängiges arabisches Reich zunichte und schuf stattdessen staatliche Gebilde, die ausschließlich an den Interessen der Siegermächte ausgerichtet waren.

Seite: 29

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Der Mensch am Abgrund

Eine Betrachtung des Bildes ›Sisyphos‹ von Tizian

Sisyphos ist eine der wenigen Figuren aus der griechischen Mythologie, die seit der Renaissance im kollektiven Bewusstsein haften geblieben sind. Bekannt ist etwa, dass er einen schweren Stein zu schleppen hatte. Man weiss... [mehr]

Sisyphos ist eine der wenigen Figuren aus der griechischen Mythologie, die seit der Renaissance im kollektiven Bewusstsein haften geblieben sind. Bekannt ist etwa, dass er einen schweren Stein zu schleppen hatte. Man weiss auch noch, dass er seine Arbeit immer wieder von vorne beginnen musste, weil der Stein immer wieder den Berg hinunterrollte. So ist die Sisyphos-Arbeit immer noch der Inbegriff für ein mühsames und sinnloses Unterfangen. Unbekannt ist hingegen meistens, wie Sisyphos seine berühmte Strafe verdiente. – Das Bild ›Sisyphos‹ von Tizian entstand 1548-49 im Auftrag der Königin Maria von Ungarn für ein Lustschloss in der Nähe von Brüssel. Der Künstler hatte vermutlich noch ein Verständnis für die Untergründe und die Aktualität dieses archetypischen Schicksals, das im folgenden Beitrag als Beispiel eines verlorenen, vom Kosmos abgeschnürten Menschen begriffen wird, für den der Christus zum Erlöser werden kann.

Forum Anthroposophie:

Auferstehung Christi und des Menschen

Annäherung an ein Grundlagenwerk

Der Glaube an die leibliche Auferstehung Jesu Christi nach dem Tod am Kreuz ist der Ursprungsimpuls zur Entstehung des Christentums als heiliger Gemeinschaft. Der Auferstehungsglaube begründet sich aus den Erscheinungen... [mehr]

Der Glaube an die leibliche Auferstehung Jesu Christi nach dem Tod am Kreuz ist der Ursprungsimpuls zur Entstehung des Christentums als heiliger Gemeinschaft. Der Auferstehungsglaube begründet sich aus den Erscheinungen des Auferstandenen vor einer Reihe von Zeugen und aus dem Aufleben der Auferstehungskraft in Einzelnen oder in Gruppen im Laufe der Geschichte, schließlich aus dem Überzeugungspotenzial der christlichen Philosophie und Theologie. Die Wirkung dieser Glaubensbestätigungen ist in neuerer Zeit stark zurückgegangen.

Interview:

»Wilde Verlässlichkeit«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Alexander Kluge

»Nachträglich hätte ein unbefangener Beobachter die traumartige Verwicklung neu aufrollen und unter Zustimmung aller Beteiligten ein glücklicheres Ende herbeiführen können.« Auf der Suche nach dem glücklicheren Ende... [mehr]

»Nachträglich hätte ein unbefangener Beobachter die traumartige Verwicklung neu aufrollen und unter Zustimmung aller Beteiligten ein glücklicheres Ende herbeiführen können.« Auf der Suche nach dem glücklicheren Ende versammelt Alexander Kluge Schwärme von Geschichten, Beobachtungen, Erkenntnissen und Kuriositäten. Er hält Erinnerungen fest und durchmisst die Erdgeschichte ebenso wie die Geschichte seiner Familie. Ein einziger Moment kann die Wendung herbeiführen und den Schalter der Geschichte umlegen. Den zentralen Bezugspunkt bildet Kong, der riesige Gorilla auf dem Hochhaus, der die weiße Frau in seiner Hand hält und vor den angreifenden Flugzeugen beschützt. ›Kongs große Stunde. Chronik des Zusammenhangs‹ (Suhrkamp, Berlin 2015) ist ein faszinierendes Palimpsest, das vielfältige – überraschende und verstörende – Zusammenhänge offenbart.

Feuilleton:

Auf dem Weg zum freien schöpferischen Menschen

Zum 100. Todestag von Franz Marc

»Es lag von jeher in Franz Marcs Natur, dass ihm nur das gelang, was er mit Einsatz seines ganzen Wesens tat. Sobald noch die sentimentalen Gefühlsmomente mitspielten, wurde ihm kein Gelingen seiner noch so guten Absichten... [mehr]

»Es lag von jeher in Franz Marcs Natur, dass ihm nur das gelang, was er mit Einsatz seines ganzen Wesens tat. Sobald noch die sentimentalen Gefühlsmomente mitspielten, wurde ihm kein Gelingen seiner noch so guten Absichten zuteil. Alle Irrungen und Wirrungen seines Lebensweges dienten nur dem einen Ziele, seine hemmenden und zerstreuenden Neigungen zu überwinden und sie hinzulenken auf ihren positiven Sinn, indem sie ihn jeweils das für seinen Weg Falsche seines Verhaltens unerbittlich und sehr bedrängend erfahren ließen. Das hat sich nach meinen Erfahrungen immer bestätigt. Es lagen in ihm zwei ganz entgegengesetzte Möglichkeiten und Kräfte. Auf der einen Seite fühlte er eine ungewöhnliche Hingabebereitschaft und liebevolle Weichheit, denen seine romantische Neigung entsprang. Andererseits regte sich in ihm eine mit den Jahren immer stärker werdende Sehnsucht nach dem Gesetzmäßigen allen Tuns, dem auch er sich in seinem Leben zu unterstellen trachtete. Je älter er wurde, umso stärker richtete sich seine Sehnsucht auf ein unpersönliches reines Sein. Aus diesen beiden Gegensätzen seines innersten Wesens ergaben sich die Ereignisse, die den Lauf seines Lebens begleiteten. Und je mehr er versuchte, die richtigen Konsequenzen aus seinen Erfahrungen und Enttäuschungen zu ziehen, umso mehr möchte man erkennen, dass eine planvolle Führung über ihm stand, die seinen Instinkt leitete, um seine schöpferischen Kräfte zu wecken und zur Entfaltung zu bringen. Dadurch erstarkte die Fähigkeit in ihm, die weit auseinanderliegenden Gegensätze zu vereinen. Es galt für ihn nicht allein, ein guter Maler zu werden, sondern ein ganzer Mensch. Dies war wohl die Aufgabe seines Lebens, die ihm das Schicksal stellte.«

Seite: 69

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Fundstück XXIII: Planetensiegel und Metalle

Wie Menschen frei werden

Eine Tagung in Heidelberg

Buchbesprechungen:

Michael Debus:Parsifal – Mythos des modernen Menschen. Hinführung zu Richard Wagners Bühnenweihfestspiel

Nachhaltige Aktualität

Dietrich Spitta:Der soziale Organismus als Mysterium. Spirituelle Grundlagen des sozialen Lebens und seine künftige Entwicklung

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Daniel Häni und Philip Kovce:Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt

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