Heft 4, 2017

Schwerpunkt: Konfliktzonen

Gelänge es in Mitteleuropa, immer mehr Kapital entweder sachgemäß zu verleihen oder, wenn dieses nicht möglich ist,richtig in Schenkungsgeld zu verwandeln, hätte das zur Folge, dass der Westen anders auf dieses Wirtschaftsgebiet schauen würde. Er würde die geistige Berechtigung des mittleren Raumes zwischen West- und Osteuropa bzw. zwischen Asien und Amerika anerkennen können. Denn richtig in Schenkungsgeld verwandeln lässt sich das Kapital nur dadurch, dass ein wirklich erneuertes Geistesleben entsteht, welches auch eine sachgemäße Sogwirkung auf das Kapital ausüben kann. Der politische Machtstaat, der das Geistesleben aufsaugt und selbst als Wirtschafter auftritt, wird dann zurückgedrängt werden.

- Stephan Eisenhut -
Inhalt

Editorial:

Zeitgeschehen:

Syrien im Fadenkreuz der Mächte

Seit nunmehr sechs Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg, der sich längst zu einem Stellvertreterkrieg diverser regionaler Staaten sowie der Grossmächte USA und Russland ausgewachsen hat. Folgt man den Zahlen des ›Syrian... [mehr]

Seit nunmehr sechs Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg, der sich längst zu einem Stellvertreterkrieg diverser regionaler Staaten sowie der Grossmächte USA und Russland ausgewachsen hat. Folgt man den Zahlen des ›Syrian Center for Policy Research‹, so sind bei einer Bevölkerung von 23 Millionen Menschen inzwischen 470.000 Todesopfer und nahezu zwei Millionen Verletzte zu beklagen, »über vier Millionen SyrerInnen haben das Land verlassen, weitere 6,4 Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht«. Selbst ohne Berücksichtigung der vernichteten Sachwerte werden die Verluste der syrischen Wirtschaft seit 2011 auf 254 Milliarden US-Dollar geschätzt, und der Wiederaufbau der zertrümmerten Infrastruktur würde nach Experten-Schätzungen 150-180 Milliarden US-Dollar kosten. Doch neben der erschütternden Bilanz zerstörter Menschenleben und der materiellen Schäden – die sowohl das syrische Regime und als auch die dschihadistischen Oppositions bzw. Söldnergruppen zu verantworten haben– fällt die systematische Auslöschung des kulturellen Gedächtnisses Syriens durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) und andere mit ihm verbundene dschihadistische Gruppen ins Gewicht. Diese gezielte Zerstörung von Kulturdenkmälern ging mit der Errichtung einer Art von Kalifat in den eroberten Gebieten Syriens einher, in dem der Terror zum »Regierungsprinzip« erhoben wurde. Denn die inhumane und fanatische IS-Ideologie rechtfertigt die Sklaverei von Kindern und Frauen sowie die Vertreibung und den Mord an Andersgläubigen, seien es Schiiten, Alawiten, Jesiden, Christen oder auch moderate Sunniten. Eine Unterstützung dieser Sorte von »Glaubenskämpfern«, aus welchen Gründen und mit welchen Mitteln auch immer, sollte sich eigentlich verbieten – ganz gleich, wie man das syrische Regime im Einzelnen auch bewerten und einschätzen mag.

Der »korrekte wissenschaftliche Weg«

Zur Kontroverse um den Einsturz des World Trade Centers

In der Zeitschrift ›europhysics news‹ (EPN), die von der ›European Physical Society‹ (EPS) herausgegeben wird, erschien im August 2016 unter dem Titel: ›15 Years Later: on the Physics of High-Rise Building Collapses‹... [mehr]

In der Zeitschrift ›europhysics news‹ (EPN), die von der ›European Physical Society‹ (EPS) herausgegeben wird, erschien im August 2016 unter dem Titel: ›15 Years Later: on the Physics of High-Rise Building Collapses‹ ein Artikel, der die Hypothese einer kontrollierten Sprengung der drei Türme des World Trade Center am 11. September 2001 wissenschaftlich zu belegen sucht. Die ›European Physical Society‹ (EPS) ist ein Zusammenschluss von 42 europäischen physikalischen Gesellschaften (unter anderen der ›Deutschen Physikalischen Gesellschaft‹) und repräsentiert damit über 100.000 Physiker in ganz Europa. Die ›europhysics news‹ haben eine Auflage von 25.000 Exemplaren. Weil damit zum ersten Mal ein der offiziellen Theorie widersprechender Artikel in einem angesehenen wissenschaftlichen Medium publiziert wurde, lohnt sich eine genauere Betrachtung dieses bemerkenswerten Vorgangs.

›Die Christenheit‹ oder ›Europa‹

Über die Entstehung von Machtstrukturen und wie sie überwunden werden können

Das Geistesleben hat eine Eigentendenz zur Erzeugung von Machtstrukturen. Im vorliegenden Beitrag wird diese Tendenz auf dem Hintergrund des neunten Vortrages des ›Nationalökonomischen Kurses‹ Rudolf Steiners untersucht.... [mehr]

Das Geistesleben hat eine Eigentendenz zur Erzeugung von Machtstrukturen. Im vorliegenden Beitrag wird diese Tendenz auf dem Hintergrund des neunten Vortrages des ›Nationalökonomischen Kurses‹ Rudolf Steiners untersucht. Die Überwindung dieser Eigentendenz ist die Aufgabe eines erneuerten Geisteslebens. Wie dieses möglich ist, hat Rudolf Steiner an verschiedensten Stellen ausgeführt. Es zeigt sich, dass dieses eine Kernfrage des Christentums ist, die insbesondere in Europa einer Lösung harrt. Aus diesem Grunde wird im Titel an Novalis’ poetisch-prophetischen Essay von 1799 angeknüpft.

Das sokratische Wesen der moralischen Phantasie

Immanuel Kants kategorischer Imperativ und Rudolf Steiners Grundmaxime. Ein Vergleich

Immanuel Kants und Rudolf Steiners Ethiken offenbaren einem tieferen Blick – wie im Oktoberheft kenntnis- und lehrreich gezeigt wurde– viel mehr Affinitäten, als eine nur oberflächliche Wahrnehmung empfinden könnte.... [mehr]

Immanuel Kants und Rudolf Steiners Ethiken offenbaren einem tieferen Blick – wie im Oktoberheft kenntnis- und lehrreich gezeigt wurde– viel mehr Affinitäten, als eine nur oberflächliche Wahrnehmung empfinden könnte. Im Folgenden möchte ich zeigen, wie der kategorische Imperativ Kants und Steiners Grundmaxime des freien Menschen trotz der soeben angedeuteten Affinitäten doch einen wesentlichen Unterschied in der Gebärde, die der Wahrnehmung des ethischen Handelns zugrunde liegt, manifestieren.

Kant und Steiner

Eine Antwort auf Marcus Andries’ »Korrektur«

»Die Philosophie der Gegenwart leidet an einem ungesunden Kant-Glauben.« Dieser 1892 niedergeschriebene Satz scheint seine Brisanz auch heute noch nicht ganz eingebüßt zu haben. Dabei gilt er inzwischen nicht mehr nur... [mehr]

»Die Philosophie der Gegenwart leidet an einem ungesunden Kant-Glauben.« Dieser 1892 niedergeschriebene Satz scheint seine Brisanz auch heute noch nicht ganz eingebüßt zu haben. Dabei gilt er inzwischen nicht mehr nur von der Philosophie und dem Denken einiger spezialisierter Fachleute, sondern – was ungleich wichtiger ist – vom Empfinden vieler Menschen, die nie auch nur eine Zeile von Kant gelesen haben. Er gilt darüber hinaus heute auch von der Anthroposophie (unter deren Vertretern freilich auch Bekenner einer ganzen Palette weiterer »ungesunder« Glaubensrichtungen angetroffen werden können – ganz nach dem Vorbild des unvergesslichen Mementos von Charles Maurras: »Ich bin Atheist, aber ich bin Katholik.«)

Der Doppelgänger und seine Verwandlung

Das Wesen des Ichs an der Schwelle

Die Geburt des höheren Ichs im Menschen und der Umgang mit dem eigenen Doppelgänger stehen in einem unmittelbaren Verhältnis zueinander. Ohne das Anschauenlernen und Verwandeln des eigenen Doppelgängers kann das höhere... [mehr]
Die Geburt des höheren Ichs im Menschen und der Umgang mit dem eigenen Doppelgänger stehen in einem unmittelbaren Verhältnis zueinander. Ohne das Anschauenlernen und Verwandeln des eigenen Doppelgängers kann das höhere Ich nicht in einer guten und gesunden Art zur Geburt gebracht werden. Warum, kann man fragen, haben diese beiden Dinge einen so engen Zusammenhang? Andere Weltanschauungen, die das Ich nur mit dem Egoismus identifizieren, kennen den Doppelgänger und die Schwelle nicht.

Verführt von Wunsch und Wagemut

Eine Betrachtung des Bildes ›Tantalus‹ von Gioacchino Assereto

Vor genau 100 Jahren veröffentlichte Rudolf Steiner die Schrift ›Von Seelenrätseln‹. Darin wird u.a. ausgeführt, wie Denken, Fühlen und Wollen mit der physisch-ätherischen Leibesgrundlage des Menschen zusammenhängen. Vor... [mehr]

Vor genau 100 Jahren veröffentlichte Rudolf Steiner die Schrift ›Von Seelenrätseln‹. Darin wird u.a. ausgeführt, wie Denken, Fühlen und Wollen mit der physisch-ätherischen Leibesgrundlage des Menschen zusammenhängen. Vor diesem Hintergrund kann auffallen, dass zwei noch heute berühmte Gestalten der griechischen Mythologie, Sisyphos und Tantalos, extrem einseitige Ausprägungen des dreigliedrigen Menschen darstellen. Es wurde bereits gezeigt, dass bei Sisyphos das Denken alles beherrscht und er sich dadurch vom Kosmos abschnürt.Im vorliegenden Beitrag wird mithilfe des Bildes ›Tantalus‹ – das der Genueser Künstler Gioacchino Assereto um 1640 malte – entwickelt, wie die sprichwörtlich gewordenen Tantalos-Qualen damit zusammenhängen, dass diese tragische Gestalt den ins Bewusstsein drängenden Willenskräften nicht gewachsen war.

Feuilleton:

Das Lächeln des Teufels

Erfahrungen mit René Magritte in der Frankfurter Schirn

Die Bilder von René Magritte (1898-1967) sind kühl und wirken auf den ersten Blick höchst realistisch. Obwohl sie den Regeln der Perspektive zu folgen scheinen, lassen sie kein Erlebnis von Tiefe aufkommen; das verhindert... [mehr]

Die Bilder von René Magritte (1898-1967) sind kühl und wirken auf den ersten Blick höchst realistisch. Obwohl sie den Regeln der Perspektive zu folgen scheinen, lassen sie kein Erlebnis von Tiefe aufkommen; das verhindert schon die auf pure Oberflächengestaltung angelegte Malweise. So geht es auch nicht um Innerlichkeit oder Stimmungen, in die ich mich hineinleben kann. Was bleibt, sind Irritationen, die nur denkend aufzulösen sind, und allein darin liegt die Transzendenz dieser Bilder: Ich lerne an ihnen etwas über mein Sehen und Vorstellen. Was ich auf dem Bild sehe, bleibt jedoch irritierend, und genau das macht Magrittes Kunst aus.

Ritter, Reiter – im Frühling

Eine Theaterinszenierung und eine Ausstellung in München

Vorhang auf!Während ich dies schreibe, schaue ich zurück. Ich versetze mich voraus in den April und schaue durch die Augen des Lesers zurück, um von dorther auf das aktuell Entstehende Einfluss zu nehmen. Soll... [mehr]

Vorhang auf!

Während ich dies schreibe, schaue ich zurück. Ich versetze mich voraus in den April und schaue durch die Augen des Lesers zurück, um von dorther auf das aktuell Entstehende Einfluss zu nehmen. Soll es nämlich im April – dem vermutlichen Erscheinungsdatum – noch etwas besagen, dann muss ich die Zeit buchstäblich aufheben und zurückwerfen. Die Bewusstseinsgeste der Zukunft gegenüber ist kein Vorwärts-Tasten mit dem Blindenstock im Dunkeln; es ist Vorwurf und Rückblick der Phantasie an der Wegkehre, an der Wasserscheide der Zeit, wo die Ströme sich trennen. Wo etwas Zukunft wird, was vergangen war.

Poesie der Pigmente

Zur Ausstellung ›Poesie der venezianischen Malerei‹ in der Hamburger Kunsthalle

Bei Regenwetter nach Hamburg zu fahren ist kein Vergnügen, schon gar nicht bei leichtem Regen, der kaum durchnässt, aber alles grau in grau erscheinen lässt und das Gemüt niederdrückt. Nur gut, dass die Kunsthalle nahe... [mehr]

Bei Regenwetter nach Hamburg zu fahren ist kein Vergnügen, schon gar nicht bei leichtem Regen, der kaum durchnässt, aber alles grau in grau erscheinen lässt und das Gemüt niederdrückt. Nur gut, dass die Kunsthalle nahe am Bahnhof liegt, und dass die Binnenalster durch die Spiegelung ein wenig Licht herüberwirft. Nach meiner Besichtigung der Ausstellung sah die Welt ganz anders aus. Die Leuchtkraft der über vierhundert Jahre alten Bilder hatte meine Wahrnehmung verändert. (Nicht besonders nachhaltig übrigens, denn nach einem Fußweg hinüber zum Bucerius-Kunstforum – es regnete weiterhin – und nachdem ich die dortige, noch bis zum 1. Mai geöffnete Paula-Modersohn- Becker-Ausstellung besichtigt hatte, war meine Wahrnehmung ein weiteres Mal verändert.) Mich ließ das einmal mehr nachdenken über das Verhältnis zwischen Kunst und Leben.

Der europäische Dialog

Ich und Europa III

1. »Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da« – diese Aussage Antigones stammt aus dem gleichnamigen Stück des griechischen Tragikers Sophokles. Der Chor teilt mit: »Sie [Antigone] ist autonómos.« Autonom... [mehr]

1. »Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da« – diese Aussage Antigones stammt aus dem gleichnamigen Stück des griechischen Tragikers Sophokles. Der Chor teilt mit: »Sie [Antigone] ist autonómos.« Autonom und individuell handelnd ist Antigone nicht nur aufgrund der Widersetzlichkeit gegen das Verbot der Bestattung ihres Bruders, sondern vor allem deshalb, weil sie mitlieben und eben nicht mithassen will. Antigone vollzieht die Doppelbewegung von Autonomie und Liebe. Die Doppelbewegung des Ich, das in der zentrischen Freiheit und in der sphärischen Liebe lebt, in Selbstbestimmung und Weltoffenheit, im Weg nach innen und im Weg nach aussen, im freilassenden Tun und in der tätigen Gelassenheit.

Kurz notiert:

Kurz notiert

Seite: 80

Buchbesprechungen:

Marica Bodrožić:Das Wasser unserer Träume

Erwachen in ein neues Leben

Iván Gómez Avilés:Der Baugedanke des Goetheanum – Geometrie und Esoterik

Ein Problem der Methode

Daniele Ganser:Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren

Mut zur Wahrheit

Leserforum:

Hoffnung und Tragödie, Karma und Beziehung

Zum Heft ›Vom auserwählten Volk‹, die Drei 1-2/2017

Nögges Nuggets:

Phlegmatiker im Frühling