Heft 7/8, 2015

Schwerpunkt: Feldforschungen

... es gibt zwei Arten von Unwissen. Wir können die Phänomene des Lebens studieren, die Feinheit des Lebens, seine bemerkenswerte Plastizität, seine Kontextsensibilität und seine Lebendigkeit entdecken. Während wir uns dieses Wissen aneignen, beginnen wir zu merken, wie wenig wir wissen. Dies ist eine weise sokratische Unwissenheit – zu wissen, dass man nicht weiß. Es ist eine Art des Nicht-Wissens, die zu Umsicht und Vorsicht ermutigt. Aber es gibt noch eine ganz andere Art der Unwissenheit, die Herman Wouk einfängt, wenn er über jemanden schreibt, der »zu klug ist, um weise zu sein«. Diese Ignoranz ist von der eigenen Intelligenz geblendet, sie ignoriert, was sie nicht sehen will und strebt danach, die Wirklichkeit zugunsten der eigenen Mission zu verbiegen: Der Mensch manipuliert das Leben im Dienste des Maschinenideals. Diese Ignoranz fördert Hybris und Hochmut, die das feine Gewebe des Lebens mit Füßen tritt – weil sie meint, es besser zu wissen.

- Craig Holdrege -
Inhalt

Editorial:

Dem freien Geist – statt eines Abschieds

15 Jahre mit der alten Dame "die Drei"

Der technische Zugriff auf das Leben: Synthetische Biologie

Wissenschaftler bieten uns heute zwei vollkommen verschiedene Bilder des Lebendigen an: Die einen entdecken die flüssige, kontextbezogene Natur zellulärer und molekularer Prozesse in Organismen aus unzähligen unterschiedlichen... [mehr]

Wissenschaftler bieten uns heute zwei vollkommen verschiedene Bilder des Lebendigen an: Die einen entdecken die flüssige, kontextbezogene Natur zellulärer und molekularer Prozesse in Organismen aus unzähligen unterschiedlichen Blickwinkeln – und das mit erheblicher Begeisterung. Die anderen vertreten die relativ neue Disziplin der »Synthetischen Biologie«– und verfolgen ebenso mit Begeisterung die Idee, dass Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere und Menschen maschinenartige Systeme sind, die aus kontextunabhängigen Teilen bestehen. Synthetische Biologen sprechen davon, Organismen »rational zu entwerfen« (»rational design«) oder »umzukonstruieren« (reengineering), damit sie so funktionieren, wie sie und ihre Geldanleger es für nützlich erachten.

Das Denken als Raumfrage

Albertus Magnus und Joseph Beuys

Es liegt nicht unbedingt auf der Hand, einen Zusammenhang zwischen Albertus Magnus und Joseph Beuys herzustellen. Die Auseinandersetzung mit ihrem Wirken zeigt jedoch, dass beide in der Entwicklung menschlichen Denkens die... [mehr]

Es liegt nicht unbedingt auf der Hand, einen Zusammenhang zwischen Albertus Magnus und Joseph Beuys herzustellen. Die Auseinandersetzung mit ihrem Wirken zeigt jedoch, dass beide in der Entwicklung menschlichen Denkens die entscheidende Notwendigkeit ihrer Zeit erkannten; der eine mit seiner Aristoteles-Rezeption und der andere mit seiner Kunst. In der abendländischen Geistesgeschichte wird immer wieder auf die Kraft des Denkens im Unterschied zum Inhalt des Denkens hingewiesen. Ihre gegenseitige Durchdringung ist nicht leicht zu durchschauen, doch bildet die Differenzierung beider Aspekte des Denkens eine entscheidende Grundlage für ein Verständnis, für einen Begriff des Menschen selbst. Wird im Denken eine gegebene Welt (nur) widergespiegelt oder wird die Welt durch das Denken der Menschen im weitesten Sinne hervorgebracht? Heutiges Weltverständnis ist weitgehend von einem mehr passiven Vorstellungsdenken geprägt, das den gegebenen äußeren Verhältnissen letzte Wirklichkeit zuschreibt. 

Seite: 23

Diesen Artikel können Sie sowohl kostenlos lesen als auch kaufen. Mit letzterem unterstützen Sie unsere Arbeit. Vielen Dank!

Die Dreigliederung des Geldes: Das Geld als Rechtsproblem

Zur Komposition des »Nationalökonomischen Kurses (13)

Das Geld verliert seinen realen Wert, wenn es dem Geldkreislauf entzogen wird. In dieser Betrachtung zum 8.  Vortrag des Nationalökonomischen Kurses1 arbeitet Stephan Eisenhut die Folgen für das Wirtschaftsleben... [mehr]

Das Geld verliert seinen realen Wert, wenn es dem Geldkreislauf entzogen wird. In dieser Betrachtung zum 8.  Vortrag des Nationalökonomischen Kurses1 arbeitet Stephan Eisenhut die Folgen für das Wirtschaftsleben heraus, wenn die Bewegung des Geldes unterbrochen wird. Die Politik versucht heute, den Einbruch der Nachfrage nach Konsumgütern durch Maßnahmen zu kompensieren, die zu steigender Staatsverschuldung und stetiger Ausweitung der Geldmenge führen. Diese Maßnahmen führe zu Folgeschäden, die nicht richtig überschaut werden. Die Ursache liegt nach Rudolf Steiner in einer ungenügenden Begriffsbildung. Die Korrekturen, die er vorschlägt, ermöglichen ein ganz neues Verständnis des Geldes. 

Fujara – die Geschichte einer Begegnung

Feldforschungen in der Slowakei

Manchmal erschien sie mir wie ein wildes, scheues, ungezähmtes Wesen, vergleichbar einem Tier in freier Wildbahn, dem man sich nur langsam und vorsichtig nähern kann. Sie wirkte wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit,... [mehr]

Manchmal erschien sie mir wie ein wildes, scheues, ungezähmtes Wesen, vergleichbar einem Tier in freier Wildbahn, dem man sich nur langsam und vorsichtig nähern kann. Sie wirkte wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, das überdauerte am Rande der Zivilisation und ohne weitere »Kultivierung« seine Eigenart bewahrt hatte.

Feuilleton: Judentum und Israel

Zimzum – Eine Gabe des Judentums an die Menschheit

Zu Christoph Schultes Buch: ›Zimzum – Gott und Weltursprung‹

Feuilleton: Dossier Islam

Islamische Philosophie

Feuilleton: Kunst

Rätselhaftes

Zur Ausstellung »Aenigma« in Olmütz und Halle

Feuilleton:

Die Worte, die warten

Wandlungen einer Besprechung

Feuilleton: Meditation

Imagination und Inspiration

Zweites Forschungskolloquium in Stuttgart

Kurz notiert:

Cusanus Hochschule kann starten

Die Vision eines freien, lebendigen Bildungsortes auf dem Weg der Realisierung

Seite: 76

Buchbesprechungen:

Michael Kurtz:Rudolf Steiner und die Musik. Biografisches – Geisteswissenschaftliche Forschung – Zukunftsimpulse

Rudolf Steiner:Eurythmie als sichtbarer Gesang. Ton-Eurythmie-Kurs (GA 278)

Rüdiger Sünner:Zeige deine Wunde. Kunst und Spiritualität bei Joseph Beuys. Eine Spurensuche

Mircea Cărtărescu:Die Wissenden

»Orbitor«-Trilogie I

Mircea Cărtărescu:Der Körper

»Orbitor«-Trilogie II

Mircea Cărtărescu:Die Flügel

»Orbitor«-Trilogie III

Sergej Lebedew:Der Himmel auf ihren Schultern

Ilse Wellershoff-Schuur:Am Kreuz der Erde: Ein Reisejournal aus dem Heiligen Land