Fr, 27. April 2018 - Sa, 28. April 2018

Der Nationalökonomische Kurs Rudolf Steiners im Kontext von Gegenwart und Zukunft - Teil I

Zwei Seminare in Dornach/Schweiz zu den Grundlagen eines zeitgemäßen Wirtschaftslebens

Ort:
Stiftung TRIGON
Juraweg 17
4143 Dornach (Dachgeschoss)

Zeit:
27. April 2018, 20.00 Uhr
Vortrag von Stephan Eisenhut
28. April 2018, 09.00-15.00 Uhr
Seminar mit Stephan Eisenhut und Jean-Marc Decressonnière

25. Mai 2018, 20.00 Uhr
Vortrag von Jean-Marc Decressonnière
26. Mai 2018, 09.00-15.00 Uhr
Seminar mit Jean-Marc Decressonnière und Stephan Eisenhut

Kosten:
60 CHF/EUR pro Veranstaltung (Vortrag und Seminar)
Am 28. April und 26. Mai kann ein Mittagessen
für 15 CHF gebucht werden. Bitte
bei der Anmeldung berücksichtigen.

Anmeldung:
Tel: +41 (0)61-701 78 88
Email: c.schuemann@stiftung-trigon.ch

Für Rudolf Steiner (1861-1925) war der 1. Weltkrieg ein Krisensymptom: Die alten Formen und Strukturen des sozialen Lebens trugen nicht mehr und wirklich neue Ideen waren nicht vorhanden. Das Ziel der von ihm in den ersten Nachkriegsjahren inaugurierten Bewegung für soziale Erneuerung war daher, aus einem tiefen und differenzierten Verständnis des sozialen Lebens heraus neue Ideen und Vorstellungen zu entwickeln und umzusetzen. Steiners Analysen, Ideen und Anregungen für ein lebendiges Zusammenspiel von Kultur, Recht und Wirtschaft fanden sowohl bei der Arbeiterschaft als auch bei einigen Persönlichkeiten der höheren und höchsten wirtschaftlichen und politischen Kreise Beachtung. Sie stießen aber auch auf erbitterten Widerstand. Die Bereitschaft, gewohnte Vorstellungen und Denkgewohnheiten aufzugeben und wesentliche Fragen vollkommen neu zu stellen, war zu schwach ausgeprägt. Daher konnten sich die alten Mächte mit ihren überkommenen Ideen und Vorstellungen wieder durchsetzen, so dass Rudolf Steiner schon Ende 1919 die Dreigliederungsbewegung als gescheitert betrachtete. Er beklagte diese Entwicklung nicht. Stattdessen fasste er die aus seiner Sicht wesentlichen Grundlagen für eine Erneuerung des sozialen Lebens – insbesondere des Wirtschaftslebens – in einer Reihe von vierzehn Vorträgen nochmals zusammen. Könnte es sein, dass er seine Gedanken zur Dreigliederung 1922 im Nationalökonomischen Kurs wie ein Vermächtnis hinterlassen hat?

Öfters merkte Rudolf Steiner an, dass er auch von seinen anthroposophischen Freunden nicht verstanden wurde. Könnte es sein, dass er seine Gedanken in diesem Kurs für Wirtschaftsstudenten und Unternehmer wie versiegelt niedergelegt hat und diese erst wieder entsiegelt werden müssen? Oder anders gefragt: Musste die Gedankensaat erst in die Erde gelegt werden und dort einen 100 Jahre währenden Winterschlaf machen? Wer die heutigen Krisen in Wirtschaft, Politik und Kultur aufmerksam verfolgt und gleichzeitig Steiners Anregungen für eine Erneuerung des sozialen Lebens durchdenkt, kann durchaus diesen Eindruck gewinnen. Wie aber können wir uns heute diesen Gedanken zuwenden, sie auf ihren Aktualitätswert hin überprüfen und gegebenenfalls modifizieren, damit die darin enthaltenen Keime ausschlagen und die Lebenspraxis befruchten können? Diese Fragen sollen in diesen Veranstaltungen zum Nationalökonomischen Kurs bewegt werden.

Das internationale Geldsystem, so sehen es mittlerweile viele führende Persönlichkeiten des öff entlichen Lebens, steht kurz vor dem Kollaps. Andere meinen, dass das „System“, von dessen Funktionieren die Versorgung aller Menschen und vieles andere wesentlich und existenziell abhängt, doch irgendwie stabil bleiben wird. Die Methoden, die nach der Krise von 2008 angewendet wurden, um das System zu stabilisieren, sind wenig nachhaltig. Denn die tieferen Ursachen werden nicht erkannt, geschweige denn angefasst. Entstanden ist dadurch eine Art Kartenhaus, das durch ein unerwartetes Ereignis ganz plötzlich zum Einsturz gebracht werden kann. Was aber macht ein Unternehmer, wenn das Medium, mit dem er den Austausch seiner Waren und Dienstleistungen in einer hoch arbeitsteiligen Welt organisiert, plötzlich seine Funktionsfähigkeit verliert? Er braucht dann nicht nur klare Ideen und auch andere Fähigkeiten, sondern funktionierende reale Alternativen, damit er seine unternehmerischen Tätigkeiten überhaupt fortsetzen kann. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Unternehmer über die Belange des eigenen Unternehmens hinausdenken und miteinander ins Gespräch kommen. Im Nationalökonomischen Kurs finden sich sehr grundlegende Gedanken für ein zeitgemäßes Geldsystem. Aber wie könnte ein solches System überhaupt eingerichtet werden? Es ist undenkbar, dass das „von oben her“ möglich und durchsetzbar ist. Wie könnten daher Prozesse „von unten her“ in Gang gesetzt werden, die auf die Schaff ung einer betriebsübergreifenden Einrichtung zielen, in der ein erneuertes und gesundes Geldwesen seine wesentlichen Funktionen erfüllen kann?

 

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