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»Ich bin kein Stein mehr«

Ein Theaterprojekt mit Geflüchteten im Berliner Theater im Delphi

Wir treten ein in den dicht gefüllten Zuschauerraum, klemmen uns hinter einen der Tische. Im Hintergrund – gegenüber von Bühne und Leinwand – liegt die Bar. Das klingt nach Luxuskino und tatsächlich ist dies ein früher... [mehr]

Wir treten ein in den dicht gefüllten Zuschauerraum, klemmen uns hinter einen der Tische. Im Hintergrund – gegenüber von Bühne und Leinwand – liegt die Bar. Das klingt nach Luxuskino und tatsächlich ist dies ein früher 870 Plätze fassender Kinosaal, das ›Ehemalige Stummfilmkino Delphi‹ in Berlin-Weissensee – jenem Bezirk, der seit der gleichnamigen Fernsehserie deutschlandweit bekannt ist.

Der neue Griechischprofessor

500 Jahre Melanchthons Antrittsrede in Wittenberg

Im Lutherjahr 2017 wurde viel über Martin Luther und den Thesenanschlag gesprochen, auch viel Unwesentliches. Denn es war ja nicht das Anschlagen der Thesen wichtig, sondern ihr Inhalt, der den Nerv der Zeit vor 500 Jahren... [mehr]

Im Lutherjahr 2017 wurde viel über Martin Luther und den Thesenanschlag gesprochen, auch viel Unwesentliches. Denn es war ja nicht das Anschlagen der Thesen wichtig, sondern ihr Inhalt, der den Nerv der Zeit vor 500 Jahren traf. Über Philipp Melanchthon (1497–1560) jedoch sprach kaum einer. Wie so oft, auch während seines Lebens, stand er – der äußerlich zart, klein und unscheinbar war – im Schatten Luthers, obwohl ohne ihn die Reformation kaum möglich gewesen wäre.

Das Ich tritt hervor

Eine Bildbegegnung

Zur Vorosterzeit war ich im Basler Kunstmuseum, und als ich vor dem Bild ›Jesus und die Samariterin‹ von Bonifacio de’ Pitati stand, kam mir eine Mitschrift von A. Lindeberg Östersund zum Vortrag vom 12. Januar 1910... [mehr]

Zur Vorosterzeit war ich im Basler Kunstmuseum, und als ich vor dem Bild ›Jesus und die Samariterin‹ von Bonifacio de’ Pitati stand, kam mir eine Mitschrift von A. Lindeberg Östersund zum Vortrag vom 12. Januar 1910 in den Sinn, den Rudolf Steiner im Rahmen seiner damaligen Vortragsreihe zum Johannes-Evangelium gehalten hat, und an deren Herausgabe als GA-Band 117a ich gerade arbeitete.

Wir müssen Waisen werden

Im Lazarus-Haus in Wuppertal ist am 13. Mai, am Himmelfahrtssonntag und Muttertag, meine Mutter gestorben. Es war ein friedlicher Tod ohne Schmerzen. Margarete, geb. Schneider, wurde im März 1925 geboren. Sie war ein, wie... [mehr]

Im Lazarus-Haus in Wuppertal ist am 13. Mai, am Himmelfahrtssonntag und Muttertag, meine Mutter gestorben. Es war ein friedlicher Tod ohne Schmerzen. Margarete, geb. Schneider, wurde im März 1925 geboren. Sie war ein, wie man so sagt, bildungsferner Mensch. Sie war einfach, war äußerlich nie mehr als Hausfrau gewesen, las selten anspruchsvolle Bücher, machte Brombeeren ein und buk immer den gleichen Kuchen. Sie war auch nicht verklärbar als dieser einfache Mensch, der sie war, sie war keine fröhlich-gütige Großmutter (aber eine geliebte), sie war auf den ersten Blick auch keine nahbare, Wärme verströmende Mutter für ihre vier Kinder, dafür war sie zu sehr geprägt von den spießigen 50er Jahren und mehr noch von den eigenen Wunden. Aber sie traf, wenn sie sich frei und angenommen fühlte, den Nerv der Dinge. Sie spürte, was in Menschen vorging, aber nur, wenn ihr Blick von sich absah.

Ein Denkzettel

Was in der Anthroposophischen Gesellschaft leider vorgeht (Forts.)

Es war ein starkes Symbol: Während die zur Frage der Mandatsverlängerung für Paul Mackay und Bodo von Plato abgegebenen Stimmen gezählt wurden, fand auf der diesjährigen Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen... [mehr]

Es war ein starkes Symbol: Während die zur Frage der Mandatsverlängerung für Paul Mackay und Bodo von Plato abgegebenen Stimmen gezählt wurden, fand auf der diesjährigen Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ein weiterer Wahlgang statt. Dieses Mal ging es um die offizielle Rehabilitation Ita Wegmans und Elisabeth Vreedes. Der entsprechende Antrag wurde nahezu einmütig verabschiedet. Kurz darauf wurde bekanntgegeben, dass Mackay und von Plato mit jeweils nur knapp über 40% Ja-Stimmen die Bestätigung verfehlt hatten. Hatte sich etwa die Geschichte wiederholt – und sei es nur, wie Marx einst höhnte, erst als Tragödie und dann als Farce?

Das Vaterunser und die Rosenkreuzer-Sprüche

Vom Vatergöttlichen zum Ich

Man kann das Vaterunser unter dem Gesichtspunkt betrachten, wie sich die Menschheit darin findet – die alte Menschheit und die neue. Beim Beten des Vaterunsers kann man einen Weg erleben, der mit einem großen kosmischen... [mehr]

Man kann das Vaterunser unter dem Gesichtspunkt betrachten, wie sich die Menschheit darin findet – die alte Menschheit und die neue. Beim Beten des Vaterunsers kann man einen Weg erleben, der mit einem großen kosmischen Teil beginnt, sich dann verinnerlicht, zur eigenen Mitte führt und im letzten Teil, der Doxologie, einen Aufschwung herbeiführen kann. Die Autorin hat sich immer wieder gefragt, was es mit den drei Teilen des Gebets auf sich hat. Im Folgenden entwickelt sie dazu einige Gesichtspunkte.

Pelagius

oder: die Würde des Menschen

Dieses Jahr jährt sich zum 1600sten Mal ein Ereignis, das die Geschichte des westlichen Christentums noch tiefer geprägt hat als der 2017 gefeierte Reformimpuls Martin Luthers. Dessen Spiritualität und Theologie, die stark... [mehr]

Dieses Jahr jährt sich zum 1600sten Mal ein Ereignis, das die Geschichte des westlichen Christentums noch tiefer geprägt hat als der 2017 gefeierte Reformimpuls Martin Luthers. Dessen Spiritualität und Theologie, die stark von Augustinus (*354; †430) beeinflusst waren – Luther war anfänglich ein Augustinermönch –, hätten nämlich ohne jenes Ereignis eine ganz andere Gestalt gehabt. Vor 1.600 Jahren tagte, am 1. Mai 418, das Regionalkonzil von Karthago, das – einen langen Streit bezüglich des Wesens der Gnade sowie des menschlichen Willens beendend – die definitive Verurteilung und die Exkommunikation des keltischen, aus Irland oder Britannien stammenden Asketen Pelagius (*um 350; †420) aussprach. Damit siegte die Position des Augustinus, die fortan das westliche Christentum prägte und noch bis heute prägt.

Wer ist Widar?

Die Frage »Wer ist Widar?« begleitet mich seit Jahren als Forschungsfrage. Hier soll einmal der Versuch unternommen werden, unterschiedliche Lesarten von Darstellungen Rudolf Steiners durch verschiedene anthroposophische... [mehr]

Die Frage »Wer ist Widar?« begleitet mich seit Jahren als Forschungsfrage. Hier soll einmal der Versuch unternommen werden, unterschiedliche Lesarten von Darstellungen Rudolf Steiners durch verschiedene anthroposophische Forscher zusammenzuschauen. Ich gehe u.a. auf Ausführungen von Karl Heyer, Sergej O. Prokofieff und Gundula Jäger ein. Es zeigt sich dabei als eine Schwierigkeit, dass anthroposophische Autoren in entscheidenden Fragen mitunter nicht aufeinander aufbauen, sondern sich meist nur auf Rudolf Steiner sowie auf eigene Überlegungen beziehen. Dabei versuche ich in einem ersten Schritt zu zeigen, was für Probleme dadurch in der Fragestellung »Wer ist Widar?« auftreten können. Im Fortgang meiner Untersuchung versuche ich fragend und tastend eine Antwort, besser eine Antwort-Richtung auf die gestellte Frage zu entwickeln.

Zum Verständnis der Hybernischen Mysterien

Versuch einer Rekonstruktion und zugleich ein Beitrag zum »Lesen« Rudolf Steiners – Teil I

Rudolf Steiners Schilderungen der verschiedenen Mysterienstätten und Einweihungspraktiken, insbesondere die der sehr rätselhaften Hybernischen Mysterien, stellen für den heutigen, von den Naturwissenschaften geprägten... [mehr]

Rudolf Steiners Schilderungen der verschiedenen Mysterienstätten und Einweihungspraktiken, insbesondere die der sehr rätselhaften Hybernischen Mysterien, stellen für den heutigen, von den Naturwissenschaften geprägten Menschen eine enorme Herausforderung dar. Es handelt sich dabei zunächst einmal um Beschreibungen, ja um Erzählungen. Wie soll man sich zu ihnen stellen? Sie aufnehmen wie ein Märchen? Auf sich wirken lassen? Damit leben und schauen, was sich ergibt? Wörtlich nehmen? Und, insofern es historische Dokumente gibt, wie soll man Steiners Beschreibungen im Vergleich dazu bewerten?

Wie kann der Sinn der Arbeit wiedergefunden werden?

Das Grundeinkommen: Pathologie und Wirkung einer sozialen Bewegung VI

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens kann so viele Menschen faszinieren, weil dessen ökonomische Wirkungen kaum durchschaut werden. Besonders in Teil V dieser Serie wurde aufgezeigt, wie dadurch das Wasser auf die... [mehr]

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens kann so viele Menschen faszinieren, weil dessen ökonomische Wirkungen kaum durchschaut werden. Besonders in Teil V dieser Serie wurde aufgezeigt, wie dadurch das Wasser auf die Mühlen derjenigen gelenkt wird, gegen die sich die Grundeinkommensbefürworter eigentlich wehren wollen. Der letzte Teil dieser Serie rückt nun das Hauptmotiv der Grundeinkommensbewegung in den Fokus: Das Vertrauen auf die »intrinsische« Motivation als vermeintliche Antithese zum Motiv »Arbeiten für Geld«. Ist dieses Innerlich-Menschliche jedoch richtig erfasst und kommt es durch ein Grundeinkommen wirklich zum Zug – oder muss dazu vielleicht etwas ganz anderes geschehen?

Zu Besuch in Donetsk

Eine Reise durch den Osten Europas im Januar 2017 – Teil I

Am Grenzübergang Die russische Seite der Grenze zur Ost-Ukraine. Wir Passagiere unseres Busses sollen alle raus, alles mitnehmen, uns in einem Raum in Reih und Glied aufstellen, Gepäck auf den Boden vor... [mehr]

Am Grenzübergang Die russische Seite der Grenze zur Ost-Ukraine. Wir Passagiere unseres Busses sollen alle raus, alles mitnehmen, uns in einem Raum in Reih und Glied aufstellen, Gepäck auf den Boden vor uns. Ein Soldat mit Hund kommt herein und läuft die Reihe entlang. Der Hund schnüffelt und findet nichts. Wir dürfen weiter. Gepäck durchleuchten, Leibesvisite, Passkontrolle. Die Frau hinterm Glas schaut nicht einmal zu mir hoch, und doch fühle ich mich geprüft. Strenge Miene und das Gewicht der Macht auf ihren mit Abzeichen geschmückten Schultern. Der Busfahrer wollte mich in Rostow nicht mitnehmen, obwohl ich ein Ticket hatte: »Das gibt Probleme an der Grenze.« Da müsse er dann Stunden warten, bis er weiterkönne. Schließlich, mit schmollender Gebärde, ließ er mich doch hinein. Jetzt steht er auf der anderen Seite der Grenze und schaut nervös zu den Wartenden in der Schlange herüber. Die Frau prüft, wendet, scannt und scheint nicht weiterzukommen. Tippt in einen Computer, schaut, prüft, wendet. Dann geht sie zum Schalter nebenan, berät sich. Nun muss man auch dort lange warten, bis es weitergeht. Schließlich kommt sie zurück, macht einen Eintrag mit Kugelschreiber neben mein Russlandvisum und reicht mir den Pass, als ob alles wie immer sei – streng, normal, ordentlich.

Ein Land im Aufbruch

Eindrücke von einer Reise nach Kiew im April 2018

Der Kiewer Taxifahrer »Do you speak English?« - »I speak Google!« Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt unterhalten wir uns mit Hilfe des Internets: Er spricht laut und deutlich in sein Handy, oben... [mehr]

Der Kiewer Taxifahrer »Do you speak English?« - »I speak Google!« Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt unterhalten wir uns mit Hilfe des Internets: Er spricht laut und deutlich in sein Handy, oben auf dem Bildschirm erscheinen die Worte in kyrillischer Schrift, unten auf Deutsch. Dann bin ich dran. Nach einigem Hin und Her über Wetter und Verkehr frage ich, wie sich die Ukraine in den letzten 20 Jahren verändert habe. Er: »Es ist schlechter geworden.« – »Was war früher besser?« – Er, nach einer Pause: »Die Menschen. – Ich war früher besser.« Pause, Lächeln: »Ich war jünger …« Über Politik möchte er nicht gern reden: »Ich brauche keine Politik, ich brauche gute Polizei.« Er stammt aus Russland, hat ein Häuschen in Odessa und war als sowjetischer Soldat in Wladiwostok und Moskau, zu DDR-Zeiten auch mal in Ostberlin. Für ihn war es früher wohl besser.