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Zwerge in Riesenheim

Ein paar Thesen vorweg: Die Erde ruft heute nach einem bewussten Dialog mit ihren Bewohnern. Die Zeit ist reif für eine spirituelle Ökologie – eine Ökologie der Wahrhaftigkeit (im Zeitalter medialer Manipulation)... [mehr]

Ein paar Thesen vorweg: Die Erde ruft heute nach einem bewussten Dialog mit ihren Bewohnern. Die Zeit ist reif für eine spirituelle Ökologie – eine Ökologie der Wahrhaftigkeit (im Zeitalter medialer Manipulation) und des Gewahrseins (im Zeitalter virtueller »Realitäten«). Sie soll konkret und persönlich sein, erwachsend aus einer »Ökologie der Sinneswahrnehmungen«, einem Erfassen des Wechselspiels zwischen Kräften und Wesen. Den Resonanzboden hierfür schaffen wir durch die seelische Beobachtung der Natur, d.h. durch Aufmerksamkeitsschulung im Inneren und am Äußeren. Dies übt man überall da, wo es (Jahres-)Zeit gibt: Sie öffnet sich dadurch zum Raum. Ein ideales Feld für diese Kunst bietet uns die elementarkräftige norwegische Natur mit ihrer menschenbezogenen Lichtoffenheit.

Durchbrochene Grenzen

Zur Ausstellung ›Facing India‹ im Kunstmuseum Wolfsburg

Beim Eintritt fällt der Blick auf eine 14 m lange Weltkarte an der Wand, die aus Elektrokabeln geknüpft wurde: Stacheldrahtähnliche Kabel zwischen den Kontinenten zeigen Migrationswege an, sie verbinden und trennen zugleich.... [mehr]

Beim Eintritt fällt der Blick auf eine 14 m lange Weltkarte an der Wand, die aus Elektrokabeln geknüpft wurde: Stacheldrahtähnliche Kabel zwischen den Kontinenten zeigen Migrationswege an, sie verbinden und trennen zugleich. Eine Metapher für die Ambivalenz jeglicher Grenzziehung, die immer auch die Möglichkeit zur Kommunikation und zu (weiblichen) Netzwerken bietet? Nach der Überwindung von Hindernissen? ›Woven Chronicle‹ von Reena Saini Kallat (*1973) ist eine »Handarbeit«, wie sie weltweit immer noch mit dem weiblichem Rollenmuster verknüpft wird.

Der Granatapfel: Lebensbaum – Liebesapfel – Todesfrucht

Zur Geschichte eines Symbols an den Schwellen des Lebens

›Der letzte Granatapfel‹, ›Das Haus der Granatäpfel‹, ›Tausendundein Granatapfelkern‹, ›Granatapfel – Frucht der Götter‹: Solche Buchtitel aus den letzten Jahren zeigen, welche Faszinationskraft von dieser... [mehr]

›Der letzte Granatapfel‹, ›Das Haus der Granatäpfel‹, ›Tausendundein Granatapfelkern‹, ›Granatapfel – Frucht der Götter‹: Solche Buchtitel aus den letzten Jahren zeigen, welche Faszinationskraft von dieser aus dem Vorderen Orient stammenden Frucht ausgeht. Auch dort ist sie schon immer mehr als nur ein selbstverständliches Lebensmittel. Es gibt wohl kaum eine Frucht, deren Symbolkraft im Hinblick auf das menschliche Leben sich so augenfällig an ihrer sinnlichen Erscheinung festmacht, an ihrer auffälligen Färbung, ihrer äußeren Form und inneren Struktur und nicht zuletzt an ihrem Geschmack und Duft. – An dieser Stelle gehe ich den Bedeutungen dieser Frucht in ihrem Ursprungsraum nach sowie ihren Transformationen ins christliche Europa.

Die rosa Fenster

Vierte Betrachtung zu den Fenstermotiven im Großen Saal des Goetheanums

Nach dem kräftigenden Grün, dem weitenden Blau und der Verinnerlichung des Violett folgt jetzt der letzte Schritt: ins Pfirsichblüt – das eigentlich kein Rosa ist, sondern lachsfarben. Durch die helle, rötlich-orangene... [mehr]

Nach dem kräftigenden Grün, dem weitenden Blau und der Verinnerlichung des Violett folgt jetzt der letzte Schritt: ins Pfirsichblüt – das eigentlich kein Rosa ist, sondern lachsfarben. Durch die helle, rötlich-orangene Tönung wird eine sanfte Aktivität angeregt. Das Farberlebnis wandelt sich ins Überirdische, in seiner sich auflösenden Leichtigkeit scheint es zum Tor zu werden. Rudolf Steiner bezeichnete es deshalb auch als »Inkarnat«: »Und erziehen wir uns dazu, nicht nur Pfirsichblüt zu sehen, sondern das Bewegte des Inkarnats zu sehen, erziehen wir uns dazu, uns das Inkarnat nicht nur vom Menschen zeigen zu lassen, sondern in ihm zu leben, empfinden wir die Erfüllung unseres Leibes mit unserer Seele selber als Inkarnat, so ist dieses der Eintritt, das Tor in eine geistige Welt, dann kommen wir in die geistige Welt hinein. Es ist die Farbe dasjenige, was sich hinuntersenkt bis zu der Oberfläche der Körper, es ist die Farbe auch dasjenige, was den Menschen von dem Materiellen erhebt und in das Geistige hineinführt.« Ich sehe in diesen beiden Fenstern dementsprechend zwei Tore in die geistige Welt. Sie wirken wie wie zwei Wächter vor der Bühne.

Farbentanz

Zur Ausstellung ›Gotthard Graubner – Mit den Bildern atmen‹ im Künstlerbahnhof Rolandseck bei Remagen

Der Künstlerbahnhof Rolandseck ist ein phantastischer Ort. Der Terrassenbau, hoch über dem Rhein bei Remagen gelegen, beherbergt das Arp Museum mit seiner ständigen Sammlung, dazu werden wechselnde Austellungen gezeigt,... [mehr]

Der Künstlerbahnhof Rolandseck ist ein phantastischer Ort. Der Terrassenbau, hoch über dem Rhein bei Remagen gelegen, beherbergt das Arp Museum mit seiner ständigen Sammlung, dazu werden wechselnde Austellungen gezeigt, wie 2017 eine spektakuläre Präsentation der Großplastiken von Henry Moore. Nicht zuletzt ist es ein prachtvoll restaurierter Bahnhof, an dem bis heute Regionalzüge verkehren. Doch das eigentlich Wundersame ist der Neubau des Architekten Richard Meier.

Das Experiment

Die Symptomatologie der Gegenwart und Salvatore Lavecchias Buch ›Ichsamkeit‹

Am Helmholtzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg, buchstäblich vor meiner Tür, wurde am frühen Abend des 17. April ein Kippa tragender junger Mann von einem arabischen Jugendlichen angegriffen und gedemütigt. Das Opfer filmte... [mehr]

Am Helmholtzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg, buchstäblich vor meiner Tür, wurde am frühen Abend des 17. April ein Kippa tragender junger Mann von einem arabischen Jugendlichen angegriffen und gedemütigt. Das Opfer filmte den Täter; es hatte die Kippa als Experiment getragen. Der Vorfall brachte es bis auf die Titelseiten aller Zeitungen. Antisemitische Übergriffe nehmen in der deutschen Hauptstadt bis in Grundschulen hinein zu. Einen Zusammenhang mit dem seit 2015 zunehmenden Zuzug von Muslimen herzustellen, ist weder bös- noch mutwillig, sondern dieser besteht objektiv. Juden in Berlin fühlen sich nicht mehr sicher und befinden sich mit ihrer Sorge im feuilletonistischen Abseits, denn den folgenlosen politischen Betroffenheitsfloskeln stehen die Rechtfertigungsmuster plötzlich um ihren Ruf bangender Institutionen gegenüber: Man möchte sich nicht Rassismus und Ausgrenzung von Muslimen nachsagen lassen. Deshalb wird systematisch bagatellisiert, dass 80 Jahre nach dem Holocaust das Judentum in Deutschland im Alltag wieder als Problem angesehen wird. Dies mag freilich nur auf dem Boden eines noch immer latenten Ressentiments quer durch alle Schichten gedeihen können. Umso gedankenloser, ja fast wahnsinnig mutet es an, die Gefahr eines sozusagen zusätzlich importierten islamistischen Antisemitismus (inklusive eines nicht minder aggressiv-höhnischen Antifeminismus) politisch derart ausgeblendet zu haben. Auf dieser Begriffsstutzigkeit – oder Strategie? – der Entscheidungsträger kocht eine Gruppierung wie die AfD ihr fades Süppchen, das Gift der eigenen hassgetränkten Gedanken und rein destruktiven Rhetorik noch hineinmischend.

Beinsa Duno und die bulgarische Schule

Zu Eva Kovacheva: ›Die Weiße Bruderschaft des Peter Danov‹

Mit der hier besprochenen Arbeit promovierte die bulgarische Autorin Eva Kovacheva 2010 an der Universität Marburg im Fachbereich Evangelische Theologie. Ihre Schrift ›Die Weiße Bruderschaft des Peter Danov‹ verdient... [mehr]

Mit der hier besprochenen Arbeit promovierte die bulgarische Autorin Eva Kovacheva 2010 an der Universität Marburg im Fachbereich Evangelische Theologie. Ihre Schrift ›Die Weiße Bruderschaft des Peter Danov‹ verdient Aufmerksamkeit nicht allein vor dem akademischen Forum. Insbesondere gibt es Bezüge zwischen dem Exponenten des Buches, Peter Danov, dessen spiritueller Name Beinsa Duno lautet, und Rudolf Steiner bzw. der anthroposophischen Bewegung. Kovacheva ist seit ihrer Schulzeit an einem deutschsprachigen Gymnasium mit der deutschen Kultur vertraut und seit ihrer Jugend interessiert an Esoterischem – Rosenkreuzertum, Theosophie und Anthroposophie.

Rudolf Steiner als Erzähler II

Im Vorhof der Esoterik: Goethes Rätselmärchen

Befassen wir uns mit dem Erzähler Rudolf Steiner, dann sollten wir uns auch in das Thema der »Esoterik der Erzählung« vertiefen. Genau dafür treffen wir im Werk Steiners auf einen Schlüsseltext. Es ist ›Das Märchen‹... [mehr]

Befassen wir uns mit dem Erzähler Rudolf Steiner, dann sollten wir uns auch in das Thema der »Esoterik der Erzählung« vertiefen. Genau dafür treffen wir im Werk Steiners auf einen Schlüsseltext. Es ist ›Das Märchen‹ aus Goethes ›Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten‹, einer Sammlung von sechs Novellen und dem Märchen im Zusammenhang einer Rahmenhandlung. Was lässt sich daraus über die Esoterik der Erzählung lernen? Inwiefern konstituiert diese Schrift Goethes in ihrem Kontext eine Erzählung über die Art, wie wir »höhere Erkenntnisse« erlangen könnten? Wie hat Steiner sie aufgegriffen? Und warum hat sie für ihn einen so hohen Stellenwert?

Die wissenschaftlichen Grundlagen des Landwirtschaftlichen Kurses

Objektiver Idealismus und landwirtschaftliche Individualität

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft beruht auf einer erkenntniswissenschaftlichen Grundlage, die bis heute wenig reflektiert wurde. Der vorliegende Beitrag verdeutlicht, dass auch die Pflege dieser Erkenntnisgrundlage... [mehr]

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft beruht auf einer erkenntniswissenschaftlichen Grundlage, die bis heute wenig reflektiert wurde. Der vorliegende Beitrag verdeutlicht, dass auch die Pflege dieser Erkenntnisgrundlage für die Praxis dieses anthroposophischen Lebensfeldes bedeutungsvoll ist. Der gedankliche Ursprung der im zweiten Vortrag des 1924 in Koberwitz gehaltenen Landwirtschaftlichen Kurses lässt sich bis in die ersten Schriften Rudolf Steiners zurückverfolgen.

»Und so lang du das nicht hast ...«

Sinn und Auftrag der Waldorfpädagogik

Man sagt, die Waldorfpädagogik sei eine Erziehung zur Freiheit. Sie strebe danach, die Anlagen, die jedes Kind in sich trage, in umfassender Weise zu entwickeln. Ja, das ist eines ihrer Ziele – aber eben nur eines. Im... [mehr]

Man sagt, die Waldorfpädagogik sei eine Erziehung zur Freiheit. Sie strebe danach, die Anlagen, die jedes Kind in sich trage, in umfassender Weise zu entwickeln. Ja, das ist eines ihrer Ziele – aber eben nur eines. Im August 1919, kurz vor der Begründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart, erläuterte Rudolf Steiner den Dornacher Anthroposophen, was mit der Waldorfschule eigentlich erreicht werden soll. Es geht um eine dreifache Befähigung des späteren, erwachsenen Menschen: zu Freiheit im sozialen Miteinander, zum Verständnis von Gleichheit im rechtlichen Bereich, und – als höchstes Ideal – zu Brüderlichkeit im wirtschaftlichen Leben. Steiners Analyse war eindeutig: »Eine der allerwichtigsten sozialen Fragen für die Zukunft ist die Erziehungsfrage.« Was in der Kindheit und Jugend entwickelt wird (oder nicht), bestimmt das Denken, Fühlen und Wollen des späteren Lebens und damit das soziale Miteinander in umfassender Weise. Man muss bis zu einem gewissen Grad selbst seelisch gesund sein, wenn man sich gesund verhalten können soll.

Achtsamkeit und Erkenntnisblindheit

Das kulturpessimistische Evolutionsverständnis des Yuval Noah Harari – Teil II

Im ersten Teil dieses Beitrages hatten wir damit begonnen, die beiden Bücher ›Eine kurze Geschichte der Menschheit‹ und ›Homo deus‹ des israelischen Universalhistorikers Yuval Noah Harari – der heute zu den meistgelesenen... [mehr]

Im ersten Teil dieses Beitrages hatten wir damit begonnen, die beiden Bücher ›Eine kurze Geschichte der Menschheit‹ und ›Homo deus‹ des israelischen Universalhistorikers Yuval Noah Harari – der heute zu den meistgelesenen Gelehrten der westlichen Welt gehört – gegen den Strich der bisherigen, überwiegend positiven Kritiken zu lesen. Dabei hatten wir festgestellt, dass der inzwischen auch zu einem der meistgefragten Talkshow- Gäste und Redner für internationale FührungskraÅNfte avancierte Hyperintellektuelle, wenn man es theologisch ausdrücken würde, mit dem für ihn nicht lösbaren Problem des Sündenfalls kämpft. Er sieht in der Evolution der Menschheit nicht nur eine invisible hand, sondern letztlich den Teufel am Werk

República Catalana?

Brief aus Brüssel

Aus belgischer Perspektive ist beim Thema Katalonien vorab zu denken an den Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Niederlande gegen Spanien im 16. Jahrhundert, an Herzog Alba vor allem und die Hinrichtungen der Grafen Egmond... [mehr]

Aus belgischer Perspektive ist beim Thema Katalonien vorab zu denken an den Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Niederlande gegen Spanien im 16. Jahrhundert, an Herzog Alba vor allem und die Hinrichtungen der Grafen Egmond und Hoorn. All diese Schrecken sind tief eingegraben ins kollektive Bewusstsein, nicht nur in Belgien. Ebenso wichtig ist es, an die Ausrufung der Spanischen Republik im Jahre 1931 durch Lluís Companys, den Ministerpräsidenten der katalanischen Landesregierung (Generalitat de Catalunya), seine Flucht nach Frankreich im Jahre 1939, die spätere Auslieferung durch die Nazis an Spanien sowie seine Hinrichtung durch das Franco-Regime zu erinnern. All die Grauen des Spanischen Bürgerkrieges, dieses Kreises der Hölle, werden wieder wach.