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Islamische Selbstkritik?

Zu Muhammad Sameer Murtaza: ›Schalom und Salam. Wider den islamisch verbrämten Antisemitismus‹

Bereits die vorangestellte »Widmung« weist das neue Buch von Muhammad Sameer Murtaza als ein klar bekenntnisgebundenes aus: Sie besteht aus der Basmala, der Anrufungsformel, mit der – bis auf die neunte – alle Suren... [mehr]

Bereits die vorangestellte »Widmung« weist das neue Buch von Muhammad Sameer Murtaza als ein klar bekenntnisgebundenes aus: Sie besteht aus der Basmala, der Anrufungsformel, mit der – bis auf die neunte – alle Suren des Korans beginnen. Dass Murtaza sein Buch als Muslim schreibt, findet außerdem im Text immer wieder Erwähnung (z.B. S. 12, 32, 89, 113, 130 und 131). Offenbar scheint es ihm wichtig zu sein, dass der Leser darüber in Kenntnis gesetzt ist. Vielleicht verspricht sich Murtaza dadurch mehr Respekt bei muslimischen Lesern. Die erste Irritation, die sein Buch auslöst, findet sich bereits im Untertitel: »islamisch verbrämt«. Lange, zu lange ist nicht klar, was Murtaza damit genau meint, da er diese Charakterisierung zunächst ohne weitere Erklärung verwendet (S. 47, 50, 70 und 77). Erst auf Seite 88 löst er dieses Rätsel auf. Man fragt sich, weshalb dies erst nach der Hälfte des Buches geschieht – kognitive Orientierung für den Leser sieht zumindest anders aus.

Meister des Manichäischen

Ein Gedenkbuch für Werner Sundermann

Im Folgenden möchte ich anthroposophisch orientierten Lesern eine Forscherpersönlichkeit näherbringen, die stärker als bisher ihre Aufmerksamkeit verdient: Werner Sundermann. Im anthroposophischen Umfeld wird dem Manichäismus... [mehr]

Im Folgenden möchte ich anthroposophisch orientierten Lesern eine Forscherpersönlichkeit näherbringen, die stärker als bisher ihre Aufmerksamkeit verdient: Werner Sundermann. Im anthroposophischen Umfeld wird dem Manichäismus von jeher viel Interesse entgegengebracht. Sundermann wiederum gilt unter Kennern als eine zentrale Gestalt der jungen Wissenschaft der Manichäologie.

Gebäude ohne Fundament

Zwei Neuerscheinungen zur Hochschulfrage

Will man Aufschluss über die Frage gewinnen, welche Bedeutung und Wirksamkeit eine Hochschule für Geisteswissenschaft (Anthroposophie) in Zukunft entfalten könnte, dann liegt es nahe, neben den historischen Hinweisen Rudolf... [mehr]

Will man Aufschluss über die Frage gewinnen, welche Bedeutung und Wirksamkeit eine Hochschule für Geisteswissenschaft (Anthroposophie) in Zukunft entfalten könnte, dann liegt es nahe, neben den historischen Hinweisen Rudolf Steiners im Rahmen der Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft 1923/24 auch aktuelle Publikationen heranzuziehen, deren Verfasser diese Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven behandeln. Auf das Erscheinen zweier Selbstdarstellungen des Goetheanums in den Jahren 20081 und 20172, von denen sich die neuere vor allem der Geschichte seiner elf Forschungssektionen widmet, folgten im vergangenen Jahr auch zwei »inoffizielle« Veröfentlichungen zu diesem Themenbereich. Letztere gehören in meinen Augen zu den interessanteren Gesprächsbeiträgen, da deren Autoren das Aufgabenfeld einer Freien Hochschule für Geisteswissenschaft sondieren, ohne hierbei mit (selbst-)kritischen Einlassungen zu sparen. Im Folgenden seien einige der von ihnen benannten Problemfelder herausgegriffen und näher beleuchtet, weil diese meinem Eindruck nach Wesentliches der Hochschulfrage berühren, von dessen Bewältigung die Zukunft dieser Einrichtung abhängt.

Geist-Erkenntnis und Ich-Erleben

Rudolf Steiners ›Philosophie der Freiheit‹ im Spiegel der ›Vorrede zur Neuauflage 1918‹

In der ›Vorrede zur Neuauflage 1918‹ kennzeichnet Rudolf Steiner nach 25 Jahren erneut die »Zielgedanken« seiner Schrift. Er will sich mit seinem Leser darüber verständigen, was von dem Buche zu erwarten ist und was... [mehr]

In der ›Vorrede zur Neuauflage 1918‹ kennzeichnet Rudolf Steiner nach 25 Jahren erneut die »Zielgedanken« seiner Schrift. Er will sich mit seinem Leser darüber verständigen, was von dem Buche zu erwarten ist und was nicht. Hier soll versucht werden, diese Zielgedanken kurz nachzuzeichnen und einige Schlaglichter zu werfen auf das Umfeld des seelischen Erlebens, in das sie sich hineinstellen in unserer Zeit. Sie erweisen sich dabei für den Gegenwartsmenschen als eine Art Instrument zur inneren Standortbestimmung.

Frei von sich und von Anderem

Westöstliche Meditationen zum Ich

In seinen Ausführungen über den Willen und über die Freiheit des absoluten Einen, die in Enneade VI 8 enthalten sind, schenkt Plotin unserer Gegenwart eine Charakterisierung der Freiheit, die sehr fruchtbare Anregungen... [mehr]

In seinen Ausführungen über den Willen und über die Freiheit des absoluten Einen, die in Enneade VI 8 enthalten sind, schenkt Plotin unserer Gegenwart eine Charakterisierung der Freiheit, die sehr fruchtbare Anregungen zu einer meditativen Vertiefung von Wesen und Wirken des Ich vermitteln könnte. In Enneade VI 8.16.31ff. charakterisiert Plotin das absolute Eine als Wachsamkeit (egrégorsis), die alle Formen des bestimmten Bewusstseins, d.h. des bestimmten Denkens überragt. Dies bedeutet, dass das Eine, wie Plotin in Enneade V 3.13 ausführt, auch allen Zustand der Selbstwahrnehmung (synáisthêsis), des bestimmten Bewusstseins seiner selbst überragt. Selbstverständlich darf diese Tatsache nicht mit einem Mangel an Bewusstsein verwechselt werden, was Dämmern und Schlafen implizieren würde; das absolute Eine ist nämlich Möglichkeit und Kraft aller Bewusstseinsformen, die sich in keiner – wäre es auch in der vorstellbar höchsten – Form des Bewusstseins erschöpfen lassen könnte. Das absolute Eine ist, in anderen Worten, jegliche mögliche Bestimmung überragende Bewusstsamkeit: unvordenkbare Wachsamkeit, die als Urgrund, Ursprung und Urbild alles Bewusstseins und aller Bewusstheit betrachtet werden soll.

Der Yogi

Iwan Iwanowytsch Korobkin war Angestellter eines der Moskauer Museen und verwaltete seit beinahe vierzig Jahren die Abteilung der Bibliothek. Im Sommer, im Winter, im Herbst und im Frühling erschien in der Diele des Museums... [mehr]

Iwan Iwanowytsch Korobkin war Angestellter eines der Moskauer Museen und verwaltete seit beinahe vierzig Jahren die Abteilung der Bibliothek. Im Sommer, im Winter, im Herbst und im Frühling erschien in der Diele des Museums sein gebeugter, alter Körper; im Sommer in weißer, durchlässiger Segeljacke, mit einem überdimensionalen Regenschirm und – in Überschuhen; im Winter in einem Pelzmantel aus rostbraun verfärbtem Waschbärenfell; in einem abgetragenen Mantel im feuchten Herbst; und im Frühling in einem Havelockmantel.

Bilder der Evolution

Der Einfluss anthroposophischer Ideen auf das Triptychon von Wassilij Watagin: ›Die Evolution der Weltanschauungen‹

Wassilij Alexejewitsch Watagin (1884–1969) ist in erster Linie als Begründer der zeitgenössischen russischen Tiermalerei bekannt. Das künstlerische Erbe des Meisters ist sehr vielfältig: Er war als Bildhauer, Grafiker... [mehr]

Wassilij Alexejewitsch Watagin (1884–1969) ist in erster Linie als Begründer der zeitgenössischen russischen Tiermalerei bekannt. Das künstlerische Erbe des Meisters ist sehr vielfältig: Er war als Bildhauer, Grafiker und Maler tätig, schuf Illustrationen zu Büchern und monumentale Skulpturen. Zu Recht gilt er als einer der Mitbegründer des Staatlichen Darwin-Museums (Gosudarstwennyj Darwinowskij musej = GDM), wo er 45 Jahre lang arbeitete – von 1908 bis 1953. Mit dem ersten Direktor des Museums, Alexander Fjodorowitsch Kohts (1880–1964), war er seit der Schulzeit im Gymnasium bekannt. Aus dieser Bekanntschaft der Kinderzeit erwuchsen eine langjährige Freundschaft und Jahre fruchtbarer Zusammenarbeit, dank derer eine einzigartige Kollektion von Kunstwerken geschaffen wurde. Aktuell bewahrt der Fond des GDM 158 Skulpturen, 372 Gemälde und 136 Grafiken von Watagin. Das Darwin-Museum verfügt also über eine stattliche Sammlung der Werke des Meisters. Neben den Tierdarstellungen Watagins befindet sich in der Kollektion ein Triptychon mit dem Titel ›Die Evolution der Weltanschauungen‹, das aus der naturwissenschaftlichen Ausrichtung des übrigen Werks herausfällt.

Unverhoffte Verbindungen

Das Moskauer Darwin-Museum, Goethe und die Anthroposophie

Manchmal kann man darüber verzweifeln, wie wenig sich Naturforscher für Goethes und Rudolf Steiners Ideen zur Erneuerung der organischen Wissenschaft interessieren. Das kann wohl gegenwärtig noch nicht anders sein. Umso... [mehr]

Manchmal kann man darüber verzweifeln, wie wenig sich Naturforscher für Goethes und Rudolf Steiners Ideen zur Erneuerung der organischen Wissenschaft interessieren. Das kann wohl gegenwärtig noch nicht anders sein. Umso größer ist die Freude, wenn man einmal auf solches Interesse stößt – selbst dann, wenn es nur historisch ist. In dem hier zu beschreibenden Fall handelt es sich um eine frühe Verbindung zwischen Darwinismus, Goetheanismus und Anthroposophie.

100 Jahre Frauenwahlrecht

Renate Riemeck und das passive Wahlrecht

Am 12. November 1918 rief der Rat der Volksbeauftragten das Wahlrecht für Frauen in Deutschland aus. Der Zusammenbruch des Kaiserreichs am Ende des Ersten Weltkriegs und die Novemberrevolution machten es möglich. Am 30.... [mehr]

Am 12. November 1918 rief der Rat der Volksbeauftragten das Wahlrecht für Frauen in Deutschland aus. Der Zusammenbruch des Kaiserreichs am Ende des Ersten Weltkriegs und die Novemberrevolution machten es möglich. Am 30. November 1918 wurde das neue Wahlrecht mit einer Verordnung gesetzlich fixiert. Bereits am 19. Januar 1919 konnten Frauen die Deutsche Nationalversammlung mitwählen, was über 90% wahrnahmen. 37 Frauen erhielten einen Sitz im Parlament. Aber die von den Feministinnen erhoffte Gewichtsverlagerung zugunsten jener Parteien, die für die Gleichberechtigung der Frau eintraten, blieb aus: Das Wahlverhalten der Frauen war überwiegend gemäßigt bis konservativ ausgerichtet. Die Machtverteilung blieb beim Alten.

Auf dem Fundament des Gewissens

Notizen einer Krakau-Reise

Besuch der Wawel-Kathedrale; der Wawel-Hügel war schon vor Jahrtausenden besiedelt, das Schloss in langen Jahrhunderten polnischer Geschichte Königssitz, später nur noch Krönungsort. Wir betreten die Kathedrale durch... [mehr]

Besuch der Wawel-Kathedrale; der Wawel-Hügel war schon vor Jahrtausenden besiedelt, das Schloss in langen Jahrhunderten polnischer Geschichte Königssitz, später nur noch Krönungsort. Wir betreten die Kathedrale durch das Haupttor; der prunkvolle silberne Sarg des Stanisław von Krakau (11. Jahrhundert) zieht den Blick auf sich, mehr noch: blockiert die Aussicht durch das Kirchenschiff zum eigentlichen Zielort, dem Altar … Eine Chronik aus dem 12. Jahrhundert berichtet, der Bischof Stanisław habe den seinerzeit herrschenden König Bolesław II. des Ehebruchs geziehen, dieser habe freilich alle Ermahnungen ignoriert und im Gegenzug kirchliche Besitzungen beschlagnahmt. Daraufhin habe Stanisław ihn von der Kommunion ausgeschlossen, wodurch der Streit eskaliert sei; Bolesław II. habe das Todesurteil über den Bischof verhängt und schließlich sogar persönlich vollzogen, indem er während einer Messe erschienen sei und den Bischof am Altar hingerichtet habe.

Im Widerspiel der Kräfte

Eine (nicht nur) politische Betrachtung zur Jahreswende

Es ist jetzt sechs Jahre her, dass Siegfried Woitinas (1930–2014) seinen letzten Leitartikel für das Programmheft des von ihm mitbegründeten Forum 3 in Stuttgart verfasste, der den aufrüttelnden Titel ›Zeit der Entscheidung‹... [mehr]

Es ist jetzt sechs Jahre her, dass Siegfried Woitinas (1930–2014) seinen letzten Leitartikel für das Programmheft des von ihm mitbegründeten Forum 3 in Stuttgart verfasste, der den aufrüttelnden Titel ›Zeit der Entscheidung‹ trug. Obwohl ich diesen Essay damals – ich arbeitete selbst im Forum 3 und konnte mich mit Siegfried unmittelbar austauschen – durchaus mit eigenen Beobachtungen in Verbindung zu bringen vermochte, hatte ich keine Ahnung, als wie prophetisch er sich noch erweisen sollte. Das hatte auch damit zu tun, dass die weltpolitische Lage zu jener Zeit vergleichsweise idyllisch wirkte: Barack Obama war gerade wiedergewählt worden, Angela Merkels zweite Legislaturperiode neigte sich ihrem einschläfernden Ende zu, im Elysée-Palast residierte ein farbloser Sozialdemokrat namens François Hollande und in der Downing Street führte mit David Cameron ein europafreundlicher Konservativer die Geschäfte. Auch Wladimir Putin hatte soeben eine weitere Amtszeit als Präsident angetreten, doch mit der Krim verband man damals allgemein nicht mehr als Sekt.