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Das Herz als Nicht-Pumpe

oder: Zurück in die Zukunft

Im Gegensatz zur erfolgreichen Science Fiction-Filmtrilogie ›Back to the Future‹, in der ein Akteur die Vergangenheit zu seinen Gunsten verändern will, haben wir keinen Anlass, eine Zeitreise zu unternehmen, um die hundert... [mehr]

Im Gegensatz zur erfolgreichen Science Fiction-Filmtrilogie ›Back to the Future‹, in der ein Akteur die Vergangenheit zu seinen Gunsten verändern will, haben wir keinen Anlass, eine Zeitreise zu unternehmen, um die hundert Jahre alten Ausführungen und Anregungen Rudolf Steiners aus der Gründungszeit der Waldorfpädagogik zu verändern. Im Gegenteil: Er hat damals zukunftsträchtige Hinweise gegeben, die gegenwärtig in eine neue Diskussionsrunde einmünden.

Die Zukunft der Oberstufe

In der letzten Reihe des Deutschkurses der 12. Klasse sitzt eine Schülerin, die sich grundsätzlich am Unterricht nicht beteiligt, immer gelangweilt und abwesend wirkt, desinteressiert und überfordert. Die Klassenarbeit... [mehr]

In der letzten Reihe des Deutschkurses der 12. Klasse sitzt eine Schülerin, die sich grundsätzlich am Unterricht nicht beteiligt, immer gelangweilt und abwesend wirkt, desinteressiert und überfordert. Die Klassenarbeit fällt unterdurchschnittlich aus. Es ist ganz deutlich: Diese Schülerin kann mit Gedichten nichts anfangen, sie sitzt hier in der falschen Veranstaltung. Dann kommt der letzte Tag der Unterrichtseinheit, ich verabschiede mich vom Kurs (es war während meines Referendariats an einem Gymnasium), alle gehen hinaus, da steht plötzlich diese Schülerin vor mir. Sie fragt mich etwas zögerlich: »Sie mögen doch Gedichte?« Das muss ich nicht mehr extra bestätigen, und dann fährt sie fort: »Ich hab’ da was für Sie – können Sie da mal hineinschauen?« Sie übergibt mir eine Mappe und es stellt sich heraus, dass sie Gedichte enthält – von ihr selbst geschrieben. Ich bedanke mich und verspreche, mich bald wieder zu melden.

Ideal und Wirklichkeit

Schulführungsfragen nach 100 Jahren

 Am Abend vor meinem 9. Geburtstag hatte ich Angst zu sterben. Ich hatte meinem älteren Bruder eine Tintenpatrone weggenommen, und als er ins Zimmer kam, war ich so erschrocken, dass ich die Patrone in den Mund steckte... [mehr]

 Am Abend vor meinem 9. Geburtstag hatte ich Angst zu sterben. Ich hatte meinem älteren Bruder eine Tintenpatrone weggenommen, und als er ins Zimmer kam, war ich so erschrocken, dass ich die Patrone in den Mund steckte und aus Versehen herunterschluckte. Ich wagte nicht, mich meinen Eltern anzuvertrauen, denn mein Diebstahl war mir peinlich und ich fand es gerecht, dafür an Tintenvergiftung zu sterben. In meinem Abendgebet zum lieben Gott bat ich ihn deshalb nur darum, mich noch meinen Geburtstag erleben zu lassen. Dann schlief ich ein.

Erziehung aus Menschenerkenntnis

Schritte zur »sinnlich-übersinnlichen« Anschauung der kindlichen und jugendlichen Entwicklung

 Rudolf Steiner wollte eine Erziehung »aus echter Menschenerkenntnis« anregen. Seine grundlegende Idee für die Waldorfpädagogik lautet: Erst wenn man weiß, wie sich Kinder und Jugendliche entwickeln, kann man gesund... [mehr]

 Rudolf Steiner wollte eine Erziehung »aus echter Menschenerkenntnis« anregen. Seine grundlegende Idee für die Waldorfpädagogik lautet: Erst wenn man weiß, wie sich Kinder und Jugendliche entwickeln, kann man gesund erziehen und unterrichten. Jedes einzelne Lebensalter, so Steiner, erfordere eine »ganz andere« Erziehung, die jeweils auf einem tiefen Verständnis der kindlichen Entwicklung beruhen müsse: »Daß wir das Wesen des Kindes in jedem einzelnen Jahre, ja jeder einzelnen Woche in unserer eigenen Seele lebendig machen, das ist dasjenige, was spirituelle Basis für die Erziehung bilden muß.«

Weltweite Herausforderungen

für die waldorfpädagogische Bewegung

 Von Anfang an war der waldorfpädagogische Impuls ein doppelter: ein pädagogischer und ein sozialer. Als die Gründung der ersten Waldorfschule im Laufe des Jahres 1919 vorbereitet wurde, war die Dreigliederungsbewegung... [mehr]

 Von Anfang an war der waldorfpädagogische Impuls ein doppelter: ein pädagogischer und ein sozialer. Als die Gründung der ersten Waldorfschule im Laufe des Jahres 1919 vorbereitet wurde, war die Dreigliederungsbewegung in vollem Gange. Im Süden Deutschlands, aber auch in anderen Regionen, lebte nach dem Ende des desaströsen Ersten Weltkriegs und inmitten von Ruinen und Hunger eine starke Sehnsucht nach gesellschaftlicher Erneuerung. Damals gab es noch ein großes Proletariat, und gerade in diesem formierten sich lautstarke Intentionen auf mehr Beteiligung und Mitwirkung am gesellschaftlichen Prozess. Rudolf Steiner war sich dieser Intentionen bewusst und nahm in Stuttgart immer wieder Gelegenheiten wahr, vor großen Arbeitergruppen in den Produktionshallen von Bosch, Daimler oder der Waldorf-Astoria, vor Arbeitern von Delmonte oder in der Brauerei Wulle zu sprechen und seine Überlegungen zur gesellschaftlichen Neugestaltung darzulegen.

Im Revier der Elefanten

Goetheanistische Betrachtungen aus Afrika IV

Die 7-jährigen Zwillinge Fynn und Orin aus unserer kleinen Reisegruppe wissen immer, wie alt die hinterlassenen Bollen der Elefanten sind. Je dunkler, feuchter und verbackener, desto jünger; je heller, trockener und auseinandergefallener,... [mehr]

Die 7-jährigen Zwillinge Fynn und Orin aus unserer kleinen Reisegruppe wissen immer, wie alt die hinterlassenen Bollen der Elefanten sind. Je dunkler, feuchter und verbackener, desto jünger; je heller, trockener und auseinandergefallener, desto älter. Trotz vieler Mopane-Bäume – der Hauptnahrung der Wüstenelefanten – und der Losungen, denen wir fast überall begegnen, bekommen wir aber keine Elefanten zu Gesicht. Das Flussbett weitet sich, größere Bäume gesellen sich dazu und der Mopane weicht dichtem, struppigem Gebüsch.

Die Wendung aufs Subjekt

Zu Theodor W. Adorno: ›Aspekte des neuen Rechtsradikalismus‹

Gleichsam als Vorgeschmack auf die Gesamtausgabe der Nachkriegsvortr.ge Theodor W. Adornos hat der Suhrkamp-Verlag den Vortrag ›Aspekte des neuen Rechtsradikalismus‹ herausgebracht, den der große Philosoph am 6. April... [mehr]

Gleichsam als Vorgeschmack auf die Gesamtausgabe der Nachkriegsvortr.ge Theodor W. Adornos hat der Suhrkamp-Verlag den Vortrag ›Aspekte des neuen Rechtsradikalismus‹ herausgebracht, den der große Philosoph am 6. April 1967 vor dem Verband Sozialistischer Studenten Österreichs in Wien hielt. Adorno verfolgte damit, wie er einleitend kundgab, nicht die Absicht, »eine Theorie des Rechtsradikalismus zu geben, sondern in losen Bemerkungen einige Dinge hervorzuheben, die vielleicht Ihnen nicht allen so gegenwärtig sind.« (S. 9). Dass sich die Lektüre dennoch lohnt, liegt daran, dass dem heutigen Leser die meisten dieser Dinge erst recht nicht gegenwärtig sind.

Zu diesem Heft

100 Jahre Waldorfpädagogik sind ganz gewiss ein Grund zu feiern! Doch einfach in den Chor der Gratulanten einzustimmen kam uns bei der Planung des vorliegenden Heftes nicht sonderlich interessant vor. Also beschlossen wir,... [mehr]

100 Jahre Waldorfpädagogik sind ganz gewiss ein Grund zu feiern! Doch einfach in den Chor der Gratulanten einzustimmen kam uns bei der Planung des vorliegenden Heftes nicht sonderlich interessant vor. Also beschlossen wir, einige der Herausforderungen und Probleme zu thematisieren, vor denen die Waldorfschulbewegung heute steht, und zugleich an ihre Verwurzelung in der Anthroposophie zu erinnern, die zunehmend vernachlässigt wird.

Frühlingsgewitter

Ins Gegenteil verkehrt?

Zu ›Metamorphose Mensch & Tier‹ von Christoph Hueck in die Drei 5/2019

Ketevan Megrelishvili:Das dichterische Wort als Ort der Begegnung. Paul Celan

Auf der Suche nach einer ansprechbaren Wirklichkeit

Marica Bodrožić:Poetische Vernunft im Zeitalter gusseiserner Begriffe

Vom Wagnis einer Innenschau