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100 Jahre Frauenwahlrecht

Renate Riemeck und das passive Wahlrecht

Am 12. November 1918 rief der Rat der Volksbeauftragten das Wahlrecht für Frauen in Deutschland aus. Der Zusammenbruch des Kaiserreichs am Ende des Ersten Weltkriegs und die Novemberrevolution machten es möglich. Am 30.... [mehr]

Am 12. November 1918 rief der Rat der Volksbeauftragten das Wahlrecht für Frauen in Deutschland aus. Der Zusammenbruch des Kaiserreichs am Ende des Ersten Weltkriegs und die Novemberrevolution machten es möglich. Am 30. November 1918 wurde das neue Wahlrecht mit einer Verordnung gesetzlich fixiert. Bereits am 19. Januar 1919 konnten Frauen die Deutsche Nationalversammlung mitwählen, was über 90% wahrnahmen. 37 Frauen erhielten einen Sitz im Parlament. Aber die von den Feministinnen erhoffte Gewichtsverlagerung zugunsten jener Parteien, die für die Gleichberechtigung der Frau eintraten, blieb aus: Das Wahlverhalten der Frauen war überwiegend gemäßigt bis konservativ ausgerichtet. Die Machtverteilung blieb beim Alten.

Auf dem Fundament des Gewissens

Notizen einer Krakau-Reise

Besuch der Wawel-Kathedrale; der Wawel-Hügel war schon vor Jahrtausenden besiedelt, das Schloss in langen Jahrhunderten polnischer Geschichte Königssitz, später nur noch Krönungsort. Wir betreten die Kathedrale durch... [mehr]

Besuch der Wawel-Kathedrale; der Wawel-Hügel war schon vor Jahrtausenden besiedelt, das Schloss in langen Jahrhunderten polnischer Geschichte Königssitz, später nur noch Krönungsort. Wir betreten die Kathedrale durch das Haupttor; der prunkvolle silberne Sarg des Stanisław von Krakau (11. Jahrhundert) zieht den Blick auf sich, mehr noch: blockiert die Aussicht durch das Kirchenschiff zum eigentlichen Zielort, dem Altar … Eine Chronik aus dem 12. Jahrhundert berichtet, der Bischof Stanisław habe den seinerzeit herrschenden König Bolesław II. des Ehebruchs geziehen, dieser habe freilich alle Ermahnungen ignoriert und im Gegenzug kirchliche Besitzungen beschlagnahmt. Daraufhin habe Stanisław ihn von der Kommunion ausgeschlossen, wodurch der Streit eskaliert sei; Bolesław II. habe das Todesurteil über den Bischof verhängt und schließlich sogar persönlich vollzogen, indem er während einer Messe erschienen sei und den Bischof am Altar hingerichtet habe.

Im Widerspiel der Kräfte

Eine (nicht nur) politische Betrachtung zur Jahreswende

Es ist jetzt sechs Jahre her, dass Siegfried Woitinas (1930–2014) seinen letzten Leitartikel für das Programmheft des von ihm mitbegründeten Forum 3 in Stuttgart verfasste, der den aufrüttelnden Titel ›Zeit der Entscheidung‹... [mehr]

Es ist jetzt sechs Jahre her, dass Siegfried Woitinas (1930–2014) seinen letzten Leitartikel für das Programmheft des von ihm mitbegründeten Forum 3 in Stuttgart verfasste, der den aufrüttelnden Titel ›Zeit der Entscheidung‹ trug. Obwohl ich diesen Essay damals – ich arbeitete selbst im Forum 3 und konnte mich mit Siegfried unmittelbar austauschen – durchaus mit eigenen Beobachtungen in Verbindung zu bringen vermochte, hatte ich keine Ahnung, als wie prophetisch er sich noch erweisen sollte. Das hatte auch damit zu tun, dass die weltpolitische Lage zu jener Zeit vergleichsweise idyllisch wirkte: Barack Obama war gerade wiedergewählt worden, Angela Merkels zweite Legislaturperiode neigte sich ihrem einschläfernden Ende zu, im Elysée-Palast residierte ein farbloser Sozialdemokrat namens François Hollande und in der Downing Street führte mit David Cameron ein europafreundlicher Konservativer die Geschäfte. Auch Wladimir Putin hatte soeben eine weitere Amtszeit als Präsident angetreten, doch mit der Krim verband man damals allgemein nicht mehr als Sekt.

Erwachen zur Weltbuchhaltung

Im folgenden Artikelwird beschrieben, wie Geld und Buchhaltung in der Gegenwart immer mehr zusammenfallen und dadurch zu einem Wahrnehmungsorgan für das Wirtschaftsleben werden können. Dazu ist aber ein qualitatives... [mehr]

Im folgenden Artikelwird beschrieben, wie Geld und Buchhaltung in der Gegenwart immer mehr zusammenfallen und dadurch zu einem Wahrnehmungsorgan für das Wirtschaftsleben werden können. Dazu ist aber ein qualitatives Verständnis der zentralen Elemente der doppelten Buchhaltung notwendig. Wird erkannt, wie sich darin das Verhältnis von Ich und Welt spiegelt, so kann dies zu einer ganz neuen Form der Gewinnverwendung führen.

Zinseszins und krebsartiges Wirtschaftswachstum

Was passiert, wenn Geld nicht altern kann

Unser gegenwärtiges Geldsystem verbirgt verschiedene Zahlungsströme, die gewissermaßen unterirdisch, unbewusst in unserem täglichen Wirtschaftsleben stattfinden. Der folgende Artikel zeigt einen Teil dieser Zahlungsströme... [mehr]

Unser gegenwärtiges Geldsystem verbirgt verschiedene Zahlungsströme, die gewissermaßen unterirdisch, unbewusst in unserem täglichen Wirtschaftsleben stattfinden. Der folgende Artikel zeigt einen Teil dieser Zahlungsströme auf, die – ob wir es wissen oder nicht, ob wir es wollen oder nicht – durch jeden Kaufvorgang ausgelöst werden und langfristig immer in Wirtschaftskrisen enden.

Moskaureise mit humanitärem Visum

21. Mai - 4. Juni 2018

Schon vor Jahren hatte sich Russland bei mir angemeldet. Vor allem aufgrund der Zusammenarbeit mit Raymond Zoller, einem großen Kenner der Geschichte Russlands, Liebhaber seiner Sprache und Literatur, Übersetzer von Herbert... [mehr]

Schon vor Jahren hatte sich Russland bei mir angemeldet. Vor allem aufgrund der Zusammenarbeit mit Raymond Zoller, einem großen Kenner der Geschichte Russlands, Liebhaber seiner Sprache und Literatur, Übersetzer von Herbert Witzenmann ins Russische, der in Moskau, Tiflis, Odessa und Samara gelebt hat, und mit dem ich in der russischen Diaspora in Bar (Montenegro) Ferien verbracht hatte. Doch als bloßer Tourist, ohne Anfrage oder Aufgabe das Land zu besuchen, kam für mich nicht in Frage. Dann war da diese erste Sendung einer DVD mit meinen Filmen nach Moskau. Obwohl ich die Adresse in kyrillischen Lettern malte, ließ ihre Ankunft auf sich warten. Der Besteller meldete sich, ein deutschstämmiger junger Russe, der früher als Mitglied der Gnessin-Virtuosen mit dem Stuttgarter Else Klink-Ensemble und der Goetheanum-Eurythmiegruppe 2008 in Europa auf Tournee gewesen war, danach jedoch zum Film gewechselt hatte. Peter Rempel ist inzwischen noch immer sehr jung, Student der ›Moscow School of New Cinema‹, überaus fleißiger Filmkritiker und Administrator des ›VKontakte‹- Portals ›Krautfilm‹ mit rund 4.000 Abonnenten, das den deutschen Film mit dem Schwerpunkt der 60er und 70er Jahre präsentiert. Er war zufällig im Netz auf ein Foto meines mit 18 Jahren gedrehten Filmes ›Lydia‹ gestoßen, das mit den daraufhin eingeholten Informationen sein Interesse weckte. Um es kurz zu machen: Nach einem Jahr kannte er sich besser als ich in den Details der damaligen Zeit aus, insofern es das Zusammenspiel des schweizerischen mit dem deutschen Filmschaffen betraf. Er übersetzte ein mehrstündiges Interview, das vor einigen Jahren zwei Professoren der Zürcher Hochschule der Künste mit mir geführt hatten, und begann meinen Besuch in Moskau bereits im letzten Jahr vorzubereiten.

»Smart City«

Die total überwachte und gesteuerte Gesellschaft naht

Mit dem Stichwort der »Smart-City« ist die datengesteuerte, total überwachte Stadt der Zukunft gemeint. An ihr wird weltweit auf internationalen Konferenzen gearbeitet. Auch die deutsche Bundesregierung hat unlängst eine... [mehr]

Mit dem Stichwort der »Smart-City« ist die datengesteuerte, total überwachte Stadt der Zukunft gemeint. An ihr wird weltweit auf internationalen Konferenzen gearbeitet. Auch die deutsche Bundesregierung hat unlängst eine »Smart-City-Charta« veröffentlicht, in der die Ziele dieser Totalüberwachung auf smarte Weise beschrieben werden.

Rustaweli Boulevard

Impressionen aus Georgien

Wilde Landschaften, reißende Gebirgsflüsse, schwindelerregende Schluchten, verschneite Pässe, unpassierbar, machten die Reise durch den Kaukasus zu einem abenteuerlichen Erlebnis, damals. Alexandre Dumas, der 1858 dort... [mehr]

Wilde Landschaften, reißende Gebirgsflüsse, schwindelerregende Schluchten, verschneite Pässe, unpassierbar, machten die Reise durch den Kaukasus zu einem abenteuerlichen Erlebnis, damals. Alexandre Dumas, der 1858 dort unterwegs war, erzählt davon in dem immer noch lesbaren Bericht ›Gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus‹. Im Jahre 2000 reiste Fritz Pleitgen mit einem WDR-Fernsehteam auf den Spuren Dumas’ durch den Kaukasus und wusste in seinem ebenso lesbaren Reisebericht darzulegen, welch vielfältige, verschachtelte Region der Kaukasus ist. Darin zitierte er den russischen Dichter Andrej Belyj: »Kaukasus und Transkaukasus sind urälteste Orte der Menschheit. Mir ist klar, warum die Arche Noah hier strandete, warum die Argonauten hier hinreisten, warum Prometheus das himmlische Feuer des Wissens hierhin brachte.«

Unterwegs in Tschetschenien

Eine Reise durch den Osten Europas im Januar 2018 – Teil II

S. begrüsst uns auf dem Bahnsteig von Grosny. Ein großer, etwas stämmiger, leicht untersetzter, aber agiler und fröhlicher Endvierziger, mit schwarzer Fellmütze, Jeans und einem schwarzen Anorak; leger, normal,... [mehr]

S. begrüsst uns auf dem Bahnsteig von Grosny. Ein großer, etwas stämmiger, leicht untersetzter, aber agiler und fröhlicher Endvierziger, mit schwarzer Fellmütze, Jeans und einem schwarzen Anorak; leger, normal, und doch sofort mit Lokalkolorit. Als er mich sieht, freut er sich und sagt, dass er sich geehrt fühle: Für uns habe er den landestypischen Bart abgeschnitten – und nun hätte ich solch einen Bart! Ich sähe aus wie ein Tschetschene. S. strahlt meinen Bart an und hat fast Tränen in den Augen. Er wird mich in den nächsten Tagen immer wieder auf Tschetschenisch ansprechen, da er es nicht hinzubekommen scheint, mich nicht als Tschetschenen anzusehen. Marija, die mit mir reisende Führerin und Übersetzerin, muss ihn dann gelegentlich daran erinnern, dass ich ihn nicht verstehe, und dass sie Pausen braucht, um zu übersetzen. Aber auch, wenn ich ihm auf Englisch etwas erwidere, scheint ihn das glücklich zu machen. S. wird sich während unseres Besuchs um uns kümmern. Stolz scheint ihn das zu machen. Zuerst förmlich und etwas steif, dann zunehmend herzlich. Jetzt steht er noch gewissermaßen dienstlich da – am Ende, gleicher Bahnsteig, vier Tage später, verabschiedet S. uns als Privatmensch, der Freunden schweren Herzens gute Reise wünscht.

Zu Besuch in Donetsk

Eine Reise durch den Osten Europas im Januar 2017 – Teil I

Am Grenzübergang Die russische Seite der Grenze zur Ost-Ukraine. Wir Passagiere unseres Busses sollen alle raus, alles mitnehmen, uns in einem Raum in Reih und Glied aufstellen, Gepäck auf den Boden vor... [mehr]

Am Grenzübergang Die russische Seite der Grenze zur Ost-Ukraine. Wir Passagiere unseres Busses sollen alle raus, alles mitnehmen, uns in einem Raum in Reih und Glied aufstellen, Gepäck auf den Boden vor uns. Ein Soldat mit Hund kommt herein und läuft die Reihe entlang. Der Hund schnüffelt und findet nichts. Wir dürfen weiter. Gepäck durchleuchten, Leibesvisite, Passkontrolle. Die Frau hinterm Glas schaut nicht einmal zu mir hoch, und doch fühle ich mich geprüft. Strenge Miene und das Gewicht der Macht auf ihren mit Abzeichen geschmückten Schultern. Der Busfahrer wollte mich in Rostow nicht mitnehmen, obwohl ich ein Ticket hatte: »Das gibt Probleme an der Grenze.« Da müsse er dann Stunden warten, bis er weiterkönne. Schließlich, mit schmollender Gebärde, ließ er mich doch hinein. Jetzt steht er auf der anderen Seite der Grenze und schaut nervös zu den Wartenden in der Schlange herüber. Die Frau prüft, wendet, scannt und scheint nicht weiterzukommen. Tippt in einen Computer, schaut, prüft, wendet. Dann geht sie zum Schalter nebenan, berät sich. Nun muss man auch dort lange warten, bis es weitergeht. Schließlich kommt sie zurück, macht einen Eintrag mit Kugelschreiber neben mein Russlandvisum und reicht mir den Pass, als ob alles wie immer sei – streng, normal, ordentlich.

Ein Land im Aufbruch

Eindrücke von einer Reise nach Kiew im April 2018

Der Kiewer Taxifahrer »Do you speak English?« - »I speak Google!« Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt unterhalten wir uns mit Hilfe des Internets: Er spricht laut und deutlich in sein Handy, oben... [mehr]

Der Kiewer Taxifahrer »Do you speak English?« - »I speak Google!« Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt unterhalten wir uns mit Hilfe des Internets: Er spricht laut und deutlich in sein Handy, oben auf dem Bildschirm erscheinen die Worte in kyrillischer Schrift, unten auf Deutsch. Dann bin ich dran. Nach einigem Hin und Her über Wetter und Verkehr frage ich, wie sich die Ukraine in den letzten 20 Jahren verändert habe. Er: »Es ist schlechter geworden.« – »Was war früher besser?« – Er, nach einer Pause: »Die Menschen. – Ich war früher besser.« Pause, Lächeln: »Ich war jünger …« Über Politik möchte er nicht gern reden: »Ich brauche keine Politik, ich brauche gute Polizei.« Er stammt aus Russland, hat ein Häuschen in Odessa und war als sowjetischer Soldat in Wladiwostok und Moskau, zu DDR-Zeiten auch mal in Ostberlin. Für ihn war es früher wohl besser.

Kooperatives Verrechnungsgeld oder nationalstaatliches Vollgeld?

In der Schweiz findet am 10. Juni 2018 eine Volksabstimmung über die Frage statt, wer in Zukunft den Franken herstellen soll: private Banken oder die Nationalbank. Initiiert wurde die Abstimmung von der »Vollgeld-Initiative«.... [mehr]

In der Schweiz findet am 10. Juni 2018 eine Volksabstimmung über die Frage statt, wer in Zukunft den Franken herstellen soll: private Banken oder die Nationalbank. Initiiert wurde die Abstimmung von der »Vollgeld-Initiative«. Mit dem Vollgeld würde das Geld einen Charakter bekommen, der einer kooperativen Weltwirtschaft entgegenläuft. Was wir brauchen, ist nicht ein staatliches Vollgeld, sondern ein aus den wirtschaftlichen Verhältnissen heraus geschaffenes Verrechnungsgeld.