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Ein höherer Geist?

Anmerkungen zum Putschversuch in der Türkei

Ungefähr eine Dreiviertelstunde per Fähre von Istanbul entfernt liegen die idyllischen Prinzeninseln, deren Name daher rührt, dass die Sultane des Osmanischen Reiches dorthin ihre jüngeren Brüder verbannten. Bereits... [mehr]

Ungefähr eine Dreiviertelstunde per Fähre von Istanbul entfernt liegen die idyllischen Prinzeninseln, deren Name daher rührt, dass die Sultane des Osmanischen Reiches dorthin ihre jüngeren Brüder verbannten. Bereits im Mittelalter diente Büyükada, die größte der Inseln, fünf verschiedenen byzantinischen Kaiserinnen als Exil und im 20. Jahrhundert fand der abtrünnige Kommunist Leo Trotzki hier zeitweilig Zuflucht. Die internationalen Sicherheitsexperten, die sich am 15. Juli 2016 im ›Splendid Palace Hotel‹ auf Büyükada zusammenfanden, um über die Außenpolitik des Iran zu diskutieren, dürften sich also auf ein ruhiges Wochenende in angenehmer Umgebung gefreut haben. Bekanntlich wurde daraus nichts.

Gegen den Mauerbau der Seele

Am 9. November 2016 erfährt die Welt vom Wahlausgang in Amerika. Ein deutscher Schicksalstag, an dem wir uns erinnern an die Pogrome der Reichskristallnacht und den Mauerfall. Ein Satz aus dem kollektiven Gedächtnis: »Niemand... [mehr]

Am 9. November 2016 erfährt die Welt vom Wahlausgang in Amerika. Ein deutscher Schicksalstag, an dem wir uns erinnern an die Pogrome der Reichskristallnacht und den Mauerfall. Ein Satz aus dem kollektiven Gedächtnis: »Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten« – dies verkündete die Staatsmacht der DDR, wenige Tage bevor mit dem Mauerbau begonnen wurde. Den folgenden Satz hat Donald Trump im Wahlkampf zelebriert: »We’re going to build that wall!« Eine Mauer der Abschottung will der neue Präsident errichten – nicht nur um mexikanische Immigranten abzuwehren, sondern um alles auszugrenzen, was der Besinnung Amerikas auf sich selbst im Weg steht. Dieselbe Isolations-Geste, mit der sich Grossbritannien aus der EU verabschiedet hat, zeigt sich nun in Amerika.

Zu diesem Heft

Die neueren Bibelübersetzungen belehren uns, dass das Lukasevangelium »Friede auf Erden« nicht denen verheißt, »die guten Willens sind«, sondern den »Menschen seines Wohlgefallens«. Auch wenn es ein Unterschied ist,... [mehr]

Die neueren Bibelübersetzungen belehren uns, dass das Lukasevangelium »Friede auf Erden« nicht denen verheißt, »die guten Willens sind«, sondern den »Menschen seines Wohlgefallens«. Auch wenn es ein Unterschied ist, ob sich die Menschen Gottes Wohlgefallen erwerben müssen oder nicht: Ohne ihren guten Willen ist Friede auf Erden gewiss auch nicht möglich. Und daran scheint es immer mehr zu mangeln. Oder täuscht dieser Eindruck? Unser Brennpunkt zur Lage in der Türkei – ergänzt um eine Wortmeldung zur Wahl Donald Trumps – versucht ein differenziertes Bild zu zeichnen und die politische Finsternis durch das Licht zu erhellen, das dort in vielen Menschen dennoch leuchtet.

Es riecht nach Aufklärung

Zum Heft ›Abrahams Kinder‹, die Drei 8-9/2016

Ihrem Heft ›Abrahams Kinder‹ mangelt leider ein Sinn für Religion, ein geisteswissenschaftlicher Blick auf Religion.

Susanne Schröter:»Gott näher als der eigenen Halsschlagader« – Fromme Muslime in Deutschland

Nuancierte Einblicke

Andreas Meyer:Zwei Orientreisende auf der Suche nach dem wahren Selbst. Théophile Gautier und Gérard Nerval

Vordenker und Vorbereiter

Philip Kovce:Von Bologna nach Berlin und wieder zurück. Über die Verfassung der Universität. Eine Bildungsreise

Reise in Humboldts Gegenwart

Hartmut Rosa:Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung

Sehnsucht nach Weltanverwandlung

Fundstück XXVIII – »Alles fließt / doch nicht ohne Nebenabsicht«

Bei einer kursorischen Durchsicht der Notizbücher Rudolf Steiners aus dem Jahr 1897 sind wir im Archiv über eine vermutlich autobiografische Notiz gestolpert. Auf einer sonst unbeschriebenen Seite steht: »Als Nietzsche-Herausgeber... [mehr]

Bei einer kursorischen Durchsicht der Notizbücher Rudolf Steiners aus dem Jahr 1897 sind wir im Archiv über eine vermutlich autobiografische Notiz gestolpert. Auf einer sonst unbeschriebenen Seite steht: »Als Nietzsche-Herausgeber / pecuniäre Vorteile / Alles fließt / doch nicht ohne Nebenabsicht[.]« Als Nietzsche-Spezialist in unserem Archiv habe ich mich daraufhin an die Entschlüsselung dieser zunächst rätselhaften Zeilen gemacht.

Lichtbericht

Zwischen Schein und Sein in Weimar

Die wesentliche Erfahrung von Licht im irdischen Raum ist seine Brechung. Licht muss auf Widerstand treffen, um sich zu zeigen, es entreisst sich seiner eigenen Unsichtbarkeit in der Reflexion. Draußen in seiner kosmischen... [mehr]

Die wesentliche Erfahrung von Licht im irdischen Raum ist seine Brechung. Licht muss auf Widerstand treffen, um sich zu zeigen, es entreisst sich seiner eigenen Unsichtbarkeit in der Reflexion. Draußen in seiner kosmischen Realität, Lichtjahre von der Erde im Weltraum entfernt, da müsste es vor lauter Sternen eigentlich hell sein, wie das Olberssche Paradoxon besagt. Doch bekanntlich ist es dort stockdunkel, noch schwärzer als schwarz. Dies spricht für die Einbildungskraft des Lichtes als höheres Gesetz seiner Natur, für sein Schwingungsvermögen als Begegnungskraft. Wo es auftrifft, erzeugt es sichtbare Form und veraÅNndert energetische Gegebenheit, es kann durchleuchten, umhüllen, schattieren, konturieren, temperieren ...

Im Prozess des Anschauens

Zu William Turners ›Schneesturm im Meer‹

Als William Turner 1803 sein Seestück ›Pier in Calais‹ ausstellte, erntete er reichlich Lob, vor allem wegen der realistischen und detaillierten Ausführung. Und dennoch musste sich Turner auch Kritik gefallen lassen... [mehr]

Als William Turner 1803 sein Seestück ›Pier in Calais‹ ausstellte, erntete er reichlich Lob, vor allem wegen der realistischen und detaillierten Ausführung. Und dennoch musste sich Turner auch Kritik gefallen lassen – Kritik, die nicht völlig von der Hand zu weisen ist: Es wurde behauptet, das Wasser sei wie aus Stein und gleiche den Adern einer Marmorplatte. Hatte Turner also doch nicht exakt genug beobachtet? Oder macht sich hier ein anderes, ein grundsätzliches Problem bemerkbar? Besteht nicht stets ein Widerspruch zwischen einem zeitlich verlaufenden Geschehen und dem faktischen Stillstand des Bildes? Ist eine gemalte Welle nicht immer statisch? Kann eine bildliche Darstellung überhaupt etwas anderes vermitteln als einen angehaltenen, quasi zu Stein erstarrten Augenblick?