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Zu diesem Heft

Als ich vor einiger Zeit Karl-Martin Dietz fragte, wann er denn endlich wieder etwas für uns schreiben werde, erwiderte er scherzhaft: »Wenn die Drei endlich mein letztes Buch bespricht!« Diese Schuld tragen wir nunmehr... [mehr]

Als ich vor einiger Zeit Karl-Martin Dietz fragte, wann er denn endlich wieder etwas für uns schreiben werde, erwiderte er scherzhaft: »Wenn die Drei endlich mein letztes Buch bespricht!« Diese Schuld tragen wir nunmehr ab, und zwar in einem Heft, für das der Titel dieses Buchs als alternatives Motto dienen könnte: ›Wie Menschen frei werden‹. So fragt Klaus Herbig, wie man als Psychotherapeut zu einer Wirksamkeit findet, die nicht von der Umsetzung überkommener Lehrmeinungen und bewährter Methoden, sondern von unverstellter Wahrnehmung des Klienten und den eigenen, schöpferischen Intuitionen geprägt ist. Martina Maria Sam zeigt in einem grundsätzlichen Beitrag, wie die innere Befreiung im Rahmen des anthroposophischen Schulungsweges erreicht werden kann: nämlich durch das selbstlose Einleben in ganz fremde, ja gegensätzliche Standpunkte, wie sie beispielhaft im Kreis der zwölf Weltanschauungen gegeben sind. Und Gunhild von Kries schildert anschließend, wie eine solche selbstlose Offenheit dazu befähigen kann, den umgekehrten Zeitstrom zu erleben und Zukunftskräfte in sich aufzunehmen.

#EyeToo

Ich will gerade die Straße überqueren, da trifft mich ein blauer Lichtstrahl. Unwillkürlich schaue ich mich um, nach einer Radarfalle – aber, Gott im Himmel, ich bin doch zu Fuß unterwegs. Dann suche ich tatsächlich... [mehr]

Ich will gerade die Straße überqueren, da trifft mich ein blauer Lichtstrahl. Unwillkürlich schaue ich mich um, nach einer Radarfalle – aber, Gott im Himmel, ich bin doch zu Fuß unterwegs. Dann suche ich tatsächlich den Himmel ab, ob vielleicht eine Drohne ...? Nach dem Blitz kommt der Donner, prasselnd geht der Hagel nieder, es ist ein Gewitter. Ein erschreckender Jahresbeginn, Anfang 2018. Obwohl ich elektronisch abstinent lebe und dies keineswegs als Verzicht, sondern als Wohltat empfinde, nehme ich offensichtlich teil am Wahnsinn der Zeit. Wie könnte es sonst sein, dass ich eine überraschende Lichterscheinungn automatisch als technisch verorte? Das blaue Licht spottet meiner Geistesgegenwart.

Die Abhängigkeit des Einkommens von der menschlichen Arbeit

Das Grundeinkommen: Pathologie und Wirkung einer sozialen Bewegung I

Verhältnisse, durch die der Mensch genötigt ist, Motiv, Inhalt und Umfang seiner Arbeit an einem »Preis« zu orientieren, den er für seine Arbeit auf einem »Arbeitsmarkt« erzielen kann, bringen ihn unter seine Menschenwürde... [mehr]

Verhältnisse, durch die der Mensch genötigt ist, Motiv, Inhalt und Umfang seiner Arbeit an einem »Preis« zu orientieren, den er für seine Arbeit auf einem »Arbeitsmarkt« erzielen kann, bringen ihn unter seine Menschenwürde herunter. Die Aussicht auf Einkommen, bzw. die schiere Überlebensangst definieren dann nämlich, wie er sich in die Gesellschaft eingliedert. Indem sie die Arbeit mittels Einkommen erpresst, beraubt sich die Gesellschaft des Zuflusses wirklich motivierter, sinnvoller Arbeit. Diejenigen Werte, die ein Mensch aufgrund seiner individuellen Fähigkeiten in Freiheit hervorbringen würde, werden der Gemeinschaft entzogen. Daraus folgt: Ein Einkommen erzielen und für die Gemeinschaft arbeiten – das müssen zwei vollkommen getrennte Vorgänge sein.

Auf den Spuren einer »Psychotherapie der Freiheit«

Von der Wirklichkeit der Freiheit im therapeutischen Tun

»Psychotherapie der Freiheit« – diese Formulierung lässt den Titel eines Grundwerkes Rudolf Steiners, ›Die Philosophie der Freiheit‹, anklingen. Es ist die Beschreibung eines gedanklichen Weges, wie der Mensch sich... [mehr]

»Psychotherapie der Freiheit« – diese Formulierung lässt den Titel eines Grundwerkes Rudolf Steiners, ›Die Philosophie der Freiheit‹, anklingen. Es ist die Beschreibung eines gedanklichen Weges, wie der Mensch sich in seiner Fähigkeit zur Freiheit erkennen und diese Fähigkeit handelnd verwirklichen kann. Im Folgenden beschreibe ich, welche konkrete Bedeutung in meinem Beruf als Psychotherapeut die Suche nach einem Handeln aus frei geschöpften Intuitionen hat. Ich beziehe mich zum einen auf meine spezifischen Erfahrungen in der therapeutischen Tätigkeit. Zum anderen befrage ich diese auf dem Hintergrund einzelner essenzieller Erkenntnisse der ›Philosophie der Freiheit‹. Manche meiner Gedanken lassen sich wahrscheinlich gut auf andere medizinisch-therapeutische sowie auf heil- und sozialpädagogische Berufsfelder übertragen.

Die innere Befreiung

In ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹, seinem Grundlagenwerk für die geistige Schulung, spricht Rudolf Steiner im Kapitel über die »Ausbildung des Ätherleibes« von vier Eigenschaften, Tugenden oder... [mehr]

In ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹, seinem Grundlagenwerk für die geistige Schulung, spricht Rudolf Steiner im Kapitel über die »Ausbildung des Ätherleibes« von vier Eigenschaften, Tugenden oder Fähigkeiten, die »der Seele so einverleibt werden [müssen], daß sie innere Gewohnheiten begründen«: »Es ist die erste davon die Fähigkeit, in den Gedanken das Wahre von der Erscheinung zu scheiden, die Wahrheit von der bloßen Meinung. Die zweite Eigenschaft ist die richtige Schätzung des Wahren und Wirklichen gegenüber der Erscheinung. Die dritte Fähigkeit besteht in der […] Ausübung der sechs Eigenschaften: Gedankenkontrolle, Kontrolle der Handlungen, Beharrlichkeit, Duldsamkeit, Glaube und Gleichmut. Die vierte ist die Liebe zur inneren Freiheit.« Im Zusammenspiel mit den Meditations- und Konzentrationsübungen bilden diese Gewohnheiten den Ätherleib so aus, dass ein Mittelpunkt für seine Strömungen geschaffen wird, der sich allmählich – gemäß der Ausbildung der vier Eigenschaften oder Tugenden – vom Kopf über den Kehlkopf in die Herzgegend verlagert.

Mit der Zukunft zusammenwirken

Mitte September 2017 öffnete das ›Haus der Zukunft‹, auch ›Futurium‹ genannt, ein in futuristischem Stil erbautes Gebäude in Berlin neben dem Hauptbahnhof, zum ersten Mal – für einen Tag – seine Türen. Dem... [mehr]

Mitte September 2017 öffnete das ›Haus der Zukunft‹, auch ›Futurium‹ genannt, ein in futuristischem Stil erbautes Gebäude in Berlin neben dem Hauptbahnhof, zum ersten Mal – für einen Tag – seine Türen. Dem auffallend großen Zustrom von interessierten Menschen bot man in schlichten Räumen und Sälen ein vielseitiges Programm mit wissenschaftlichen Vorträgen, Kunstdarbietungen, Ausstellungen, Diskussionsmöglichkeiten, Spielecken etc. an. Ökologische Untersuchungen, psychologische Befragungsergebnisse und zeitgeschichtlich-philosophische Betrachtungen betonten die Verantwortung der Menschheit für die Zukunft. Sie wiesen hin auf Entscheidungsnotwendigkeiten in vielen Bereichen und verdeutlichten die Einsicht, dass im heutigen, »anthropozänen« Zeitalter der Mensch derjenige ist, der die Zukunft der Erde bestimmt. Zugleich wurde an verschiedenen Stellen eingeräumt, dass wir alle nicht wissen können, wie diese Zukunft aussehen wird – trotz aller grenzenlosen digital-technischen Innovationsphantasien; für welche die Roboterband, die am Abend auftrat, als Beispiel stehen kann.

Quo vadis, Freie Hochschule für Geisteswissenschaft?

Zum Erscheinen einer dreibändigen Dokumentation zur Vorstandstätigkeit Herbert Witzenmanns – und zu einem verdrängten Kapitel der Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft

Vorweg sei eine Anekdote wiedergegeben, welche die Persönlichkeit Herbert Witzenmanns (1905–1988) – dessen Wirken innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft die drei zu besprechenden Bände Reto Savoldellis gewidmet... [mehr]

Vorweg sei eine Anekdote wiedergegeben, welche die Persönlichkeit Herbert Witzenmanns (1905–1988) – dessen Wirken innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft die drei zu besprechenden Bände Reto Savoldellis gewidmet sind – schlagartig beleuchtet: Witzenmann, Fabrikant, Urheber patentierter Erfindungen, Ökonom, Dichter und Pianist, Erkenntniswissenschaftler, Autor zahlreicher Aufsätze und Bücher, Mitglied des Goetheanumvorstandes, wurde nach einem Vortrag von einer älteren Dame gefragt, warum denn seine Vorträge und Schriften »immer so anstrengend zu lesen« seien. Die überlieferte Antwort Witzenmanns dürfte die Zuhörerin überrascht haben: »Ja nun, dieser Eindruck mag deshalb auftreten, weil ich mich bemühe, meine Texte durch keine unverständliche Zeile zu unterbrechen.«

Verlorene Ideale, verstummte Gespräche

Zum Thema ›Anthroposophie und »offizielle« Wissenschaft‹

Angeregt durch das Gespräch von Claudius Weise und Marcelo da Veiga über die zweite Phase der Alanus Hochschule in die Drei 10/2017, habe ich mir folgendes Ereignis aus der ersten Phase der Hochschule in Erinnerung gerufen.... [mehr]

Angeregt durch das Gespräch von Claudius Weise und Marcelo da Veiga über die zweite Phase der Alanus Hochschule in die Drei 10/2017, habe ich mir folgendes Ereignis aus der ersten Phase der Hochschule in Erinnerung gerufen. Es handelt sich um die dritte Tagung einer Internationalen anthroposophischen Arbeitsgruppe für Bildung und Ausbildung. Vorausgegangen waren zwei Tagungen an anderen anthroposophischen Ausbildungsstätten in Driebergen/Holland und in Witten-Annen. Diese dritte Tagung im Jahre 1983 beschäftigte sich mit dem Motiv der Urteilsbildung in verschiedenen Ausbildungen: Kunst, Kunstpädagogik und Eurythmie.

Fundstück XXXIII: Wie das Bauhaus Rudolf Steiner einladen wollte

Das Bauhaus wurde von Walter Gropius 1919 in Weimar als eine neue Art von Kunstschule gegründet, in der alle Künste unter Führung der Architektur als Gesamtkunstwerk miteinander verbunden werden sollten, und die auch im... [mehr]

Das Bauhaus wurde von Walter Gropius 1919 in Weimar als eine neue Art von Kunstschule gegründet, in der alle Künste unter Führung der Architektur als Gesamtkunstwerk miteinander verbunden werden sollten, und die auch im Sozialen andere Wege ging. In einem Brief vom 24. Juli 1920 wurde Rudolf Steiner für einen Vortrag dorthin eingeladen: »Das Staatliche Bauhaus zu Weimar,« hieß es darin zur Einleitung, »das als erstes Institut dem in unseren Tagen immer klarer hervortretenden Wunsch nach der Echtheit der Kunst und der Vereinigung der verschiedenen Zweige der bildenden Künste und des Handwerks Rechnung getragen hat, sieht seine Aufgabe nicht allein in der Erfüllung dieser Ideen, sondern tritt dafür ein, dass diese Dinge verbunden bleiben mit den Problemen rein menschlicher Natur, m.[it] a.[nderen] W.[orten] es betont vor allem seinen Charakter der Arbeitsgemeinschaft und Lebensgemeinschaft.«

Die immer aktuelle Wahrheitsfrage

Zum 130. Geburtstag des Kaspar Hauser-Forscher Hermann Pies (1888-1983)

Am 8. Januar 2018 gedachte ein kleiner Kreis von Menschen des 130. Geburtstages von Hermann Pies. Er hat leider nicht, wie angestrebt, die Neuausgabe seiner acht Werke, die zwischen 1924 und 1973 erschienen, zum Kaspar Hauser-Fall... [mehr]

Am 8. Januar 2018 gedachte ein kleiner Kreis von Menschen des 130. Geburtstages von Hermann Pies. Er hat leider nicht, wie angestrebt, die Neuausgabe seiner acht Werke, die zwischen 1924 und 1973 erschienen, zum Kaspar Hauser-Fall erleben können. Er verstarb hochbetagt mit über 95 Jahren, bis zuletzt überaus engagiert, ohne vorherige Anzeichen von Schwäche, wie sein letztes Interview im Juni 1983 mit Taja Gut zeigte. So blieb es bei den ersten zwei von fünf Bänden, die 1985 und 1987 im Urachhaus-Verlag erschienen. In dem letzten von ihm selbst herausgegebenen Band: ›Kaspar Hauser – Fälschungen, Falschmeldungen und Tendenzberichte‹ (Ansbach 1973) schrieb Pies im Vorwort, wie es 1907/8 durch das als Fortsetzungsroman erschienene Buch von Jakob Wassermann ›Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens‹ zu seiner Motivation kam, sich für Kaspar Hauser einzusetzen: »Ich las und las alle mir erreichbaren Hauserbücher … Da wollte ich die Wahrheit wissen!«

Jeder Mensch ein Kleinod

Zum 150. Geburtstag Adalbert Stifters. Eine Skizze

»Es gibt Dinge, die man fünfzig Jahre weiß, und im einundfünfzigsten staunt man über die Schwere und Furchtbarkeit ihres Inhaltes.« Sie stand, Ria, die kräuterkundige Alte, klein und lebensfroh, im äußersten Winkel... [mehr]

»Es gibt Dinge, die man fünfzig Jahre weiß, und im einundfünfzigsten staunt man über die Schwere und Furchtbarkeit ihres Inhaltes.« Sie stand, Ria, die kräuterkundige Alte, klein und lebensfroh, im äußersten Winkel unseres lichtdurchfluteten Wohnzimmers und sprach, mit großem Ernst, frei, wie ich das zuvor noch nicht erlebt hatte, schwäbisch eingefärbt, sie rezitierte: Stifter. Es war an einem Sonntag und wenige Stunden zuvor war unsere jüngste Tochter geboren worden, Ende Juli 1979. Sie war, in Erwartung dieses Ereignisses, mit meiner Schwiegermutter angereist, und nun gab es ein Fest, mit Musik, mit Rezitation und, natürlich, mit gutem Essen. Adalbert Stifter also, die Beschreibung der am 8. Juli 1842 stattgefundenen Sonnenfinsternis – ein gewaltiger Text, den ich damals zum ersten Male hörte. Es lag ein großer Zauber über ihrem Sprechen, eine Magie, etwas Auratisches wehte mich an. Später, in der Küche, während sie ein schmackhaftes Körnergericht zubereitete, erzählte sie mir, dass sie Sprachgestalterin sei und dass sie, neben Goethe und Kleist, Stifter besonders mochte, weil er sich so gut sprechen oder auch vorlesen ließe. Ich begann, auf diese Anregung hin, Gedichte frei vorzutragen, später auch Prosatexte, Briefe von Morgenstern etwa.