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Sich mit dem Andern zu verbinden hat eine innere und eine äußere Seite. Beiden wendet sich dieses Heft zu. Nach Barbara Messmers kritischer Würdigung der vor 100 Jahren ermordeten Revolutionärin Rosa Luxemburg schlägt... [mehr]

Sich mit dem Andern zu verbinden hat eine innere und eine äußere Seite. Beiden wendet sich dieses Heft zu. Nach Barbara Messmers kritischer Würdigung der vor 100 Jahren ermordeten Revolutionärin Rosa Luxemburg schlägt Christoph Strawe einen großen Bogen vom Jahr 1919 und dem damals ins Leben getretenen Impuls der sozialen Dreigliederung in unsere Gegenwart, wobei er ein besonderes Augenmerk auf dessen konkrete Umsetzung und damit verbundene praktische Initiativen legt. Stephan Eisenhut – den unsere Herausgeberin Angelika Sandtmann in diesem Heft als unseren Geschäftsführer verabschiedet – stellt sodann eine solche, im Werden begriffene, Initiative vor. So viel zur äußeren, gesellschaftlichen Seite, um die es auch im Leserforum geht.

Abschied vom Frankfurter Büro der mercurial-Publikationsgesellschaft

Wie im Begleitschreiben des Dezember-Heftes 2018 angekündigt, ist zum neuen Jahr die gesamte Verwaltung der mercurial-Publikationsgesellschaft, die seit 18 Jahren in Frankfurt am Main die Drei verlegt, in die Stuttgarter... [mehr]

Wie im Begleitschreiben des Dezember-Heftes 2018 angekündigt, ist zum neuen Jahr die gesamte Verwaltung der mercurial-Publikationsgesellschaft, die seit 18 Jahren in Frankfurt am Main die Drei verlegt, in die Stuttgarter Landesgeschäftsstelle der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland (AGiD) eingegliedert worden. Mit diesem Ortswechsel sind verschiedene Umstrukturierungen verbunden, um Synergien mit den anderen Verwaltungsaufgaben der Geschäftsstelle nutzen zu können. Damit geht auch einher, dass Stephan Eisenhuts Aufgaben als Geschäftsführer auf mehrere Schultern in Stuttgart verteilt werden und seine eigene Tätigkeit hierfür endet.

Ein Leben im Widerspruch

Zum 100. Todestag von Rosa Luxemburg (5. März 1871–15. Januar 1919)

Mut und Freiheit waren durchgehende Signaturen in Rosa Luxemburgs Leben – aber auch der Widerspruch. Als Róża Luksenburg in eine Familie des polnisch-jüdischen Bildungsbürgertums hineingeboren, hatte sie von Kindheit... [mehr]

Mut und Freiheit waren durchgehende Signaturen in Rosa Luxemburgs Leben – aber auch der Widerspruch. Als Róża Luksenburg in eine Familie des polnisch-jüdischen Bildungsbürgertums hineingeboren, hatte sie von Kindheit an mit Gegensätzen und Widerständen zu tun. Die lebhafte Rosa musste als Fünfjährige wegen eines Hüftleidens ein Jahr liegen. In dieser Zeit brachte sie sich Lesen und Schreiben bei. Weil die Krankheit falsch behandelt wurde, hinkte sie zeitlebens, glich das aber mit einer unglaublichen Energie in Gedanken und Worten aus. Schon früh empörte sie sich über Ungerechtigkeiten und schloss sich in der Schulzeit einer Widerstandsgruppe gegen die russische Okkupation Polens an. 18-jährig floh sie, im Stroh eines Bauernwagens versteckt, aus Polen, um einer Inhaftierung zu entgehen.

ImPuls für die Zukunft

100 Jahre Dreigliederung und eine Tagung in Stuttgart

Wir leben in Zeiten, in denen sich Verhältnisse, die lange zu tragen schienen, als brüchig erweisen. Selbst in Ländern, wo dies nicht zu erwarten war, hat die Konsensfähigkeit von Leitbildern wie Menschenrechte und Demokratie... [mehr]

Wir leben in Zeiten, in denen sich Verhältnisse, die lange zu tragen schienen, als brüchig erweisen. Selbst in Ländern, wo dies nicht zu erwarten war, hat die Konsensfähigkeit von Leitbildern wie Menschenrechte und Demokratie abgenommen. Gespenster der Vergangenheit regen sich. Die Demokratie blieb zwar auch bisher unvollendet, doch so bedroht wie heute war sie lange nicht. Die Verarmung gesellschaftlicher Randschichten und Abstiegsängste der Mittelschicht bieten Angriffspunkte für Demagogen. Ungerechte Eigentumsverhältnisse, Mietwucher und Bodenspekulation treffen viele Menschen schwer. Jugendliche vermissen Perspektiven, Alte fürchten um ihre Einkommenssicherheit. Nationale Egoismen beschädigen bzw. zerstören ein friedliches Miteinander in weiten Teilen der Welt. Der Klimawandel sowie der Umgang mit Digitalisierung und künstlicher Intelligenz sind weitere Herausforderungen, vor denen wir im 21. Jahrhundert stehen.

Projekt Südbaden

Ein Versuch zum Aufbau assoziativer Wirtschaftsstrukturen

Vor 100 Jahren startete Rudolf Steiner in Süddeutschland einen Versuch zum Aufbau assoziativer Wirtschaftsstrukturen. Ist heute die Zeit reif, um einen neuen Versuch zu wagen? Gegenwärtig formiert sich eine Initiative,... [mehr]

Vor 100 Jahren startete Rudolf Steiner in Süddeutschland einen Versuch zum Aufbau assoziativer Wirtschaftsstrukturen. Ist heute die Zeit reif, um einen neuen Versuch zu wagen? Gegenwärtig formiert sich eine Initiative, die zunächst in der Region Südbaden einen neuen Schritt in Richtung dieser Wirtschaftsform unternehmen will. Kernelement ist dabei ein moderiertes Verrechnungsgeldsystem, durch das möglichst viele kleine und mittlere Unternehmen erreicht werden sollen.

Die Schale der Selbstheit durchbrechen

Zur Wandlung von Wille, Widerstand und Wirklichkeitserleben auf dem imaginativen Erkenntnisweg

Der anthroposophische Schulungsweg wird von Rudolf Steiner als ein dreistufiger Weg beschrieben, als Erscheinen einer neuen Wirklichkeit zunächst in den Bildern der Imagination, die sich dann in der Inspiration in ihrer... [mehr]

Der anthroposophische Schulungsweg wird von Rudolf Steiner als ein dreistufiger Weg beschrieben, als Erscheinen einer neuen Wirklichkeit zunächst in den Bildern der Imagination, die sich dann in der Inspiration in ihrer Bedeutung zu erhellen und auszusprechen beginnen und zuletzt in der Intuition zur Begegnung mit bestimmten, sehr verschieden gearteten Wesen und ihren Intentionen führt. Diese drei Stufen erweisen sich jedoch nicht unbedingt als ein Nacheinander, sondern ebenso als ein Ineinander. Schon bei der ersten Stufe der Imagination zeigt sich, wie diese eine Dreifaltigkeit ist, indem auch Inspiration und Intuition in einer bestimmten Form in sie hineinwirken.

Staunen, Mitgefühl, Gewissen

als Urbild, Seelenweg, Heilkraft und als den Jahreslauf begleitende Meditationsweisen

An einigen Stellen in seinem Gesamtwerk erwähnt Rudolf Steiner die Kultivierung und Entwicklung der menschlichen Seelenkräfte »Erstaunen, Mitgefühl und Gewissen« und weist zugleich in seinem einzigen diesem Thema ganz... [mehr]

An einigen Stellen in seinem Gesamtwerk erwähnt Rudolf Steiner die Kultivierung und Entwicklung der menschlichen Seelenkräfte »Erstaunen, Mitgefühl und Gewissen« und weist zugleich in seinem einzigen diesem Thema ganz gewidmeten Vortrag vom 14. Mai 1912 in Berlin mit besonderer Eindringlichkeit darauf hin. In diesem Vortrag beschreibt er Staunen, Mitgefühl und Gewissen als eine Dreiheit, ohne deren Existenz, Pflege und Bildung im menschlichen Herzensraum die Erde als Christusträger ihr Ziel im Sinne der Schöpfung nicht erreichen würde.

Was Kunst kann? – Ach, Jonathan!

Er ist eine der schillerndsten Figuren im aktuellen Kunstbetrieb. Der »Erzkünstler«, wie er sich nennt, Jonathan Meese polarisiert das Publikum. Vor einiger Zeit gab es einen Bruch in seiner künstlerischen Laufbahn. Da... [mehr]

Er ist eine der schillerndsten Figuren im aktuellen Kunstbetrieb. Der »Erzkünstler«, wie er sich nennt, Jonathan Meese polarisiert das Publikum. Vor einiger Zeit gab es einen Bruch in seiner künstlerischen Laufbahn. Da reckte er in einer Podiumsveranstaltung des ›Spiegel‹ die Hand zum Hitlergruß. Für diese Geste, die als Kritik im Rahmen einer künstlerischen Aktion gemeint war, wurde er angeklagt und später freigesprochen. Künstlerische Freiheit, ausdrücklich bestätigt als Ergebnis eines Strafprozesses – das ist einerseits ganz im Sinne von Meeses Erzkunstverständnis, andererseits hat ihn dieses Missverständnis seiner Kunst schwer beleidigt. Ihm, auch im wörtlichen Sinne, Schaden zugefügt: Kündigung seiner Galerie, Rauswurf aus Bayreuth, wo er den ›Parsifal‹ gestalten sollte und wohl auch gerne wollte, denn er verehrt Richard Wagner über alles.

Zwischen Fülle und Leere: Die Wirklichkeit des Raumes

Eduardo Chillida im Museum Wiesbaden

Es ist unglaublich: Der baskische Bildhauer Eduardo Chillida (1924-2002), dem das Museum Wiesbaden gerade eine umfassende Retrospektive widmet, baut mit der Leere! Er gestaltet mit seinen Materialien nicht nur den umgebenden... [mehr]

Es ist unglaublich: Der baskische Bildhauer Eduardo Chillida (1924-2002), dem das Museum Wiesbaden gerade eine umfassende Retrospektive widmet, baut mit der Leere! Er gestaltet mit seinen Materialien nicht nur den umgebenden Raum oder fasst ihn ein, sondern gibt ihm auch eine eigene Standfestigkeit. So steht der tonnenschwere stählerne ›Mesa del arquitecto – Tisch des Architekten‹ (1984) nicht nur auf drei materiellen Beinen, sondern wird auch durch den Raum, der die Ausschnitte in der schweren Tischplatte füllt, gestützt und erhält so erst sein volles Gleichgewicht. Auch in anderen Arbeiten, skulpturalen wie grafischen, verschwimmt immer wieder der Unterschied zwischen dem umfassenden Stoff und dem eingefassten Raum; der Raum selbst verdichtet sich ins Wesenhafte – die Leere füllt sich.

»Direkt durch mich hindurch gemalt«

Zur Ausstellung ›Weltempfänger: Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz‹ im Münchner Lenbachhaus

Das Münchner Lenbachhaus besitzt weltweit die größte Sammlung an Arbeiten des Blauen Reiters. Einer der wichtigsten Künstler der Sammlung und auch ein Forschungsschwerpunkt ist Wassily Kandinsky. Dabei kommt dessen 1912... [mehr]

Das Münchner Lenbachhaus besitzt weltweit die größte Sammlung an Arbeiten des Blauen Reiters. Einer der wichtigsten Künstler der Sammlung und auch ein Forschungsschwerpunkt ist Wassily Kandinsky. Dabei kommt dessen 1912 erschienenen Buch ›Über das Geistige in der Kunst‹ eine besondere Rolle zu. Kandinsky formuliert darin, dass abstrakte Kunst Inhalte zum Ausdruck bringt, die jenseits unserer sinnlichen Wahrnehmung liegen, und dass ihre Formen einer inneren Notwendigkeit folgen. In diesem Grundsatz liegt die Motivation für die ungewöhnliche, klug und sensibel konzipierte Ausstellung ›Weltempfänger‹.

»Mich krönt aus Tränen ein schweres Geschmeid«

Die Dichterin Selma Merbaum (geb. am 15. August 1924 in Czernowitz, gest. am 16. Dezember 1942 im Arbeitslager Michailowka am Bug)

Die wahrscheinlich nie bis in ihre letzte Verzweigung ausleuchtbare Rettungsgeschichte dieser 58 Gedichte ist wunderbar und unendlich bitter zugleich, weil sie erst beginnen konnte, nachdem ihrer Schöpferin, einem 18-jährigen... [mehr]

Die wahrscheinlich nie bis in ihre letzte Verzweigung ausleuchtbare Rettungsgeschichte dieser 58 Gedichte ist wunderbar und unendlich bitter zugleich, weil sie erst beginnen konnte, nachdem ihrer Schöpferin, einem 18-jährigen Mädchen, auf gnadenlose Weise das Leben genommen worden war. Auch ihr »Tod«, den Paul Celan für alle Zeiten gültig als »Meister aus Deutschland« personifiziert hat, geht auf das Schreckenskonto der SS, die Tausende zur Zwangsarbeit deportierte Czernowitzer Juden ermordete – ein Genozid, der sich zwischen 1941 und 1943 im damaligen Rumänien als Teil des planmäßig vorangetriebenen Vernichtungsfeldzugs gegen die europäischen Juden ereignete. Erst 2014 konnte die Germanistin Marion Tauschwitz – nach akribischen Archivforschungen – diesem Mädchen seinen richtigen Namen zurückgeben: Selma Merbaum.

Rilkes poetischer Kosmos

Zu Rüdiger Sünner: ›Engel über Europa. Rilke als Gottsucher‹

Der Filmemacher Rüdiger Sünner ist erfreut, dass wir trotz des extrem heißen Septembertags »zur Gottessuche« in die Berliner Urania gekommen sind. Kurz spricht er seine letzten Filme an: über Joseph Beuys, Paul Celan... [mehr]

Der Filmemacher Rüdiger Sünner ist erfreut, dass wir trotz des extrem heißen Septembertags »zur Gottessuche« in die Berliner Urania gekommen sind. Kurz spricht er seine letzten Filme an: über Joseph Beuys, Paul Celan und jetzt Rainer Maria Rilke, alle drei sehr spirituelle Persönlichkeiten. Ihre Suche galt dem göttlichen Funken in der Welt. Sünner erzählt, wie er Rilke erst in den letzten zehn Jahren wirklich kennenlernte, obwohl schon sein Vater ihm Rilkes Gedichte vermittelt hatte. Das Dorf Raron im schweizerischen Wallis, wo Rilke begraben liegt, habe er als magischen Ort empfunden. Dort, im Rilkemuseum, wurde sein Film ›Engel über Europa. Rilke als Gottsucher‹ – der bisher einzige Film über den Dichter – zuerst gezeigt.