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Der Sprachgeist weht, wie er will

Eurythmie als ein Weg zu einem erweiterten Sprach- und Lautverständnis

Nach Jahren der toneurythmischen Dominanz auf der Bühne wächst derzeit wieder ein neues Interesse an der Sprache in der Eurythmie: Rechtzeitig zur Dornacher Eurythmietagung ›Sprach-Bewegung‹ zu Ostern 2018 (mit über... [mehr]

Nach Jahren der toneurythmischen Dominanz auf der Bühne wächst derzeit wieder ein neues Interesse an der Sprache in der Eurythmie: Rechtzeitig zur Dornacher Eurythmietagung ›Sprach-Bewegung‹ zu Ostern 2018 (mit über 700 Teilnehmern aus über 40 Ländern) waren zwei neue Bücher zum Thema erschienen. Beide suchen und finden ihr Material in der Vergangenheit, in der Entstehungszeit der Eurythmie – es entwickeln sich daraus aber erstaunlich moderne und zeitgemäße Perspektiven für den Umgang mit eurythmischen Angaben.

Das Ende des Menschen?

Eine Tagung zu den Herausforderungen des Transhumanismus am Goetheanum in Dornach

Christiane Haid und Ariane Eichenberg hatten für die Sektion für Schöne Wissenschaften zu dieser groß angelegten und prominent besetzten öffentlichen Tagung vom 7. bis zum 9. September 2018 ans Goetheanum eingeladen... [mehr]

Christiane Haid und Ariane Eichenberg hatten für die Sektion für Schöne Wissenschaften zu dieser groß angelegten und prominent besetzten öffentlichen Tagung vom 7. bis zum 9. September 2018 ans Goetheanum eingeladen und waren damit auch ein Wagnis eingegangen: Wie würden sich die drei Schriftsteller Galsan Tschinag, Sibylle Lewitscharoff und Patrick Roth mit den drei Hochschulprofessoren Roland Benedikter, Christian Kreiß und Michael Hauskeller sowie dem anthroposophischen Arzt René Madeleyn und der Priesterin der Christengemeinschaft Yaroslawa Black-Terletzka verstehen? Und welches Bild würde dabei nicht nur vom Transhumanismus, sondern auch von der Anthroposophie entstehen?

Sensible Wege

Zu Reiner Kunzes 85. Geburtstag

»Welches Glück, einen Dichter zu haben ...« Das ist der immer wiederkehrende Stoßseufzer der Hauptfigur des Romans ›Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge‹ von Rainer Maria Rilke. Brigge ist eine biografische... [mehr]

»Welches Glück, einen Dichter zu haben ...« Das ist der immer wiederkehrende Stoßseufzer der Hauptfigur des Romans ›Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge‹ von Rainer Maria Rilke. Brigge ist eine biografische Figur, der Autor lässt ihn in Paris unter seinen eigenen Lebensumständen wohnen, identisch bis zur Hausnummer. Auch seine Ängste und Sorgen gibt er der Figur mit – Rilke, der im Grunde sein Leben lang obdachlos war, ohne eigene Wohnung und ohne gesichertes Einkommen, ständig angewiesen auf Unterstützung durch Gönner und Mäzene. Malte, der Romanheld erfährt das soziale Elend des damaligen Paris der Jahrhundertwende. Immer wenn er es in der Winterkälte der ungeheizten Wohnung nicht mehr aushält, geht er in die Bibliothek. Draußen auf der Straße die Bettler, die ihm zu verstehen geben: Bald könntest du einer von uns sein … Diese bedrohliche Vision, die seine eigene ist, bekämpft Rilke nicht mit dem Gefühl: »Welches Glück, ein Dichter zu sein!« Seine soziale Randlage empfindet er als Auslieferung und die Pflicht des »Dennoch« in der Notwendigkeit künstlerischen Schaffens.

Was macht eigentlich ein Schauspieler?

So eigentümlich es klingen mag: Schauspieler sind eigentlich Maler. Sie fertigen Portraits von Menschen an – Portraits von handelnden Menschen, wie Aristoteles sagen würde. Doch sind sie keine Maler, die ihre Bilder mit... [mehr]

So eigentümlich es klingen mag: Schauspieler sind eigentlich Maler. Sie fertigen Portraits von Menschen an – Portraits von handelnden Menschen, wie Aristoteles sagen würde. Doch sind sie keine Maler, die ihre Bilder mit einem Pinsel auf eine Leinwand auftragen, vielmehr sind ihr Körper, ihre Stimme, die Zeit und der Raum ihr Pinsel und die Fantasie der Zuschauer ihre Leinwand. Und der Maler? Das ist der Schauspieler selbst. Er beobachtet feinfühlig, ob das, was er in die Luft zaubert, vom Publikum auch »gesehen« und erlebt werden kann, und ob es mit dem Ensemble zusammenklingt.

Fundstück XXXIV: Rudolf Steiner und die Zeitschrift ›Das Reich‹

Im Rudolf Steiner Archiv befinden sich einige Jahrgänge der von Alexander von Bernus herausgegebenen Zeitschrift ›Das Reich‹. Der Dichter und Alchemist Alexander von Bernus (1880–1965) begegnete 1910 in München erstmals... [mehr]

Im Rudolf Steiner Archiv befinden sich einige Jahrgänge der von Alexander von Bernus herausgegebenen Zeitschrift ›Das Reich‹. Der Dichter und Alchemist Alexander von Bernus (1880–1965) begegnete 1910 in München erstmals Rudolf Steiner. Bernus stand in Kontakt mit vielen Künstlern und Literaten, darunter Detlev von Liliencron, Frank Wedekind, Karl Thylmann, Thomas und Heinrich Mann, Rainer Maria Rilke und Ricarda Huch. Steiner schätzte Bernus wegen dessen eigenständigen Wesens. So war er 1916 gerne bereit, bei Bernus’ neugegründeter Vierteljahresschrift ›Das Reich‹ mitzuwirken, die sich zum Ziel gesetzt hatte, einen Beitrag zu einer neuen deutschen Geisteskultur zu geben. Für die erste Nummer lieferte Steiner im April 1916 den eröffnenden Aufsatz ›Die Erkenntnis vom Zustand zwischen dem Tode und einer neuen Geburt‹, eine Fortsetzung folgte im Januar 1917. Insgesamt publizierte er fünf Aufsätze erstmals im ›Reich‹.

Der Leidensweg der Menschheit

Zu ›Adam’s Passion‹ von Robert Wilson und Arvo Pärt

›Adam’s Passion‹ heißt ein Musiktheater von Robert Wilson nach Werken von Arvo Pärt. Es wurde während der Karwoche 2018 im Berliner Konzerthaus dreimal aufgeführt. Die Uraufführung hatte drei Jahre vorher in Tallinn... [mehr]

›Adam’s Passion‹ heißt ein Musiktheater von Robert Wilson nach Werken von Arvo Pärt. Es wurde während der Karwoche 2018 im Berliner Konzerthaus dreimal aufgeführt. Die Uraufführung hatte drei Jahre vorher in Tallinn stattgefunden. Die musikalische Leitung hatte jeweils der estnische Dirigent Tonu Kaljuste. Auch die Schauspieler waren, bis auf die Kinder, dieselben. Von der Weltpremiere existiert ein Film, in dem die Bilder des von Wilson inszenierten Licht- und Bewegungstheaters im Vordergrund stehen. In Berlin war hingegen das Musikerlebnis stärker, obwohl Orchester und Chor verborgen blieben. Schon im September 2015 war die Filmaufnahme von ›Adam’s Passion‹ zusammen mit ›The Lost Paradise‹, einer Dokumentationen von Pärts Zusammenarbeit mit Wilson, im Wolff-Saal der Berliner Philharmonie gezeigt worden. An den beiden aufeinanderfolgenden Abenden war Wilson selbst anwesend und erzählte viel. So beruht dieser Bericht neben der Berliner Aufführung auch auf den genannten Filmen und Wilsons Erzählungen.

Ein 50-jähriges Experiment: Der Dottenfelderhof

Ackerbau und Viehhaltung (einschließlich Hühner und Bienen), Obst- und Gemüsebau, Züchtung und Forschung, Landbauschule und Schulbauernhof, Käserei, Bäckerei, Café, tägliche Marktstände, ein supermarktähnlicher... [mehr]

Ackerbau und Viehhaltung (einschließlich Hühner und Bienen), Obst- und Gemüsebau, Züchtung und Forschung, Landbauschule und Schulbauernhof, Käserei, Bäckerei, Café, tägliche Marktstände, ein supermarktähnlicher Hofladen und ein Blumenfeld zum Selbstpflücken: Nicht nur diese Vielfalt macht den von einer Betriebsgemeinschaft biologisch-dynamisch bewirtschafteten und einer Landwirtschaftsgemeinschaft begleiteten Dottenfelderhof einzigartig. Er liegt bei Bad Vilbel, in einem Bogen des im Vogelsberg entspringenden und bei Höchst in den Main mündenden Flüsschen Nidda, zwischen der von Intensivlandwirtschaft geprägten Wetterau und dem Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main.

Meister Dietrich

Dietrich von Freiberg (*um 1240; †um 1318) zum 700. Todesjahr

Dietrich von Freiberg war nie ganz vergessen, aber erst die Mittelalterforscher Loris Sturlese und Kurt Flasch holten ihn nachhaltig in die Erinnerung zurück. Auf Sturleses bahnbrechendes Werk: ›Dokumente und Forschungen... [mehr]

Dietrich von Freiberg war nie ganz vergessen, aber erst die Mittelalterforscher Loris Sturlese und Kurt Flasch holten ihn nachhaltig in die Erinnerung zurück. Auf Sturleses bahnbrechendes Werk: ›Dokumente und Forschungen zu Leben und Werk Dietrichs von Freiberg‹ (Hamburg 1984) beziehen sich sowohl der Philosoph Kurt Flasch mit seiner umfangreichen Monografie ›Dietrich von Freiberg‹ (Frankfurt a. M. 2007) als auch der Theologe Karl-Hermann Kandler mit ›Dietrich von Freiberg. Philosoph – Theologe – Naturforscher‹ (Freiberg 2010). Beide Autoren werden hier in erster Linie zu Rate gezogen, um zu versuchen, ein Bild dieses bedeutenden Mannes zu entwerfen.

Die Erfahrung der Leibfreiheit

Zum VIII. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft am 9. Juni 2018 im Rudolf Steiner-Haus Stuttgart

Es ist Nacht geworden, und er hat sich im Hoggargebirge mitten in der Sahara verlaufen, hat seine Reisegruppe verloren, nichts Warmes anzuziehen, fast nichts mehr zu trinken: Es geht ums nackte Überleben. Denn die Nächte... [mehr]

Es ist Nacht geworden, und er hat sich im Hoggargebirge mitten in der Sahara verlaufen, hat seine Reisegruppe verloren, nichts Warmes anzuziehen, fast nichts mehr zu trinken: Es geht ums nackte Überleben. Denn die Nächte in der Sahara sind gnadenlos kalt und ohne entsprechende Ausrüstung kaum zu überleben. Eric Emanuel Schmitt ist 28 Jahre alt und erzählt 25 Jahre später in seinem Roman ›Nachtfeuer‹ (Frankfurt a.M. 2017) von den Erlebnissen dieser abenteuerlichen Nacht in der Sahara. Wie er sich im heißen Wüstensand eingrub, um nicht zu erfrieren, wie er sich plötzlich außerhalb seines Leibes, über sich schwebend empfand, und wie er dadurch unmittelbar die Erfahrung eines unabhängig vom Leib Existierenden machen konnte, die aus ihm, dem materialistisch gesinnten jungen Mann, einen spirituell suchenden Menschen gemacht hat.

Die Kunst der Wahrnehmung

James Turrell in Baden-Baden

Um das Licht zu sehen, tritt man zunächst in die Dunkelheit. Ein schmaler, schwarzer, verwinkelter Gang ist einer der ersten Erfahrungsräume, den man in der aktuellen Ausstellung im Frieder Burda Museum in Baden Baden betritt:... [mehr]

Um das Licht zu sehen, tritt man zunächst in die Dunkelheit. Ein schmaler, schwarzer, verwinkelter Gang ist einer der ersten Erfahrungsräume, den man in der aktuellen Ausstellung im Frieder Burda Museum in Baden Baden betritt: ›James Turrell – The Substance of Light‹. Das grelle Sommerlicht der Außenwelt legt sich wie ein Schleier vor das Auge und flimmert. Gerade dieser angestrengte Augenblick, während dem man nichts, scheinbar nichts sieht und doch so aktiv schaut, birgt eine Erfahrung, die sonst oft hinter allem »Zu-Sehenden« verborgen bleibt: das eigene Sehen.

Innere und äußere Gärten

Paul Klee zu Gast in Max Liebermanns Villa am Wannsee

»Einmal, es war in Klees Feiernacht, legte er an geheimster Stelle den Keim zu seinem selbstbeschlossenen Ich. Von damals an wurden alle Fäden, die er zu spannen gesonnen war, zu zarten Würzelchen. Und was er seitdem seiner... [mehr]

»Einmal, es war in Klees Feiernacht, legte er an geheimster Stelle den Keim zu seinem selbstbeschlossenen Ich. Von damals an wurden alle Fäden, die er zu spannen gesonnen war, zu zarten Würzelchen. Und was er seitdem seiner Seele zu erzeichnen vermag, wird Wurzelung. Er sollte sein Sonnenjahr in Tunis erleben. Sofort schoss die Pflanze schlank empor. Nun trägt sie Blüten: seine feurigen Aquarelle. Das Ich entfaltet sich aber weiter: wenn Paul Klee zeichnet, so treibt es neue Wurzeln; und bunte Blumen strahlen auf, wenn er malt, in Farben dichtet.« – Theodor Däubler, 1919

Amerika – ein Heimatfilm

Zu ›First Reformed‹ von Paul Schrader

Das Münchner Filmfest ist das südliche Pendant zur weltbekannten Berlinale. Ein höchst merkwürdiges Werk feierte während dessen 36. Auflage im vergangenen Juli seine Deutschlandpremiere: ›First Reformed‹ von Paul... [mehr]

Das Münchner Filmfest ist das südliche Pendant zur weltbekannten Berlinale. Ein höchst merkwürdiges Werk feierte während dessen 36. Auflage im vergangenen Juli seine Deutschlandpremiere: ›First Reformed‹ von Paul Schrader, gezeigt jeweils einmal zu Beginn und zum Ende des einwöchigen Festivals – wie ein Rahmen zur großen Gegenwartsfrage: Was ist bloß los in Amerika?