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Ich, Mathematik und Europa

Ich und Europa II

Europäisches Denken – ein für mich zwiespältiger Ausdruck. Wenn man in der Geschichte zurückgeht, so findet man zum Beispiel Unterscheidungen zwischen einem an dem Erleben einer Ganzheit zugewendeten gedanklichen Erfassen... [mehr]

Europäisches Denken – ein für mich zwiespältiger Ausdruck. Wenn man in der Geschichte zurückgeht, so findet man zum Beispiel Unterscheidungen zwischen einem an dem Erleben einer Ganzheit zugewendeten gedanklichen Erfassen der Natur in der ionischen Naturphilosophie (Heraklit, Thales, Anaximander, Anaximenes) und einem eher abstrakt anmutenden, das logische Argumentieren und Erkunden des unveränderlichen Seins in den Vordergrund rückenden eleatischen Philosophie (Parmenides, Zenon von Elea, Melissos von Samos). Kann man dann auch von einer griechischen Philosophie, genauer: vorsokratischen Philosophie im inhaltlichen Sinne sprechen, mit ganz bestimmten übergreifenden Merkmalen – und nicht nur im Sinne einer Aufzählung der Vertreter dieser (und anderer) Schulen?

Paul Cézanne und die Wirklichkeit des Bildes

›Meine Zeit mit Cézanne‹ heißt ein Film, der letztes Jahr in den Kinos lief und der von Cézannes Freundschaft mit Emile Zola handelt. In diesem Film führen die zwei Künstler – der Schriftsteller und der Maler –... [mehr]

›Meine Zeit mit Cézanne‹ heißt ein Film, der letztes Jahr in den Kinos lief und der von Cézannes Freundschaft mit Emile Zola handelt. In diesem Film führen die zwei Künstler – der Schriftsteller und der Maler – eine Diskussion, die rein erfunden ist. Zola (1840–1902) und Cézanne (1839–1906) kannten sich von Kindesbeinen an; sie waren in Aix-en-Provence aufgewachsen und hatten mindestens 34 Jahre lang den Kontakt aufrechterhalten. Als Zola 18-jährig nach Paris zog, begann ein reger Briefwechsel zwischen den beiden. Doch während Zola schon bald seinen Erfolg als vielgelesener Romancier feiern konnte, war Cézanne immer noch verzweifelt auf der Suche. In Paris ließ er sich nie dauerhaft nieder; die meiste Zeit verbrachte er malend in der Provence.

Widar-Erscheinen in Mannheim

Zur Herbsttagung des D.N. Dunlop-Instituts vom 14.-16. Oktober 2016

Am stärksten in Erinnerung geblieben ist mir die warme, herzlich-freudige Stimmung, von der alles getragen war. Ich hatte den Eindruck, dass nicht nur die Dozenten, Künstler und Helfer miteinander befreundet waren, sondern... [mehr]

Am stärksten in Erinnerung geblieben ist mir die warme, herzlich-freudige Stimmung, von der alles getragen war. Ich hatte den Eindruck, dass nicht nur die Dozenten, Künstler und Helfer miteinander befreundet waren, sondern auch alle Teilnehmer, gleichgültig, ob sie sich schon kannten, miteinander ins Gespräch kamen. So war die Tagung in dem schön gestalteten Saal des Rudolf Steiner-Hauses in Mannheim ernst und zugleich überstrahlt von einer feinen, lichten Fröhlichkeit.

Tier – Lieb – Leib

Ein Festival für das Erdreich

Vielleicht ist die Auferstehung schon im Gange, ohne dass wir es merken. Wie soll man sich denn die Erlösung des Kreatürlichen konkret vorstellen? Wir haben magische Bilder aus Märchen, Mythen, Harry Potter ... Aber so... [mehr]

Vielleicht ist die Auferstehung schon im Gange, ohne dass wir es merken. Wie soll man sich denn die Erlösung des Kreatürlichen konkret vorstellen? Wir haben magische Bilder aus Märchen, Mythen, Harry Potter ... Aber so wird’s nicht mehr gehen, mit Stab und Spruch ein Wesen so zu bezaubern, dass es seine Tierhaut abwirft und sich zeigt in veränderter Gestalt. So ging es ja auch nie in Wirklichkeit.

Kontinent der Ichsamkeit

Ich und Europa I

Ein großes Geschenk hat mir das Schicksal senden wollen: Schon als Jugendlicher und Student hatte ich die Möglichkeit, im ganzen Europa zu reisen. Ich war ein leidenschaftlicher Interrailer, allein wie in Gemeinschaft,... [mehr]

Ein großes Geschenk hat mir das Schicksal senden wollen: Schon als Jugendlicher und Student hatte ich die Möglichkeit, im ganzen Europa zu reisen. Ich war ein leidenschaftlicher Interrailer, allein wie in Gemeinschaft, und noch heute bereise ich am liebsten Europa, obwohl ich schon als Kind aussereuropäische Abstecher erleben durfte. Denn eines begeistert mich immer wieder, in der russischen wie in der portugiesischen, in der norwegischen wie in der süditalienischen Provinz, vom abgelegenen, dorfähnlichen Bauernhof in der goldenen Abendsonne des norwegischen Sommers bis zum stolzen, winzigen Städtchen im kargen Innenland Siziliens oder am leuchtend grünen Ufer der Elbe, vom versteckten Abteidorf in Portugal bis zu den strahlenden Kremls der russischen Ebene: die Begegnung mit unendlich vielen kleineren Orten, die so gebaut sind, als ob sie für das wahrnehmende Ich eine geistige Mitte der Welt bilden moÅNchten. Nicht ein weltenloses Zentrum, das einschüchtert, scheinen sie bilden zu wollen, sondern eben eine Mitte, wo ich – tätig-ruhig – gleichsam in einem tiefen Gespräch meinem eigenen Ich wie einem Gesicht begegnen kann, das sich ohne das mich ansprechende Antlitz dieser Orte nicht hätte offenbaren können. 

Fundstück XXX: Der Oberdada

Im gerade abgelaufenen Jahr 2016 wurde in vielen Publikationen, Ausstellungen, Veranstaltungen etc. an das 100-jährige Jubiläum des Dada-Impulses erinnert. Nun fand sich kürzlich im Rudolf Steiner Archiv – in einem noch... [mehr]

Im gerade abgelaufenen Jahr 2016 wurde in vielen Publikationen, Ausstellungen, Veranstaltungen etc. an das 100-jährige Jubiläum des Dada-Impulses erinnert. Nun fand sich kürzlich im Rudolf Steiner Archiv – in einem noch unsortierten Briefkonvolut – ein bisher unbekanntes Dokument aus dem Zusammenhang der Dada- Bewegung. Im Zuge der Neubearbeitung des Laut-Eurythmiekurses – ›Eurythmie als sichtbare Sprache‹ (GA 279) – gab eine Bemerkung Rudolf Steiners am 26. Juni 1924 den Anlass, nach dem hier abgedruckten Brief zu suchen. Im besagten Vortrag spricht Steiner anlässlich der Einführung des Lautes »D« davon, dass der orientalische Lehrer seinen Zögling durch Aufmerksamkeit, durch Hinweisen erzieht: »›Das ist das, das ist das, das ist das.‹ […] Daher ist der orientalische Erzieher derjenige, der eigentlich in alledem, was er tut, immer ›da‹ sagt, ›da – da‹: der Dada. So heißt er auch.«

Menschwerdungen

Henry Moore in Münster

Von Norden her, dem Domplatz kommend, werde ich in dem von Alt- und Neubau dreiseitig umschlossenen Eingangshof des LWL-Museums für Kunst und Kultur gleich von einer der mächtigen Großbronzen von Henry Moore empfangen:... [mehr]

Von Norden her, dem Domplatz kommend, werde ich in dem von Alt- und Neubau dreiseitig umschlossenen Eingangshof des LWL-Museums für Kunst und Kultur gleich von einer der mächtigen Großbronzen von Henry Moore empfangen: ›Two Piece Reclining Figure No. 5‹ (1963/64), die seit 1968 in Recklinghausen beheimatet ist. Diese zweiteilige Liegende wird gerade einer Schulklasse erklärt. Da tritt, aus dem Museum kommend, ein seriös wirkender älterer Herr zu den Schülern und macht seinem Ärger Luft: Das müsse hier weg; für ihn sei das ein Haufen getrockneter Scheiße. Und dann schwärmt er von Botticellis Bildern als dem Inbegriff von Schönheit … Die vielleicht dreizehnjährigen Schüler lachen etwas verunsichert, doch die engagierte Pädagogin greift die Situation geschickt auf. Offensichtlich rumort der Kulturkampf um die heute längst zum Kanon der Klassischen Moderne gehörende Kunst immer noch in einigen Köpfen.