Artikel 1 - 12 von 33
Anzeigen:Alle Artikel

Dionysius Areopagita und die Anthroposophie

Wer war der unbekannte Dionysius?

Welche Stellung haben die Schriften des Dionysius Areopagita innerhalb der Anthroposophie? Gab es eine historisch nicht nachweisbare Mysterienschule, durch die die Hierarchienlehre des Dionysius Hunderte von Jahren mündlich... [mehr]

Welche Stellung haben die Schriften des Dionysius Areopagita innerhalb der Anthroposophie? Gab es eine historisch nicht nachweisbare Mysterienschule, durch die die Hierarchienlehre des Dionysius Hunderte von Jahren mündlich weitergegeben wurde, bevor sie ein Schüler schriftlich niedergelegt hat? Michiel ter Horst, der Übersetzer dieser Schriften ins Niederländische, geht im vorliegenden Beitrag diesen Fragen nach und kommt zu einer interessanten Lösung.

Im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde ein Schriftwerkveröffentlicht, dessen Verfasser den Namen ›Dionysius Areopagita‹ verwendete. Der tatsächliche Autor der Werke ist trotz zahlreicher Untersuchungen unbekannt geblieben. Ihr Verfasser identifizierte sich intensiv mit dem biblischen Dionysius – jenem Dionysius also, der laut der Apostelgeschichte mit großer Hingabe der berühmten Rede des Paulus über den unbekannten Gott zuhörte, sich durch ihn taufen ließ und ihm nachfolgte. Er identifizierte sich sogar so sehr mit der Zeit des Paulus, dass er behauptete, die Sonnenfinsternis zur Zeit von Christi Kreuzigungstod gesehen zu haben und mit Paulus und den anderen Aposteln bei der »Entschlafung Mariens« anwesend gewesen zu sein. Und in Anlehnung an die vierzehn Paulusbriefe verfasste der Autor Dionysius seine Abhandlungen ebenfalls in Form von vierzehn an die Zeitgenossen des Paulus gerichtete Briefen.

Nag Hammadi

Zur Gnosis in Spätantike und Gegenwart

Das 20. Jahrhundert gab, bei all seinen abgründigen, schier endlosen Verfinsterungen, doch auch Aussichten frei auf Vergangenheiten, auf die nun – durch entsprechende Entdeckungen – ganz neues, helles Licht fallen kann.... [mehr]

Das 20. Jahrhundert gab, bei all seinen abgründigen, schier endlosen Verfinsterungen, doch auch Aussichten frei auf Vergangenheiten, auf die nun – durch entsprechende Entdeckungen – ganz neues, helles Licht fallen kann. Die Existenz von Essenern oder Therapeuten, von Manichäern und eben auch frühchristlichen Gnostikern war immer schon, aus spätantiken Überlieferungen, leidlich bekannt. Dann aber kamen, durch Forschungsexpeditionen oder Zufallsfunde, zahlreiche Schriftrollen und Kodizes ans Licht, welche die Sprache jener religiösen Gruppen unverfälscht wiederzugeben versprachen: Manichäisches fand sich im zentralasiatischen Turfan und in Dunhuang (1902-1913) wie auch im ägyptischen Terenouthis nahe Medinet Madi (Ende der 1920er Jahre); Essenisches im heute israelisch-palästinensischen Qumran am Toten Meer (1947-1956); Zeugnisse dann auch der christlichen Gnosis in der Nähe des ebenfalls ägyptischen Nag Hammadi (1945/46).

Die Bereiche und die Stufen der höheren Erkenntnis

Andreas Heertsch hat in die Drei 11/2016 einen höchst willkommenen Beitrag ›Zur Skalierbarkeit von Imagination, Inspiration und Intuition‹ gegeben. Wie er überzeugend darstellt, können wir von unterschiedlichen Tiefen... [mehr]

Andreas Heertsch hat in die Drei 11/2016 einen höchst willkommenen Beitrag ›Zur Skalierbarkeit von Imagination, Inspiration und Intuition‹ gegeben. Wie er überzeugend darstellt, können wir von unterschiedlichen Tiefen dieser Begriffe sprechen. Imagination, Inspiration und Intuition »fangen im alltäglichen Bewusstsein an und hören bei dem von Rudolf Steiner Beschriebenen nicht auf«. In einem früheren Aufsatz habe ich auf einen Bereich der höheren Erkenntnis hingewiesen, der sich zwischen dem Normalbewusstsein und den höheren Bewusstseinszuständen befindet. Neben den Stufen der höheren Erkenntnis können wir also drei Bereiche der höheren Erkenntnis unterscheiden. Im Weiteren werde ich meinen früheren Ansatz mit dem von Heertsch zusammenfügen: Imagination, Inspiration und Intuition können so skaliert werden, dass sie jeweils drei Arten von Tiefe haben, die den drei Bereichen entsprechen.

Atemübungen als Schulungsmethode?

Vom Suchen und Finden bei Rudolf Steiner und anderswo

Auch wenn Rudolf Steiner eine eigentliche Atemschulung deutlich ablehnt, gibt er eine reichliche Anzahl von Übungen dazu. Wie ist das zu verstehen? Was kann man dabei erfahren? Und in welchem Verhältnis stehen diese Übungen... [mehr]

Auch wenn Rudolf Steiner eine eigentliche Atemschulung deutlich ablehnt, gibt er eine reichliche Anzahl von Übungen dazu. Wie ist das zu verstehen? Was kann man dabei erfahren? Und in welchem Verhältnis stehen diese Übungen zu anderen Traditionen sowie zur Eurythmie und den ihr innewohnenden besonderen Möglichkeiten der Atembewegung und -gestaltung?

Atemübungen spielen in vielen Meditations- und Körperschulungen eine wichtige Rolle. Der kontrollierende Umgang mit der Atmung kann eine starke Wirkung auf die Körperlichkeit wie auf das seelische Befinden haben. Von Krankenkassenprogrammen gegen Rückenschmerzen oder erhöhten Blutdruck, zur Regeneration und zum Stressabbau bis zu diversen alternativen Atemtherapieverfahren sind Atemübungen deshalb heute integraler Bestandteil eines bewussten Umgangs mit der eigenen Leiblichkeit. Auch in so gut wie jeder Meditationsschule gibt es ein Kapitel zur Atmung.

Wurzelfragen

Über die Notwendigkeit einer Neuauflage der ›Philosophie der Freiheit‹ im Jahre 1918

Die Vorrede zur Neuauflage der ›Philosophie der Freiheit‹ beginnt Rudolf Steiner mit dem einprägsamen Satz: »Zwei Wurzelfragen des menschlichen Seelenlebens sind es, nach denen hingeordnet ist alles, was durch dieses... [mehr]

Die Vorrede zur Neuauflage der ›Philosophie der Freiheit‹ beginnt Rudolf Steiner mit dem einprägsamen Satz: »Zwei Wurzelfragen des menschlichen Seelenlebens sind es, nach denen hingeordnet ist alles, was durch dieses Buch besprochen werden soll.« Dieser Eröffnungssatz ist eingängig und zugleich etwas widerborstig. Ich liebe an ihm vor allem das Wort »Wurzelfragen«. Das von Steiner – der sonst nicht vor Wiederholungen zurückschreckte – nur hier verwendete Wort hat es in sich: Es ruft Bilder und Vorstellungen hervor, verführt zu Assoziationen und kann zu tiefen Gedanken – man könnte auch sagen: Meditationen – anregen.  Benötigt man einen Anlass, sich mit diesem Wort zu befassen, so kann man sich unauffällig unter die Zelebranten großer und kleiner historischer Jubiläen mischen, denn es jährt sich nächstes Jahr das Erscheinen dieser Vorrede zum hundertsten Mal. Aus Christoph Lindenbergs Chronik wissen wir, dass Steiner im Frühjahr 1918 an die Überarbeitung des Buches ging. Gedenken wir stets der Wiederkehr jener Themen, die Steiner vor just hundert Jahren behandelte, dann steht jetzt das Weltkriegsjahr 1917 auf dem Proszenium, aber die Spieler des folgenden Jahres stehen für ihren Auftritt bereit in der Gasse, während die des Vorjahres ihren Text kaum zu Ende gesprochen haben.

Innere und äußere Aspekte der Sozialen Frage

Die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus und die Problematik des »bürgerlichen Denkens«

Im Februar 1919 wendet sich Rudolf Steiner in Zürich mit seinen Ideen zur Sozialen Frage das erste Mal an eine breite Öffentlichkeit. Im Wechsel mit seinen öffentlichen Vorträgen spricht er zu Mitgliedern des Züricher... [mehr]

Im Februar 1919 wendet sich Rudolf Steiner in Zürich mit seinen Ideen zur Sozialen Frage das erste Mal an eine breite Öffentlichkeit. Im Wechsel mit seinen öffentlichen Vorträgen spricht er zu Mitgliedern des Züricher Zweiges der Anthroposophischen Gesellschaft. Die öffentlichen Vorträge finden sich im Zyklus ›Die Soziale Frage‹; die Mitgliedervorträge sind im Zyklus ›Der innere Aspekt des sozialen Rätsels‹ veröffentlicht. Das Stenogramm seiner Züricher öffentlichen Vorträge hat Rudolf Steiner der Ausarbeitung des im April 1919 erschienen Buches ›Die Kernpunkte der sozialen Frage‹ zugrunde gelegt. Im vorliegenden Beitrag wird versucht, die damals dargelegten inneren und die äußeren Aspekte der Dreigliederung zusammenzuschauen.

 

Der »abtrünnige« Monist Rudolf Steiner

Anmerkungen zu einem Deutungsproblem

Rudolf Steiners durchaus ambivalente Haltung gegenüber Ernst Haeckel und dessen Monismus spielte in der steinerkritischen Literatur seit jeher eine große Rolle.... [mehr]
Rudolf Steiners durchaus ambivalente Haltung gegenüber Ernst Haeckel und dessen Monismus spielte in der steinerkritischen Literatur seit jeher eine große Rolle. Schon zu seinen Lebzeiten wurde Steiner vorgeworfen, er habe durch zahlreiche Textänderungen in den Neuauflagen seiner Schriften seine ideologische Kehrtwende vom monistischen Materialisten zum dualistischen Esoteriker nachträglich verschleiern wollen. Vertreter des ›Deutschen Monistenbundes‹ (DMB) glaubten gar beweisen zu können, dass sein Beitritt zur Theosophischen Gesellschaft nur aus einer finanziellen Notlage heraus erfolgt sei. Der folgende Aufsatz möchte einige noch immer kursierende Falschbehauptungen richtigstellen. Wenn der Haeckel- und Steinerbiograph Johannes Hemleben feststellt: »Haeckel hat sich [die] Schützenhilfe Steiners gerne gefallen lassen, bis er erfuhr, daß derselbe ›Theosoph geworden‹ sei (1902)«, so ist das korrekturbedürftig. Das vermeintliche Haeckelzitat (»Theosoph geworden«) ist eine Erfindung des Haeckelschülers Heinrich Schmidt, und die Datierung von Haeckels »Rückzug« muss bezweifelt werden, gehörte doch Steiner noch 1903 zu den Empfängern eines Widmungsexemplars der Volksausgabe von Haeckels ›Die Welträtsel‹. 

»Man muss soviel Freiheit lassen, als möglich«

Wilhelm von Humboldts Bildungsideal, seine Staatsidee und sein politisches Wirken

Der Humboldt-Forscher Clemens Menze hat in seiner 1965 erschienenen grundlegenden Arbeit über ›Wilhelm von Humboldts Lehre und Bild vom Menschen‹ geschrieben, dass... [mehr]
Der Humboldt-Forscher Clemens Menze hat in seiner 1965 erschienenen grundlegenden Arbeit über ›Wilhelm von Humboldts Lehre und Bild vom Menschen‹ geschrieben, dass Humboldts Gesamtwerk nichts anderes sei als der großangelegte Versuch, eine Wissenschaft vom Menschen zu begründen. Der letzte Gesichtspunkt, der sein Denken bestimmt habe, sei die Menschenbildung auf der Grundlage der philosophisch-empirischen Menschenkenntnis gewesen.

Lebendige Mystik

Zur Aktualität der Kabbala im Israel der Gegenwart

Im Jahre 2006 fand in Winterthur unter dem Titel ›Das jüdische Winterthur‹ eine Ausstellung statt. Ich wurde dem Präsidenten der dortigen »israelitischen Gemeinde« – der Begriff »jüdische« wird auffälligerweise... [mehr]

Im Jahre 2006 fand in Winterthur unter dem Titel ›Das jüdische Winterthur‹ eine Ausstellung statt. Ich wurde dem Präsidenten der dortigen »israelitischen Gemeinde« – der Begriff »jüdische« wird auffälligerweise umgangen – auf der Vernissage vorgestellt. Er lud mich zum bevorstehenden Passahfest ein. Eine gemeinsame Bekannte war dabei und sagte daraufhin zu ihm: »Lass ihn in Ruh’, er ist Israeli!« Eine Schweizer Kultur- und Religionsgemeinde nennt sich also »israelitisch«, betrachtet jedoch die eigentlichen Israelis als in religiösen Fragen ignorant, uninteressiert und ohne Glauben. Dann hielt eine Rabbinerin(!) der konservativen Bewegung – die behauptet fortschrittlich und nicht orthodox zu sein – einen Vortrag. Sie lehnte es strikt und kategorisch ab, meine anschließende Frage zu beantworten, ob sie etwas über die Messiaserwartung im Judentum sagen könne. Wollte sie diese Frage mit einem Israeli nicht diskutieren? Im Nachhinein meinte ich etwas verstanden zu haben: dass die Beziehung der Menschen jüdischer Herkunft zu Religion, Transzendenz und Mystik in Europa eine andere ist als in Israel. Und dass es – jenseits von gegenseitigen Vorurteilen und unbegründeten Ansichten – interessant wäre, einmal den Versuch zu wagen, diese Differenzen und deren Entstehung zu untersuchen.

Lichtgewinn aus Distelähnlichem

Mit Paul Celan in der Kabbalisten-Stadt Safed

Eines der spannendsten Fotos, das ich bei den Recherchen zu meinem Film ›Gottes zerstreute Funken. Jüdische Mystik bei Paul Celan‹ sah, zeigte den Dichter vor den Gräbern großer Kabbalagelehrter in Safed. Celan... [mehr]

Eines der spannendsten Fotos, das ich bei den Recherchen zu meinem Film ›Gottes zerstreute Funken. Jüdische Mystik bei Paul Celan‹ sah, zeigte den Dichter vor den Gräbern großer Kabbalagelehrter in Safed. Celan hatte 1969 während seiner Israelreise einen Abstecher in dieses spirituelle Zentrum gemacht, um das Grab des Mystikers Isaac Luria (1534–1572) zu besuchen, der im 16. Jahrhundert eine völlig neue Deutung der Kabbala vorgelegt hatte. Auch mich hatte Lurias Interpretation schon lange fasziniert, und erst die Entdeckung, dass Celan davon beeinflusst war, führte zu der Entscheidung, einen Film über diesen von Tragik umwölkten Dichter zu riskieren. Ich hatte die Lurianische Kabbala über die Kunst von Anselm Kiefer kennengelernt, zuerst über geheimnisvolle Bildtitel wie ›Bruch der Gefäße‹, ›Zimzum‹, ›Schechina‹ und ›Sefiroth‹. Dann durch die Kabbalastudien von Gershom Scholem, die mir diese Begriffe verständlicher machten, mit denen Luria versucht hatte, die brutale Vertreibung der Juden aus Spanien mit seinem Gottesbegriff zusammenzudenken. Gott, so seine Hypothese, muss sich bereits am Anfang der Schöpfung zurückgezogen haben, um die freie Entwicklung der Welt nicht zu gefährden (Zimzum). Seine wenigen Lichtstrahlen waren aber immer noch so mächtig, dass die ersten Seinsformen (»Gefäße«) zerbrachen  und ihre Scherben von nun an durch das All schwirrten (Shevirat Ha kelim). An ihren Rändern aber kleben noch göttliche Lichtfunken, die der spirituell Suchende einsammeln und neu zusammensetzen kann, im Akt des Tikkun, was übersetzt »Reparatur der Welt« heißt.

Weltensamen

Zugänge zur Kabbala im Werk von Nelly Sachs

Ihr Leben lang rang Nelly Sachs (1891–1970) darum, die rechte Sprache zu finden. Was konnte Sprache leisten – über die Mitteilung subjektiver Sichtweisen und Befindlichkeiten hinaus? Welches war die eigentlich schöpferische... [mehr]

Ihr Leben lang rang Nelly Sachs (1891–1970) darum, die rechte Sprache zu finden. Was konnte Sprache leisten – über die Mitteilung subjektiver Sichtweisen und Befindlichkeiten hinaus? Welches war die eigentlich schöpferische Dimension von Sprache? Im letzten Augenblick durch die energische Intervention einer Freundin vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gerettet, wurde sie 1940 in Schweden zur Exilantin. Dort lebte sie nicht nur geographisch und politisch im Exil, sondern auch sprachlich. Die sprachliche Heimat ihrer ersten Lebenshälfte – im Deutschen – war durch den Missbrauch, den das verbrecherische Regime an ihr verübte, korrumpiert und diskreditiert, sie musste erst wieder geläutert, gerettet, ja neu geschaffen werden. Und dann war da noch das Hebräische als Herausforderung der eigenen jüdischen Existenz, zu der sie durch die Verfolgung schmerzhaft erwacht war und deren Tradition sie sich inzwischen bewusst zugewandt hatte. In Deutschland hatte sie sich vor allem mit Thora und Talmud beschäftigt, doch nun entdeckte sie die Kabbala und die Spiritualität der osteuropäischen Chassidim – letztere vermittelt durch die Beschäftigung mit Martin Buber, erstere durch die Lektüre der Schriften Gershom Scholems sowie des jüdischen Anthroposophen Ernst Müller.

Sinnangliederungen

Elemente der Spracherneuerung bei Rudolf Steiner und Tendenzen im gegenwärtigen Sprachgebrauch

»Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort«, dichtete Rainer Maria Rilke im Jahr 1898 und drückte damit sein Erschrecken über scheinbar eindeutige Weltinterpretationen und sprachliche Vordergündigkeiten aus. Bei Hugo... [mehr]

»Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort«, dichtete Rainer Maria Rilke im Jahr 1898 und drückte damit sein Erschrecken über scheinbar eindeutige Weltinterpretationen und sprachliche Vordergündigkeiten aus. Bei Hugo von Hoffmannsthal äußerte sich zu gleicher Zeit eine tiefe Skepsis gegenüber den eigenen Ausdrucksmitteln, wie er in seinem 1902 entstandenen ›Brief‹ des Lord Chandos an Francis Bacon offenbarte. Sprache, offensichtlich auch die poetische, schien dem menschlichen Ausdrucks- und Verständigungsbedürfnis nicht mehr zu genügen. Hofmannsthals Lord Chandos wünscht sich »eine Sprache, von deren Worten mir auch nicht eines bekannt ist, eine Sprache, in welcher die stummen Dinge zu mir sprechen«, die »unmittelbarer, glühender ist als Worte«. Ein solcher Wunsch lässt alles Herkömmliche hinter sich und greift in den Bereich hinter den Wörtern, ins Übersinnliche hinein.