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Achtsamkeit und Erkenntnisblindheit

Das kulturpessimistische Evolutionsverständnis des Yuval Noah Harari – Teil II

Im ersten Teil dieses Beitrages hatten wir damit begonnen, die beiden Bücher ›Eine kurze Geschichte der Menschheit‹ und ›Homo deus‹ des israelischen Universalhistorikers Yuval Noah Harari – der heute zu den meistgelesenen... [mehr]

Im ersten Teil dieses Beitrages hatten wir damit begonnen, die beiden Bücher ›Eine kurze Geschichte der Menschheit‹ und ›Homo deus‹ des israelischen Universalhistorikers Yuval Noah Harari – der heute zu den meistgelesenen Gelehrten der westlichen Welt gehört – gegen den Strich der bisherigen, überwiegend positiven Kritiken zu lesen. Dabei hatten wir festgestellt, dass der inzwischen auch zu einem der meistgefragten Talkshow- Gäste und Redner für internationale FührungskraÅNfte avancierte Hyperintellektuelle, wenn man es theologisch ausdrücken würde, mit dem für ihn nicht lösbaren Problem des Sündenfalls kämpft. Er sieht in der Evolution der Menschheit nicht nur eine invisible hand, sondern letztlich den Teufel am Werk

Aktivierung des Denkens und Umkehr der Willensrichtung

Zur zentralen Stellung von ›Theosophie‹ und ›Wie erlangt man …?‹ im Werk Rudolf Steiners

Am Widerstand gewinne!

Ein Beitrag zur Diskussion um das neue 5G-Internet

Bei allen problematischen Aspekten, welche die neue Internettechnologie mit sich bringen mag: Wir sollten den kommenden Generationen die Möglichkeit zu spirituellen Erfahrungen nicht absprechen. Natürlich dürfen wir die... [mehr]

Bei allen problematischen Aspekten, welche die neue Internettechnologie mit sich bringen mag: Wir sollten den kommenden Generationen die Möglichkeit zu spirituellen Erfahrungen nicht absprechen. Natürlich dürfen wir die Augen vor den Wirkungen digitalisierter Medien auf Kinder und Jugendliche keinesfalls verschließen. Pädagogen, Ärzte, Therapeuten u.a. sollten hier äußerst wachsam sein und alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Benutzung digitaler Medien durch Kinder so lange wie nur möglich hinauszuzögern. Man sollte Eltern bei jeder sich bietenden Gelegenheit darüber aufklären, dass Handys, Tablets, etc. durch die Fesselung der Aufmerksamkeit und Lähmung der inneren und äußeren Eigentätigkeit genau das Gegenteil von dem bewirken, was wir als gesunde Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen anregen und fördern wollen. Eine aktuelle kanadische Studie an 2.440 Kindern im Alter von zwei, drei und fünf Jahren zeigt z.B. ganz eindeutig, dass erhöhte Mediennutzung eine Verlangsamung der kognitiven, emotional-sozialen und motorischen Entwicklung der Kinder bewirkt.

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/ Rubrik: Schwerpunkt

Anthroposophie und Bewusstseinsforschung

Mit seinem erkenntniswissenschaftlichen Grundwerk hat Rudolf Steiner die Basis der Anthroposophie in Form einer immanenten, spirituell orientierten Bewusstseinsforschung gelegt. Diese Tatsache ist für ein zeitgemäßes Verständnis... [mehr]

Mit seinem erkenntniswissenschaftlichen Grundwerk hat Rudolf Steiner die Basis der Anthroposophie in Form einer immanenten, spirituell orientierten Bewusstseinsforschung gelegt. Diese Tatsache ist für ein zeitgemäßes Verständnis der Anthroposophie notwendig, kann aber auch für eine Weiterentwicklung heutiger Wissenschaft relevant werden. Anhand des Philosophen Jean Gebser und der Introspektionsforscherin Claire Petitmengin wird skizzenhaft gezeigt, wie zentrale Motive von Steiners Ansatz in nicht-anthroposophischen Kontexten anfänglich realisiert worden sind. Es wird die These entwickelt, dass sich die fehlende Brücke zwischen solchen Ansätzen und Steiners Anthroposophie statt durch ein Tradieren und simplifizierendes Popularisieren ihrer Wissensbestände nur durch eine Neurealisierung ihres methodischen Fundaments bauen lässt. Den methodischen und damit zugleich konzeptionellen Grundzug in Steiners Werk hat Herbert Witzenmann in seiner Strukturphänomenologie explizit gemacht. Allerdings fehlen auch hier noch weitgehend Bezüge zu anderen zeitgenössischen Forschungsansätzen, zum Teil auch, weil letztere zu Witzenmanns Lebzeiten erst im Entstehen waren. Ein Weg, das schlummernde Potenzial der Anthroposophie für eine moderne Bewusstseinsforschung zu entfalten, wären das Studium und eine meditativ-beobachtende Praxis der Strukturphänomenologie, weil von hier aus die Bemühungen und Ergebnisse aktueller Forschungsansätze in ihrem Zusammenhang begriffen und kooperativ gebündelt werden können.

Anthroposophie und Psychologie

Wege zu einer spirituellen Psychologie

In der heutigen universitären Psychologie stellt die Frage nach Seele und Geist ein grundlegendes Problem dar. Eine wissenschaftlich fundierte spirituelle Psychologie existiert bisher erst in Anfängen, ebenso eine Methodologie... [mehr]

In der heutigen universitären Psychologie stellt die Frage nach Seele und Geist ein grundlegendes Problem dar. Eine wissenschaftlich fundierte spirituelle Psychologie existiert bisher erst in Anfängen, ebenso eine Methodologie zur Erforschung des Bewusstseins aus einer Ersten-Person-Perspektive. Rudolf Steiner hat es gegenüber Franz Löffler als
»eine anthroposophische Aufgabe« bezeichnet, »eine neue Psychologie zu schaffen«, die vor allem eine »spirituelle Betätigung« sein werde. Darin liegt bis heute eine wichtige Zukunftsaufgabe. Der vorliegende Artikel soll zeigen, ob und in welcher Weise Anthroposophie bereits eine spirituelle Psychologie in sich enthält und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten, um eine wissenschaftliche Anschlussfähigkeit zu erreichen.

Armes Bewusstsein

Ein Begriff sucht Ausnüchterung

Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard hat einmal geschrieben, dass ein Begriff so daherkommen kann wie ein Besoffener – nämlich dann, wenn der Begriff zu viele Bedeutungen bekommen hat. Nicht nur Menschen, so Kierkegaard,... [mehr]

Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard hat einmal geschrieben, dass ein Begriff so daherkommen kann wie ein Besoffener – nämlich dann, wenn der Begriff zu viele Bedeutungen bekommen hat. Nicht nur Menschen, so Kierkegaard, sondern auch Begriffe können betrunken werden, und »hat man einmal einen Begriff so weit gebracht, dann mag sich dieser zur Ruhe begeben, um, falls möglich, seinen Rausch auszuschlafen, um wieder nüchtern zu werden«. Kierkegaard hat damit den Begriff das Selbstische gemeint. Er hätte aber wohl heute das Gleiche über den Begriff das Bewusstsein sagen können, weil es kaum einen modernen Begriff mit mehr Bedeutungen gibt. Ursprünglich als breiter philosophischer Terminus in die deutsche Sprache eingeführt, wurde er anfangs in der Alltagssprache nicht im philosophischen Sinne verwendet. In den letzten Jahrzehnten aber hat er sowohl in der Wissenschaft als auch in der Alltagssprache einen Bedeutungszuwachs erfahren, welcher der ursprünglichen philosophischen Bedeutung nahekommt. Dies ist nicht unproblematisch und verdient, genauer untersucht zu werden.

Atemübungen als Schulungsmethode?

Vom Suchen und Finden bei Rudolf Steiner und anderswo

Auch wenn Rudolf Steiner eine eigentliche Atemschulung deutlich ablehnt, gibt er eine reichliche Anzahl von Übungen dazu. Wie ist das zu verstehen? Was kann man dabei erfahren? Und in welchem Verhältnis stehen diese Übungen... [mehr]

Auch wenn Rudolf Steiner eine eigentliche Atemschulung deutlich ablehnt, gibt er eine reichliche Anzahl von Übungen dazu. Wie ist das zu verstehen? Was kann man dabei erfahren? Und in welchem Verhältnis stehen diese Übungen zu anderen Traditionen sowie zur Eurythmie und den ihr innewohnenden besonderen Möglichkeiten der Atembewegung und -gestaltung?

Atemübungen spielen in vielen Meditations- und Körperschulungen eine wichtige Rolle. Der kontrollierende Umgang mit der Atmung kann eine starke Wirkung auf die Körperlichkeit wie auf das seelische Befinden haben. Von Krankenkassenprogrammen gegen Rückenschmerzen oder erhöhten Blutdruck, zur Regeneration und zum Stressabbau bis zu diversen alternativen Atemtherapieverfahren sind Atemübungen deshalb heute integraler Bestandteil eines bewussten Umgangs mit der eigenen Leiblichkeit. Auch in so gut wie jeder Meditationsschule gibt es ein Kapitel zur Atmung.

Auf den Spuren einer »Psychotherapie der Freiheit«

Von der Wirklichkeit der Freiheit im therapeutischen Tun

»Psychotherapie der Freiheit« – diese Formulierung lässt den Titel eines Grundwerkes Rudolf Steiners, ›Die Philosophie der Freiheit‹, anklingen. Es ist die Beschreibung eines gedanklichen Weges, wie der Mensch sich... [mehr]

»Psychotherapie der Freiheit« – diese Formulierung lässt den Titel eines Grundwerkes Rudolf Steiners, ›Die Philosophie der Freiheit‹, anklingen. Es ist die Beschreibung eines gedanklichen Weges, wie der Mensch sich in seiner Fähigkeit zur Freiheit erkennen und diese Fähigkeit handelnd verwirklichen kann. Im Folgenden beschreibe ich, welche konkrete Bedeutung in meinem Beruf als Psychotherapeut die Suche nach einem Handeln aus frei geschöpften Intuitionen hat. Ich beziehe mich zum einen auf meine spezifischen Erfahrungen in der therapeutischen Tätigkeit. Zum anderen befrage ich diese auf dem Hintergrund einzelner essenzieller Erkenntnisse der ›Philosophie der Freiheit‹. Manche meiner Gedanken lassen sich wahrscheinlich gut auf andere medizinisch-therapeutische sowie auf heil- und sozialpädagogische Berufsfelder übertragen.

Bilder der Evolution

Der Einfluss anthroposophischer Ideen auf das Triptychon von Wassilij Watagin: ›Die Evolution der Weltanschauungen‹

Wassilij Alexejewitsch Watagin (1884–1969) ist in erster Linie als Begründer der zeitgenössischen russischen Tiermalerei bekannt. Das künstlerische Erbe des Meisters ist sehr vielfältig: Er war als Bildhauer, Grafiker... [mehr]

Wassilij Alexejewitsch Watagin (1884–1969) ist in erster Linie als Begründer der zeitgenössischen russischen Tiermalerei bekannt. Das künstlerische Erbe des Meisters ist sehr vielfältig: Er war als Bildhauer, Grafiker und Maler tätig, schuf Illustrationen zu Büchern und monumentale Skulpturen. Zu Recht gilt er als einer der Mitbegründer des Staatlichen Darwin-Museums (Gosudarstwennyj Darwinowskij musej = GDM), wo er 45 Jahre lang arbeitete – von 1908 bis 1953. Mit dem ersten Direktor des Museums, Alexander Fjodorowitsch Kohts (1880–1964), war er seit der Schulzeit im Gymnasium bekannt. Aus dieser Bekanntschaft der Kinderzeit erwuchsen eine langjährige Freundschaft und Jahre fruchtbarer Zusammenarbeit, dank derer eine einzigartige Kollektion von Kunstwerken geschaffen wurde. Aktuell bewahrt der Fond des GDM 158 Skulpturen, 372 Gemälde und 136 Grafiken von Watagin. Das Darwin-Museum verfügt also über eine stattliche Sammlung der Werke des Meisters. Neben den Tierdarstellungen Watagins befindet sich in der Kollektion ein Triptychon mit dem Titel ›Die Evolution der Weltanschauungen‹, das aus der naturwissenschaftlichen Ausrichtung des übrigen Werks herausfällt.

Columban in den Wellen

Westliche Spiritualität und die Sinneswelt

Es wird berichtet, dass der Hl. Columban von Iona (521-597) immer wieder Orte in der Natur aufsuchte, wo er sich in Einklang mit Gott bringen konnte. Der Kontakt zu sich selbst und zu spirituellen Quellen wurde im frühen... [mehr]

Es wird berichtet, dass der Hl. Columban von Iona (521-597) immer wieder Orte in der Natur aufsuchte, wo er sich in Einklang mit Gott bringen konnte. Der Kontakt zu sich selbst und zu spirituellen Quellen wurde im frühen irisch-keltischen Christentum gerne im Freien, draussen in der Natur gesucht. Auch in der ›Vita Columbani‹, der Biografie Columbans des Jüngeren (Columban von Luxeuil, 540-615) oder in der Biografie des Hl. Gallus (550-640) heisst es, dass sich die iro-schottischen Mönche öfters für längere Zeiten in HoÅNhlen oder Wald-Einöden zurückzogen, um dort Kraft zu sammeln, sich und Gott in der Meditation zu finden und erneut inneren Anschluss an ihre Mission zu erfahren. Schon vor der Strömung des iro-schottischen Christentums im 5. bis 8. Jahrhundert, in der druidischen Kultur der Kelten, war diese Haltung selbstverständlich, aber noch weniger an Innerlichkeit gebunden. Der Geist war draussen in der Natur, in den Elementen gegenwärtig und wurde auch dort in den druidischen Gottesdiensten verehrt.

Das Beispiel SEKEM

Vor gut 60 Jahren verließ mein Vater Ibrahim Abouleish Ägypten, um in Europa zu studieren. Er verließ ein Land, in dem 18 Millionen Menschen lebten, gute Bildung genossen und in dem es ein florierendes kulturelles Leben... [mehr]

Vor gut 60 Jahren verließ mein Vater Ibrahim Abouleish Ägypten, um in Europa zu studieren. Er verließ ein Land, in dem 18 Millionen Menschen lebten, gute Bildung genossen und in dem es ein florierendes kulturelles Leben gab. Als er Ende der 1970er Jahre zurückkehrte, war in Ägypten von all dem kaum noch etwas zu spüren. Die Bevölkerung hatte sich beinahe verdoppelt. Die Wirtschaft und das soziale System kamen nicht mehr hinterher. Heutzutage sieht es noch schwieriger aus. Die gegenwärtige Situation Ägyptens erscheint auf den ersten Blick deprimierend und wenig hoffnungsvoll. Angefangen bei der stark bedrohten Umwelt, über die wirtschaftliche Abhängigkeit und politische Instabilität bis hin zum mangelhaften Bildungssystem und dem kaum zu findenden Raum für Geistesleben – Ägypten scheint in allen Bereichen ausgetrocknet wie die Wüste selber.