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Zwerge in Riesenheim

Ein paar Thesen vorweg: Die Erde ruft heute nach einem bewussten Dialog mit ihren Bewohnern. Die Zeit ist reif für eine spirituelle Ökologie – eine Ökologie der Wahrhaftigkeit (im Zeitalter medialer Manipulation)... [mehr]

Ein paar Thesen vorweg: Die Erde ruft heute nach einem bewussten Dialog mit ihren Bewohnern. Die Zeit ist reif für eine spirituelle Ökologie – eine Ökologie der Wahrhaftigkeit (im Zeitalter medialer Manipulation) und des Gewahrseins (im Zeitalter virtueller »Realitäten«). Sie soll konkret und persönlich sein, erwachsend aus einer »Ökologie der Sinneswahrnehmungen«, einem Erfassen des Wechselspiels zwischen Kräften und Wesen. Den Resonanzboden hierfür schaffen wir durch die seelische Beobachtung der Natur, d.h. durch Aufmerksamkeitsschulung im Inneren und am Äußeren. Dies übt man überall da, wo es (Jahres-)Zeit gibt: Sie öffnet sich dadurch zum Raum. Ein ideales Feld für diese Kunst bietet uns die elementarkräftige norwegische Natur mit ihrer menschenbezogenen Lichtoffenheit.

Zauberhafte Pop-Oper

Heutzutage ist es selten, dass man der Neuinszenierung einer Oper oder eines Theaterstücks noch etwas abgewinnen kann – dass man von einem Gesamtkunstwerk tief berührt wird, ist noch seltener. Umso überraschender erscheint... [mehr]

Heutzutage ist es selten, dass man der Neuinszenierung einer Oper oder eines Theaterstücks noch etwas abgewinnen kann – dass man von einem Gesamtkunstwerk tief berührt wird, ist noch seltener. Umso überraschender erscheint in diesem Sommer die Umsetzung des 2001 erschienenen Albums ›Vespertine‹ der isländischen Popsängerin Björk durch das Nationaltheater Mannheim.

Wir müssen Waisen werden

Im Lazarus-Haus in Wuppertal ist am 13. Mai, am Himmelfahrtssonntag und Muttertag, meine Mutter gestorben. Es war ein friedlicher Tod ohne Schmerzen. Margarete, geb. Schneider, wurde im März 1925 geboren. Sie war ein, wie... [mehr]

Im Lazarus-Haus in Wuppertal ist am 13. Mai, am Himmelfahrtssonntag und Muttertag, meine Mutter gestorben. Es war ein friedlicher Tod ohne Schmerzen. Margarete, geb. Schneider, wurde im März 1925 geboren. Sie war ein, wie man so sagt, bildungsferner Mensch. Sie war einfach, war äußerlich nie mehr als Hausfrau gewesen, las selten anspruchsvolle Bücher, machte Brombeeren ein und buk immer den gleichen Kuchen. Sie war auch nicht verklärbar als dieser einfache Mensch, der sie war, sie war keine fröhlich-gütige Großmutter (aber eine geliebte), sie war auf den ersten Blick auch keine nahbare, Wärme verströmende Mutter für ihre vier Kinder, dafür war sie zu sehr geprägt von den spießigen 50er Jahren und mehr noch von den eigenen Wunden. Aber sie traf, wenn sie sich frei und angenommen fühlte, den Nerv der Dinge. Sie spürte, was in Menschen vorging, aber nur, wenn ihr Blick von sich absah.

Wechselseitige Anregungen

Zur Ausstellung ›Paula Becker & Otto Modersohn. Kunst und Leben‹ im Paula Modersohn-Becker Museum zu Bremen

Schützenfest in Worpswede, mit einem Karussell im Mittelpunkt. Aus der Ferne schon sind die Musik und das Gelächter der Menschen zu hören, in der Abenddämmerung ist das Karussell von weitem als warmer Lichtpunkt vor dunklen... [mehr]

Schützenfest in Worpswede, mit einem Karussell im Mittelpunkt. Aus der Ferne schon sind die Musik und das Gelächter der Menschen zu hören, in der Abenddämmerung ist das Karussell von weitem als warmer Lichtpunkt vor dunklen Bäumen sichtbar. Wer näher herangeht oder sich gar in den Trubel stürzt, erlebt das Fest ganz anders, das Karussell mit den vergnügten Menschen auf den sich drehenden Pferden rückt in den Vordergrund. Distanz oder Nähe: Paula und Otto Modersohn haben 1904 in ihren Gemälden unterschiedliche Sichtweisen eingenommen, um die Stimmung des Schützenfestes zum Ausdruck zu bringen. ›Schützenfest mit Karussell in Worpswede‹ (Abb. 1) von Otto Modersohn ist im Grunde ein Landschaftsbild mit Karussell; in Paula Modersohn-Beckers ›Schützenfest mit Karussell II‹ (Abb. 2) füllt das Karussell fast zwei Drittel des Bildes aus, die Landschaftselemente treten in den Hintergrund. »In der Grundanschauung verwandt – kunstdurchglühtes Leben –, in den Äußerungen verschieden. Sonst [wäre es] langweilig« – so hat Otto Modersohn in einer Tagebuchnotiz ihre künstlerischen Positionen gekennzeichnet (8. Dezember 1900). Immer wieder haben die beiden seit Mai 1901 verheirateten Partner sich dasselbe Motiv vorgenommen. Beispielsweise sind sie beide zum nahegelegenen Armenhaus gegangen und haben die alte Anna Schröder porträtiert, die wegen ihres Gehstocks »Dreebeen« genannt wurde. So können in dieser Ausstellung mehrfach Bilder der beiden Künstler, die demselben Motiv gewidmet sind, miteinander verglichen werden

Was will die ›Stiftung Rosenkreuz‹?

Die ›Stiftung Rosenkreuz‹ ist ein Kind des ›Lectorium Rosicrucianum‹. Einige Mitglieder dieser Gemeinschaft fühlten nach der Jahrtausendwende, dass etwas Neues ansteht. Sind vielleicht einzelne spirituelle, wissenschaftliche... [mehr]

Die ›Stiftung Rosenkreuz‹ ist ein Kind des ›Lectorium Rosicrucianum‹. Einige Mitglieder dieser Gemeinschaft fühlten nach der Jahrtausendwende, dass etwas Neues ansteht. Sind vielleicht einzelne spirituelle, wissenschaftliche und künstlerische Bemühungen an dem Punkt angelangt, dass sie über sich hinauswachsen können? Kann eine übergeordnete, gemeinschaftliche Frucht hervorgebracht werden? Ein unerforschter Raum schien sich bemerkbar zu machen. Von einer einzelnen Richtung würde er nicht ausgefüllt werden können. In Gedanken wie diesen lag Sprengkraft, und so gab es jahrelang Diskussionen innerhalb einer Gruppe des ›Lectorium Rosicrucianum‹, bis jemand sagte: »Errichtet doch eine Stiftung, die eigenständig ist und die die ›Nase in den Wind‹ hält.« Eine Satzung wurde formuliert (der Zusammenfluss des Christlichen und Hermetischen darin zum Ausdruck gebracht), überraschend fand sich ein Stifter … und 2007 war die ›Stiftung Rosenkreuz‹ geboren. Manche, die diesen Prozess aus gewissem Abstand beobachteten, sahen darin ein kurzlebiges Abenteuer, andere spürten, dass es eine Art Reifeprüfung sein könnte.

Was macht eigentlich ein Schauspieler?

So eigentümlich es klingen mag: Schauspieler sind eigentlich Maler. Sie fertigen Portraits von Menschen an – Portraits von handelnden Menschen, wie Aristoteles sagen würde. Doch sind sie keine Maler, die ihre Bilder mit... [mehr]

So eigentümlich es klingen mag: Schauspieler sind eigentlich Maler. Sie fertigen Portraits von Menschen an – Portraits von handelnden Menschen, wie Aristoteles sagen würde. Doch sind sie keine Maler, die ihre Bilder mit einem Pinsel auf eine Leinwand auftragen, vielmehr sind ihr Körper, ihre Stimme, die Zeit und der Raum ihr Pinsel und die Fantasie der Zuschauer ihre Leinwand. Und der Maler? Das ist der Schauspieler selbst. Er beobachtet feinfühlig, ob das, was er in die Luft zaubert, vom Publikum auch »gesehen« und erlebt werden kann, und ob es mit dem Ensemble zusammenklingt.

Wandern heißt Begegnen

Zur Ausstellung ›Wanderlust: Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir‹ in der Alten Nationalgalerie Berlin

Wer (heute) gekennzeichnete Wege geht, trifft auf andere Menschen, die schneller oder langsamer sind. Wer alleine wandert und sich unbekannte Pfade erschließt, begegnet neuen Räumen und: sich selbst. Die Begegnung mit sich... [mehr]

Wer (heute) gekennzeichnete Wege geht, trifft auf andere Menschen, die schneller oder langsamer sind. Wer alleine wandert und sich unbekannte Pfade erschließt, begegnet neuen Räumen und: sich selbst. Die Begegnung mit sich selbst mag auch der Grund dafür sein, dass sich im 19. Jahrhundert – in einer Zeit zunehmender Ich-Stärkung und wachsender Bedeutung des persönlichen Gefühls im Kontrast zur Industrialisierung – fast schon explosionsartig in Europa die Bewegung des Wanderns entwickelte. Die damalige Sehnsucht nach Entschleunigung schlägt die Brücke zur heutigen Zeit, in der das Interesse am Wandern als Mittel der Besinnung wieder zugenommen hat. »Wandern ist ein perfektes Kontrastprogramm, die Rückkehr zum menschlichen Maß, dem Maß des Schrittes, und zum natürlichen Zeitgeber, dem Licht der Sonne«, formulierte treffend der Journalist und Nachhaltigkeitsexperte Ulrich Grober in einem Interview des ›Wander Magazins‹.

Verstand und Mysterium

Zur Ausstellung ›Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses‹ in der Pinakothek der Moderne München

Erstmals widmet die Münchner Pinakothek der Moderne dem Werk Paul Klees eine große Sonderausstellung: ›Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses‹ präsentiert neben dem umfangreichen Eigenbestand rund 130 Leihgaben aus... [mehr]

Erstmals widmet die Münchner Pinakothek der Moderne dem Werk Paul Klees eine große Sonderausstellung: ›Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses‹ präsentiert neben dem umfangreichen Eigenbestand rund 130 Leihgaben aus Europa, den USA und Japan. Das Gelände der Pinakotheken ist ungeheuer weitläufig, und es gibt keine Hinweisschilder. Platz und Gebäude auf der Suche nach dem richtigen Eingang ins Geheimnis zu umrunden, kann schon mal eine halbe Stunde dauern. So erging es jedenfalls mir und ein paar Besuchern aus Boston. Der Trost im Innern: Selbst am Wochenende stören keine Besuchermassen und damit ist Muße gegeben – oder, wie Paul Klee 1920 formulierte, Gelegenheit für »eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis«.

Vergessene Kunst

Zur Ausstellung ›Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht‹ im Frankfurter Städel Museum

Sie gehört zu der sogenannten verschollenen Generation der Künstler aus der Zeit der Weimarer Republik: Lotte Laserstein, deren Werk das Frankfurter Städel Museum nun in einer umfassenden Einzelausstellung präsentiert.... [mehr]

Sie gehört zu der sogenannten verschollenen Generation der Künstler aus der Zeit der Weimarer Republik: Lotte Laserstein, deren Werk das Frankfurter Städel Museum nun in einer umfassenden Einzelausstellung präsentiert. Es ist mehr als eine Wiederentdeckung, was die Frankfurter Schau ermöglicht – man könnte es eine künstlerische Rehabilitation nennen.

Verborgener Umbruch

Zur Ausstellung ›Thomas Gainsborough: Die moderne Landschaft‹ in der Hamburger Kunsthalle

Erst bei genauerem Hinsehen sind sie mir aufgefallen: die Zäune in dem Bild ›Mr. und Mrs. Andrews‹, einem der bekanntesten Werke der englischen Malerei. Die porträtierten Auftraggeber sind an den linken Bildrand gesetzt,... [mehr]

Erst bei genauerem Hinsehen sind sie mir aufgefallen: die Zäune in dem Bild ›Mr. und Mrs. Andrews‹, einem der bekanntesten Werke der englischen Malerei. Die porträtierten Auftraggeber sind an den linken Bildrand gesetzt, rechts geben sie den Blick in die Kulturlandschaft frei. Es wirkt, als habe sich der Künstler nicht recht entscheiden können: Porträt oder Landschaft? Tatsächlich spiegelt sich darin ein lebenslanger Konflikt des Künstlers wider: Er hatte sich einen guten Ruf als Porträtmaler erworben und konnte damit gut Geld verdienen, besonders seit er sich 1759 im Badeort Bath niedergelassen hatte. Seine Vorliebe aber galt der Landschaftsmalerei, die er experimentierend und höchst innovativ weiterentwickelte.

Theater – Maschine

Der Regisseur und Bühnenbildner Ulrich Rasche hat einen Inszenierungsstil entwickelt, mit dem er Furore macht. Gerade wurde er zum zweiten Mal in Folge zum Berliner Theatertreffen eingeladen, wo alljährlich die zehn bemerkenswertesten... [mehr]

Der Regisseur und Bühnenbildner Ulrich Rasche hat einen Inszenierungsstil entwickelt, mit dem er Furore macht. Gerade wurde er zum zweiten Mal in Folge zum Berliner Theatertreffen eingeladen, wo alljährlich die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet werden. 2017 waren es Schillers ›Die Räuber‹ an den Münchner Kammerspielen, dieses Jahr seine Baseler Inszenierung von Georg Büchners ›Woyzeck‹.

Sprach-Bewegung weltweit

Zur internationalen Fachkonferenz für Eurythmisten, Sprachgestalter, Heileurythmisten und Interessierte vom 2. bis 6. April 2018 am Goetheanum

Am Goetheanum in Dornach traf sich in der Osterwoche die heute weltweit ausgebreitete und vor nunmehr über 100 Jahren aus der Anthroposophie hervorgegangene Sprachgestaltungs- und Eurythmie-Bewegung zu einer internationalen,... [mehr]

Am Goetheanum in Dornach traf sich in der Osterwoche die heute weltweit ausgebreitete und vor nunmehr über 100 Jahren aus der Anthroposophie hervorgegangene Sprachgestaltungs- und Eurythmie-Bewegung zu einer internationalen, von über 600 Teilnehmern besuchten Konferenz. Dieses Ereignis hatte – wie mittlerweile viele solcher Fachkonferenzen, die zumeist in jährlichen bzw. dreijährlichen Abständen am Goetheanum stattfinden – symptomatischen Charakter, weshalb es sich auch in einer allgemeinen anthroposophischen Zeitschrift lohnt, darüber zu berichten. Symptomatisch deshalb, weil ein großer Teil der Entwicklung der Anthroposophie heute weltweit in diesen sogenannten »Tochterbewegungen« stattfindet, d.h. aber auch: nicht mehr nur in Mitteleuropa, sondern überall auf der Welt und in allen ihren Sprachen.