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Zur Entwicklung des Sehens

Michael Bockemühl und Raimer Jochims über Farbmalerei und »Identität«

Als Michael Bockemühl in einem Vortrag die Frage stellte, was eigentlich Farbe sei, konnte keiner der Zuhörer eine erhellende Antwort geben. Zum Teil waren die Antworten vom heutigen wissenschaftlichen Denkmodell geprägt, das die Farben als elektromagnetische Strahlung verschiedener Längenwellen definiert, die in unterschiedlicher Weise auf die Rezeptoren unserer Netzhaut wirken. Sehen können wir diese Wellen allerdings nicht, wenn wir auf ein bestimmtes Grün oder Blau schauen. Auch kann uns die Wissenschaft nicht erklären, wie aus den Reizen, die über die Nervenbahnen weitergeleitet werden, das Innenerlebnis wird, das wir beim Anblick einer Farbe empfinden. Bockemühl wählte hier, um sich verständlich zu machen, drastische Worte: Noch nie sei durch eine physiologische Untersuchung in der Gehirnmasse die Farbe entdeckt worden, die im Beschauer als konkret erlebte Qualität eines besonderen Farbtons wahrgenommen wird.

Seite: 65

/ Feuilleton

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