Artikel von Astrid Lütje

Ängste und Hoffnungen

Zukunftsbilder junger Ägypter

»Träume mit mir von einem Morgen, das kommen wird, und wenn es nicht kommt, werden wir es uns selbst holen. Wir versuchen die ersten Schritte auf unserem Weg, viele Schritte führen uns schließlich zu unserem Traum. Wie... [mehr]

»Träume mit mir von einem Morgen, das kommen wird, und wenn es nicht kommt, werden wir es uns selbst holen. Wir versuchen die ersten Schritte auf unserem Weg, viele Schritte führen uns schließlich zu unserem Traum. Wie oft wir auch fallen, wir werden wieder aufstehen können.« Dieser schlichte, naiv anmutende Liedtext wurde nach seiner ersten Veröffentlichung 2008 rasch zum Inbegriff der Zukunftssehnsüchte der jungen, gebildeten Generation in Ägypten. Während der Revolutionswochen 2011 gehörte das Lied mit der sanft schwingenden Melodie auf dem Tahrirplatz in Kairo zu einem der am meisten gespielten Musikstücke und machte seinen Schöpfer Hamza Namira zur Stimme der Protestbewegung. Seit einigen Jahren in den staatlichen Medien verboten, kann man es heute nur noch gelegentlich im öffentlichen Raum hören, nostalgische Erinnerungen auslösend. »Träume mit mir von einem Morgen …« – was bedeutet das im Jahr 2017?

Eine moderne Identität

Zur Aktualität von Edward Saids ›Orientalismus‹

Vor 40 Jahren erschien in New York die erste Ausgabe von Edward Saids Hauptwerk ›Orientalismus‹. Das Buch wurde in 36 Sprachen übersetzt und liegt seit 2009 in einer zweiten, gut lesbaren deutschen Fassung vor. Im Gegensatz... [mehr]

Vor 40 Jahren erschien in New York die erste Ausgabe von Edward Saids Hauptwerk ›Orientalismus‹. Das Buch wurde in 36 Sprachen übersetzt und liegt seit 2009 in einer zweiten, gut lesbaren deutschen Fassung vor. Im Gegensatz zu Frankreich, Großbritannien und den USA ist Edward Said im deutschsprachigen Raum wenig bekannt; dementsprechend ist sein Hauptwerk hierzulande selbst von Orientalisten kaum rezipiert worden. Angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen, die durch die vielschichtigen Umwälzungen in den Ländern des Orients auch für Mitteleuropa entstehen, erscheint eine Auseinandersetzung mit Saids Gedanken zukunftsweisend.

Notizen aus Kairo

Fünf Jahre nach dem »Arabischen Frühling«

Im Oktober 2015 begannen die mehrfach verschobenen Wahlen zum ägyptischen Parlament. Spiegelt sich der historische Augenblick des Aufbegehrens in ihren Ergebnissen wider? Ist die Erkenntnisklarheit von 2011 vier Jahre später... [mehr]

Im Oktober 2015 begannen die mehrfach verschobenen Wahlen zum ägyptischen Parlament. Spiegelt sich der historische Augenblick des Aufbegehrens in ihren Ergebnissen wider? Ist die Erkenntnisklarheit von 2011 vier Jahre später in wirkmächtiges Handeln transformiert worden, das neue, zukunftsweisende Pfade einleitet? Obgleich die endgültigen Resultate erst im Dezember vorliegen werden, ist die Zusammensetzung der künftigen Legislative in ihren Grundzügen bereits absehbar: Nationale Kräfte dominieren, Islamisten, Revolutionäre und Linke sind fast gänzlich verschwunden. Die gegenwärtige Regierung braucht das Parlament, das ihr per Verfassung als Korrektiv gegenübergestellt ist, nicht zu fürchten. Der folgende Überblick über die wesentlichen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre versucht, die Ursachen der Wahlergebnisse zu beleuchten.