Artikel von Ingeburg Schwibbe

Begehbares Gedankengebäude

Zur Jakob-Böhme-Ausstellung in Dresden

›ALLES IN ALLEM. Die Gedankenwelt des mys­tischen Philosophen Jacob Böhme‹ lautet der Titel der Ausstellung, welche die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der... [mehr]
›ALLES IN ALLEM. Die Gedankenwelt des mys­tischen Philosophen Jacob Böhme‹ lautet der Titel der Ausstellung, welche die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der wiederauf­gebauten Schlosskapelle des Residenzschlosses zeigen, die damit erstmals museal genutzt wird. Die Ausstellung ist auch ein Beitrag zum Lutherjahr 2017, denn der aus der Oberlausitz stammende Jakob Böhme (1575–1624) war ein – wenn auch kritisch denkender – Luthe­raner. Wie viele seiner Zeitgenossen sah er die Notwendigkeit, die Idee der Reformation zu er­neuern. Der sich entwickelnde Materialismus brachte einschneidende naturwissenschaftliche Erkenntnisse hervor. Gegen den harten Wider­stand der katholischen Kirche löste das helio­zentrische das geozentrische Weltbild ab und im Jahre 1600 wurde Giordano Bruno auf dem
Scheiterhaufen verbrannt. Böhme sah jedoch keinen Widerspruch zwischen Naturwissen­schaft und Religion, da er Naturerforschung mit Gotteserkenntnis zu verbinden suchte. 

»Direkt durch mich hindurch gemalt«

Zur Ausstellung ›Weltempfänger: Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz‹ im Münchner Lenbachhaus

Das Münchner Lenbachhaus besitzt weltweit die größte Sammlung an Arbeiten des Blauen Reiters. Einer der wichtigsten Künstler der Sammlung und auch ein Forschungsschwerpunkt ist Wassily Kandinsky. Dabei kommt dessen 1912... [mehr]

Das Münchner Lenbachhaus besitzt weltweit die größte Sammlung an Arbeiten des Blauen Reiters. Einer der wichtigsten Künstler der Sammlung und auch ein Forschungsschwerpunkt ist Wassily Kandinsky. Dabei kommt dessen 1912 erschienenen Buch ›Über das Geistige in der Kunst‹ eine besondere Rolle zu. Kandinsky formuliert darin, dass abstrakte Kunst Inhalte zum Ausdruck bringt, die jenseits unserer sinnlichen Wahrnehmung liegen, und dass ihre Formen einer inneren Notwendigkeit folgen. In diesem Grundsatz liegt die Motivation für die ungewöhnliche, klug und sensibel konzipierte Ausstellung ›Weltempfänger‹.

Leidenschaftliches Problemlösen

Der Künstler und Sozialgestalter Michael Wilhelmi

Als ich Michael Wilhelmi zum ersten Mal wahrnahm, das war irgendwann nach der Jahrtausendwende im Berliner Johanneszweig, wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, er könne etwas mit Kunst zu tun haben. Auf mich wirkte er... [mehr]

Als ich Michael Wilhelmi zum ersten Mal wahrnahm, das war irgendwann nach der Jahrtausendwende im Berliner Johanneszweig, wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, er könne etwas mit Kunst zu tun haben. Auf mich wirkte er ausgesprochen kopflastig und eher trocken als sinnlich. Ein langer, hagerer Mensch von umfangreichen anthroposophischen Kenntnissen, sehr engagiert auf verschiedenen Ebenen, der zu einem angesprochenen Problem schon Antworten suchte, noch bevor es sich ganz dargestellt hatte. Ein Praktiker und immer hilfsbereit. Erst viel später sah ich einen hellen, bearbeiteten und sorgsam polierten Granitblock von organischer Form im langen Flur der Kreuzberger Erzieherfachschule stehen, die er mitbegründet hatte und in die der Johanneszweig inzwischen umgezogen war. Da stutzte ich. Etwas später tauchte eine schöne kleine Bronze im Foyer des Rudolf Steiner Hauses in Berlin auf. »Die ist von Herrn Wilhelmi«, sagte mir jemand. Da hatte ich schon begonnen, mich für seine Arbeiten zu interessieren.