Heft 10, 2015

Schwerpunkt: Brennpunkte und Lebensräume

Das Schwert des Engels richtet sich nicht nach unten auf das Tier und auch nicht waagrecht zum Zeichen der Macht gegen die Welt. Vielmehr weist es – die besondere Geistverbindung der aufrechten Gestalt betonend – gen Himmel. Seine Funktion ist nicht die einer Waffe: die Arme, die es tragen, holen nicht zum Schlag aus, und die Hände, die den Griff umfassen, nehmen die Kraft in sich hinein zu innerer Konzentration. Die Art, wie sich die Klinge an Wange und Schläfe schmiegt, ist keine kriegerische Geste; sie hat fast etwas Zärtliches. Wohl ist er ein Kämpfer, aber seine Herrschaft über das Tier resultiert nicht aus der Anwendung physischer Gewalt, sondern aus einer Empfänglichkeit für die geistigen Kräfte, die durch ihn hindurchwirken. Die Überwindung des Tieres erfolgt von innen her.

- Claudia Toerpel -
Inhalt

Die neue Redaktion stellt sich vor: Corinna Gleide

Leserforum:

Problematische Willkommenskultur / Preistransparenz und Grundeinkommen

Zu Enno Schmidt: Willkommen auf der Erde, die Drei 6/2015 & Stephan Eisenhut: Die Dreigliederung des Geldes: Das Geld als Rechtsproblem, die Drei 7-8/2015

Editorial:

Zu diesem Heft

Hilfe als Strafe

Der Fall Griechenland

Der Fall Griechenland wird in der Öffentlichkeit ganz unterschiedlich wahrgenommen.Wird Griechenland durch die EU-Politik großzügig aus einer selbstverschuldeten Notgerettet oder wird es durch diese in eine immer... [mehr]

Der Fall Griechenland wird in der Öffentlichkeit ganz unterschiedlich wahrgenommen.
Wird Griechenland durch die EU-Politik großzügig aus einer selbstverschuldeten Not
gerettet oder wird es durch diese in eine immer unglücklicher Lage gebracht? Der vorliegende
Artikel trägt Gründe zusammen, warum die erste Sichtweise nicht trägt und einer
wirklichen europäischen Verständigung entgegenlaufen muss.

Die besiegten Sieger

Zur Geschichte des modernen Griechenland im 19. und 20. Jahrhundert

Die Unkenntnis der sehr komplexen, von Widersprüchen und Krisen gekennzeichnetenGeschichte des modernen Griechenland führt aktuell dazu, dass in den Medien alte undunzutreffende Stereotypen bemüht werden. Weitgehend... [mehr]

Die Unkenntnis der sehr komplexen, von Widersprüchen und Krisen gekennzeichneten
Geschichte des modernen Griechenland führt aktuell dazu, dass in den Medien alte und
unzutreffende Stereotypen bemüht werden. Weitgehend unverstanden blieb vor allem,
warum die Griechen das Ergebnis ihres Referendums vom 5. Juli 2015, bei dem mehr als
61% aller Wähler mit »Ochi« (griech: Oχι = Nein) stimmten, als nationalen Sieg feierten. Es
ist den meisten Menschen kaum bewusst, wie stark die griechische Geschichte der letzten
zwei Jahrhunderte von Fremdbestimmung und wirtschaftlicher Abhängigkeit geprägt war.
Der folgende Abriss mag daher zu einem tieferen Verständnis beitragen.

Junges Persien

Ein Reisebericht

Seit Beginn der Präsidentschaft von Hassan Rohani im Jahre 2013 und seinem moderatenpolitischen Kurs beginnt der Iran für die Europäer ein immer beliebteres Reiseland zuwerden – zu Recht, wie der folgende Reisebericht... [mehr]

Seit Beginn der Präsidentschaft von Hassan Rohani im Jahre 2013 und seinem moderaten
politischen Kurs beginnt der Iran für die Europäer ein immer beliebteres Reiseland zu
werden – zu Recht, wie der folgende Reisebericht zu zeigen versucht. Im Mai 2014 konnte
ich mit einer zehnköpfigen Gruppe eine 15-tägige Rundreise machen, die von Teheran zuerst
nach der heiligen Stadt Ghom, dann durch die Wüste Dascht-e Kavir nach Yazd, dem
Zentrum des iranischen Zoroastrismus führte. Von Shiras, dem »Garten des Iran«, ging
es durch das Zagrosgebirge nach Isfahan, nach einem persischen Sprichwort die »Hälfte
der Welt« und zweifellos ein Höhepunkt der Reise. Die wertvollsten Erfahrungen fanden
in den persönlichen Begegnungen und Gesprächen mit jungen iranischen Menschen statt.

Interview:

»Der Sieg des Erzählens«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit dem irakischen Schriftsteller Najem Wali

»Wieso aber tötet der Mensch?«, fragt ein zwölfjähriger Junge im neuen Roman des irakischenSchriftstellers Najem Wali. Und es ist die Frage, die einen während der gesamten Lektüre von BagdadMarlboro (übersetzt... [mehr]

»Wieso aber tötet der Mensch?«, fragt ein zwölfjähriger Junge im neuen Roman des irakischen
Schriftstellers Najem Wali. Und es ist die Frage, die einen während der gesamten Lektüre von Bagdad
Marlboro (übersetzt von Hartmut Fähndrich, Carl Hanser Verlag, München 2014) bedrängt. Najem Wali
schildert die Traumatisierung der Soldaten und die Hilflosigkeit ihrer Umgebung. Weder Mütter noch
Ehefrauen oder Geliebte vermögen die aus dem Krieg heimgekehrten Männer von ihrer Verzweiflung
und ihren Schuldgefühlen zu befreien. Freundschaft, Verrat und Schuld sind die Themen dieses bewegenden
Antikriegsromans, den Najem Wali jenem Soldaten gewidmet hat, der über die Internet-Plattform
Wikileaks bekannt gemacht hat, dass Amerikaner im Irak absichtlich Zivilisten erschossen haben.

Fukushima: vier Jahre später

Feuilleton:

›Der Geistkämpfer‹ von Ernst Barlach

und die Tradition der Michaels-Darstellung

Welt-Theater

›Faust, der Tragödie erster Teil‹ am Goetheanum

Seite: 65

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Feuilleton:

Persönliches und Überpersönliches

Anmerkungen zur ›Aenigma‹-Ausstellung

Über die ›Aenigma‹-Ausstellung mit anthroposophisch inspirierter Kunst aus der ersten Hälftedes 20. Jahrhunderts haben wir in der letzten Juli/August-Nummer eine ausführliche Rezensionvon Johannes Nilo veröffentlicht.... [mehr]

Über die ›Aenigma‹-Ausstellung mit anthroposophisch inspirierter Kunst aus der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts haben wir in der letzten Juli/August-Nummer eine ausführliche Rezension
von Johannes Nilo veröffentlicht. Zuvor war schon in der April-Nummer mit dem Fundstück XV
des Rudolf Steiner-Archivs ein erster Vorblick erschienen. Als uns das handschriftliche, mit breiter
Kalligraphie-Feder verfasste Manuskript des folgenden Beitrags unaufgefordert erreichte, entschieden
wir uns dennoch für eine Veröffentlichung. Der Autor ist bildender Künstler, war einer der Begründer
der Alanus-Hochschule in Alfter und leitete von 1972 bis 1985 deren Bildhauer-Abteilung. So spricht
aus seinen Worten die Erfahrung eines langen Lebens mit der Kunst und mit der Anthroposophie.
Wir hoffen, dass unseren Lesern diese Perspektive genau so wertvoll ist wie uns.

»Un estate in Villa Grosheintz«

Fundstück XIX

Tendenzen:

Wahrheit oder Wahn?

Über den Umgang mit Verschwörungstheorien

Seite: 76

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Kurz notiert:

Kurz notiert

Seite: 82

Buchbesprechungen:

Stanislaw Belkowski:Wladimir. Die ganze Wahrheit über Putin

Ideenlos und abhängig

Roger Willemsen:Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament

Der unbarmherzig nahe Blick

Henry Marsh:Um Leben und Tod: Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern

Kompetent und menschlich

Philip Kovce:Der freie Fall des Menschen ist der Einfall: Aphorismen

Voller Eingeweide