Heft 11, 2014

Schwerpunkt: Wesen hinter dem Denken

»Wissenschaftliches Bewusstsein und Denken zeichnet sich dadurch aus, dass sich das Selbstbewusstsein in seinem Weltverhältnis selbst durchsichtig wird. … Wissenschaft ist in ihrem eigentlichen Sinne ein Instrument zur Vertiefung des Lebens durch das Denken, durch Erkenntnis. Intersubjektivität entsteht, wenn von diesem Prozess nachvollziehbares Zeugnis abgelegt wird.«

- Wolf-Ulrich Klünker -
Inhalt

Editorial:

Gang im Nebel

Wesen hinter dem Denken

Geistige Hierarchien in der Selbsterfahrung und als Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis

Engel und höhere Hierarchien gehörten für Jahrhunderte christlicher Entwicklung zum Wirklichkeitserleben vieler Menschen. In den Disziplinen Philosophie, Theologie, aber auch in der Physik waren diese Wesen Gegenstand... [mehr]

Engel und höhere Hierarchien gehörten für Jahrhunderte christlicher Entwicklung zum Wirklichkeitserleben vieler Menschen. In den Disziplinen Philosophie, Theologie, aber auch in der Physik waren diese Wesen Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, bis in das Verständnis kosmischer Bewegungen hinein. Für die Neuzeit ist dieser Aspekt der Wirklichkeitsbeziehung verloren gegangen; die Rede von geistigen Wesen hat sich auf die ›subjektiven‹ Bereiche von Glaubensüberzeugung, Religion und spirituellem Bedürfnis zurückgezogen – mit der Tendenz, hinter entsprechenden Vorstellungen und Erlebnissen keine Realität, sondern eine Illusion zu vermuten. Entsprechend konnten geistige Wesen kein Objekt wissenschaftlicher Erkenntnis mehr sein.
In dem vorliegenden Aufsatz möchte ich der Frage nachgehen, ob es in der Wirklichkeitsbeziehung des 21. Jahrhunderts möglich sein könnte, eine erkenntnisgestützte Beziehung zu höheren Hierarchien neu zu gewinnen, bis in die Begründungszusammenhänge wissenschaftlicher Darstellung hinein. Meine Fragestellung lautet weiter, ob ein solcher geistiger Realitätsbezug ohne legitimierenden Rückgriff auf Aussagen religiöser Überlieferung, älterer Wissenschaft und auch der Anthroposophie möglich wäre. Selbstverständlich sind bei einer solchen Untersuchung Rekurse auf frühere Engelanschauungen sinnvoll. Aber ältere Überlieferungen zu den Hierarchien sollen nicht einfach inhaltlich übernommen, sondern allenfalls durch einen heute möglichen Erkenntnis- und Erlebniszugang durchsichtiger werden.

Seite: 7

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Interview:

25 Jahre Mauerfall: »Die Kraft der Einmischung«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit Daniela Dahn

»Scharfsinnig im Urteil und unabhängig in der Analyse«, schrieb der spanische Schriftsteller Jorge Semprún über Daniela Dahn. Er hob ihre dialektisch angelegten Texte hervor und bezeichnete sie als  Vertreterin... [mehr]

»Scharfsinnig im Urteil und unabhängig in der Analyse«, schrieb der spanische Schriftsteller Jorge Semprún über Daniela Dahn. Er hob ihre dialektisch angelegten Texte hervor und bezeichnete sie als  Vertreterin der deutschen Tradition der »demokratischen Vernunft« und als ausgewiesene Gesinnungs- und  Verantwortungsethikerin. Seit der Wiedervereinigung findet die streitbare Intellektuelle aus dem Osten zunehmend auch im Westen Gehör. Ihre kritischen Anmerkungen zur Wirtschaftspolitik sowie zur Entdemokratisierung lösen immer wieder heftige Kontroversen aus. In ihrem jüngsten Buch Wir sind der Staat! Warum Volk sein nicht genügt (Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2013) fordert sie ihre Leser dazu auf, die Verfassung mit Leben zu erfüllen und den Staat, der immer mehr zu einem Instrument der Wirtschaft zu werden droht, in Besitz zu nehmen. Sie plädiert für einen Staat, dessen Bürger an der politischen Willensbildung teilnehmen. Und sie setzt sich mit der Frage auseinander, wie eine Demokratie zu organisieren wäre, »an der teilzunehmen tatsächlich auch für die vielbeschworene Basis interessant ist – für die klassischen Arbeiter, die kleinen Angestellten und Ladenbesitzer, die Dienstleistenden, Migranten und Arbeitslosen«.

»der narr im eignen werk«

Die Arbeitsbücher von Volker Braun

Das Tagebuch ist das Unmittelbare. Es hält den Augenblick fest, den noch unreflektierten Eindruck, die erste Idee. Insbesondere in bewegten Zeiten vermag der rasch hingeworfene Eintrag die spontane, noch von keinem Wissen... [mehr]

Das Tagebuch ist das Unmittelbare. Es hält den Augenblick fest, den noch unreflektierten Eindruck, die erste Idee. Insbesondere in bewegten Zeiten vermag der rasch hingeworfene Eintrag die spontane, noch von keinem Wissen um den weiteren Verlauf der Ereignisse beeinflusste Reaktion wiederzugeben. Den Arbeitsbüchern des Dichters, Dramatikers und Erzählers Volker Braun kommt daher eine besondere Bedeutung zu, zeugen sie doch vom Verschwinden eines ganzen Staates. Soeben ist ihr zweiter Band erschienen. Er setzt ein mit dem Beginn des Jahres 1990. Die Mauer ist gefallen, aber die DDR existiert noch. Und die Hoffnungen sind groß.
»die zeit ist da, auf die wir hingearbeitet haben. nun verlangt sie konsequenz«, gibt Braun die Aufbruchsstimmung, von der auch er erfasst ist, wieder. Der SPD beizutreten, wie der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer, lehnt er für sich ab. »wozu ›einlassen in verbindungen, deren zeit auf dem kontinent vorüber‹«, notiert er in Anlehnung an Karl Marx. Und bereits wenige Wochen später führt er aus, was er sich vorstellt: »ich sehe keinen anlaß, im geistigen zu resignieren. diese revolution wird nur als konterrevolution gelingen, der fortschritt als restauration. vorrücktwärts, wie gesagt. aber wir müssen das gnadenlos sehen: da die probleme nicht innerhalb des systems zu lösen sind, muß man hinausgehn: aus dem osten hinaus. es wird sich zeigen, daß sie auch nicht im westen bewältigt werden – und man sich in die welt denken muß. das meint die verfemte formel ›dritter weg‹.« ...

Seite: 31

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»Alles wacht auf aus Tradition, Getragenheit, Würde ...«

Richard Strauss, Rudolf Steiner und die ›Gralshüter‹ am Goetheanum

Mit seinen Opern, sinfonischen Dichtungen und Liedern hat sich Richard Strauss (1864-1949), dessen 150. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, schon in jungen Jahren einen festen Platz in den internationalen Spielplänen erobert.... [mehr]

Mit seinen Opern, sinfonischen Dichtungen und Liedern hat sich Richard Strauss (1864-1949), dessen 150. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, schon in jungen Jahren einen festen Platz in den internationalen Spielplänen erobert. Allerdings blieb sein Ruhm nicht unbestritten: Bis heute wird seiner Musik mangelnder Tiefgang, ihm selbst raffinierte Geschäftstüchtigkeit und politischer Opportunismus vorgeworfen. Die folgende Betrachtung, die musikalisch-ästhetische und politische Fragen weitgehend ausklammert, soll die freigeistige Welt- und Lebensanschauung des gebürtigen Münchners beleuchten, deren Fundament während seiner Weimarer Kapellmeisterjahre gelegt wurde. – Strauss befasst sich zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr nicht nur intensiv mit Goethe, sondern auch mit den radikal individualistischen Anschauungen Nietzsches und Max Stirners. Er befreundet sich mit John Henry Mackay, dem anarchistischen Schriftsteller und ersten Stirnerbiografen, von dem er einige Gedichte vertont. Spuren dieser radikalen Anschauungen finden sich im selbstverfassten Text seiner ersten Oper Guntram. Während diese Fakten in der Strauss-Literatur präsent sind, besteht hinsichtlich seiner Begegnung mit dem Goetheforscher und gefragten Nietzschekenner Rudolf Steiner, der damals in Weimar seine Philosophie der Freiheit vollendete, noch Forschungsbedarf.

Feuilleton:

Großwetterlage – Sommernachtstraum

Seite: 49

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Feuilleton: Kunst

Zur Hermetik des dunklen Raums

Antony Gormleys »Expansion Field« im Zentrum Paul Klee, Bern

Schwebendes Bewusstseinsrätsel

»Transport« von Antony Gormley in der Kathedrale von Canterbury

Seite: 54

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»Ich bewege mich in den gleichen Regionen«

Max Beckmanns Zeichnungen zu Goethes Faust II in Wiesbaden

Seite: 58

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Feuilleton:

Ganesha gegen das Dritte Reich

Inklusion im Theater

Seite: 60

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Feuilleton: Filmbesprechung

Mr. May oder das Flüstern der Ewigkeit

Ein stiller Film, hinter dem das Ewige spürbar wird

Feuilleton: Nachruf

Inge Thöns – Ein bewegtes Leben zwischen Sprache, Kunst und Natur

Nachruf

Feuilleton: Fundstück X

Fundstück X: Ein unbekanntes Blatt von Goethes Hand?

Serie: Kunst

Serie: Die ordnenden Kräfte des Tierkreises VIII: Skorpion

Forum Anthroposophie:

Ein Wissen, das aus dem Menschen schafft

Zum Buch »Rudolf Steiner. Seine Bedeutung für Wissenschaft und Leben heute«

Buchbesprechungen:

Peter Heusser (Hg.) und Johannes Weinzirl (Hg.):Rudolf Steiner. Seine Bedeutung für Wissenschaft und Leben heute

Klaus J. Bracker:Veda und lebendiger Logos. Anthroposophie und Integraler Yoga im Dialog

Gudrun Hofrichter und Arno Reich-Siggemann:Farbe Begegnen: Vom Erleben zur Gestaltung

André Bartoniczek:Die Zukunft entdecken. Grundlagen des Geschichtsunterrichts

Lothar Machtan:Prinz Max von Baden. Der letzte Kanzler des Kaisers. Eine Biografie

Albert Vinzens, Bernhard Rüffert und Joachim J. Kühmstedt:Beuys Platanen und Basalte. 7000Eichen Projekt

Wolfgang Herrndorf:Arbeit und Struktur

Philip Kovce:Logisch-philosophischer Abriss. Zum Werk Michael Bockemühls