Heft 7/8, 2014

Schwerpunkt: Was geht uns Sarajevo an?

Wir befinden uns hier in Deutschland seit langem schon auf einer Insel des Friedens und Wohlstands. Das darf uns nicht den Blick darüber trüben, wie es eigentlich um die Verhältnisse Europas und der Welt steht. Sarajevo ist einer der Orte, die es uns zeigen können.

- Joachim von Königslöw -
Inhalt

Editorial:

Reinigung durch Krieg?

Brennpunkt:

Ukraine: Zwischen Manipulation und Verdrängung

Die motivische Vermengung sprachlich-kultureller, ethnischer, wirtschaftlicher und politischer Zusammenhänge in der Genealogie des Ukrainekonflikts, der von den Großmächten zu eigenen Zwecken instrumentalisiert wird, erinnert... [mehr]

Die motivische Vermengung sprachlich-kultureller, ethnischer, wirtschaftlicher und politischer Zusammenhänge in der Genealogie des Ukrainekonflikts, der von den Großmächten zu eigenen Zwecken instrumentalisiert wird, erinnert fatal an die Vorstufen zum Ersten Weltkrieg im österreichisch-serbischen Konflikt, historisch bekannt als »Schweinekrieg« ...

Was geht uns Sarajevo an?

Mitteleuropa und die Balkanländer

Es ist in diesem Jahr schon viel zur Entstehung, zum Verlauf und den Folgen des Ersten Weltkriegs gesagt worden. Hier soll der Blick speziell auf den Schauplatz des Kriegsausbruchs 1914 gelenkt werden: auf Sarajevo, auf Bosnien,... [mehr]

Es ist in diesem Jahr schon viel zur Entstehung, zum Verlauf und den Folgen des Ersten Weltkriegs gesagt worden. Hier soll der Blick speziell auf den Schauplatz des Kriegsausbruchs 1914 gelenkt werden: auf Sarajevo, auf Bosnien, Serbien und die Balkanhalbinsel. Es soll von diesem Schicksalsort und diesem Schicksalsjahr 1914 aus zum einen in die Geschichte zurück, zum anderen aber in unsere Gegenwart vorausgeblickt werden, in eine Gegenwart, in der die Folgen von 1914 in tragischer Weise noch immer andauern und als unverheilte Wunden Mitteleuropa noch immer brennen und schmerzen. Es ist gut, das Bewusstsein darauf zu lenken, um damit etwas zur Selbsterkenntnis Mitteleuropas beizutragen. Diese unverheilte Wunde Europas, insbesondere Mitteleuropas ist die Grenze zwischen Ost und West, in der sich der Weltgegensatz zwischen östlicher und westlicher Geistesart in Mitteleuropa manifestiert – historisch und zugleich real als heutige Lebenswirklichkeit.

Nicht vergessen!

Johannes Lepsius und der Völkermord an den Armeniern

Die Christen sind weltweit die am meisten verfolgte Religionsgruppe, obwohl sie mit ca. 2,26 Milliarden Anhängern (zum Islam gehören ca. 1,57 Milliarden Menschen) als meist verbreitete Religion führend sind. Etwa 100 Millionen... [mehr]

Die Christen sind weltweit die am meisten verfolgte Religionsgruppe, obwohl sie mit ca. 2,26 Milliarden Anhängern (zum Islam gehören ca. 1,57 Milliarden Menschen) als meist verbreitete Religion führend sind. Etwa 100 Millionen von ihnen werden verfolgt. Verfolgung beginnt mit Worten, mit Hohn und Spott, und endet mit langjährigen Haftstrafen bis hin zur Todesstrafe. Woran liegt das? Und in welchen Ländern werden die Christen am stärksten verfolgt? Den traurigen Rekord hält Nordkorea, gefolgt von Somalia und Syrien. Afghanistan, Pakistan und Iran sind unter den ersten zehn.  Was könnten die Auslöser für diese Verfolgung sein? – Maja Rehbein spürt diesen Fragen am Beispiel der ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert auf dem Gebiet des Osmanischen Reichs verfolgten und ausgerotteten Armenier nach – und des Einsatzes des Philosophen und  Theologen Johannes Lepsius für dieses uralte christliche Volk.

Interview:

»Wäre der Tag des Attentats von Sarajevo ein wenig anders verlaufen …«

Ruth Renée Reif im Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler

Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ermordet. Einen Monat später begann der Erste Weltkrieg. 40 Staaten waren an ihm beteiligt und 17 Millionen Menschen fielen ihm... [mehr]

Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ermordet. Einen Monat später begann der Erste Weltkrieg. 40 Staaten waren an ihm beteiligt und 17 Millionen Menschen fielen ihm zum Opfer. Für George F. Kennan war er die »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts«. Herfried Münkler sieht in ihm auch »das Laboratorium, in dem fast alles entwickelt worden ist, was in den Konflikten der folgenden Jahrzehnte eine Rolle spielen sollte«. In seiner umfassenden Darstellung Der große Krieg. Die Welt 1914-1918 (Rowohlt Verlag, Berlin 2013) schildert er eindrucksvoll, wie ein regionaler Konflikt in einer Folge von Zufällen und Fehlentscheidungen zum weltweiten Krieg eskalierte. Er zeigt, wie dieser Krieg Revolutionen auslöste, das Ende der Imperien besiegelte und die Machtverhältnisse der Welt veränderte. Vor allem aber warnt er, dass die Konstellationen, die in diesen Krieg geführt hätten, keineswegs überwunden seien.

Buchbesprechungen:

Ein Netz von Interaktionen

Zu Christopher Clarks Buch »Die Schlafwandler«

Welt im Umbruch

Zu Markus Osterrieders Studie über den Ersten Weltkrieg

Serie:

Fundstück VII: Soziales Karzinom und soziale Gesundung – Krieg und Frieden aus der Sicht Rudolf Steiners

Feuilleton:

Zum Tod des Morgenstern-Forschers Reinhardt Habel

Feuilleton: Kunst

»Seine Bilder lassen nichts ungesagt«

Oskar Kokoschka – Humanist und Rebell Eine Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg

Aufgezeichnete Erschütterungen – erschütternde Aufzeichungen Eine Entdeckung des Wahrnehmungskünstlers Edgar Harwardt

Feuilleton:

Du und Ich – Mutter und Tochter – Kriegskind und Kriegsenkel

Serie:

Die ordnenden Kräfte des Tierkreises IV, V – Krebs, Löwe

Forum Anthroposophie: Doppelstrom der Zeit - Debatte

Aristoteles vier Ursachen und das Verständnis von Entwicklung

Antwort auf Eva-Maria Begeer-Klare

Forum Anthroposophie:

Anthroposophie und Philosophie

Ein Kolloquium in Alfter

Kurz notiert:

Seite: 80

Buchbesprechungen:

Ansgar Martins (Hg.) und Hans Büchenbacher:Erinnerungen. Zugleich eine Studie zur Geschichte der Anthroposophie im Nationalsozialismus

Ernst Jünger und Jörg Magenau (Hg.):Letzte Worte

Roman Ehrlich:Das kalte Jahr

Per Leo:Flut und Boden. Roman einer Familie

Peter Handke (Hg.) und Kito Lorenc:Gedichte

Sigrid Nordmar-Bellebaum und Rosemarie Hülshoff-Kemper (Illustrator):Aus den Wolken der Nacht – aus den Tagesbögen

Johanna Renate Döring:Von Puschkin bis Sorokin. Zwanzig russische Autoren im Porträt