Heft 9, 2014

Schwerpunkt: »Ich muss wirken«. Das Konzept der Performativität

Rudolf Steiner wollte mit seinem Schreiben und Reden stets wirken. Um diese ursprüngliche Dimension des Performativen in seinem Werk herausarbeiten zu können, stellt Ulrich Kaiser im folgenden ersten TeiI seiner Arbeit das Konzept der Performativität vor, wie es von John Langshaw Austin in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt und durch Philosophen und Philosophinnen wie Habermas, Derrida und Judith Butler ausdifferenziert und modifiziert wurde: Letztlich bringt jeder Sprechakt eine (neue) Situation hervor, ja bestimmt sogar das vermeintlich Naturgegebene. – Diesen ers­ten Teil abschließend, entwickelt Kaiser ein »hermeneutisches Dreieck«, worin deutlich wird, dass die Dimension des Performativen niemals nur für sich besteht, wir also unsere ganze Kultur nur auf Fragen des Gelingens oder des Hervorbringens aufruhen lassen können. In diesem Kontext stellen sich auch weiterhin und vereint damit die Fragen nach Wahrheit oder Kohärenz, die Fragen nach Schönheit und der Darstellungsweise.

Inhalt

Editorial:

Wie heißt Du?

Brennpunkt:

Euromaidan: Wohnen wir der Geburt eines neuen Volkes bei?

Seite: 7

Diesen Artikel können Sie sowohl kostenlos lesen als auch kaufen. Mit letzterem unterstützen Sie unsere Arbeit. Vielen Dank!

Gelingende Worte – sich klärende Gesten

Teil I: Das Konzept der Performativität

Rudolf Steiner wollte mit seinem Schreiben und Reden stets wirken. Um diese ursprüngliche Dimension des Performativen in seinem Werk herausarbeiten zu können, stellt   Ulrich Kaiser im folgenden ersten TeiI seiner... [mehr]

Rudolf Steiner wollte mit seinem Schreiben und Reden stets wirken. Um diese ursprüngliche Dimension des Performativen in seinem Werk herausarbeiten zu können, stellt   Ulrich Kaiser im folgenden ersten TeiI seiner Arbeit das Konzept der Performativität vor, wie es von John Langshaw Austin in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt und durch Philosophen und Philosophinnen wie Habermas, Derrida und Judith Butler ausdifferenziert und modifiziert wurde: Letztlich bringt jeder Sprechakt eine (neue) Situation hervor, ja bestimmt sogar das vermeintlich Naturgegebene. – Diesen ers­ten Teil abschließend, entwickelt Kaiser ein »hermeneutisches Dreieck«, worin deutlich wird, dass die Dimension des Performativen niemals nur für sich besteht, wir also unsere ganze Kultur nur auf Fragen des Gelingens oder des Hervorbringens aufruhen lassen können. In diesem Kontext stellen sich auch weiterhin und vereint damit die Fragen nach Wahrheit oder Kohärenz, die Fragen nach Schönheit und der Darstellungsweise.

Reflexive Poesie ist gelebte Anthroposophie

Franz Kafka trifft Rudolf Steiner

Georg Bendemann, Joseph K., Gregor Samsa und wie die Figuren Kafkas alle heißen – fast allen ist in groben Zügen eines gemeinsam: Sie haben ein existenziell problematisches Verhältnis zu der sie umgebenden Welt und damit... [mehr]

Georg Bendemann, Joseph K., Gregor Samsa und wie die Figuren Kafkas alle heißen – fast allen ist in groben Zügen eines gemeinsam: Sie haben ein existenziell problematisches Verhältnis zu der sie umgebenden Welt und damit zu sich selbst und scheitern zwangsläufig bei dem Versuch, dieses Problemverhältnis zu überwinden. Mehr noch: Die Überwindungsversuche enden fast ausschließlich letal. Weshalb? Und vor allem: Warum lässt uns Lesende diese unentrinnbare Dekonstruktion1 jeder Lebensfähigkeit so erschüttert dastehen? Und als vielleicht wichtigste Frage: Haben wir etwas davon, etwas Positives, einen Entwicklungsanstoß vielleicht? Warum lässt uns der »Dunkelmann« Kafka nicht los? Oder faszinieren uns nur die gezeigten seelischen Abgründe, die Lust am kultivierten Scheitern?

Ohne Seele keine Wiedergeburt, ohne Leib keine Auferstehung

Seelenverständnis und Todesüberwindung

Obwohl Rudolf Steiner die Anthroposophie anfangs mit Bezug auf die Naturwissenschaften begründet hat, begegnen wir in ihr doch einer besonders großen Reihe von Inhalten, die in der Wissenschaftswelt nicht in den Bereichen... [mehr]

Obwohl Rudolf Steiner die Anthroposophie anfangs mit Bezug auf die Naturwissenschaften begründet hat, begegnen wir in ihr doch einer besonders großen Reihe von Inhalten, die in der Wissenschaftswelt nicht in den Bereichen der Natur-, sondern ausschließlich in denen der Geisteswissenschaften zu finden sind. Dort wiederum sind die thematischen Berührungen im Feld der Theologie besonders groß. In der Theologie bahnen sich deshalb Gespräche über die Grenzen der unterschiedlichen Sprachräume von anthroposophischer und universitärer Wissenschaft hinaus eher an als anderswo.
Im Werk Steiners finden wir die Rede von der Seele in Abgrenzung und im Vergleich mit dem Leiblichen und dem Geistigen des Menschen. Der Leib vermittelt die Sinneswahrnehmung, durch die Seele treten wir in ein persönliches Verhältnis zur Welt, und mit unserem Geist erkennen wir die zeitlosen und überpersönlichen Gesetzmäßigkeiten der von unseren Bedürfnissen unabhängigen Wahrheit. Das ist Steiners Ansatz im Grundlagenwerk Theosophie von 1904. Ganz anders begegnet uns der Begriff der Seele im Raum der Geistesgeschichte. Hier geht es im Gespräch über die Seele primär um die Fragen des nachtodlichen Lebens. Von hier aus sind deshalb die Versuche zur »Abschaffung« des Seelenbegriffs in der Theologie des 20. Jahrhunderts zu betrachten und auch die beiden aktuellen theologischen Vorstöße zur Rehabilitierung des Seelenbegriffs, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe: Christof Gestrich: Die Seele des Menschen und die Hoffnung der Christen. Evangelische Eschatologie vor der Erneuerung (Frankfurt/Main 2009) und Helmut Feld: Das Ende des Seelenglaubens (Berlin, Münster 2013).

Buchbesprechungen:

Christof Gestrich:Die Seele des Menschen und die Hoffnung der Christen. Evangelische Eschatologie vor der Erneuerung

Helmut Feld:Das Ende des Seelenglaubens

Serie: Kunst

Serie: Die ordnenden Kräfte des Tierkreises VI: Jungfrau

Kunst: Kunst

Eine bewegte Welt tritt ins Erleben

Zu neuen Bildern der Leipziger Künstlerin Heide Künzel

Feuilleton:

Bildbeschreibung: Himmelfahrt

Ich trage ein Bild in mir. Es ist ein Seelenbild der Erinnerung an einen konkreten Augenblick, der nun 33 Jahre zurückliegt in meinem Leben. All die Jahre war es wie ein Gemälde, das ich betrachten konnte und in dem ich... [mehr]

Ich trage ein Bild in mir. Es ist ein Seelenbild der Erinnerung an einen konkreten Augenblick, der nun 33 Jahre zurückliegt in meinem Leben. All die Jahre war es wie ein Gemälde, das ich betrachten konnte und in dem ich zugleich eingeschlossen war. Plötzlich, nach so langer Zeit des vertrauten Umgangs mit ihm, wurde das Bild sprechend. …

Feuilleton: Kunst

Geschmeidiger Totalitarismus

»Unendlicher Spaß« – Schirn Kunsthalle Frankfurt

Feuilleton:

Wer Neuland entdeckt, ist einsam

Eine Aufführung der Compagnie Phoenix Berlin

What moves you?

Neue Welten – ein Ereignis sozialer Kunst

Meister, mein Meister. »The Master«: ein »Stereo«-Typ

Zwei Filmbesprechungen

»Es gibt keine Materie!« Nachruf auf Hans-Peter Dürr

Serie:

Fundstück VIII: Eine Randbemerkung Rudolf Steiners zu Albert Schweitzers »Kultur und Ethik«

Forum Anthroposophie: Doppelstrom der Zeit - Debatte

Ursache und Ziel der Evolution

Der Doppelstrom der Zeit und die Causa finalis bei Aristoteles

Buchbesprechungen:

Sibylle Peters:Der Vortrag als Performance

Anna Samweber:Erinnerungen an Rudolf Steiner und Marie Steiner-von Sivers,

Johannes Groht:Menhire in Deutschland

Götz Werner:Womit ich nie gerechnet habe. Die Autobiografie

Uwe Werner:Das Unternehmen Weleda 1921-1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens

Christoph Rau:Blicke in die Werkstatt der Evangelisten

Michael Frensch:Grundzüge einer neuen platonischen Christologie

Sophia-Janet Aleemi:Maria-Sophia in der Kathedrale von Chartres. Marientod und Mariae Aufnahme in den Himmel. Die Glasfenster von Chartres

Benjamin Kolass (Hg.):projekt.zeitung, Nr. 18: Paul Schatz