Heft 1, 2026
Schwerpunkt: Was hinter den Worten spricht
»Die Tendenz, Worten einen ›genauen‹ Inhalt zuzuordnen, beobachten wir heute überall. Dabei wird die herkömmliche Sprache einem beständigen Umbau unterzogen, der – selbstverständlich! – immer der guten Sache dienen soll, sei es der wissenschaftlichen Genauigkeit, der Menschenwürde oder dem Erhalt unserer freiheitlichen Demokratie. Als Nebeneffekt stellt sich jedes Mal ein, dass die Sprache der Vergangenheit fragwürdig erscheint. Denn sie entspricht ja nicht den heutigen, genaueren Bedeutungen. [...] Eine große Zahl von neuen Grammatikern und Sprachregulierern ist unterwegs, die der Sprachgemeinschaft erklären, warum dieses oder jenes Wort so oder so zu verstehen ist, abgeschafft oder umdefiniert gehört oder warum man neue Wortbildungen benutzen soll, die für besser erachtet werden als die bisherigen. Bei all dem spielt der Sprecher, seine ›Zunge‹ und wie er die Worte meint, keine Rolle mehr.«
