Artikel von Udi Levy

Hineni - הנני!

Zur esoterischen Methodik in Anthroposophie und Judentum

»Hineni« – הנני – ist Hebräisch. Es ist eine Verschmelzung von hine ( הנה ) = »hier« und ani ( אני ) = »Ich«. Es bedeutet zugleich: »Hier bin ich!«, »Ich bin hier!« und »Ich... [mehr]

»Hineni« – הנני – ist Hebräisch. Es ist eine Verschmelzung von hine ( הנה ) = »hier« und ani ( אני ) = »Ich«. Es bedeutet zugleich: »Hier bin ich!«, »Ich bin hier!« und »Ich bin!« Diese besondere Wortform – eine Synthese von Person und Standortbestimmung, zugleich räumlich und geistig – ist ein der hebräischen Sprache eigentümliches Phänomen und erscheint im Alten Testament zum ersten Mal von einem Menschen ausgesprochen, wenn erzählt wird, dass Elohim, der Gott, Abraham beim Namen ruft und dieser antwortet: »Hineni!« Darauf wird erzählt, wie Abraham aufgefordert wird, Isaak zu opfern. Es ist Abraham auch der erste Mensch, von dem berichtet wird, dass ihm von jenem Gott mit dem nicht auszusprechenden Namen befohlen wurde, sich auf den Weg zu machen, ohne ein bestimmtes Ziel zu kennen, im reinen Gottvertrauen eine Reise anzutreten. Abraham – und später auch Samuel – stellen sich bedingungslos dem Ruf der göttlichen Stimme: »Hineni!«

Hoffnung und Tragödie, Karma und Beziehung

Zum Heft ›Vom auserwählten Volk‹, die Drei 1-2/2017

Ikonoklasmus an einem Gott ohne Antlitz

oder: Perversion des Auserwähltseins

Die zum zweiten Mal innerhalb von fünf Monaten abgehaltenen Wahlen in Israel sind ein Anlass, den Blick auf bestimmte Aspekte der aktuellen gesellschaftlichen Lage dieses Landes zu lenken. Davon, diese Lage umfassend zu... [mehr]

Die zum zweiten Mal innerhalb von fünf Monaten abgehaltenen Wahlen in Israel sind ein Anlass, den Blick auf bestimmte Aspekte der aktuellen gesellschaftlichen Lage dieses Landes zu lenken. Davon, diese Lage umfassend zu verstehen oder zu erklären, kann kaum die Rede sein. Eher geht es um eine möglichst genaue Beobachtung der Phänomene – und um eine Schilderung von Bildern und Gedanken, die im Bewusstsein eines von weitem beobachtenden Einheimischen aufsteigen. Keine verborgenen Wahrheiten oder Enthüllungen, sondern ein besorgter Blick auf den offensichtlichen Zerfall von Werten und sozialer Kohärenz.

Lebendige Mystik

Zur Aktualität der Kabbala im Israel der Gegenwart

Im Jahre 2006 fand in Winterthur unter dem Titel ›Das jüdische Winterthur‹ eine Ausstellung statt. Ich wurde dem Präsidenten der dortigen »israelitischen Gemeinde« – der Begriff »jüdische« wird auffälligerweise... [mehr]

Im Jahre 2006 fand in Winterthur unter dem Titel ›Das jüdische Winterthur‹ eine Ausstellung statt. Ich wurde dem Präsidenten der dortigen »israelitischen Gemeinde« – der Begriff »jüdische« wird auffälligerweise umgangen – auf der Vernissage vorgestellt. Er lud mich zum bevorstehenden Passahfest ein. Eine gemeinsame Bekannte war dabei und sagte daraufhin zu ihm: »Lass ihn in Ruh’, er ist Israeli!« Eine Schweizer Kultur- und Religionsgemeinde nennt sich also »israelitisch«, betrachtet jedoch die eigentlichen Israelis als in religiösen Fragen ignorant, uninteressiert und ohne Glauben. Dann hielt eine Rabbinerin(!) der konservativen Bewegung – die behauptet fortschrittlich und nicht orthodox zu sein – einen Vortrag. Sie lehnte es strikt und kategorisch ab, meine anschließende Frage zu beantworten, ob sie etwas über die Messiaserwartung im Judentum sagen könne. Wollte sie diese Frage mit einem Israeli nicht diskutieren? Im Nachhinein meinte ich etwas verstanden zu haben: dass die Beziehung der Menschen jüdischer Herkunft zu Religion, Transzendenz und Mystik in Europa eine andere ist als in Israel. Und dass es – jenseits von gegenseitigen Vorurteilen und unbegründeten Ansichten – interessant wäre, einmal den Versuch zu wagen, diese Differenzen und deren Entstehung zu untersuchen.

Realitätsverweigerung im Aberland

Eine Betrachtung zu den Parlamentswahlen in Israel

Als gebürtiger Israeli in deutscher Sprache über Entwicklungen im Land seiner Herkunft zu sinnieren, lässt – wenn nicht beim Autor, dann beim Leser – noch manches andere mitschwingen. Denn das Ende des Großdeutschen... [mehr]

Als gebürtiger Israeli in deutscher Sprache über Entwicklungen im Land seiner Herkunft zu sinnieren, lässt – wenn nicht beim Autor, dann beim Leser – noch manches andere mitschwingen. Denn das Ende des Großdeutschen Wahnund
Albtraums mündete nach dem Zweiten Weltkrieg zeitnah in den Anfang einer israelischen Realität, die inzwischen ebenfalls für viele Menschen inner- und außerhalb Israels einen Albwachtraum bedeutet.