Natur und Technik

Betrachtungen zum Lebensgang Rudolf Steiners III

»Eine wundervolle Landschaft umschloß meine Kindheit. Der Ausblick ging auf die Berge, die Niederösterreich mit der Steiermark verbinden: Der ›Schneeberg‹, Wechsel, die Raxalpe, der Semmering. Der Schneeberg fing mit seinem nach oben hin kahlen Gestein die Sonnenstrahlen auf, und was diese verkündeten, wenn sie vom Berge nach dem kleinen Bahnhof strahlten, das war an schönen Sommertagen der erste Morgengruß. Der graue Rücken des ›Wechsel‹ bildete dazu einen ernst stimmenden Kontrast. Das Grün, das von überall her in dieser Landschaft freundlich lächelte, ließ die Berge gleichsam aus sich hervorsteigen. Man hatte in der Ferne des Umkreises die Majestät der Gipfel, und in der unmittelbaren Umgebung die Anmut der Natur. [...] Ich glaube, daß es für mein Leben bedeutsam war, in einer solchen Umgebung die Kindheit verlebt zu haben. Denn meine Interessen wurden stark in das Mechanische dieses Daseins hineingezogen. Und ich weiß, wie diese Interessen den Herzensanteil in der kindlichen Seele immer wieder verdunkeln wollten, der nach der anmutigen und zugleich großzügigen Natur hin ging, in die hinein in der Ferne diese dem Mechanismus unterworfenen Eisenbahnzüge doch jedesmal verschwanden.« Rudolf Steiner schreibt hier über seine Zeit in Pottschach. Nach anderthalb Jahren in seinem Geburtsort Kraljevec wird der Vater an die Bahnstation in Mödling bei Wien versetzt, dann, bereits nach einem halben Jahr, nach Pottschach, an der Grenze von Niederösterreich zur Steiermark. Bis zu Steiners achtem Lebensjahr bleibt die Familie dort. Auf zwei Erlebnisfelder wird in den Schilderungen der Umgebung des Knaben hingewiesen: auf die Natur und auf die Eisenbahn als Gestalt mechanischer Technik. Die Natur wird in einem Verhältnis von anmutiger Nähe lieblicher Täler und erhabener Ferne der den Blick himmelwärts wendenden Bergketten in ihrer Farbigkeit skizziert.  

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die Drei 3, 2025

Abgesänge und Auftakte

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