Das hier zu besprechende Buch zu strittigen Themen in Steiners Werk ist schon vom Konzept her auf Ambivalenz angelegt. Sowohl die Ideale, wie die Freiheit des Individuums und entsprechende Menschenrechte, als auch die Schattenseiten von Rassismus und Nationalismus werden als solche gleichwertig behandelt. Während meist die Waagschale auf die eine oder andere Seite fällt, man Steiner entweder kritisiert oder verteidigt, unternimmt der Autor, der ein guter Kenner des Werkes Steiners ist und sich gewiss auch damit identifiziert, den Versuch, die Balance zu halten und Schritt für Schritt diese vier Themen genau und ohne Vorbehalt zu untersuchen. Bereits dieses Konzept ist ein Kunstgriff, der eine unangemessen apologetische Haltung unwahrscheinlich macht und ein Ergebnis erwarten lässt, das nicht vorherzusehen ist. Das Buch selber aber ist ein Glücksfall, weil der Autor das Konzept tatsächlich einzulösen vermag. Und weil er über eine Ökonomie der Darstellung verfügt, die lebendig erzählend die wichtigen Zusammenhänge und Fakten zu präsentieren vermag, ohne dabei unnötigen Ballast mitzuschleppen oder Wesentliches zu unterschlagen. Man liest gerne und angeregt, während der Autor einem der Reihe nach geduldig alles vorführt, was mit den strittigen und den unstrittigen Themen zu tun hat, dabei immer das goldene Band von Biografie und Zeitgeschichte im Blick behält und am Ende jeden Kapitels kurz innehält, um nicht nur für sich, sondern auch mit uns, den Lesenden, sich des Ertrags zu vergewissern.