Das kolonialistische Herrenmenschenverhalten, das Europäer in den letzten Jahrhunderten sehr offensichtlich praktizierten, ist bis heute nicht überwunden. Die gegenwärtige US-amerikanische Regierung nimmt mittlerweile kein Blatt mehr vor den Mund und sagt nicht nur sehr offen, was sie vorhat, sondern zeigt auch, dass sie bereit ist, dies mit den ihr zur Verfügung stehenden Gewaltmitteln umzusetzen. Es gibt aber auch Regierungen, die sich um eine korrekte Sprache bemühen, obwohl sie bei der Durchsetzung ihrer Wirtschaftsinteressen ebenfalls massive kolonialistische Praktiken anwenden. So bezeichnete noch 2019 das ›Wall Street Journal‹ den CFA-Franc – eine Währung, die bei ihrer Gründung 1945 »Franc der französischen Kolonien« hieß und heute noch von 14 west- und zentralafrikanischen Staaten genutzt wird – als eine Form des »monetären Kolonialismus«. Frankreich hat bis heute großen Einfluss auf diese Währung und kann darüber immer noch seine Wirtschaftsinteressen in seinen ehemaligen Kolonien durchsetzen. Die Frage ist daher, ob, wenn die Entkolonialisierungsdebatte auf der Ebene der »richtigen« Ausdrucksweise geführt wird, dies wirklich dazu führt, dass kolonialistische Ausbeutung und die Herabsetzung anderer Kulturen durch Europäer und US-Amerikaner überwunden wird. Den Dualismus zwischen einer vorgestellten, in ethisch korrekter Sprache beschriebenen Welt und einer Wirklichkeit der Lebensprozesse, in der nach wie vor das Gesetz des Stärkeren regiert, kann niemand wollen, der an einer guten Entwicklung der Menschheit interessiert ist.