Eine Fukushima-Gedenktagung am Eurythmeum in Aesch/CH
Einer Initiative von Sara Kazakov, die vom 9.-11. März 2018 gemeinsam mit einer Gruppe von Eurythmisten am Eurythmeum in Aesch zum zweiten Mal eine Gedenktagung für die Opfer der atomaren Katastrophe in Fukushima veranstaltet hat, ist es zu verdanken, dass zumindest in anthroposophischen Kreisen die bisher größte Katastrophe des 21. Jahrhunderts nicht nach sieben Jahren schon wieder vergessen wird.
Zur Retrospektive der rumänischen Künstlerin Geta Brǎtescu in der Hamburger Kunsthalle
Bei schwer kranken Menschen tritt oft eine scheinbare Besserung ein, bevor es mit ihnen zu Ende geht. Während sie selbst und ihre Angehörigen sich einer trügerischen Hoffnung hingeben, erkennen Pfleger und Ärzte darin schon ein Zeichen des nahenden Todes. Es ist, als ob die Lebenskräfte den hinfälligen Leib noch einmal ganz durchdringen wollten, bevor sie ihn endgültig verlassen.
Ein Nachruf auf Benediktus Hardorp
Zur Nationalen Sonderausstellung auf der Wartburg zu Eisenach
Ein strahlend schöner Maitag, voll ungewohnter Wärme! Den Weg nach Eisenach bin ich schon oft gefahren. Jedes Mal die Freude: Da ist sie, die Wartburg, Burg aller deutschen Burgen! Vor einigen Jahren besuchte ich sie anlässlich eines Symposiums über Luther, ausgerichtet von der Luther-Gesellschaft im Rahmen der Lutherdekade. Es ging um den freien Willen. Damals war die Burg eingerüstet, in Vorbereitung auf die 950-Jahr-Feier, die im Luthergedenkjahr 2017 (500 Jahre Thesenanschlag und Beginn der Reformation) stattfinden würde. Also zwei Gründe, die Wartburg zu besuchen: die Nationale Sonderausstellung ›Luther und die Deutschen‹ und die fast tausend Jahre alte Burg selbst. Aber noch ein Drittes kommt hinzu: Das Wartburgfest feiert seinen 200. Geburtstag!
Zum Forschungskolloquium ›Die Bedeutung des Atems auf den Schulungswegen des Yoga und der Anthroposophie‹ in Mannheim
Vom 26. bis 28. April 2018 kam am Mannheimer Institut für Waldorfpädagogik eine Gruppe von Menschen zusammen, die sich seit einigen Jahren mit Rudolf Steiners Kritik an östlichen Schulungsformen befasst, indem sie – theoretisch und praktisch – den Dialog mit Praktizierenden dieser Wege sucht. Diesmal ging es um das von Steiner im Vortrag vom 30. November 1919 in ›Die Sendung Michaels‹ (GA 194) ausgeführte Verhältnis zwischen dem alten yogischen Luftseelenatem und dem nachchristlich relevant gewordenen Lichtseelenprozess. Aus der Begegnung von yogischer und anthroposophischer Perspektive ergaben sich die folgenden Gesichtspunkte.
Am 19. Mai 2020 wäre die anthroposophische Ärztin und Schriftstellerin Lore Deggeller 100 Jahre alt geworden. Sie verstarb im hohen Alter am 8. Mai 2016.
Zur Tagung ›Die Wahrheit tun – Der Meditationsimpuls im Werk von Georg Kühlewind (1924-2006)‹ vom 9. bis 11. Oktober 2020 in Stuttgart
An den Impuls Georg Kühlewinds anzuknüpfen, ihn wieder bekannter zu machen und das Meditieren in seinem Sinne zu fördern, das war der Impuls der diesjährigen Meditationstagung der Akanthos Akademie, die im Oktober 2020 im Rudolf Steiner Haus in Stuttgart stattfand. In diesem Sinne begrü.te Andreas Neider – der zusammen mit Laurence Godard die Veranstaltung organisiert hatte – die Teilnehmer. Die produktive eigene Beschäftigung mit Kühlewinds Werk könne die Brücke bilden zwischen Anthroposophie, akademischer Wissenschaft und der Bewusstseinsforschung im buddhistischen Umfeld und sei so eine mögliche Voraussetzung für ein Gespräch zwischen verschiedenen Weltanschauungen und Disziplinen.
Zwischen Schein und Sein in Weimar
Die wesentliche Erfahrung von Licht im irdischen Raum ist seine Brechung. Licht muss auf Widerstand treffen, um sich zu zeigen, es entreisst sich seiner eigenen Unsichtbarkeit in der Reflexion. Draußen in seiner kosmischen Realität, Lichtjahre von der Erde im Weltraum entfernt, da müsste es vor lauter Sternen eigentlich hell sein, wie das Olberssche Paradoxon besagt. Doch bekanntlich ist es dort stockdunkel, noch schwärzer als schwarz. Dies spricht für die Einbildungskraft des Lichtes als höheres Gesetz seiner Natur, für sein Schwingungsvermögen als Begegnungskraft. Wo es auftrifft, erzeugt es sichtbare Form und veraÅNndert energetische Gegebenheit, es kann durchleuchten, umhüllen, schattieren, konturieren, temperieren ...
Zur Ausstellung: ›Turner – Three Horizons‹ im Münchner Lenbachhaus
München leuchtet mal wieder. Die Sonderausstellung ›Turner -Three Horizons‹, die noch bis zum 10. März im Kunstbau des Lenbachhauses besucht werden kann, ist ein Glanzlicht. Doch ehe wir die Ausstellung betreten können, müssen wir in den Untergrund. Ein wirklich sonderbares Gefühl begleitet den Abstieg. Es geht tatsächlich in den nahegelegenen UBahn-Schacht hinab, in dem das Lenbachhaus diese Dependance, den sogenannten Kunstbau, unterhält. Zu der unterirdischen Räumlichkeit gehören Zeitfenster, die vorab online gebucht werden müssen (ein spontaner Museumsbesuch wird zunehmend zur Unmöglichkeit). Also ab in den technischen Hades, mit einer entsprechenden Einstimmung der Seele!
Zu E. Leonora Hambrecht: ›Elisa Métrailler – Ein Leben im Dienste von Kunst und Therapie‹
Dieser Band zu Leben und Wirken von Elisa Métrailler kann als eine Art später Nachruf auf die Malerin und Maltherapeutin gelesen werden, die in ihren Impulsen eng mit der Malerin Liane Collot d’Herbois verbunden war. 1921 in Wien geboren, starb Elisa Métrailler im Jahre 1999 in Owingen am Bodensee.
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Tausend Jahre Merseburger Dom (1021–2021)
Merseburg zu DDR-Zeiten – was war das schon? ›Buna‹, ›Leuna‹, chemische Industrie, zerstörte Landschaft. Jeder konnte froh sein, dort nicht zu wohnen und auch nicht hinzumüssen. Merkwürdig nur, dass eine Studienfreundin, die aus Merseburg stammte, so ganz anders sprach. Wir andern glaubten es nicht recht. Das Einzige, was ebenfalls dagegen sprach, waren die Merseburger Zaubersprüche, von denen wir in der Schule gehört hatten, und die uns so seltsam berührten, fremd und doch anziehend, vielleicht gerade weil wir sie kaum verstanden. Aber das war uralt, in einer für uns unvorstellbar lange zurückliegenden, heidnischen Zeit, noch vor der Christianisierung. Von letzterer, die man allerdings zur Kenntnis nehmen musste, hielt man ja in der DDR nicht viel.
Versuch einer Selbstrecherche
In meinem thüringisch-dörflichen Elternhaus gab es keine nennenswerten Bücher. Eingeprägt hat sich mir lediglich ein alpiner BildTextband von Luis Trenker, vor allem wegen seiner Schwarz-Weiß-Fotos. Dieses Buch habe ich immer wieder durchblättert, allein und auch mit Frau Dornis, einer Nachbarin, zu der ich manchmal hinüberging, wenn ich allein war. Sie richtete meine Aufmerksamkeit auf die abgebildeten Bergdörfer, genauer gesagt auf die Kirchlein, die niemals fehlten. Immer wieder spornte sie mich an, sie zu suchen. Ich muss offen lassen, was das in meinem Unterbewusstsein bewirkt hat.
Der Künstler und Sozialgestalter Michael Wilhelmi
Als ich Michael Wilhelmi zum ersten Mal wahrnahm, das war irgendwann nach der Jahrtausendwende im Berliner Johanneszweig, wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, er könne etwas mit Kunst zu tun haben. Auf mich wirkte er ausgesprochen kopflastig und eher trocken als sinnlich. Ein langer, hagerer Mensch von umfangreichen anthroposophischen Kenntnissen, sehr engagiert auf verschiedenen Ebenen, der zu einem angesprochenen Problem schon Antworten suchte, noch bevor es sich ganz dargestellt hatte. Ein Praktiker und immer hilfsbereit. Erst viel später sah ich einen hellen, bearbeiteten und sorgsam polierten Granitblock von organischer Form im langen Flur der Kreuzberger Erzieherfachschule stehen, die er mitbegründet hatte und in die der Johanneszweig inzwischen umgezogen war. Da stutzte ich. Etwas später tauchte eine schöne kleine Bronze im Foyer des Rudolf Steiner Hauses in Berlin auf. »Die ist von Herrn Wilhelmi«, sagte mir jemand. Da hatte ich schon begonnen, mich für seine Arbeiten zu interessieren.
Der Anatom und Botaniker Olof Rudbeck d.J. (1660–1740) und sein Schüler Carl von Linné (1707–1778
Olof Rudbeck d.J. war der Enkel von Johannes Rudbeck (1581–1646), der nach Luthers Tod in Wittenberg studiert hatte, später eine segensreiche Wirksamkeit als Bischof in Västerås ausübte und das schwedische Schulwesen stark förderte. Und er war der Sohn von Olof Rudbeck d.Ä. (1630–1702), der Medizinprofessor in Uppsala war und über Atlantis schrieb. Olof Rudbeck der Jüngere (geb. am 15. März 1660 in Uppsala, gest. am 23. März 1740 ebd.) – oder auch Olaus Rudbeckius dy (den yngre)– war ein schwedischer Naturforscher, vor allem auf dem Gebiet der Botanik und der Ornithologie, dazu mehrfach Rektor der Universität Uppsala (1708, 1715 und 1724). 1687 ging er zum Studium der Botanik nach Holland, England und Deutschland. Es folgte ein Medizinstudium an der Universität in Utrecht, wo er 1690 den Doktortitel erwarb. 1692 kehrte er nach Schweden zurück und trat als Professor für Medizin die Nachfolge seines Vaters an der Universität Uppsala an. Er spezialisierte sich auf Anatomie, Botanik, Zoologie und Pharmakologie. Sein Kollege Lars Roberg (1664–1742) hielt Vorlesungen in Medizin, Chirurgie, Physiologie und Chemie.
Zur Internationalen Jahreskonferenz ›Living Light – Licht wirkt‹ der Medizinischen Sektion am Goetheanum
Will man heute erleben, was die Anthroposophie zu sagen hat und bewirken kann, dann besuche man eine der großen internationalen Tagungen der verschiedenen Sektionen der Freien Hochschule am Goetheanum. Wie auch schon auf der Tagung der Eurythmisten und Sprachgestalter zu Ostern, wurde auf dieser Jahreskonferenz der Medizinischen Sektion ganz deutlich, dass die Anthroposophie heute vor allem durch die Lebensfelder in der Welt wirksam ist. Etwa 800 Ärzte, Therapeuten, Pflegende und am Thema Interessierte aus etwa 30 Nationen hatten sich vom 13. bis 16. September 2018 am Goetheanum versammelt, um nach der Wärme, die im letzten Jahr Thema war, sich dem Licht und seinen Wirkungen zuzuwenden.
Zur Ausstellung ›Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus‹ im Berliner Museum für Gegenwart (Hamburger Bahnhof)
Ungewöhnlich und doch zeitlos schön wirken die meisten Bilder Emil Noldes (1867–1956): leuchtende Farben, spannungsvolle Kompositionen, träumerische Stimmungen und märchenhafte Motive. Wüsste man nicht, dass sichdie Ausstellung ›Emil Nolde – Eine deutsche Legende‹ um dessen nationalsozialistische Vergangenheit dreht – man würde angesichts der Gemälde nicht darauf kommen.
Zu Sergij Bulgakov: ›Aus meinem Leben‹
In der sechsten Generation orthodoxer Priester, zuvor jedoch, im jüngeren Lebensalter (und mit Schwerpunkt in den 1890er Jahren) einer der führenden Köpfe unter den Marxisten im vorrevolutionären Russland: Diese Spanne markiert nur einen der starken Gegensätze, die das Leben und Wirken Sergij Bulgakovs (1871–1944) bestimmen sollten. Während ein Vladimir Solov’ev im deutschsprachigen Raum weithin bekannt ist und hierzulande auch die Werke des 1937 in stalinistischer Lagerhaft ermordeten Priesters Pavel Florenskij einige Beachtung finden, ist der Name des dritten bedeutenden Lehrers der russischen Sophiologie bislang nur einigen wenigen Interessierten ein Begriff. Dabei könnte man, etwa, was die Ausbildung einer lehrmäßigen Systematik angeht, gerade bei Bulgakov von einer Kulmination der russischen Sophia-Verkündigung sprechen. Grund für seine relative Unbekanntheit ist vor allem, dass bisher kaum Übersetzungen seiner zahlreichen Schriften ins Deutsche vorliegen. Hier Abhilfe zu schaffen, haben sich die Herausgeberinnen auch des vorliegenden zweiten Bandes einer deutschen (in Teilen zweisprachigen) Werkausgabe vorgenommen: Regula M. Zwahlen und Barbara Hallensleben, die das Editionsvorhaben in der Reihe ›Epiphania‹ von der ›Université de Fribourg‹ aus betreiben.
Christiane von Goethe geb. Vulpius zum 200. Todestag
Zur Ausstellung ›Die Etrusker‹ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Sie nannten sich selbst »Rasenna« oder »Rasna« und siedelten in Mittelitalien zwischen dem Arno im Norden, dem Tiber im Süden und dem Tyrrhenischen Meer im Westen. Von jeher haftete den Etruskern die Aura des Geheimnisvollen an. Wer sie waren und woher sie kamen ist bis heute nicht hinreichend geklärt. Durch römische Autoren weiß man, dass es sich um eine Schrift verwendende Hochkultur handelte, ihre Eigenzeugnisse sind jedoch größtenteils verlorengegangen. Daher kommt der archäologischen Forschung eine Hauptrolle zu.
Ende März 2019 erreichte uns eine Anfrage unserer Kollegen von der Zeitschrift ›Info 3‹, wie wir es mit der Frage nach einer gendersensiblen Sprache halten. Nachdem wir dieses Thema auf der nächsten Redaktionssitzung besprochen hatten, entwarf ich folgende Antwort: »Unsere Redaktion besteht aus drei Männern und zwei Frauen. Der Chefredakteur ist ein Mann, die Herausgeberin eine Frau. Wir sind einmütig gegen das Gendern, weil wir finden, dass es sich dabei um eine äußerliche und intellektualistische Art des Umgangs mit der Sprache handelt. Gendern macht die Sprache sperrig, weil es den Schwerpunkt vom Bezeichneten auf das Zeichen verschiebt. [...]«
Zum Umgang mit einem problematischen Denkmal
In Heidenheim an der Brenz steht auf einer Anhöhe ein gemauerter Steinblock aus hellem Muschelkalk. Er bildet den Abschluss einer niedrigen Mauer, die einen Viertelkreisbogen um eine weit ausladende Buche schlägt. Der Steinblock trägt in reliefartigen Lettern den Namen eines Mannes, der von 1941 bis 1943 das deutsche Afrikakorps befehligte. Es wurden infolge dieses Feldzuges 220.000 Gefallene auf alliierter Seite gezählt sowie etwa 62.0000 auf der Deutschlands und Italiens. Zudem wurden etwa 20 Mio. Sprengminen in einem Küstenstreifen zwischen Libyen und Ägypten ausgelegt. Seit dem Zweiten Weltkrieg sind hier etwa 3.300 Menschen durch Minenexplosionen umgekommen. Mehr als 7.000 wurden verletzt.
Ein Film über den japanischen Künstler Susumu Shingu
Zu ›Max Klinger und das Kunstwerk der Zukunft‹ in der Bundeskunsthalle Bonn
Max Klinger (1857-1920), herausragender Vertreter des Symbolismus, zu seiner Zeit so hoch verehrt wie heftig angegriffen, wurde dieses Jahr anlässlich seines 100. Todestages vom Museum der bildenden Künste seiner Geburtsstadt Leipzig mit der umfangreichen Sonderausstellung ›Klinger und Europa‹ geehrt. Das Museum besitzt die weltweit größte Klinger-Sammlung. Dazu gehören neben Gemälden, Skulpturen sowie Entwurfsgipsen sämtliche grafischen Zyklen und ein umfangreicher Bestand an Zeichnungen, Druckplatten und zeitgenössischen Fotografien. Auch monumentale Werke befinden sich hier, so das Beethoven-Denkmal (1886-1902) und die wandfüllenden Gemälde ›Christus im Olymp‹ (1889-1897) und ›Die Kreuzigung Christi‹ (1888-1891). Das gleichzeitige Jubiläum des in Bonn geborenen Ludwig van Beethoven (1770-1820) veranlasste eine kluge Kooperation der Leipziger mit der Bundeskunsthalle. Internationale Leihgaben anderer zeitgenössischer Künstler erweitern die Sicht auf Klinger durch Vergleiche, darunter mehrere Werke von Auguste Rodin, Max Klimt oder die berühmte, 1895 geschaffene polychrome Büste der Sarah Bernhardt (ca. 1895) von Jean-Léon Gérôme aus dem Pariser Musée d’Orsay.
Zwei Ausstellungen im Museum Wiesbaden
Eine seltene Symbiose wird im Museum Wiesbaden dargeboten, das diese Zuschreibung bereits in seinem offiziellen Namen trägt: ›Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur‹. Im Sommer dieses Jahres wurde dort ein neuer Ausstellungsbereich eröffnet, der das Haus zu einem herausragenden Ort in der europäischen Museumslandschaft werden lässt. Er ist einer Schenkung des Wiesbadener Mäzens Ferdinand Wolfgang Neess gewidmet, der eine der bedeutendsten Privatsammlungen des Jugendstils und des Symbolismus zusammengetragen hat: mehr als 500 Objekte, darunter Möbel, Gemälde sowie Werke aus Glas, Porzellan und Keramik. Die Sammlung bietet einen Querschnitt durch alle Gattungen und stilistischen Positionen dieser Kunstrichtung, außerdem werden die Objekte in geografischer und thematischer Hinsicht miteinander in Bezug gesetzt. Die Ausstellungsräume im Südflügel wurden dafür zum Teil wie regelrechte Wohnungen eingerichtet. So ist ein Gesamtbild entstanden, das in dieser Form wohl einmalig ist. Als Besucher tritt man dadurch in eine Lebenswelt ein, wie sie befremdlicher nicht sein könnte.
Zwei Ausstellungen im Museum Wiesbaden
Im Juni 1921 kam der russische Maler Alexej von Jawlensky (1864–1941) erstmals nach Wiesbaden. Spontan traf er die Entscheidung, sich dort niederzulassen, wo er dann die letzten zwanzig Jahre seines Lebens zubrachte. Seine Grabstätte befindet sich auf dem russischen Friedhof auf dem Neroberg. In der Jubiläumsausstellung ›Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden‹, präsentiert das Museum Wiesbaden zum ersten Mal komplett die 111 Werke des Künstlers aus dem eigenen Bestand. Sie umfassen Jawlenskys gesamtes Schaffen, alle wichtigen Entwicklungsphasen des Künstlers – die frühe Münchener Phase mit den expressiven Köpfen, die Sommeraufenthalte in Murnau und das Schweizer Exil, sowie die Wiesbadener Periode – sind mit Hauptwerken vertreten. Die Wiesbadener Sammlung kann damit als die weltweit bedeutendste gelten. Die bereits zu Lebzeiten des Künstlers aufgebaute erste Wiesbadener Sammlung war von den Nationalsozialisten vollständig aufgelöst worden. Als »entartete Kunst« wurden die Gemälde an ihre Besitzer zurückgegeben bzw. beschlagnahmt und abtransportiert.
Ein Buch und eine Ausstellung erinnern an Sophie Stinde