Artikel von Christoph Hueck
Das Wesen des leibfreien Bewusstseins und einige Kriterien zu seiner Erkenntnis
In letzter Zeit gab es mehrfach Anlass, sich mit dem Thema des leibfreien, übersinnlichen Erkennens auseinanderzusetzen. Eine der Fragen, die dabei entstehen, ist: Führt das, was in diversen anthroposophischen Seminaren als Meditationsübungen praktiziert wird, zu übersinnlichen Erkenntnissen eines leibfreien Bewusstseins, oder handelt es sich lediglich um verfeinerte Sinneserfahrungen? Sind beispielsweise die inneren Bewegungseindrücke und Erlebnisse, die man an der Beobachtung von sprießenden oder welkenden Pflanzen bekommen kann, übersinnlich, oder sind es in das Bewusstsein hinaufgeholte und ästhetisch verfeinerte Eindrücke der »unteren« Sinne, des Tast-, Lebens-, Bewegungs- und Gleichgewichtssinnes?
Eindrücke von einer Reise nach Kiew im April 2018
Der Kiewer Taxifahrer »Do you speak English?« - »I speak Google!« Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt unterhalten wir uns mit Hilfe des Internets: Er spricht laut und deutlich in sein Handy, oben auf dem Bildschirm erscheinen die Worte in kyrillischer Schrift, unten auf Deutsch. Dann bin ich dran. Nach einigem Hin und Her über Wetter und Verkehr frage ich, wie sich die Ukraine in den letzten 20 Jahren verändert habe. Er: »Es ist schlechter geworden.« – »Was war früher besser?« – Er, nach einer Pause: »Die Menschen. – Ich war früher besser.« Pause, Lächeln: »Ich war jünger …« Über Politik möchte er nicht gern reden: »Ich brauche keine Politik, ich brauche gute Polizei.« Er stammt aus Russland, hat ein Häuschen in Odessa und war als sowjetischer Soldat in Wladiwostok und Moskau, zu DDR-Zeiten auch mal in Ostberlin. Für ihn war es früher wohl besser.
Eine Tagung zu ›Anthroposophie – ein Fragment‹ am Goetheanum
Organisiert von der Sektion für schöne Wissenschaften fand vom 16. bis 18. März in Dornach eine von 120 Teilnehmern besuchte Tagung zu Rudolf Steiners nicht vollendeter Schrift ›Anthroposophie – ein Fragment‹ statt, in welchem die Geisteswissenschaft »auf halber Höhe« zwischen Anthropologie und Theosophie verortet wird. Während die Anthropologie nur auf das physische Dasein des Menschen blickt, die Theosophie auf das Göttliche in ihm, nimmt die Anthroposophie eine mittlere Perspektive ein, die das Physische aus geistiger Sicht zu begreifen sucht. Die Sinne des Menschen, seine Lebensvorgänge und seine Gestalt werden als Wirkungen und Offenbarungen übersinnlicher Welten beschrieben. Die schriftliche Ausarbeitung des schon 1909 in Vorträgen Referierten gestaltete sich für Rudolf Steiner jedoch so schwierig, dass das Buch Fragment blieb und erst 1951 erstmals veröffentlicht wurde.
Sinn und Auftrag der Waldorfpädagogik
Man sagt, die Waldorfpädagogik sei eine Erziehung zur Freiheit. Sie strebe danach, die Anlagen, die jedes Kind in sich trage, in umfassender Weise zu entwickeln. Ja, das ist eines ihrer Ziele – aber eben nur eines. Im August 1919, kurz vor der Begründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart, erläuterte Rudolf Steiner den Dornacher Anthroposophen, was mit der Waldorfschule eigentlich erreicht werden soll. Es geht um eine dreifache Befähigung des späteren, erwachsenen Menschen: zu Freiheit im sozialen Miteinander, zum Verständnis von Gleichheit im rechtlichen Bereich, und – als höchstes Ideal – zu Brüderlichkeit im wirtschaftlichen Leben. Steiners Analyse war eindeutig: »Eine der allerwichtigsten sozialen Fragen für die Zukunft ist die Erziehungsfrage.« Was in der Kindheit und Jugend entwickelt wird (oder nicht), bestimmt das Denken, Fühlen und Wollen des späteren Lebens und damit das soziale Miteinander in umfassender Weise. Man muss bis zu einem gewissen Grad selbst seelisch gesund sein, wenn man sich gesund verhalten können soll.
Das Moskauer Darwin-Museum, Goethe und die Anthroposophie
Manchmal kann man darüber verzweifeln, wie wenig sich Naturforscher für Goethes und Rudolf Steiners Ideen zur Erneuerung der organischen Wissenschaft interessieren. Das kann wohl gegenwärtig noch nicht anders sein. Umso größer ist die Freude, wenn man einmal auf solches Interesse stößt – selbst dann, wenn es nur historisch ist. In dem hier zu beschreibenden Fall handelt es sich um eine frühe Verbindung zwischen Darwinismus, Goetheanismus und Anthroposophie.