Zur Bedeutung der »charakterologischen Veranlagung« in Rudolf Steiners ›Philosophie der Freiheit‹
»Michael muß uns durchdringen als die starke Kraft, die das Materielle durchschauen kann, indem sie im Materiellen zugleich das Geistige sieht«1 - Rudolf SteinerMit Eduard von Hartmanns Hinweis auf die determinierende Kraft charakterlicher Verschiedenheiten der Menschen führt Rudolf Steiner im I. Kapitel der »Philosophie der Freiheit« einen Freiheitsgegner an, der sich von den Auffassungen der großen Masse ihrer Gegner unterscheidet. Denn diese halten es für prinzipiell unmöglich, die Naturkausalität auf dem Gebiete menschlichen Handelns unterbrochen zu denken. ...
Selbstlosigkeit als Mitte einer Ästhesiosophie
»Sieghafter Geist / Durchflamme die Ohnmacht / Zaghafter Seelen. /Verbrenne die Ichsucht, / Entzünde das Mitleid, / Dass Selbstlosigkeit, / Der Lebensstrom der Menschheit, /Wallt als Quelle / Der geistigen Wiedergeburt.«Rudolf Steiner, 20 September 1919Dieser michaelisch gestimmte Spruch, den Marie Steiner bei der Erstveröffentlichung mit der Überschrift ‘Meditationsworte, die den Willen ergreifem versah, wurde von Rudolf Steiner am sechsten Jahrestag der Grundsteinlegung des ersten Goetheanums, am vierzehnten Tag nach der Eröffnung der ersten Waldorfschule verdichtet. Hier begegnen wir zwei Gebärden des Ich, die einen radikalen Gegensatz erzeugen.
In dem michaelischen Zeitalter, in dem wir leben, geht es einerseits darum, das eigene Denken zu verlebendigen und zu spirrtualisieren. Es geht aber genauso dringlich darum, die Sinneswahmehmungals etwaszu schulen undzu erleben, in dem auch das Seelische der Welt mitschwingt. Mit dem Vollziehen des von Steiner so genannten »Lichtseelenprozesses«, wird Stück um Stück der Materialismus unserer Zeit überwunden. Die Wandlung der Welt fangt bei jedem einzelnen Menschen an.
Rudolf Steiners Karmavorträge von 1924 als Denkkunstwerk
Erkenntnis, in alten Zeiten als Offenbarung eine Gottesgabe, ist immer mehr individuelle menschliche Leistung geworden. Am Beginn dieser Entwicklung steht Sokrates mit seinem schockierend radikalen Zurückweisen aller überlieferten Weisheit: »Ich weiß, dass ich nichts weiß.« Sein Erkenntnisinstrument ist die Frage, als Einladung an den einzelnen Menschen, selbst zu denken. Dies führt zu der Einsicht und Grundregel der Philosophie, dass Weisheiten sekundär sind und nicht zu Dogmen erstarren sollten, dass Gedanken nicht das Denken ersetzen können. Das Denken selbst ist das Primäre, das lebendige Huhn, das immer neue Eier legt. In der Konsequenz entscheidet sich Lessing, wenn Gott ihm in der einen Hand die Wahrheit, in der anderen die Suche nach der Wahrheit zur Wahl bieten würde, für die Suche; nicht für die Produkte, die Erkenntnisse, sondern für die Erkenntnisfähigkeit als menschliche Produktionskraft. Und wenig spater stellt Hölderlin diese Umwendung im menschlichen Erkennen in einen großen Zusammenhang: »Denn nicht vermögen / Die Himmlischen alles. Nemlich es reichen / Die Sterblichen eh' an den Abgrund. Also wendet es sich, das Echo, / Mit diesen. Lang ist / Die Zeit, es ereignet sich aber / Das Wahre.«
zu den Planetensäulen Rudolf Steiners
Die »Säulenworte« gehören zu den rätselhaftesten Dingen, die Rudolf Steiner hinterlassen hat. Auf zwei Zetteln aus dem Jahr 1911 oder 1912 sind Zeichnungen von Säulen, Kapitellen und Architraven zu sehen, wie sie später in den beiden Kuppelsälen des Goetheanum in Dornach gebaut worden sind. Die Kapitellformen des großen Kuppelsaales gleichen denen von Malsch und von Stuttgart. Als gezeichnete Säulen zierten sie allerdings bereits 1907 während des Münchner Kongresses die Wände des Saales. Offenbar hat Steiner die einmal entwickelten Formen stets beibehalten. Aber nur auf jenem Zettel ist in den Schaft jeder Säule der großen Kuppel jeweils ein Wort eingeschrieben: »DAS ES« - AN ES« - »IN ES« - »ICH« - »VOM ICH« - »AUS MIR« - »ICH INS ES«. Was sollen diese Worte besagen? Nirgends im gesamten Werk Rudolf Steiners scheint es einen Hinweis in Bezug auf diese Worte zu geben.
Zur gegenwärtigen Aufarbeitung der Corona-Politik – Teil III
Die Corona-Krise und die in derselben ausgeübte Pandemie-Politik wurden bislang weder in der allgemeinen Öffentlichkeit noch in den anthroposophischen Zusammenhängen grundlegend aufgearbeitet. Mit Teil I und II dieser Artikelfolge sollte dazu ein Beitrag geleistet werden. In diesem abschließenden dritten Teil geht es vor allem um die Grundlagen einer Freiheitsauflassung, wie sie aus anthroposophischer Sicht dem zweiten Narrativ2 der Corona-Zeit zugrunde gelegen hat und auch noch heute liegen kann, nämlich die des »ethischen Individualismus«.
Vergnügliche Lektüre-Reise
Begleitung eines Sterbens
Ein Lichtblick in der Dunkelheit
Sommerliche Gedanken über unsere Ernährung
»Schon wieder Gedanken über unsere Ernährung? Ist uns doch alles l.ngst bekannt. Hoffentlich kommt da nicht wieder einer mit Lob der Veggie-Kost, oder mit der Gesundheit dank vegetarischem Essen. Oder mit Apfelessig zum angeblichen Abnehmen, oder mit ...« Gell, da fällt einem gleich mancherlei ein zu solcher Überschrift. Nun ist das Thema längst nichts Neues. Auch das nicht mit Tante Berta, die ihr Leben lang ihren Hackbraten genoss und trotzdem mit 82 noch fit und lebenslustig war – oder war sie damals nicht schon 85?
Zu Bron Taylor: ›Dunkelgrüne Religion‹
Vor allem durch drei Aspekte fasziniert das Buch ›Dunkelgrüne Religion‹ des amerikanischen Religionswissenschaftlers Bron Taylor: es hat nicht nur einen wunderschönen Titel, sondern beschreibt auch spannend die in Deutschland wenig bekannte Geschichte naturreligiöser Bewegungen in den USA und skizziert eine »vernunftgestützte« Spiritualität der Zukunft, die auch an Erkenntnissen der Wissenschaft orientiert sein sollte.
Zu Bernd Rosslenbroich: ›Properties of Life‹
»Was also ist das Leben?« Mit dieser Frage beschäftigt sich das neueste wissenschaftliche Buch von Bernd Rosslenbroich, Leiter des Instituts für Evolutionsbiologie der Universität Witten/Herdecke. Man könnte darin eine Abwandlung der Frage des Augustinus nach dem Wesen der Zeit sehen, auf die der Kirchenvater geantwortet hat: »Wenn keiner mich fragt, weiß ich es; wenn einer mich fragt und ich es erklären soll, weiß ich es nicht mehr.« Denn so ist es mit dem Lebendigen: Wir kennen es selbstverständlich und intuitiv, aber um eine befriedigende wissenschaftliche Erklärung ringt die Biologie seit über 2.000 Jahren.
Zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich (5. September 1774 in Greifswald – 7. Mai 1840 in Dresden)
Greifswald, die Stadt am Meer. Hier wurde vor 250 Jahren Caspar David Friedrich, der bedeutendste Künstler der deutschen Romantik, geboren. Ich kenne Greifswald aus den 60er Jahren; es ist ein Wiedersehen nach langer Zeit. Doch au.er der markanten Silhouette der Kirchen – Marienkirche, Dom St. Nikolai und Jakobskirche – ist die Stadt kaum wiederzuerkennen. Aus einer grauen, fast verfallenen Altstadt durch Renovierung und Restaurierung auferstanden, ist sie so schön wie nie zuvor.
Zu Markus Sommer u.a.: ›Plastisch-therapeutsches Gestalten‹
In seinen Händen lebt der Mensch von Anbeginn so, wie er die Welt ergreift und begreift. In unserer Zeit, in der die Menschen mit ihren Fingerspitzen Glasscheiben betasten, um durch elektrisch leuchtende Zeichen ihre Wege, ihre Heilmittel und ihre Orientierung zu finden, tritt ein schweres, gewissermaßen aus feuchtem Ton geborenes, aber hellwach und einfühlsam geschriebenes Buch ans Licht und sagt: »Ergreife Erde und gestalte sie!« Gegen Ende des Buches heißt es zusammenfassend: »Schon das bloße Ergreifen und plastische Gestalten von Substanz kann therapeutisch wirksam sein. So wurden schwer beeinträchtige, neurologisch erkrankte, an Schlaganfällen sowie an Epilepsie leidende Patienten im Rahmen einer Studie gebeten, einen Klumpen Ton frei zu gestalten. Dabei zeigte sich, dass allein durch ein solches unsystematisches schöpferisches Tun und das Erfahren von Selbstwirksamkeit eine signifikante und anhaltende Besserung ihres Befindens bewirkte, was auf der Beck Hopelessness Scale (BHS) als signifikanter Therapieeffekt dokumentiert werden konnte.« (S. 294)
Zur Pfingsttagung ›Neue Wege‹ in Budapest anlässlich des 100. Geburtsjahres von Georg Kühlewind
Man traf sich vom 17. bis zum 19. Mai 2024 in Budapest, der Geburtsstadt Georg Kühlewinds, in den großzügigen Räumen einer Schule an einem grünen Hang über der lebhaften Stadt. Eine pfingstliche »hohe Zeit« war es, ein wahres Fest – des gemeinsamen Übens, der Begegnungen mit alten Freunden, des Entstehens neuer Freundschaften und der Besinnung auf di zukunftsweisenden Impulse, die Georg Kühlewind mit seinem Lebenswerk gegeben hat. Und der »Zufall« wollte es, dass wir uns dabei in der Nähe des Hauses befanden, wo er über etliche Jahre mit Freunden meditiert hatte.
Wenn ein Kind auf die Welt kommt, dann hat es ein natürliches Vertrauen, ein »Urvertrauen« zu seinen Eltern. Das kleine Kind kennt eine Zeit lang noch keine Angst. In ihm tritt ein geistiges Wesen in die geformte Welt seines Leibes, lebt aber noch im Urvertrauen zu seinem Ursprung, zur geistigen Welt. Erst durch die Bildung der Seele, dem Bindeglied zwischen Leib und Geist, lernt es die Angst und später auch den Zweifel kennen.
Vom Eros des Denkens
Es gibt ein schöpferisches Verstehen, ein kreatives Anschauen, das nichts zu tun hat mit Interpretation. Darin sind sich zwei so unterschiedliche Geister wie Bertolt Brecht und Rudolf Steiner einig. Brecht: »›Was tun Sie‹, wurde Herr K. gefragt, ›wenn Sie einen Menschen lieben?‹ ›Ich mache einen Entwurf von ihm‹, sagte Herr K., ›und sorge, da. er ihm ähnlich wird.‹ ›Wer? Der Entwurf?‹ ›Nein‹, sagte Herr K., ›der Mensch.‹. Und Steiner: »Man sagt: die Liebe mache blind für die Schw.chen des geliebten Wesens. Die Sache kann auch umgekehrt angefaßt werden und behauptet: die Liebe öffne gerade für dessen Vorzüge das Auge. Viele gehen ahnungslos an diesen Vorzügen vorbei, ohne sie zu bemerken. Der eine sieht sie, und eben deswegen erwacht die Liebe in seiner Seele. Was hat er anderes getan: als von dem sich eine Vorstellung gemacht, wovon hundert andere keine haben. Sie haben die Liebe nicht, weil ihnen die Vorstellung mangelt.«
Eine Gegenbewegung – Zweiter Teil
Ich wache mitten in der Nacht auf. Da ist Geschmack von Blut in meinem Mund. Ich weiß sofort, was das bedeutet. Ich schlage die Decke weg, huste. Obwohl es dunkel ist, sehe ich den Auswurf. Ich habe es im Blut. Sagt man doch. Es bedeutet, dass man »es« mit seinem Ich verbunden hat, dass es einem gehört, als Fähigkeit, an die man sich immer erinnern wird. Ich besitze die Fähigkeit, mich krankzumachen und mich zu heilen.
Gedanken über einen althochdeutschen Text aus den mittelalterlichen Schreibstuben des Klosters Reichenau
Aus der Mitte des 10. Jahrhunderts ist das anonyme Text-Fragment eines althochdeutschen Textes auf ratselhafte Weise aus einem der Skriptorien (Schreibstuben) des Klosters auf der Bodenseeinsel Reichenau auf uns gekommen. Es handelt sich um eine poetische Fassung von Joh 4,1-42, der Begegnung Jesu mit einer samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen in Sichem. Und so könnte es gewesen sein: Ein Bruder aus dem Orden des Hl. Benedikt im Kloster auf der Reichenau ging an einem uns unbekannten Tag um die Mitte des 10. Jahrhunderts nach der mittäglichen Ruhe wieder in das Skriptorium zu seiner Arbeit, dem Abschreiben eines trockenen historischen Textes, der ›Lorscher Annalen‹ (Annales Laureshalmenses‹), einer Aufzählung von Ereignissen aus der Zeit Karls des Großen.
Wie war dieser Bau gemeint?
Es ist bekannt, dass der Bau des zweiten Goetheanums nicht in jener Höhe errichtet werden konnte, die dem ursprünglichen Entwurf Rudolf Steiners entsprach. Doch welche Höhe war vorgesehen und wichtiger noch: Wie hätte der Bau dann gewirkt? In dieser Frage hatte ich mich immer an das von Rudolf Steiner gefertigte Baumodell bzw. seinen Gipsabguss gehalten. Günstige Umstände hatten mir erlaubt, von diesem Modell Fotos in einer dem realen Baueindruck entsprechenden Perspektive zu machen. Sie lassen eine Aufrichtekraft erkennen, die dem schließlich entstandenen Bau entschieden abgeht.
Otto Heinrich Jaeger und seine Freiheitslehre
Mit dem Siegeszug der modernen materialistischen Naturwissenschaften und ihrem Durchsetzen als alleinige Erklärungsinstanz gerieten jene Denker in Vergessenheit, dieals Nachfolger, Fortsetzer und Überwinder des Idealismus von 1820 bis 1860 auftraten und eine Brücke zur Anthroposophie hätten bauen können. Rudolf Steiner spricht indiesem Zusammenhang von einem »verschütteten Geistesleben«1. Der vorliegende Aufsatz widmet sich den Gedanken des Philosophen Otto Heinrich Jaeger (1828–1912) undbeleuchtet insbesondere seinen Freiheitsbegriff sowie seinen Reihenbegriff, wie sie sich im Verlauf seines geistigen Weges bildeten.
Warum wir »geistige Monokulturen« überwinden müssen
In den letzten 200 Jahren hat sich eine sehr einseitige Art des Denkens über die Natur und das soziale Leben herausgebildet. Dieses Denken hat Folgen, die zur Bedrohung fürunsere Gesundheit und die gesamte Welt werden. Der folgende Artikel sucht nach Wegen, auf denen wieder eine größere Vielfalt auf verschiedenen Ebenen des Lebens möglich wird. Dabei erscheint Diversität immer mehr als eine Quelle der Gesundheit.
Über die Philosophie von Édouard Glissant und das künstlerische Werk von Régis Granville
Die Überwindung eurozentrischer kolonialer Denkweisen und Machtstrukturen dauert an. Dabei handelt es sich nicht allein um eine politische Angelegenheit, sondern um die menschheitliche Aufgabe, das zukünftige Zusammenleben auf der Erde neu zu gestalten. Modellartig leuchtet die kreolische Kultur auf, die aus dem Zusammenkommen verschiedener Ethnien, Sprachen und Lebensarten in der Karibik entstanden ist und die sich sehr wahrscheinlich weltweit ereignen wird. Die Kreolisierung offenbart sich, indem über das Vergangene und Tradierte hinaus nach zukünftigen Lebensgestaltungen gesucht wird. Die Philosophie von Édouard Glissant und das künstlerische Werk von Régis Granville rufen facettenreich Ideen für eine postkoloniale und zukunftsbewusste Lebensweise wach. Der folgende Essay basiert auf einer Spurensuche auf der Antilleninsel Martinique.
Ideologie und Fakten - Teil II
Der Umgang mit dem Begriff »Rassismus« verdient an dieser Stelle eine Klärung. Gegenwärtig wird er häufig pauschal und nicht selten populistisch verwendet; wie beispielsweise der Kampfbegriff des »Kommunismus« in Zeiten des Kalten Krieges, vor allem in der McCarthy-Ära. Damals stand schnell unter »Kommunismus «-Verdacht, wer eine allzu liberale Haltung gegenüber der Sowjetunion einnahm, soziale Gerechtigkeit forderte, sich nicht eindeutig von früheren, linken Aktivitäten distanzierte oder einfach nur »falsche« Bekanntschaften geschlossen hatte. In ähnlicher Weise kann heute der Gebrauch eines »falschen« Wortes im »falschen« Kontext als »Rassismus« gewertet werden. Nuancierte Beschreibungen für unpassendes Verhalten, Unhöflichkeit, Vorurteile, Unbildung, Missverständnisse oder situativen Zorn werden häufig nicht Erwägung gezogen.
Zur gegenwärtigen Aufarbeitung der Corona-Politik – Teil II
Im ersten Teil dieses Artikels habe ich mich mit einem im Januar 2024 von dem deutschen Soziologen Klaus Kraemer an der Universität in Graz veranstalteten Podiumsgespräch beschäftigt, an dem auch der in Kassel lehrende Soziologe Heinz Bude teilnahm. Bude hat bei diesem Versuch einer Aufarbeitung der Corona-Politik ein Narrativ vertreten, das – wie ich schrieb – »eine nationale Gemeinschaft umfassende staatliche Ordnung als den Souverän« ansieht, »der im Falle einer Pandemie qua Exekutive das individuelle Handeln einschränken und zugunsten der allgemeinen Gesundheit vor allem durch Überwachungsmaßnahmen, aber auch durch Ausgangssperren bis hin zu sogenannten ›Lockdowns‹ regulieren kann.« Das zweite Narrativ, »das bis heute nur von einer Minderheit der Bevölkerung getragen wurde, sieht hingegen die freie Entfaltung der Persönlichkeit auch dann an erster Stelle, wenn die allgemeine Gesundheit einer Menschengemeinschaft durch eine Virusepidemie bedroht wird. Dieses Narrativ sieht den Souverän mithin in jedem einzelnen Individuum, in dessen individuelle Verantwortlichkeit auch das Verhalten in einer Pandemie gestellt ist.« Im Folgenden soll es nun um einen weiteren Versuch zur Aufarbeitung der Corona-Politik gehen, nämlich um die Rezeption der im März 2024 veröffentlichten »RKI-Protokolle«.