Artikel von Klaus J. Bracker
Christliche Ursprünge moderner Demokratie. Zugleich ein Blick auf Theo Kobusch: ›Die Entdeckung der Person‹
Seit gut 75 Jahren hat anthroposophisches Leben in den meisten deutschsprachigen Gebieten innerhalb von Gemeinwesen sich entwickeln und prosperieren können, die es in seinem Bestehen sichern, eingebettet in freiheitliche, demokratische Staatswesen. Wo sich aber, wie neuerlich zunehmend zu bemerken ist, durch Anthroposophie angeregte Weltsichten mit Ansätzen eines wieder stärker aufstoßenden völkischen Nationalismus durchmischen, ist es oftmals die Demokratie selbst, die skeptisch ins Visier genommen wird. Daraus ergeben sich Fragen an das anthroposophische Selbstverständnis, zumal diese Kritik an der Demokratie sich auf bestimmte Äußerungen Rudolf Steiners beruft, wie etwa im ersten ›Memorandum‹ von 1917.
Zu Manuel Schlögl: ›Die Freiheit des Sohnes‹
Manuel Schlögl, deutscher Theologe und Lehrstuhlinhaber für Dogmatik und ökumenischen Dialog an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie, legte 2022 eine weit ausholende Studie zur Christologie Maximus des Bekenners als Habilitationsschrift vor – eine Arbeit, die mit Umsicht und Sorgfalt in die komplexe geistige Welt des Bekenners einführt. Schlögls Gedankensprache ist durchgängig von klarer, ruhiger, stets überzeugender Gediegenheit, die sich womöglich nur damit erklären lässt, dass er die Theologie des Bekenners nicht nur gründlich rezipiert, sondern in ihrer vielschichtigen Struktur im besten Sinne des Wortes auch meditativ durchdrungen hat. Maximus, genannt Maximus Confessor bzw. in der griechischen Orthodoxie Maximos Homologetes (580-662), steht mit seinem Lebenswerk für ein Jahrhunderte überspannendes Ringen um eine Christologie, die geeignet ist, das Göttliche und das Menschliche in dem Christus Jesus in ihrem wechselseitigen dynamischen Verhältnis – gewissermaßen gleichrangig – für Menschen denkbar zu machen.