Artikel von Andreas Neider
Zu einer neuen Gesamtedition seines musikalischen Werkes
›Bach 333‹ – das sind 32 Labels, 222 CDs, 750 Interpreten und Ensembles, 280 Stunden Musik, zehn Stunden neue Aufnahmen, darunter sieben Ersteinspielungen, zwei Luxus-Hardcover-Bücher mit einer illustrierten neuen Bach-Biografie von Dorothea Schröder sowie zehn neuen Essays von Bach-Wissenschaftlern und einer Beschreibung sämtlicher enthaltener Werke durch Nicholas Kenyon, die Vorabausgabe der dritten Auflage des BWV (Bachwerkverzeichnis) sowie sechs Programmbroschüren mit Tracklistings und sämtlichen Gesangstexten, herausgegeben von der Deutschen Grammophon.
Zur zweiten Transhumanismus-Tagung der Sektion für Schöne Wissenschaften
Eine Tagung zu den Herausforderungen des Transhumanismus am Goetheanum in Dornach
Christiane Haid und Ariane Eichenberg hatten für die Sektion für Schöne Wissenschaften zu dieser groß angelegten und prominent besetzten öffentlichen Tagung vom 7. bis zum 9. September 2018 ans Goetheanum eingeladen und waren damit auch ein Wagnis eingegangen: Wie würden sich die drei Schriftsteller Galsan Tschinag, Sibylle Lewitscharoff und Patrick Roth mit den drei Hochschulprofessoren Roland Benedikter, Christian Kreiß und Michael Hauskeller sowie dem anthroposophischen Arzt René Madeleyn und der Priesterin der Christengemeinschaft Yaroslawa Black-Terletzka verstehen? Und welches Bild würde dabei nicht nur vom Transhumanismus, sondern auch von der Anthroposophie entstehen?
Ein Seminar im Forum 3 Stuttgart zur anthroposophischen Karmaforschung
Steffen Hartmann (*1976), Musiker, Buchautor, Verleger und Dozent für Anthroposophie aus Hamburg, hat im Jahre 2014 in der Zeitschrift ›Die Gegenwart‹ einen Aufsatz zur Karmaerkenntnis im Lichte der »Michaelprophetie« Rudolf Steiners veröffentlicht. In diesem Aufsatz äußerte er sich erstmals öffentlich über seine diesbezüglichen Einsichten und Erfahrungen. Rudolf Steiner beschrieb diese Prophetie im Jahre 1924 wie folgt: »Es ist etwas, was leben sollte in den Herzen, in den Seelen derjenigen, die sich Anthroposophen nennen. Und das wird einem die Kraft geben, nun weiter zu wirken; denn diejenigen, die heute Anthroposophen sind, im ehrlichen, wahren Sinne Anthroposophen sind, die werden einen starken Drang haben, bald wiederum zur Erde herunterzukommen. Und innerhalb der Michael-Prophetie sieht man voraus, wie zahlreiche Anthroposophenseelen mit dem Ende des 20. Jahrhunderts wiederum zur Erde kommen, um das, was heute mit starker Kraft als anthroposophische Bewegung begründet werden soll, zur vollen Kulmination zu bringen.«
Zum VIII. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft am 9. Juni 2018 im Rudolf Steiner-Haus Stuttgart
Es ist Nacht geworden, und er hat sich im Hoggargebirge mitten in der Sahara verlaufen, hat seine Reisegruppe verloren, nichts Warmes anzuziehen, fast nichts mehr zu trinken: Es geht ums nackte Überleben. Denn die Nächte in der Sahara sind gnadenlos kalt und ohne entsprechende Ausrüstung kaum zu überleben. Eric Emanuel Schmitt ist 28 Jahre alt und erzählt 25 Jahre später in seinem Roman ›Nachtfeuer‹ (Frankfurt a.M. 2017) von den Erlebnissen dieser abenteuerlichen Nacht in der Sahara. Wie er sich im heißen Wüstensand eingrub, um nicht zu erfrieren, wie er sich plötzlich außerhalb seines Leibes, über sich schwebend empfand, und wie er dadurch unmittelbar die Erfahrung eines unabhängig vom Leib Existierenden machen konnte, die aus ihm, dem materialistisch gesinnten jungen Mann, einen spirituell suchenden Menschen gemacht hat.
Zur Ausstellung ›Fabienne Verdier - Gesang der Sterne‹ im Unterlinden Museum in Colmar
Gegenw.rtig und noch bis zum 27. März 2023 ist eine außergewöhnliche Ausstellung der französischen Künstlerin Fabienne Verdier im Unterlinden-Museum von Colmar zu sehen, die man sich, besonders wenn man den Isenheimer-Altar schon immer bewundert hat, nicht entgehen lassen sollte. Fabienne Verdier, Jahrgang 1962, studierte Kunst zunächst in Toulouse, war aber mit ihrer klassischen Ausbildung nicht zufrieden. Sie lernte Chinesisch und ging dann von 1984 bis 1993 nach China, um in Sichuan klassische chinesische Kalligrafie und Malerei bei einem der noch lebenden alten Meister zu studieren. In ihrer Autobiographie ›La passagère du silence‹ hat sie ihre Initiation in die chinesische Kalligrafie eindrücklich beschrieben. Sieben harte Jahre des Studiums haben sie völlig verändert und zu einer spirituell orientierten, stark meditativ arbeitenden Künstlerin gemacht.
Zwei internationale Tagungen am Goetheanum
Vom 30. Januar bis 2. Februar und vom 5. bis 8. Februar 2020 fanden am Goetheanum in Dornach zwei große internationale Tagungen mit insgesamt über 1.000 Besuchern aus aller Welt statt, über die hier berichtet werden soll. Hatte bislang noch keine Sektion der Freien Hochschule die Klima-Krise zum Gegenstand einer öffentlichen Tagung gemacht, so ist es den Initiatoren der Jugend-Sektion, Johannes Kronenberg, Andrea de la Cruz, Rocio Ferrera, Ioana Viscrianu, und ihrer Leiterin Constanza Kaliks zu verdanken, dass dieses brennende Thema endlich auch von anthroposophischer Seite aus beleuchtet werden konnte.
Zur Internationalen Jahreskonferenz ›Living Light – Licht wirkt‹ der Medizinischen Sektion am Goetheanum
Will man heute erleben, was die Anthroposophie zu sagen hat und bewirken kann, dann besuche man eine der großen internationalen Tagungen der verschiedenen Sektionen der Freien Hochschule am Goetheanum. Wie auch schon auf der Tagung der Eurythmisten und Sprachgestalter zu Ostern, wurde auf dieser Jahreskonferenz der Medizinischen Sektion ganz deutlich, dass die Anthroposophie heute vor allem durch die Lebensfelder in der Welt wirksam ist. Etwa 800 Ärzte, Therapeuten, Pflegende und am Thema Interessierte aus etwa 30 Nationen hatten sich vom 13. bis 16. September 2018 am Goetheanum versammelt, um nach der Wärme, die im letzten Jahr Thema war, sich dem Licht und seinen Wirkungen zuzuwenden.
Eine Fukushima-Gedenktagung am Eurythmeum in Aesch/CH
Einer Initiative von Sara Kazakov, die vom 9.-11. März 2018 gemeinsam mit einer Gruppe von Eurythmisten am Eurythmeum in Aesch zum zweiten Mal eine Gedenktagung für die Opfer der atomaren Katastrophe in Fukushima veranstaltet hat, ist es zu verdanken, dass zumindest in anthroposophischen Kreisen die bisher größte Katastrophe des 21. Jahrhunderts nicht nach sieben Jahren schon wieder vergessen wird.
Zu Hartmut Rosa: ›Unverfügbarkeit‹
Hartmut Rosa muss spätestens seit seinem Opus magnum ›Resonanz‹als der gegenwärtig wohl meistgelesene und einflussreichste deutsche Soziologe gelten, der nicht ohne Grund Direktor des ›Max-Weber-Kollegs‹ in Erfurt ist. In seinem neuen, auf zwei in Graz im Frühjahr 2018 gehaltenen Vorlesungen beruhenden Buch verdichtet er seine Weltsicht und Gesellschaftskritik im Hinblick auf sein Resonanzkonzept und macht uns dieses – auch im anthroposophischen Sinne – noch interessanter.
Zum IV. Kongress ›Meditation und Wissenschaft‹
550 Teilnehmer waren am ersten Adventswochenende 2018 nach Berlin zum vierten Kongress ›Meditation und Wissenschaft‹ unter dem Titel: ›Meditation zwischen Abgrund und Nirvana‹ gekommen und diskutierten vor allem zwei Fragen: Wieweit lässt sich die Meditation – unter der in diesem Kontext grundsätzlich die buddhistisch inspirierte Achtsamkeits- oder die säkularisierte Zen-Meditation verstanden wird – zu Zwecken der Selbstoptimierung nutzen? Und: Wieweit wird das, was mit dieser Art der Meditation ursprünglich gesucht wurde, nämlich ein tieferes und wahres Verstehen der eigentlichen Natur der Welt und damit auch des eigenen Selbst, dadurch verraten, dass man Achtsamkeit im Sinne eines wirtschaftlichen und gesundheitlichen Effektivitätsdenkens instrumentalisiert? Der Kongress sollte mithin ein Statement gegen »Achtsamkeit light« sein.
Über die ›Living Connections‹-Konferenz zur anthroposophischen Meditation am Goetheanum
In hochsommerlicher Stimmung und bei Temperaturen bis zu 37 Grad fand vom 7.–9. Juli 2017 die ›Living-Connections‹-Konferenz am Goetheanum mit insgesamt etwa 450 Teilnehmern aus aller Welt statt. Vorbereitet hatte diese groß angelegte Konferenz die ›Goetheanum-Meditation-Initiative-Worldwide‹, die vor sieben Jahren auf Anregung von Arthur Zajonc und anderen am Goetheanum und in Järna/Schweden entstanden ist. Diese Initiativgruppe mit einem Kern aus zwölf Menschen und einem erweiterten Kreis von mittlerweile etwa 75 Menschen aus allen Teilen der Welt, vor allem aber aus dem Westen, hatte einen großen Rahmen aufgespannt, in dem es tatsächlich möglich wurde, anthroposophische Meditation und Spiritualität in einer großen Offenheit und Weite zu erfahren.
Zur internationalen Fachkonferenz für Eurythmisten, Sprachgestalter, Heileurythmisten und Interessierte vom 2. bis 6. April 2018 am Goetheanum
Am Goetheanum in Dornach traf sich in der Osterwoche die heute weltweit ausgebreitete und vor nunmehr über 100 Jahren aus der Anthroposophie hervorgegangene Sprachgestaltungs- und Eurythmie-Bewegung zu einer internationalen, von über 600 Teilnehmern besuchten Konferenz. Dieses Ereignis hatte – wie mittlerweile viele solcher Fachkonferenzen, die zumeist in jährlichen bzw. dreijährlichen Abständen am Goetheanum stattfinden – symptomatischen Charakter, weshalb es sich auch in einer allgemeinen anthroposophischen Zeitschrift lohnt, darüber zu berichten. Symptomatisch deshalb, weil ein großer Teil der Entwicklung der Anthroposophie heute weltweit in diesen sogenannten »Tochterbewegungen« stattfindet, d.h. aber auch: nicht mehr nur in Mitteleuropa, sondern überall auf der Welt und in allen ihren Sprachen.
Zum VI. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft
Unter dem Titel ›Die Erweckung der inneren Wahrnehmungskraft – Aktivierung des Denkens und Umkehr des Willens‹ fand am 12. Mai 2017 im Rudolf Steiner-Haus Stuttgart das VI. Forschungskolloquium Meditationswissenschaft der Akanthos-Akademie statt. Es gab fünf Beiträge und mehrere Gesprächsrunden mit den rund 30 Teilnehmern des Kolloquiums, das jährlich zweimal stattfindet.
Ein Symposion zum 100-jährigen Bestehen der Eurythmieformen zum ›Traumlied des Olaf Åsteson‹
Es war 1910 anlässlich des in Oslo gehaltenen Vortragszyklus’ über die ›Mission einzelner Volksseelen‹, dass Rudolf Steiner durch die norwegische Schriftstellerin und Anthroposophin Ingeborg Möller-Lindholm vom ›Traumlied des Olaf Åsteson‹ erfuhr. Er ließ es sich von ihr aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzen und übertrug diese Prosafassung dann anschließend in eine rhythmische Form. In mehreren Vorträgen zwischen 1911 und 1914 erläuterte Steiner den Mysteriengehalt und die Inhalte des ›Traumliedes‹ für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft und schuf 1920 Eurythmieformen für das ›Traumlied‹, die in den Jahren 1921 bis 1922 insgesamt sechzehnmal von verschiedenen Ensembles zur Aufführung gebracht wurden.
Heutzutage ist es selten, dass man der Neuinszenierung einer Oper oder eines Theaterstücks noch etwas abgewinnen kann – dass man von einem Gesamtkunstwerk tief berührt wird, ist noch seltener. Umso überraschender erscheint in diesem Sommer die Umsetzung des 2001 erschienenen Albums ›Vespertine‹ der isländischen Popsängerin Björk durch das Nationaltheater Mannheim.