Wie können wir heute mit Naturgeistern leben?
Der junge Germanist Thomas Höffgen hat ein neues Buch mit dem Titel ›Nordische Naturgeister – Leben mit den Wesen des Waldes‹ (BoD 2024) vorgelegt, in dem er uns vor allem die Fülle solcher Phänomene bei den alten Germanen vorführen möchte. Höffgen hat bereits in mehreren Publikationen die Glaubenswelt unserer Vorfahren erforscht, und er tut das mit einem ungewöhnlichen Enthusiasmus – es scheint, als ob er einem immer noch tabuisierten Thema neues Leben einhauchen möchte, und dafür hat er auch einen ganz eigenen Lebensweg gewählt. Obwohl er in Germanistik mit einem exzellenten Buch über ›Goethes Walpurgisnacht-Trilogie‹ promovierte und auch eine gewisse Zeit als Universitätsdozent arbeitete, hat er sich ganz vom akademischen Betrieb entfernt und genießt dafür als freier Schriftsteller in naturreligiösen Kreisen immer mehr Akzeptanz. Für seine spirituell ausgerichtete Form der Philologie war wohl kein Platz an der Universität, und so veröffentlicht er seine Bücher heute in Eigenregie, um größtmögliche geistige Unabhängigkeit zu haben.
Zum Film ›Seelenlandschaften: Spirituelle Orte in Deutschland‹ von Rüdiger Sünner
Wem heute hierzulande, des gesch.ftigen Treibens überdrüssig, nach Waldesrauschen und weiten Landschaften zumute ist, der bucht einen Kurs in zertifiziertem Waldbaden oder setzt sich in den Flieger nach Island, Kanada oder womöglich gleich Neuseeland. Angesichts eines Zeitgeistes, der jene, die es sich leisten können, mit dem flüchtigen Ruhm eines spektakulären Selfies für die sozialen Medien in die entlegensten Gegenden treibt, ist jede Berichterstattung über Orte, die sich dem touristischen Würgegriff bislang weitgehend zu entziehen vermochten, eine Gratwanderung. Daher muss ein Film, der ›Seelenlandschaften‹ beleuchten will, sich an der Frage bewähren, ob die eingefangenen Bilder geeignet sind, zu Erhalt und Würdigung beizutragen, oder im Gegenteil einer massentouristischen Aneignung und damit Entseelung von Natur Vorschub zu leisten.
Zum 250. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (* 27. Januar 1775, † 20. August 1854)
Bei der anfänglichen Beschäftigung mit Jakob Böhmes Leben und Werk fiel mir das seltsame Wort »Ungrund« auf; es erinnert an Abgrund und vermittelt einen gewissen Schrecken, als sei es etwas noch weitaus Gefährlicheres. Der Mystiker Jakob Böhme (1575–1624) war in gewisser Weise ein Vorläufer der deutschen Romantik; er hat in Görlitz gelebt, als ein einfacher Schuhmacher zunächst. Seine Schriften setzten mit dem 25. Lebensjahr ein, nach seiner Schau anhand eines glänzenden Zinngefäßes, und tragen den Stempel des Selbsterlebten, des zutiefst durchlittenen geistigen Schauens. Sein erstes Manuskript, später ›Aurora oder Morgenröte im Aufgang‹ (1612/13) genannt, geriet in falsche Hände: in die des Stadtpfarrers Gregor Richter, der ihn beim Stadtrat anzeigte. Die evangelische Kirche bekämpfte Böhme und erteilte ihm Schreibverbot. Freunde ermutigten ihn, trotzdem weiterzuschreiben, und er tat es aus einem inneren Gebot heraus.
Zu Gregory Rupik: ›Remapping Biology‹
Als James Watson und Francis Crick 1953 die Struktur des Erbmoleküls DNA entdeckten, glaubten sie, das jahrtausendealte Geheimnis des Lebens gelüftet zu haben. Sie lösten damit eine wissenschaftliche und technische Revolution aus, die auf dem Glauben beruht, dass Lebewesen in Baconscher Manier (»Wissen ist Macht«) durch immer feinere Zergliederung bis hin zu ihren Molekülen und Atomen verstanden werden können. Tatsächlich ermöglichten die neuen Kenntnisse bald, Lebewesen gentechnisch zu manipulieren. Aus materialistischer Sicht war diese Entwicklung äußerst erfolgreich und kulminierte in der Veröffentlichung der menschlichen Genomsequenz im Jahr 2000, die der Öffentlichkeit in Anwesenheit von Bill Clinton und Tony Blair mit großem Medienaufwand verkündet wurde.
Zu Wolfgang Raddatz: ›Der umgekehrte Weg‹, in die Drei 6/2024
Bezug nehmend auf Wolfgang Raddatz’ Betrachtungen zu meinem neuesten Buch ›Das Licht der letzten Tage‹ erlaube ich mir, im Folgenden einige Anmerkungen, Ergänzungen und Hinweise zu den Intentionen und Methodenfragen unserer Forschung nachzutragen – erstens, um konkret auf einige Einwürfe von Wolfgang Raddatz zu antworten und auf bestimmte problematische Tendenzen, insbesondere in der Literatur zu Nahtoderfahrungen und verwandten Phänomenen (wie etwa der terminalen Geistesklarheit) hinzuweisen; zweitens, um die Herkunft eines Raddatz rätselhaft erscheinenden Zitats aufzulösen; drittens, um einige seiner Vorschläge zu einer möglichen vitalistischen Deutung der von uns untersuchten Sterbephänomene zu diskutieren; und viertens, weil ich anthroposophisch orientierte Kolleginnen und Kollegen auf diesem Wege dazu anstiften möchte, an der Gestaltung und Durchführung weiterer Forschung auf diesem noch jungen Forschungsgebiet mitzuwirken.
Zur ›Worldwide Biography Conference‹ vom 2. bis 6. November 2024 in Kyoto/Japan
Kyoto – die Kaiserstadt. Die Tempelstadt. Japan. Kirschblüten. Allerhand Assoziationen und innere Bilder breiteten sich in mir aus, als ich die Ankündigung lese: ›World Biography Conference 2024‹ in Kyoto. Da muss ich hin!
Ein Essay
Seit Jahren stoße ich an einer unsichtbaren Wand an, ich weiß nicht, ob es eine gläserne Decke ist oder in Wahrheit nur ein sanfter Schleier oder Vorhang, der keinen Schlitz, keine Öffnung hat und den man mit Gewalt zerreißen müsste, oder ob es eine Mauer ist aus Vorurteil und Furcht; ich weiß auch nicht, ob diese unüberwindbare Schwelle in mir selber ist oder den Anderen, der Welt. Ich ahne nur, dass sie darüber entscheidet, ob ich von so etwas wie der »Michael-Prophetie« gemeint bin oder nicht.
Betrachtungen zum Lebensgang Rudolf Steiners I
»[E]s war stets mein Bestreben, das, was ich zu sagen hatte, und was ich tun zu sollen glaubte, so zu gestalten, wie es die Dinge, nicht das Persönliche forderten. Es war zwar immer meine Meinung, daß das Persönliche auf vielen Gebieten den menschlichen Betätigungen die wertvollste Färbung gibt. Allein mir scheint, daß dies Persönliche durch die Art, wie man spricht und handelt, zur Offenbarung kommen muß, nicht durch das Hinblicken auf die eigene Persönlichkeit. Was aus diesem Hinblicken sich ergeben kann, ist eine Sache, die der Mensch mit sich selbst abzumachen hat.« – Die Aussage scheint einfach: Sachgemäß handeln und sich äußern, nicht aus persönlichen Motiven. Einsicht und Erkenntnis statt partikularer Interessen als Grundlage des Handelns bei gleichzeitiger Wertschätzung individueller Charakterzüge und Ausdrucksformen. Kaum eine Debatte zu Entscheidungsfragen, in der nicht diese Zielsetzung proklamiert würde. Persönliche Gründe sollen zurückstehen, sachliche Gründe haben Vorrang. Beginnt Rudolf Steiner am Ende seines Lebens seine autobiografischen Erinnerungen also mit einer Redensart? Oder muss nicht das Gesagte in seiner Bedeutung angesichts der Abendröte eines in seiner Fülle schier unermesslichen Lebens gerade an dessen Gehalt verständlich gemacht werden? Genau diesen Weg schlägt Rudolf Steiner bei der Niederschrift seines ›Lebensganges‹ ein.
Ihre Bewahrung und Erneuerung als Existenzfrage für Gegenwart und Zukunft
Es ist nun über hundert Jahre her, dass Rudolf Steiner die biologisch-dynamische Landwirtschaft auf Schloss Koberwitz bei Breslau im heutigen Polen begründet hat. Diese Form der Landwirtschaft ist nicht nur für unsere Zeit, sondern für die ganze Zukunft der Erde etwas ungeheuer Wichtiges. Aber nicht minder wichtig ist es, und zwar als Vorbereitung, um die Bedeutung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise überhaupt verstehen zu können, die Frage nach dem Wesen der Kulturlandschaft, nach ihrer Entstehung, ihrer Gefährdung und ihrer Zukunft zu stellen. Dafür muss ich zunächst weit ausholen.
Was ist das Paradies? Das muss man eigentlich niemandem erklären: Es gibt Ferienparadiese, Gartenparadiese, Schokoladen- oder Gurkenparadiese. Hunderte Ortsteile weltweit sind nach dem Paradies benannt. Es gibt Filme, Romane, selbst ein Asteroid trägt den Namen des Paradieses. Das Paradies ist eines der zentralen Urbilder im Christentum, im Judentum und im Islam. Auch wenn das Nirvana des Buddhismus und des Hinduismus auf einer etwas anderen Vorstellung dieses Paradieses beruhen, ist doch das Grundgefühl dasselbe: »Es ging uns einst sehr gut, jetzt geht es uns viel, viel schlechter, aber eines Tages wird es wieder …«
Die respirativen Funktionsträger Gaias
Wie viele Menschen liebe auch ich die Berge. Neben ihrer unbegreiflichen Schönheit und Majestät nehme ich sie als hohe geistige Wesen wahr. Ihre Lebensäußerungen empfinde ich, gemessen an menschlichem Sein, als so titanenhaft dimensioniert, dass sie das um Verstehen bemühte Bewusstsein mit ihrer Seinswucht gleichsam betäuben oder zumindest herabdämpfen. Zu diesem Problem tritt die Fremdartigkeit des Bergbewusstseins gegenüber menschlichem Bewusstsein hinzu. Entsprechend schwer fällt es mir, zu einem dialogischen Verstehen vorzudringen. Bei einem Phänomen, das ich die »Bergatmung« nenne, blieb mir, über die unmittelbare Wahrnehmung hinaus, ein tieferes Verständnis lange verwehrt. Erst durch die Sichtweise einer anthroposophisch erweiterten Physiologie wurden mir die inneren Zusammenhänge erkennbar. Für mich ist es eine der schönsten Arten, mit der von Rudolf Steiner eröffneten Anthroposophie zu leben, wenn sich deren Weisheitsgüter (die uns zunächst in verschriftlichter Buchform begegnen) völlig zwanglos in der Erfahrungswirklichkeit auf ungeahnte Weise bestätigen und zur lebendigen Anwendung bringen lassen. Darin liegt eine tiefe Glücksempfindung. Hiervon will der folgende Artikel (als einem möglichen Zugang) berichten.
Anmerkungen zu Daniel Nicol Dunlop
100 Jahre nach der Weihnachtstagung, also in dem Rhythmus, in welchem gewichtige Impulse erneut weltwirksam werden können, scheint ein gesteigertes Interesse an der rätselhaften Gestalt Dunlop aufzukommen. In dieser Lebensskizze liegt der Aspekt darauf, Dunlops Wesen und Wirken insbesondere im Zusammenhang mit Rudolf Steiner und der Anthroposophischen Bewegung als in Verbindung mit den Westlichen Mysterien und damit mit dem Mysteriengeschehen insgesamt stehend, zu verstehen. Die Tragik von Dunlops Schicksalsweg innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, aber auch das Zukunftspotenzial dieser Konstellation können heute besser erkannt werden.
Daniel Nicol Dunlop und die Mysterien der Erde
Der vorliegende Beitrag ist die Ausarbeitung eines Vortrags zur Tagung des D. N. Dunlop Instituts ›Die Mysterien der Freiheit und der Gemeinschaft – Daniel Nicol Dunlops Wirken als Esoteriker und Wirtschaftspraktiker‹ in Frankfurt am Main. Da die besonderen wirtschaftlichen Organisationsfähigkeiten Dunlops sich nicht aus seiner Biografie erklären lassen, wird untersucht, wie diese in einer früheren Inkarnation veranlagt worden sein könnten. In der Wirtschaftsorganisation des Templerordens tauchen viele Elemente auf, die von Dunlop aufgegriffen und an die Anforderungen seiner Zeit angepasst wurden.
Großbritannien unter Keir Starmer – Eine erste Bilanz
Als die Konservativen bei den britischen Wahlen im Juli letzten Jahres mit einem der schlechtesten Ergebnisse ihrer Geschichte die Macht verloren, löste es einen kollektiven Seufzer der Erleichterung aus, dass das Chaos, die Skandale und die pure Inkompetenz von 14 Jahren konservativer Regierung endlich vorbei waren: von David Cameron, der 2016 in das Brexit-Referendum mit seinen katastrophalen Folgen hineinschlafwandelte, über Theresa May, die wegen ihrer realistischeren Linie in den Brexit-Verhandlungen mit der EU dem unnachgiebigen, rechtsextremen Flügel ihrer Partei zum Opfer fiel, bis hin zu Boris Johnson, dessen loses Verhältnis zur Wahrheit und dessen Missachtung der Regeln während der Covid-Pandemie nicht in Vergessenheit geraten sind (jeder erinnerte sich noch an die Partys in der Downing Street, während es den »kleinen Leuten« verwehrt wurde, mit ihren Liebsten zu sein, die im Krankenhaus an COVID-19 starben).
Zum Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz
Am 17. Oktober 2024 hat der Bundestag dem neuen Krankenhaus-Reformgesetz von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zugestimmt, am 22. November auch der Bundesrat. Diese zweite Entscheidung kam überraschend schnell. Mehrere Bundesländer hatten Eingriffe in ihre Planungshoheit befürchtet und wollten den Vermittlungsausschuss anrufen. Angesichts bevorstehender Neuwahlen nach dem Bruch der Ampelkoalition waren sich die Länderchefs einig, dass eine Verbesserung des Gesetzes nicht mehr zu erzielen sei, aber Schaden entstünde, wenn es nicht käme. Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) wird nun umgesetzt werden müssen. Kritiker monierten, die Reform sei einseitig auf die Krankenhäuser zugeschnitten, und eine Verbesserung des Verhältnisses von niedergelassenen Ärzten und anderen therapeutischen Berufen, der Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung habe keine Berücksichtigung gefunden. Damit sind die Ziele einer folgenden Gesetzesänderung bereits benannt.
Manchmal nimmt ein Heft in den letzten zwei Wochen der Redaktionsarbeit eine andere Gestalt an als ursprünglich beabsichtigt war. So sollte dieses Heft mehrere Schwerpunkte haben, darunter einen literarischen. Die dafür vorgesehenen Artikel mussten nun auf eine spätere Gelegenheit verschoben werden, denn ein paar Beiträge, die schon längere Zeit vorlagen, und ein paar ganz neu hinzukommende ließen es geboten erscheinen, nur noch ein einziges Thema in den Mittelpunkt zu stellen.
Liebe Leserinnen und Leser, im Impressum der November/Dezember-Ausgabe 2024 der Drei durfte ich mich Ihnen bereits als neuer Herausgeber dieser Zeitschrift ankündigen. Für viele von Ihnen bin ich möglicherweise noch ein Unbekannter, da ich nicht aus dem Verlags- oder Wissenschaftsbereich komme. Mein beruflicher Weg führte mich durch verschiedene Bereiche der anthroposophischen Praxis: Ich begann als biologisch-dynamischer Gärtner, arbeitete als Sozialtherapeut, war viele Jahre Waldorflehrer und schließlich Dozent für Waldorfpädagogik. Durch die Anthroposophie erhielt ich für die Tätigkeit in diesen Berufsfeldern entscheidende Anregungen. Diese vielfältigen Stationen haben meinen Blick auf die kulturellen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit geprägt – Herausforderungen, die auch in den Inhalten der Drei aufscheinen.
Spirituelle Autobiografie
Fleischwerdung und Auferstehung der Laute
Ins Persönliche übersetzt
Kostbares, mühsam zu finden
Eine biblio-biografische Erinnerung an Wilhelm Horkel (1909–2012)
Protestantismus und Anthroposophie – das sind zwei offensichtlich unvereinbare geistige Strömungen. Dort der Protestantismus, neben der orthodoxen Kirche und dem Katholizismus die dritte konfessionelle Form des Christentums. Ihnen allen – und daneben verschiedenen Sondergemeinschaften – ist das Christus-Bekenntnis auf biblischer Grundlage gemeinsam. Und hier die Christologie von Rudolf Steiner, als eine Frucht der von ihm begründeten neuzeitlichen Anthroposophie. Bei allen Gesprächen mit kirchlichen Kreisen erlebe ich nach wie vor eine sie ablehnende Einheitsfront. Zwar begründete man in den 50er-jahren eine ›Kommission für Evangelische Kirche und Anthroposophie‹, später entstanden daraus verschiedenem Arbeitsgruppen. Dennoch besteht noch heute in kirchlichen Kreisen eine allgemeine Skepsis gegenüber übersinnlichen Offenbarungen – obgleich gerade die Bibel davon geprägt ist.
Zur Ausstellung ›Maurice de Vlaminck. Rebell der Moderne‹ im Museum Barberini Potsdam
Sehr sehenswert präsentiert noch bis zum 12. Januar 2025 das Museum Barberini in Potsdam eine Schau des französischen Malers Maurice de Vlaminck (1876–1958). Es ist, man staune, die erste Retrospektive dieses sehr wichtigen Vertreters der Fauves in Deutschland seit fast 100 Jahren. Das absolute Schwergewicht liegt auf Vlamincks kraftvollen, farbexplosiven Arbeiten seiner fauvistischen Phase und wird um spätere Werke gänzlich anderer Art ergänzt. Insgesamt 73 Gemälde von rund 50 Leihgebern aus zwölf verschiedenen Ländern werden gezeigt, unter Beteiligung der Albertina Wien, des Brooklyn Museums New York, des ›Fonds de Dotation Maison Vlaminck‹, des Tate London und der National Gallery of Art in Washington D.C. Den Kern bilden neun Gemälde aus der Sammlung Hasso Plattners, dem umfangreichsten Bestand an Vlaminck-Gemälden in Deutschland. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Von der Heydt-Museum in Wuppertal, wo die Schau vom 16. Februar bis 18. Mai 2025 zu sehen sein wird.
Der Hl. Pirmin (* um 690; † 753) und die Gründung des Klosters Reichenau vor 1300 Jahren
Im Januar 1988 hatte ich Gelegenheit, trotz fest geschlossener Mauer von der DDR an den Bodensee zu reisen. Studienfreunde, die nach gelungener Ausreise in die Bundesrepublik jetzt in Radolfzell lebten, beherbergten mich für einige Tage. Mein erster Weg dort führte mich auf die Insel Reichenau. Der Zug Richtung Konstanz hielt am Bahnhof Reichenau nahe dem Damm, der seit 1838 die Insel mit dem Festland verbindet. Es war ein kalter, nebliger Tag, an dem man nicht weit sehen konnte; gar nichts von der Kulisse der Alpen im Hintergrund, kaum die nahegelegenen Bäume der Pappelallee. Was mich hierher zog, war das sichere Gefühl, einen alten, geweihten Ort zu betreten, den ich als Deutsche und Europäerin unbedingt gesehen haben musste. Ich ging die etwa zwei Kilometer allein, einmal überholte mich ein Auto, der Fahrer hielt und bot mir an, mich mitzunehmen. Doch ich lehnte ab, zu sehr hätten mich praktische Erwägungen vom eigentlichen Erleben der Reichenau abgehalten.
Zu Thomas Brunner: ›Wilhelm von Humboldt als Wegbereiter einer menschenwürdigen Sozialgestaltung‹,
Thomas Brunner stellt seinem Buch über ›Wilhelm von Humboldt als Wegbereiter einer menschenwürdigen Sozialgestaltung‹ ein Zitat des Unternehmers und Kunstförderers Kurt Herberts voran, beginnend mit den Worten: »Ich glaube fest daran, dass wir ohne die Wahrung des Vermächtnisses Wilhelm von Humboldts unsere Gegenwart nicht meistern – und unsere Zukunft verlieren werden.« Diesem zunächst überzogen anmutenden Urteil aus dem Jahre 1986 möchte man nach der Lektüre dieser »kleinen Schrift« (S. 15) gern zustimmen. Wie der Untertitel schon sagt, versteht sie sich nicht als detaillierte Biografie, sondern vertieft sich in das Leitmotiv eines besonderen Schicksals. Dabei ist es dem Autor überzeugend gelungen, die einfühlsame und gedankenreiche Bildgestaltung dieser vielseitigen und tiefgründigen Persönlichkeit zugleich mit einer symptomatologischen Betrachtung des mitteleuropäischen Geisteslebens zu verknüpfen. Dieses Geistesleben als Urquell einer menschenwürdigen Gesellschaft war dem Autor stets ein besonderes Anliegen, wie er auch schon in früheren Arbeiten, etwa einem Bändchen über ›Friedrich Schillers künstlerisch-soziale Innovation‹ (Berlin 2005) gezeigt hat.
Zu Alexander Batthyány: ›Das Licht der letzten Tage‹
Der Kognitionswissenschaftler Prof. Dr. Alexander Batthyány (*1971), Direktor des Viktor-Frankl-Instituts für theoretische Psychologie in Wien, hat ein Buch zur terminalen Geistesklarheit Demenzkranker vorgelegt. Er selbst hat dieses Phänomen bei seiner Großmutter erlebt und sich zehn Jahre danach auf Spurensuche begeben. Weltweit wird eine Zahl von 55 Mio., in Deutschland rund 1,8 Mio. Demenzkranker genannt, die im Mittel rund zehn Jahre an der fortschreitenden Erkrankung leiden. 6% von ihnen erfahren eine solche spontan auftretende Geistesklarheit. Da dies in 93% der Fälle nur Minuten oder höchstens 48 Stunden vor Eintritt des Todes geschieht, wird dies als »terminale Geistesklarheit« (TG) bezeichnet.